Februar 2016


Wir kom­men zur Monats­end­fi­gur. Die Dame spiel­te u.a. die Wal­del­bin Tau­ri­el im „Hob­bit”, auf dass auch unser­eins sei­ne Freu­de am Film hat.
(PS: Freund *** glänzt mit dem unbe­dingt fest­hal­tens­wür­di­gen Ver­le­ser „Wal­der­bin”.)

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Wahr­lich spä­ter 29. Febru­ar 2016

Die CDU-Poli­ti­ke­rin Eri­ka Stein­bach hat mit einem Tweet – schreibt man das so? Ich ken­ne sonst nur Tweed – die kal­ku­lier­ba­ren übli­chen Refle­xe aus­ge­löst. Viel­leicht weil ihre Pro­gno­se all­zu wohl­mei­nend war? Wir schaf­fen das zwar, aber bis 2030 nun doch nicht. Laut UN-Schät­zun­gen wird die afri­ka­ni­sche Bevöl­ke­rung bis 2100 auf 4,4 Mil­li­ar­den wach­sen, 2050 hat sie sich dann immer­hin von einer Mil­li­ar­de heu­te auf 2,4 Mil­li­ar­den mehr als ver­dop­pelt, und Stu­di­en zufol­ge will ein reich­li­ches Drit­tel der Afri­ka­ner gern den schwar­zen Kon­ti­nent ver­las­sen. Indi­en wird Chi­na zwar über­ho­len, aber ins­ge­samt soll sich Asi­en bei fünf Mil­li­ar­den ein­pen­deln. Euro­pa indes wird von heu­te 740 Mil­lio­nen um 14 Pro­zent auf 639 Mil­lio­nen Ein­woh­ner abneh­men, sofern der Wan­de­rungs­wunsch der Afri­ka­ner nicht einen gegen­läu­fi­gen Trend ein­lei­tet – aber wer wird denn jetzt schon schwarz­ma­len? Deutsch­land soll nach UN-Berech­nun­gen zum Ende des Jahr­hun­derts rund 26 Mil­lio­nen Ein­woh­ner weni­ger haben, was etwa einem Drit­tel der heu­ti­gen Bevöl­ke­rung ent­spricht. Kurz­um: Mit der Pro­gno­se für 2030 war Stein­bach all­zu opti­mis­tisch, wengleich man nicht recht ver­steht, war­um sie nun aus­ge­rech­net auch von links ver­leum­det wird; schließ­lich hat sie doch nichts ande­res als den innigs­ten Wunsch­traum vie­ler Roter und Grü­ner, das suk­zes­si­ve Ver­schwin­den der Bio-Deut­schen, zum Aus­druck gebracht. Ist es, allem Mer­kel­schen Enga­ge­ment zum Trotz, Christ­de­mo­kra­ten jetzt schon ver­bo­ten, links­grü­ne völ­ki­sche Wichs­phan­ta­sien zu pos­ten, nur weil’s ein bis­serl zu früh dafür ist? 

Sich in die Spä­te schlep­pen­der 29. Febru­ar 2016

„Ermit­telt wird in alle Rich­tun­gen”: inter­es­san­ter Bericht über den Erkennt­nis­stand zum Baut­zener Asyl­heim­brand, hier.

29. Febru­ar 2016

„Anknüp­fend an Ihre gest­ri­gen Gedan­ken zu ambi­tio­nier­ten Per­sön­lich­keits­ent­fal­tern”, schreibt Leser***, „möch­te ich heu­te an unser ver­schmitzt lächeln­des Geburts­tags­kind G. Ros­si­ni erin­nern, das es immer­hin als Kom­po­nist und Koch (Tour­ne­dos…) zu Welt­ruhm gebracht hat. Ohne sei­ne Musik wäre doch bei­spiels­wei­se der Zeit­raf­fer-Sex (den frei­wil­li­gen mei­ne ich) in ‚A Clock­work Oran­ge’ nur halb so komisch.”

28. Febru­ar 2016

Durch einen Zufall las ich, dass der US-ame­ri­ka­ni­sche Völ­ker­recht­ler und His­to­ri­ker Alfred-Mau­rice de Zayas, hier­zu­lan­de vor allem bekannt wegen sei­ner Stu­di­en zur Ver­trei­bung der Deut­schen aus den Ost­ge­bie­ten, die ers­te Über­tra­gung von Ril­kes Gedicht­band „Laren­op­fer” ins Eng­li­sche ver­öf­fent­licht hat, außer­dem Gedich­te von Ril­ke, Hes­se und Eichen­dorff ins Eng­li­sche, Fran­zö­si­sche und Spa­ni­sche über­setzt habe und sel­ber Gedich­te schrei­be. Wie schön! Der Ägyp­to­lo­ge Jan Ass­mann erzähl­te mir ein­mal, dass er sich am Cem­ba­lo ver­su­che, der Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Her­fried Münk­ler hat (zusam­men mit sei­ner Frau) ein Lexi­kon der Renais­sance ver­öf­fent­lich; die Bei­spie­le lie­ßen sich fort­set­zen. Das erin­nert an die kul­tur­fom­me Ära des Bil­dungs­bür­ger­tums, als noch nahe­zu jeder Arzt oder Pro­fes­sor für Natur­wis­sen­schaf­ten Noten lesen konn­te, daheim ein Instru­ment spiel­te, pri­va­te For­schun­gen trieb, womög­lich Kurz­ge­schich­ten ver­fass­te und die Klas­si­ker täg­lich in Griff­wei­te hat­te (vom Phy­si­ker Helm­holtz wird berich­tet, er sei ver­spä­tet zu sei­ner eige­nen Hoch­zeit erschie­nen, weil er „im Goe­the gele­sen” habe). Man nahm damals Schil­lers Wort vom „Bruch­stück­men­schen” – neu­deutsch Fach­idi­ot – kol­lek­tiv ernst und ver­such­te, sich durch das Stre­ben in ande­re Sphä­ren zu ver­voll­komm­nen und sein Dasein so zu ver­edeln. Tem­pi pas­sa­ti? Nun, das muss jeder jeden Tag und für sich ganz allein entscheiden.

Sich run­den­der 27. Febru­ar 2016

Es stimmt, geehr­ter Herr***, was ein Rezen­sent von Deutsch­land­ra­dio Kul­tur zitiert hat, im ers­ten Band mei­ner Acta diur­na steht tat­säch­lich geschrie­ben, Wla­di­mir Putin sei „der ein­zi­ge ech­te Cha­rak­ter unter den der­zei­ti­gen Poli­ti­kern” (übri­gens steht dort „vor Netan­ja­hu”), aller­dings hat der Rezen­sent etwas weg­ge­las­sen, aus Grün­den, über die Sie gern spe­ku­lie­ren dür­fen, näm­lich die bei­den nicht ganz unwich­ti­gen Wört­chen „als Gestalt”. Ich habe auf die poli­ti­schen Füh­rer der Gegen­wart gewis­ser­ma­ßen aus der Per­spek­ti­ve Shake­speares zu bli­cken ver­sucht, und da gibt es an die­ser Aus­sa­ge nicht ein Iota zu kor­ri­gie­ren (wobei sich für die Komö­die all­mäh­lich Donald Trump anböte)…

Immer noch 27. Febru­ar 2016

„Sehr geehr­ter Herr Klo­n­ovs­ky, 
ich erlau­be mir, Sie auf unse­re mit Hil­fe der Fried­rich A. von Hayek-Gesell­schaft ehren­amt­lich orga­ni­sier­te Aka­de­mie der Frei­heit hin­zu­wei­sen. Viel­leicht gibt es in Ihrem Umfeld oder unter den Lesern Ihres Blogs talen­tier­te, poli­tisch inter­es­sier­te jun­ge Schü­ler oder ange­hen­de Stu­den­ten, für die eines der 20 Sti­pen­di­en für unse­re Som­mer­aka­de­mie in Fra­ge kom­men. Die Bewer­bungs­frist ist der 30. April 2016. 
Vie­le Grü­ße aus Texas,
Christoff­er Koch„

Aber gern und hier­mit gesche­hen.
(Anmer­kung für Inter­es­sier­te: Die Aka­de­mie tagt in Bran­den­burg, nicht in Texas.)

27. Febru­ar 2016

Erkennt jemand den Unter­schied?

Spä­ter 26. Febru­ar 2016

„Wir haben jeden Tag so viel rechts­ra­di­ka­le Kri­mi­na­li­tät und unter­ge­tauch­te bewaff­ne­te Nazis, wir haben es mit Feu­er­wehr­män­nern zu tun, die Brän­de legen, mit Dis­kus­si­ons­run­den, in denen wie selbst­ver­ständ­lich immer Rechts­ex­tre­me zu Wort kom­men, wenn es um Flücht­lings­po­li­tik geht – ehr­lich, es hat die Gren­ze des Lächer­li­chen schon längst über­schrit­ten”, schnapp­at­met eine kolum­nie­ren­de Wich­tig­tue­rin auf Zeit online. „Man kann gegen Rech­te, die seit Jah­ren Ter­ror aus­üben, nicht labern, schrei­ben und argu­men­tie­ren, man muss Poli­tik und Gesell­schaft gestal­ten! Wenn es sein muss, mit Not­stands­ge­set­zen gegen­über einem ent­hemm­ten und ent­fes­sel­ten Mob. Man muss Kund­ge­bun­gen vor Asy­l­ein­rich­tun­gen und Asyl­be­wer­bern ver­bie­ten. Tele­fo­ne von Pegi­da-Demons­tran­ten und ande­ren rechts­ra­di­ka­len Ver­ei­ni­gun­gen müs­sen abge­hört wer­den. (…) War­um kön­nen wir in Deutsch­land nicht ein ein­zi­ges Mal Aus­län­der beher­ber­gen und uns wie Men­schen beneh­men?” (Mehr hier.)

Zahl­rei­che Leser­kom­men­ta­re dazu sind von der Redak­ti­on gelöscht, der ers­te davon mit dem Hin­weis: „Ver­zich­ten Sie auf über­zo­ge­ne Pole­mik.„
Sehr komisch.

Komisch ist auch die Vor­stel­lung der täg­lich unter­tau­chen­den bewaff­ne­ten Nazis (hof­fent­lich wird ihr Pul­ver nicht nass), gera­de vor dem Hin­ter­grund, was hier in Wirk­lich­keit täg­lich auf- und nach der Ein­rei­se in beacht­li­cher Zahl sogleich wie­der abtaucht, ohne bei den Behör­den vor­stel­lig zu werden. 

Aber immer­hin, der­zeit herrscht so etwas wie Ober­was­ser bei den Het­zern von der ande­ren Sei­te. Was für ein kurio­ses Land, in dem die Moral­schei­ßer immer eine idea­le Sprech­si­tua­ti­on für ihre Denun­zia­ti­ön­chen vor­fin­den; man muss sich manch­mal echt zusam­men­rei­ßen, ihm nicht den Sturz ins Boden­lo­se zu wünschen. 

26. Febru­ar 2016

Die Füh­rer­gläu­big­keit unter Lin­ken ist zuwei­len erstaun­lich. So ver­traut ein Autor des FDJ-Nach­fol­ge- und auch irgend­wie Fort­set­zungs­blat­tes Jung­le World (der auch sonst nicht die hells­te Ker­ze auf der Tor­te zu sein scheint und die deut­lich anno­tier­te Her­kunft eines Tex­tes – mei­ne Web­sei­te – nicht zu erken­nen imstan­de ist) auf die Aus­sa­ge­kraft des poli­ti­schen Tes­ta­ments Hit­lers, in wel­chem kein Mas­sen­ster­bens­wört­chen über die gewünsch­te fina­le Ver­nich­tung des aus Füh­rer­bun­ker­sicht letzt­lich ent­täu­schend schwach ver­tei­di­gen­den deut­schen Vol­kes geschrie­ben steht. Den bekann­ten münd­li­chen Aus­sa­gen Hit­lers aus den spä­ten Kriegs­jah­ren, gip­felnd im Resü­mee, wenn sich das „stär­ke­re Ost­volk” durch­set­ze, sei das unter­le­ge­ne ger­ma­ni­sche es nicht wert zu über­le­ben, miss­traut der Autor, weil sie bloß „kol­por­tiert” sei­en, von Albert Speer, der ein unzu­ver­läs­si­ger Zeu­ge sei, von aus­län­di­schen Diplo­ma­ten, „denen Hit­ler kaum sein Herz geöff­net haben dürf­te” (anders als sei­ner ein­zi­gen Lie­be Speer übri­gens). Aber: „Der Grund für die Popu­la­ri­tät die­ser Zita­te ist ja, dass sie treff­lich den Mythos bedie­nen, die Deut­schen sei­en die eigent­li­chen Opfer Hit­lers gewe­sen.”  

Wenn ver­schie­de­ne Bekennt­nis­se eines Poli­ti­kers ein­an­der wider­spre­chen, schaut man am bes­ten auf sei­ne Hand­lun­gen, und durch die­se zieht sich – von den Hal­te­be­feh­len für die Ost­front und der Opfe­rung der Sechs­ten Armee über die Ver­bo­te, die Zivil­be­völ­ke­rung vor den vor­rü­cken­den Rus­sen in Sicher­heit zu brin­gen, bis hin zum soge­nann­ten Nero­be­fehl – neben der Ver­nich­tungs­wut gegen den Feind ein mons­trö­ses Des­in­ter­es­se am Schick­sal sei­ner „eige­nen” Leu­te. Bekannt­lich hat der Krieg, je deut­li­cher wur­de, dass er nicht zu gewin­nen war, des­to mehr Opfer gekos­tet. Für den sozi­al­dar­wi­nis­ti­schen Ego­ma­nen waren die Deut­schen nur eine Waf­fe im Ras­sen­kampf, und wenn eine Waf­fe sich als untaug­lich erweist, schmeißt man sie eben wütend in die Ecke. Zuletzt nahm unser Brau­nau­er Ali­en sei­ne ver­meint­li­chen Volks­ge­nos­sen als schie­re Bio­mas­se, die er um sich schich­te­te, auf dass sein Leben noch ein paar Wochen län­ger wäh­re, der­weil der Geg­ner sich erst noch durch die­sen Lei­ber­wall frä­sen muss­te. Als er sich am Ende sei­nes Amok­laufs zum Bilanz­selbst­mord die Pis­to­le an die Schlä­fe hielt, dürf­te die­sen XXL-Sar­d­a­na­pal die Aus­sicht erfreut haben, wie vie­le Fein­de, Getreue und Gei­seln ihn in den Tod beglei­ten muss­ten.

Der „Mythos”, die Deut­schen sei­en „die eigent­li­chen Opfer” Hit­lers gewe­sen, ist mir frei­lich nicht geläu­fig; viel­leicht ver­keh­re ich in all­zu gesit­te­ten Krei­sen. Womög­lich aber ver­birgt sich hin­ter sei­ner Her­bei­be­schwö­rung nur das pro­pa­gan­dis­ti­sche Inter­es­se, Hit­ler und die Deut­schen enger zu amal­ga­mie­ren, als dies, zumin­dest aus Füh­rer­sicht, gebo­ten scheint. Natür­lich ist es doof für einen stram­men Anti­deut­schen, sich aus­ge­rech­net mit dem Ober­teu­fel eine kur­ze Stre­cke syn­chron­schwim­men zu sehen. Mich indes amü­siert der Anblick.

PS: Leser*** schreibt: „Sehr geehr­ter Herr Klo­n­ovs­ky, zu Hit­ler stellt sich mir noch die Fra­ge, ob die Lin­ken denn wenigs­tens des­sen Per­son als Argu­ment gegen unge­zü­gel­te Ein­wan­de­rung gel­ten las­sen würden?”

24. Febru­ar 2016

Edith Rosh, die knuf­fi­ge deut­sche Wunsch­jü­din, die sich sel­ber in Lea Rosh umbe­nann­te, um nach­träg­lich sym­bo­lisch auf die Sei­te der Opfer zu wech­seln, eine Atti­tü­de, die tat­säch­li­che Shoa-Über­le­ben­de unge­mein zu beein­dru­cken pflegt, die Fern­seh­jour­na­lis­tin Edith Rosh also, als deren „Lebens­werk“ Wiki­pe­dia die Errich­tung des Ber­li­ner Holo­caust-Ste­len­fel­des anführt, obwohl ihr muti­ger Kampf gegen das „Nie­der­sach­sen­lied“ eben­falls wert wäre, in die lebens­werk­li­chen Dimen­sio­nen empor­ge­prie­sen zu wer­den, die Gedenk-Domi­na Edith „Lea“ Rosh denn hat in der Welt eine Anzei­ge ver­öf­fent­licht, wel­che in Ver­sa­li­en anhebt mit den geflü­gel­ten Wor­ten (die eigent­lich von mir stam­men; ich äußer­te sie erst­mals anno 1990 in einem Straß­bur­ger Restau­rant beim Anblick der fina­len Käse­plat­te):

„Wir schaf­fen das!

Frau Bundeskanzlerin!

Sie haben unser Land ver­wan­delt. Man hat kei­ne Angst mehr vor Deutsch­land, im Gegen­teil: man will nach Deutsch­land. Nach den Schre­cken, den Unta­ten, die von Deutsch­land aus­gin­gen, ist das auch für uns eine neue wun­der­ba­re Erfahrung.“

Der erst Satz ist ohne Zwei­fel rich­tig, Frau Mer­kel hat die­ses Land ver­wan­delt. Ansons­ten wur­de die­ser Text offen­kun­dig von einem Men­schen ver­fasst, der ent­we­der Inter­es­sen und/oder nicht die gerings­te Ahnung von Geschich­te besitzt. In der Zeit, bevor Mer­kel das Land ver­wan­del­te – wir wer­den in den nächs­ten Jah­ren sehen, in was –, kamen bekannt­lich meh­re­re Mil­lio­nen Tür­ken, Ita­lie­ner und Polen nach Deutsch­land, und wenn ich recht im Bil­de bin, war unter die­sen Men­schen die Angst vor Deutsch­land ver­blüf­fend unaus­ge­prägt; außer Akif Pirincci, der sich zu sei­nem Unglück sogar auf die Deutsch­land­lie­be ver­stieg, wird auch bis heu­te kaum einer von ihnen poli­tisch ver­folgt. Doch schon seit – zumin­dest für Frau Rosh – Olims Zei­ten reis­ten Men­schen ver­gleichs­wei­se angst­frei dau­er­haft in deut­sche Lan­de ein, wobei die­se Angst­frei­heit sich etwa für Salz­bur­ger Pro­tes­tan­ten oder fran­zö­si­sche Huge­not­ten erst ein­stell­te, als sie end­lich preu­ßi­schen Boden unter den Füßen wuss­ten; zuvor muss­ten sie gewis­se Näch­te über­le­ben, deren berühm­tes­te den Namen eines der zwölf Apos­tel trägt und zu Paris zele­briert wur­de. Auch unter den mus­li­mi­schen Bos­nia­ken, die in der fri­de­ri­zia­ni­schen Armee Dienst taten, scheint die Angst vor Deutsch­land kon­trol­lier­bar gewe­sen zu sein. Fjo­dor Dos­to­jew­ski wie­der­um wech­sel­te zwar stän­dig die Spiel­ban­ken – sein im „Spie­ler“ ver­ewig­tes Mar­ty­ri­um führ­te ihn erst nach Wies­ba­den, dann nach Baden-Baden und schließ­lich nach Bad Hom­burg –, doch wenn die Legen­de nicht fal­sche Tat­sa­chen vor­täuscht, hat­te er nur Angst vor gewis­sen Gläu­bi­gern, die mehr­heit­lich nicht ein­mal Deut­sche waren. Sein Kol­le­ge Vla­di­mir Nabo­kov emi­grier­te vor einem leicht exzen­tri­schen Gesell­schafts­ex­pe­ri­ment, das gleich­wohl bis heu­te Für­spre­cher in den deut­schen Feuil­le­tons besitzt, anno 1917 aus sei­ner rus­si­schen Hei­mat nach Ber­lin, wie Aber­tau­sen­de sei­ner Lands­leu­te auch, von denen sich die wohl­ha­ben­de­ren in Char­lot­ten­burg nie­der­lie­ßen, wes­halb sich die Bezeich­nung „Char­lot­ten­grad” eta­blier­te, und aus die­ser Kli­en­tel ist eben­falls kei­ner­lei Angst­be­kennt­nis gegen­über irgend­ei­nem im Exil­land wal­ten­den Schre­cken über­lie­fert. Jener hub erst 1933 an, ver­trieb unter ande­rem Nabo­kov nach Ame­ri­ka, und ende­te bekannt­lich 1945. Zwölf Jah­re von tausend. 

Jedoch für Per­so­nen solch ideo­lo­gi­sier­ten Schla­ges ist dies die essen­ti­el­le Zeit, wäh­rend die hell­deut­sche Geschich­te unge­fähr 1968 beginnt, wenn­gleich sie 1945 als das Geburts­jahr ihres bes­se­ren Lan­des begrei­fen, nur war die Nach­kriegs­re­pu­blik zwar gott­lob geteilt und besetzt, aber eben noch voll mit Nazis, Kon­ser­va­ti­ven, Katho­li­ken, Patri­ar­chen, Adli­gen, Gesin­nungs­müt­tern, Ver­trie­be­nen, Reak­tio­nä­ren und ande­ren Orks. Das muss­te erst alles ver­schwin­den, ehe die wirk­li­che hell­deut­sche Geschich­te anhe­ben konn­te. Und die unwe­sent­li­che Zeit vor 1933 fällt unter Weg­be­rei­tung der essen­ti­el­len, der aller­schlimms­ten Jahre.

PS: „Sehr geehr­ter Herr Klo­n­ovs­ky, zu Ihrem Arti­kel fiel mir ein Witz ein, der vor eini­gen Jah­ren in der Ber­li­ner jüdi­schen Gesell­schaft kur­sier­te und die Dame wun­der­bar auf den Punkt brach­te. Ver­mut­lich ken­nen Sie ihn schon, falls aber nicht, wäre es zu scha­de, wenn er Ihnen ent­gin­ge: ‚Wer hat einen Dach­scha­den, wäre aber lie­ber meschugge?’“ 

22. Febru­ar 2016

Darf man, fragt Freund*** kum­mer­voll, nach Claus­nitz noch Gedich­te schreiben?

18. Febru­ar 2016

Dass der Chef der Zür­cher Welt­wo­che, Roger Köp­pel, neu­er­dings für die Schwei­ze­ri­sche Volks­par­tei im Natio­nal­rat sitzt, „schränkt sei­nen Denk­raum wei­ter ein“, sta­tu­iert der Spie­gel-Jour­na­list Tho­mas Hüet­lin. Das könn­te sogar stim­men – aber war­um ist die­se For­mu­lie­rung im Spie­gel weder gebräuch­lich noch vor­stell­bar, wenn es um den Denk­raum eines grü­nen Abge­ord­ne­ten gin­ge? Weil der vor­her schon hin­rei­chend eng war? Was den Schwei­zer Unru­he­stif­ter angeht, wer­den wir wei­ter­hin belehrt, sei­ne Poli­tik sei „res­sen­ti­ment­ge­trie­ben“. Kurz zuvor reiht Hüet­lin eine Art Schlüs­sel­ro­man eines ehe­ma­li­gen Welt­wo­che-Mit­ar­bei­ters unter die Ankla­ge­punk­te, wel­cher beschrei­be, wie der Chef­re­dak­teur einer Wochen­zei­tung „immer mehr dem rech­ten Den­ken und dem Res­sen­ti­ment ver­fällt”.  – Hal­ten wir kurz inne: Wenn ein eher unbe­kann­ter Jour­na­list einen bekann­ten Jour­na­lis­ten angreift, ein Ange­stell­ter einen erfolg­rei­chen Unter­neh­mer, ein poli­ti­scher Räson­nie­rer einen aus dem Stand ins Par­la­ment gewähl­ten Poli­ti­ker, und sich dabei als Besit­zer einer angeb­lich mora­li­sche­ren Welt­sicht auf­spielt, was ist das ande­res als sor­ten­rei­nes Res­sen­ti­ment?

Lasst uns, lie­be Kin­der und ver­ein­zel­te Eltern, heu­te also über das Res­sen­ti­ment reden. Es bedarf kei­nes empi­ri­schen Nach­wei­ses, dass mit dem Begriff in der hie­si­gen Öffent­lich­keit nahe­zu aus­schließ­lich gegen „rechts” han­tiert wird, das ist ein­deu­tig. Sogar der Ver­fas­ser die­ses Dia­ri­ums, gewiss einer der res­sen­ti­ment­frei­es­ten Men­schen in sei­nem Haus­gang, sah sich mit die­sem Vor­wurf kon­fron­tiert, gewis­ser­ma­ßen sum­ma­risch, denn ein Rezen­sent des Deutsch­land­ra­di­os ver­wies ihn mit dem Dekret „Die Schwä­che des rech­ten Den­kens ist das Res­sen­ti­ment, die Schwä­che des lin­ken Den­kens die Phra­se“ des dis­kur­si­ven Fel­des. Quod erat hin­rei­chend demonstrandum. 

Was aber bedeu­tet eigent­lich Ressentiment? 

Zunächst ein­mal: Der Vor­wurf ist ehren­rüh­rig. Gemeint ist eine schwe­len­de, sinist­re, enge, dump­fe Gemüts­ver­fasst­heit, die ande­ren Böses wünscht. Wenn wir von „aus­län­der­feind­li­chen Res­sen­ti­ments“ hören, von „ras­sis­ti­schen Res­sen­ti­ments“, von den „Res­sen­ti­ments der alten wei­ßen Män­ner“ oder (frei­lich zuneh­mend sel­te­ner) von „anti­se­mi­ti­schen Res­sen­ti­ments“, ist uns klar, dass jeder, den die Vor­wür­fe tref­fen könn­ten, aus der Gemein­schaft der Anstän­di­gen bes­ser aus­zu­schlie­ßen ist. Bezie­hungs­wei­se er es schon selbst erle­digt hat. Res­sen­ti­ment scheint so etwas wie mora­li­sche Krät­ze zu sein. 

Eine halb­wegs adäqua­te Über­set­zung des fran­zö­si­schen Wor­tes lau­tet „Groll”, näher­hin ist ein heim­li­cher Groll gemeint. Der Groll unter­schei­det sich vom Zorn dadurch, dass er sich nicht aus­agiert, son­dern vor sich hin schwelt und brü­tet. Er nagt an dem Grol­len­den und ver­düs­tert sein Leben. Etwas nagt an dem Grol­len­den und ver­düs­tert sein Leben. Dar­aus lässt sich zunächst ein­mal fol­gern, dass die­ses Etwas stark genug sein muss, den Grol­len­den in sei­ner Aver­si­on ver­har­ren zu las­sen. Das Res­sen­ti­ment kann sich nicht – bezie­hungs­wie­se nicht direkt – aus­agie­ren. Res­sen­ti­ment rich­tet sich immer nur von unten nach oben. Es ist ein Zei­chen von Ohn­macht. Wer immer das Wort ver­wen­det, soll­te sich das zunächst vor Augen füh­ren. Wer „aus­län­der­feind­li­che Res­sen­ti­ments“ in sich trägt, ist gewiss kein Plan­ta­gen­be­sit­zer, noch wohnt er in einer Villengegend.

Aber ist der Begriff über­haupt seman­tisch sinn­voll zu umgren­zen? Hat­te etwa Spar­ta­kus ein Res­sen­ti­ment gegen Rom? Gab es unter den Män­nern des 20. Juli 1944 ein Res­sen­ti­ment gegen Hit­ler? Heg­ten die ver­folg­ten Juden Res­sen­ti­ments gegen die Nazis? Man sieht sogleich, der Groll muss eine nega­ti­ve mora­li­sche Dimen­si­on bekom­men, sich gegen etwas Aner­kann­tes, Posi­ti­ves rich­ten, damit er sich im Kraft­feld des Zeit­geis­tes zum „Res­sen­ti­ment” auf­la­den kann. Damit wird der Begriff aber mora­lisch gefasst, also rela­tiv, und für die Beschrei­bung einer Gesell­schaft unge­fähr so ergie­big wie das pto­le­mäi­sche Welt­bild für jene unse­res Son­ne­nen­sys­tems. Ein paar lin­ke Schlau­mei­er haben ein ele­gan­ter als alle deut­schen Ent­spre­chun­gen klin­gen­des Fremd­wort geka­pert und in ihren Herr­schafts­dis­kurs ein­ge­speist. Der Jour­na­list zieht ver­läss­lich mit. Res­sen­ti­ment ist folg­lich alles, was schwe­lend böse ist und dem von Fall zu Fall neu zu defi­nie­ren­den Men­scheits­fort­schritt irgend­wie im Wege liegt. Aber dann könn­te man doch gleich „schwe­lend böse” sagen oder vom dump­fen Groll spre­chen? Wut ist Wut, Hass ist Hass, Geiz ist Geiz, Neid ist Neid, Groll ist Groll. Ohn­mäch­ti­ger Groll ist ohn­mäch­ti­ger Groll, und so fort. Was wäre das Beson­de­re am Ressentiment?

Um zu beschrei­ben, aus wel­chen nega­ti­ven Ener­gien sich Pöbe­lauf­stän­de wie die fran­zö­si­sche Revo­lu­ti­on oder die 68er Stu­den­ten­un­ru­hen speis­ten, ver­wen­det heu­te kaum jemand den Ter­mi­nus Res­sen­ti­ment (zumal in dem Augen­blick, wo es sich tri­um­phie­rend durch­ge­setzt hat, es schon wie­der kei­nes mehr im Sin­ne des heim­lich schwä­ren­den Grolls wäre, son­dern jenes der besieg­ten Gegen­sei­te aus­lös­te). Die Moti­ve für die besag­ten Auf­stän­de sind mit Wor­ten wie Neid, Wut, Hass, Zorn hin­rei­chend beschrie­ben. Nicht ein­mal wenn wir nach dem Gegen­stück des Res­sen­ti­ments suchen und es im Gön­nen fest­ma­chen, gera­ten wir ins Ein­deu­ti­ge­re, denn Gön­nen gin­ge auch als das Gegen­teil etwa des Nei­des oder der Miss­gunst durch. Man wird fest­stel­len, dass Res­sen­ti­ment kein beson­ders frucht­ba­rer Begriff ist, des­sen wahl­los-geziel­te Ver­wen­dung in der Gegen­wart sich wohl ledig­lich sei­nem Haut­gout, sei­ner pejo­ra­ti­ven Kraft ver­dankt. Es sei denn, man voll­zieht jene ent­schei­den­de Wen­dung, die Nietz­sche ihm gab. Ein Res­sen­ti­ment, das den Namen ver­dient, ist schöp­fe­risch, und zwar gegen-schöp­fe­risch. „Der Skla­ven­auf­stand der Moral beginnt damit, daß das Res­sen­ti­ment selbst schöp­fe­risch wird und Wer­te gebiert: das Res­sen­ti­ment sol­cher Wesen, denen die eigent­li­che Reak­ti­on, die der Tat, ver­sagt ist, die sich nur durch eine ima­gi­nä­re Rache schad­los hal­ten“, heißt der berühm­te Pas­sus in Nietz­sches „Genea­lo­gie der Moral“ (1. Abhand­lung, 10. Abschnitt). „Die Schwä­che soll zum Ver­dienst umge­lo­gen wer­den“, fährt der Phi­lo­soph fort (1,14). „das Sich-nicht-rächen-Kön­nen heißt Sich-nicht-rächen-Wol­len“. Nietz­sche ver­or­te­te die­ses schöp­fe­ri­sche Res­sen­ti­ment bekannt­lich in der jüdisch-christ­li­chen Tra­di­ti­on, in wel­cher eine schlaue Pries­ter­kas­te die Ohn­macht zur Tugend umde­fi­niert habe bzw. durch­aus hat; dies soll uns hier nicht inter­es­sie­ren. Dass die Bot­schaft Chris­ti im Kern voll­kom­men res­sen­ti­ment­frei ist, steht für mich außer Zwei­fel (und auch Nietz­sche hät­te in die­sem Fall wohl zugestimmt). 

Das Res­sen­ti­ment, das die­sen Namen ver­dient, wird also tätig, aber es atta­ckiert nicht direkt, son­dern auf Schleich­we­gen, es greift nicht das Über­le­ge­ne und Vor­treff­li­che an, son­dern behaup­tet, es exis­tie­re über­haupt nichts Über­le­ge­nes und Vor­treff­li­ches bezie­hungs­wei­se es sei woan­ders zu fin­den, und alles, was bis­lang als vor­treff­lich gegol­ten habe, sei unter mora­li­schen Gesichts­punk­ten anrü­chig, dis­kri­mi­nie­rend, ein blo­ßes Macht­mit­tel, eine Kon­ven­ti­on, ein „Kon­strukt”. Es han­delt sich kei­nes­wegs um Res­sen­ti­ment, wenn sich Men­schen gegen eine Tyran­nei erklä­ren; ein Macht­lo­ser, der nach Macht oder „Teil­ha­be“ ver­langt, ist ein völ­lig nor­ma­ler Fall, war­um soll­te man ihn mit Ress­sen­ti­ment in Ver­bin­dung brin­gen? Res­sen­ti­ment wird dar­aus, wenn der Macht­lo­se behaup­tet, Macht sei schlecht. (Erzäh­le jetzt kei­ner vom Bar­füß­ler Gan­dhi, der wuss­te sehr wohl, wie man Macht gebraucht.) Der Fuchs, der nicht an die Trau­ben kommt und beteu­ert, sie sei­en ihm viel zu sau­er, befin­det sich mit die­sem Argu­ment auf dem Wege ins Res­sen­ti­ment, aber voll erblüh­te die­ses erst in der Behaup­tung, süß sei schlecht (um ein tref­fen­des Bild Max Schelers zu gebrau­chen). Wer behaup­tet, er ent­stam­me zwar kei­ner gro­ßen alten Fami­lie mit Tra­di­ti­on, aber er kön­ne das­sel­be leis­ten wie jemand mit die­sem erlauch­ten Pedigree, mag recht haben oder nicht, aber erst, wenn er sag­te: Tra­di­ti­on ist schlecht, wert­los, dis­kri­mi­nie­rend etc., agier­te er im Ban­ne des Ressentiments. 

Wenn dem so ist, dann gelangt man rasch zu der Erkennt­nis, dass das Res­sen­ti­ment weit eher auf sei­ten der (nei­di­schen) Lin­ken zu fin­den sein muss als auf jener der (gei­zi­gen) Rech­ten. Die Lin­ke ver­sucht schließ­lich, das Bestehen­de unter stän­di­gen Legi­ti­ma­ti­ons­druck zu set­zen, sie atta­ckiert unent­wegt Insti­tu­tio­nen, Tra­di­tio­nen, Gepflo­gen­hei­ten, Kon­ven­tio­nen und Kon­stan­ten unter dem Hin­weis dar­auf, die­se sei­en unge­recht, eli­tär, hier­ar­chisch, patri­ar­cha­lisch, ras­sis­tisch, sexis­tisch, nicht mehr zeit­ge­mäß, schlös­sen Men­schen aus etc pp. Hier gibt es nicht nur für das Gerech­tig­keits­emp­fin­den, son­dern auch für das Res­sen­ti­ment ein unüber­schau­ba­res Betä­ti­gungs­feld. Intel­lek­tu­el­le Moden wie Femi­nis­mus, Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus, Gen­der Stu­dies, Post­struk­tu­ra­lis­mus sind ohne das unter­schwel­li­ge Wir­ken von Res­sen­ti­ment­kräf­ten gar nicht denk­bar, wie über­haupt die geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Fakul­tä­ten an den Uni­ver­si­tä­ten veri­ta­ble Res­sen­ti­ment­kraft­wer­ke bil­den, in denen Benach­tei­li­gungs­ge­füh­le durch Dis­kurstur­bi­nen gelei­tet und in mora­li­sche Erpres­sungs­en­er­gien umge­wan­delt wer­den. Das gan­ze Pro­jekt „Diver­si­ty” ist ange­wand­tes Res­sen­ti­ment, es rich­tet sich in Wahr­heit gegen jede Dis­tink­ti­on, jede Art von Vor­nehm­heit, Erle­sen­heit und Beson­ders­sein. Das Res­sen­ti­ment will die Herr­schaft des Mit­tel­ma­ßes (und viel­leicht wird der Pla­net ja anders nicht zu ret­ten sein als ver­mit­tels durch­ge­setz­ten Mit­tel­ma­ßes), des­we­gen gedeiht es gemein­hin nicht bei Men­schen mit einem IQ unter 100, son­dern in jenen Intel­li­genz­re­gio­nen, die von Dumm­heit und Genia­li­tät glei­cher­ma­ßen weit ent­fernt sind. Ein­zig in his­to­ri­schen Aus­nah­me­si­tua­tio­nen, wenn etwa Rom herrscht und der ver­meint­li­che Erlö­ser am Kreuz endet, kann es vor­kom­men, dass sich ein Genie ins Res­sen­ti­ment ver­irrt und die pau­li­ni­sche Umwer­tung vornimmt.

Und so lässt sich letzt­lich aus dem teil­ergie­bi­gen Begriff wenigs­tens eine per­sön­li­che Leh­re zie­hen: Man prü­fe sein Den­ken und Urtei­len stets genau dar­auf, ob sich Res­sen­ti­ment hin­ein­ver­irrt hat. Und wenn, dann ver­wer­fe man den gesam­ten Gedanken. 

12. Febru­ar 2016

Der­sel­be Wein schmeckt bekannt­lich aus ver­schie­den geform­ten Glä­sern ganz leicht unter­schied­lich; ein ähn­li­ches, wenn­gleich weit durch­schla­gen­de­res Phä­no­men ist zuwei­len auch beim „Geschmack” ein- und des­sel­ben Tex­tes in ver­schie­de­ner Umge­bung zu beob­ach­ten. Ich mei­ne dabei nicht die Tat­sa­che, dass ein Arti­kel in einem ange­se­he­nen Peri­odi­kum immer seriö­ser wirkt, als wenn der­sel­be Arti­kel in einer Stu­den­ten­zei­tung stün­de; das ist nor­ma­ler Selbst­be­trug. Vie­le Men­schen schei­nen aber der Ansicht zu sein, dass die Qua­li­tät eines Tex­tes davon abhängt, wer ihm bei­pflich­tet und wer nicht, ja nicht nur das: Sie mei­nen offen­bar, die Qua­li­tät ver­än­de­re sich gera­de­zu dadurch. Der­sel­be Gedan­ken­gang, den sie am Mor­gen noch glän­zend fan­den, kommt ihnen am Nach­mit­tag anrü­chig vor, nach­dem sie gele­sen haben, wie­vie­le Falsch­mei­ner den Text, wor­in er ent­wi­ckelt wur­de, „gelik­ed“ und kom­men­tiert und wie­vie­le maß­geb­li­che Ver­tre­ter des Estab­lish­ments ihn ver­ur­teilt haben. Plötz­lich fällt ihnen auf, welch gefähr­li­che Asso­zia­tio­nen in die­sem Text ver­bor­gen lie­gen, auf wel­che radi­ka­len Fol­ge­run­gen er hin­aus­lau­fen könn­te. Ihre Sym­pa­thie für den Autor beginnt zu ver­flie­gen; im Grun­de sind sie ihm sogar ein biss­chen böse dafür, auf wel­ches Eis er sie geführt hat und wel­che Begeis­te­rung er dabei aus ihnen zu kit­zeln ver­moch­te. Am Mor­gen wer­den sie sich erst­mals öffent­lich von die­sem Autor distanzieren. 

Nur der Text ist unver­än­dert geblieben.


Spä­te­rer 9. Febru­ar 2016

Der soeben ver­stor­be­ne R. Wil­lem­sen ist für mich inso­fern inter­es­sant, als er einen Trend ver­kör­per­te, den ich bereits län­ger beob­ach­te: Immer mehr west­li­che Y‑Chromosombesitzer ster­ben als gro­ßer Jun­ge (oder, wenn’s am Ende schnell geht, als juve­ni­ler Greis); das Sta­di­um des Man­nes, zumal des rei­fen Man­nes, las­sen sie ein­fach aus. 

Jetzt erst gese­hen: Im aktu­el­len Spie­gel froh­lockt das Pen­dant unge­fähr eines Quäs­tors aus dem Jah­res 407 dar­über, dass es kei­nen ein­zi­gen ger­ma­ni­schen Bar­ba­ren zu den Par­thern, quatsch, Sas­sa­ni­den,  zieht, dass sie alle­samt nur nach Rom wollen… 

9. Febru­ar 2016

„Was die­se Kon­struk­ti­vis­tIn­nen alles zusam­men­kon­stru­ie­ren”, schreibt Leser ***, auf den Brief vom Vor­abend Bezug neh­mend. „Ich bin in Deutsch­land gebo­ren, aber sicher kein Deut­scher. Wie könn­te ich? War­um soll­te ich? Und das muss, weil über­haupt kein Pro­blem, auch nicht beson­ders ‚dis­kur­si­viert’ werden…”

Nein, geehr­ter Herr ***, das muss es in Ihrem Fall nicht, der­glei­chen intel­lek­tu­el­le Turn­übun­gen wer­den aus­schließ­lich für jene eth­ni­schen Grup­pen ver­an­stal­tet, deren Ange­hö­ri­gen der gesell­schaft­li­che Auf­stieg signi­fi­kant häu­fig ver­sagt bleibt. Was stets weni­ger an den besag­ten Grup­pen, ihren Sit­ten, Bräu­chen oder, hui!, Genen liegt, son­dern weit mehr an den wei­ßen Auf­nah­me­ge­sell­schaf­ten. Also Ost­asia­ten blei­ben einst­wei­len von der Unter­stel­lung ver­schont, ihre Fremd­heit sei von den deut­schen Lan­tenz­ras­sis­ten „kon­stru­iert”, weil sie aus eige­ner Kraft auf­stei­gen und kei­ne intel­lek­tu­el­len Für­spre­cher benö­ti­gen. Für Letz­te­re ist das Spiel recht sim­pel: Sie kön­nen sich als Tugend­hel­den auf­füh­ren, wenn sie Par­tei ergrei­fen für die Dis­kri­mi­nier­ten bzw. Sich-dis­kri­mi­niert-Füh­len­den die­ser Erde, dem je ange­sag­ten lin­ken Theo­rie­de­sign sich anschmie­gend, und zugleich las­sen sie sich via Staats­kne­te von ihren latenz­ras­sis­ti­schen Lands­leu­ten ali­men­tie­ren, denn in der rau­hen Luft der Markt­wirt­schaft wären die­se Tan­ten bei­der­lei kon­stru­ier­ten Geschlechts ja nicht beson­ders überlebensfähig. 

Mit­ter­nachts­na­her 8. Febru­ar 2016

„Sehr geehr­ter Herr Klonovsky,

zu Ihrem Ein­trag vom 8. Febru­ar möch­te ich Sie auf Fol­gen­des auf­merk­sam machen:
(…)
Der Begriff ‚post­mi­gran­tisch’ wird seit lan­gem ver­wen­det. Muss ich aus der Tat­sa­che, dass Sie hin­ter die­sen Begriff ein ’sic!’ set­zen, schlie­ßen, dass Ihnen das – eben­falls – unbe­kannt ist? Mein Ein­druck ist, dass Ihnen die­ser Begriff nicht nur unbe­kannt ist, son­dern dass Sie ihn auch miss­ver­ste­hen. Auch wenn Leu­te wie Sie offen­sicht­lich schon in ihren her­me­neu­ti­schen und intel­lek­tu­el­len Fähig­kei­ten von ihren poli­ti­schen Affek­ten so beein­träch­tigt sind, dass Sie hier Ihrem Wunsch­den­ken auf den Leim zu gehen schei­nen, meint der Begriff nicht das Ende von Migra­ti­on, son­dern den Zustand nach der erfolg­ten Migra­ti­on, also den Zustand, den Ihre Frau seit lan­gem auf eine sehr erfolg­rei­che und bewun­derns­wer­te Art und Wei­se erreicht hat. Übri­gens: El-Tay­eb weist in Ihren Publi­ka­tio­nen auch dar­auf hin, dass als ‚undeutsch’ heu­te ande­re Iden­ti­tä­ten dis­kur­si­viert wer­den als etwa in der Zeit vor 1945. Da war ‚undeutsch’ zeit­wei­lig fast syn­onym mit ‚jüdisch’. Das beweist die his­to­ri­sche Dimen­si­on (nicht nur) der deut­schen Iden­ti­täts­po­li­tik und die beson­de­re Bedeu­tung, die For­men des (zumal ras­si­fi­zie­ren­den) Aus­schlus­ses dar­aus dabei haben; Ein­sich­ten, über die Sie sich in Ihrem Post lus­tig zu machen oder die Sie intel­lek­tu­ell zu über­for­dern schei­nen. Ich gehe fest davon aus (und wür­de Ihnen dabei aus­nahms­wei­se ein­mal zustim­men), dass Sie jedem, der das Deutsch­sein Ihrer Frau, auf jeden Fall aber das Ihrer gemein­sa­men Kin­der in Fra­ge stel­len wür­de, auf die Nase geben würden.

Den gesun­den Men­schen­ver­stand gegen die The­se des Buchs zu beschwö­ren, wie Sie es mit Ihrem Davi­la-Zitat nahe­le­gen, ist die Rhe­to­rik der­je­ni­gen, die kei­ne Argu­men­te haben. Ich kon­sta­tie­re Ihnen ger­ne eine gewis­se sprach­li­che Qua­li­tät in der Arti­ku­la­ti­on Ihrer Argu­ment­lo­sig­keit. Das scheint Ihnen ja sehr wich­tig zu sein, wenn man Ihre Anmer­kun­gen unter ‚Aller­lei’ betrach­tet. Es ist schön, dass Sie so nach Aner­ken­nung lech­zen. Das macht Sie bere­chen­bar. Ich bin sicher: wenn die kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on (oder von wel­cher Sie auch immer träu­men mögen) aus­fällt, wird sich jemand fin­den, der Ihnen über den Kopf strei­chelt, Sie in den Arm nimmt und Ihnen trös­tend ins Ohr flüs­tert: ‚Du hast aber wirk­lich schön geschrie­ben!’ Ich bin sicher, dass Sie danach irgend­wann Ruhe geben, zumin­dest solan­ge man es täg­lich wie­der­holt.
(…)
Schrei­ben Sie ruhig wei­ter. Ihre ’15 Minu­tes of Fame’ sind bestimmt bald vor­bei. Wer wird dann Ihre Tex­te noch für schön befinden?

Mit freund­li­chen Grü­ßen
Ein Leser”

Grüß Gott geehr­ter Leser,

Pünkt­chen für Sie, ich bestel­le mir das Buch, zuge­ge­be­ner­ma­ßen à cont­re-coeur, und wenn ich mit dem Opus, das ich gera­de schrei­be, fer­tig bin – und ohne kon­struk­ti­vis­ti­sche Sauer­stoff­mas­ke in die­sen für mich unge­wohn­ten argu­men­ta­ti­ven Höhen zurecht­kom­me –, wer­de ich am Ende gar in mei­nem klei­nen Eck­la­den der­über rapportieren.

Zwei Peti­tes­sen stö­ren mich an Ihrem Schrei­ben.
Zum einen, dass Sie unter­stel­len, Vul­gär­kon­struk­ti­vis­mus und Post­struk­tu­ra­lis­mus, also jene Moden, die sich im uni­ver­si­tär-geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Milieu ziem­lich poren­fül­lend aus­ge­brei­tet haben, pro­du­zier­ten intel­lek­tu­ell beson­ders anspruchs­vol­le Tex­te und Theo­rien; das ist nicht der Fall, sonst wür­de z.B. ich mich weit mehr dafür inter­es­sie­ren. Von dem mise­ra­blen Stil, in dem die­se Abhand­lun­gen meis­tens ver­fasst sind, zu schwei­gen.  
Zum ande­ren, dass Sie auf die reich­lich när­ri­sche Idee kom­men, mei­ne Frau wäre eine Deut­sche gewor­den oder lege Wert aufs Deutsch­sein. Wie könn­te sie? War­um soll­te sie? (Bei den Kin­dern ist es ein ander Ding.)

Behal­ten Sie mich in ange­neh­mer Erin­ne­rung, Ihr ergebener

MK

Auf ein PS unter vier Augen: So wie es eine glück­lich-unglück­li­che Fügung ver­hin­dert hat, dass ich in mei­ner spä­ten Jugend wirk­lich zum Alko­ho­li­ker wer­den konn­te, ver­hin­dert es gott­lob bis heu­te und wahr­schein­lich auch für­der­hin eine grund­so­li­de Aver­si­on, ja ein regel­rech­ter Ekel vor den vul­gä­ren Ideen und ega­li­tä­ren Idea­len mei­ner Zeit, vor der Gesin­nungs­stre­be­rei, die sie aus­lö­sen, und dem Denun­zia­ti­ons­ei­fer, mit wel­chem sie durch­ge­setzt wer­den, dass ich „nach Aner­ken­nung lech­ze”. Macht mich aber auch halb­wegs berechenbar.

PPS: Einer die­ser vor Witz und Esprit fun­keln­den, all­seits aner­kann­ten deut­schen Groß­in­tel­lek­tu­el­len, ein „Genie”, ohne das „wir kämp­fen müs­sen, um nicht in einer Repu­blik von Lang­wei­lern zu enden”, wie ein ande­res Genie auf Spie­gel online schreibt, ist nach „30 years of fame” soeben ver­schie­den – fällt Ihnen, geehr­ter Herr, even­tu­ell etwas auf? 

Spä­te­rer 8. Febru­ar 2016

Übri­gens: Je suis „Ilm­ta­ler Asyl­ab­wehr”!
(Sogar Bruch­tei­le der Pres­se mokie­ren sich über die ver­such­te Zen­sur von Kar­ne­vals­wa­gen, aber das ist wohl auch der Trick und Dreh dar­an: Man fin­giert so etwas wie kri­ti­sche Öffent­lich­keit, und gleich­zei­tig wird die Mei­nungs­frei­heit, die ja gera­de das Dras­ti­sche, Ver­let­zen­de, Bös­ar­ti­ge betrifft, immer mehr beschnit­ten – der nächs­te Faschings­um­zug dürf­te sicher­lich frei von anstö­ßi­gen Moti­ven sein.)

8. Febru­ar 2016

Eins
Nicht dass er sich gegen die AfD posi­tio­niert, son­dern wie er es tut, kenn­zeich­net den Opportunisten.

Zwei
Was ist hier falsch? „Fremd­wort Zivil­cou­ra­ge: Ali­ca Tro­va­tel­lo, Toch­ter des Bläck-Fööss-Gitar­ris­ten, wird zusam­men­ge­schla­gen und nie­mand greift ein”, schlag­zeilt die Unter­hal­tungs­mu­sik­zeit­schrift Rol­ling Stone (ich habe kei­ne Ahnung, was „Bläck Fööss” bedeu­tet, aber es muss in der dor­ti­gen Ein­ge­bo­re­nen­folk­lo­re eine gewich­ti­ge Rol­le spie­len). Der Köl­ner Express hat den Vor­fall tags zuvor bereits auf­ühr­lich beschrie­ben: Die 26jährige hat­te am Frei­tag­abend Kar­ne­val gefei­ert und war auf dem Heim­weg gegen 2 Uhr nachts am Bahn­hof Ehren­feld aus­ge­stie­gen. Dort, berich­tet sie, habe sie eine Grup­pe Jugend­li­cher pas­sie­ren wol­len. Einer der jun­gen Män­ner habe sich vor ihr auf­ge­baut und sie „sexis­tisch auf das Übels­te beschimpft”. Dann habe er ihr Sachen aus der Hand geris­sen und sie ins Gesicht geschla­gen. „Im Umkreis waren 20 Leu­te, ich habe um Hil­fe geru­fen – doch nie­mand hat das inter­es­siert.” Statt­des­sen habe sich ein wei­te­rer Mann aus der Grup­pe dazu­ge­sellt und sie eben­falls geschla­gen. Die jun­ge Frau flüch­te­te in eine nahe­lie­gen­de Bier­stu­be, deren Wirt sie prompt wie­der vor die Tür gesetzt habe. „Er mein­te, er wol­le kei­nen Ärger in der Knei­pe haben.“ Inzwi­schen hat­ten sich die Schlä­ger aber mit einer ande­ren Grup­pe ange­legt, schließ­lich sei die Poli­zei gekom­men. Die Beam­ten konn­ten immer­hin einen der Täter fest­neh­men.
Was also ist hier falsch? Hat viel­leicht Ali­ca Tro­va­tel­lo etwas falsch gemacht?
Zunächst noch ein­mal zum Zivil­cou­ra­ge ein­kla­gen­den Rol­ling Stone. Dort steht zu lesen, eine Poli­zei­spre­che­rin habe erklärt, bei dem Mann hand­le es sich „um einen poli­zei­be­kann­ten 24-jäh­ri­gen deut­schen Staats­bür­ger”. Außer­dem: „Von einer Sei­te erhiel­ten die Angrei­fer sogar Lob: Pro-NRW-Vize Domi­nik Roese­ler ver­höhnt Ali­ca Tro­va­tel­lo auf sei­ner Face­book-Page. Weil ihr Vater mit den Black Föös gegen u.a. Pegi­da auf­tre­te, habe es ‚bei dem Vater die rich­ti­ge getrof­fen’.” Kön­nen Sie dem zivil­cou­ra­gier­ten Gazett­lein fol­gen, das nicht ein­mal hin­rei­chend Mager­stu­fen-Cou­ra­ge besitzt, um den Goril­la auf der Hol­ly­wood­schau­kel zu erwäh­nen? Klar, das Blatt folgt sei­ner­seits nur Bild, wo exakt das­sel­be zu lesen steht: fünf Män­ner, deut­scher Staats­bür­ger. Anders der Express: „Gegen Yuss­uf B. (24, Name geän­dert) lie­gen laut Poli­zei bereits über 20 Ein­trä­ge, dar­un­ter schwe­re Kör­per­ver­let­zung, vor.” Noch­mals: Was ist falsch?
Ist es:
a) dass Yuss­uf B. (Name geän­dert) nicht schon lan­ge im Gefäng­nis saß? Oder
b) dass der Express nicht Hol­ger B. (Name geän­dert) geschrie­ben hat und dafür eine Rüge des Pres­se­rats ver­dient? Oder
c) dass sich Ali­ca Tro­va­tel­lo nachts allein und ohne züch­ti­ge Kopf­um­hül­lung in der Öffent­lich­keit her­um­treibt? 
Schi­cken Sie Ant­wort a) und c) bit­te an das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz und für Ver­brau­cher­schutz, z.Hd. Gen. Mei­ko Haas, Moh­ren­stra­ße 37, D‑10117 Ber­lin; Ant­wort b) an den Deut­schen Pres­se­rat, Frit­sches­tr. 27/28, 10585 Berlin; 

Drei
Man liest ja so vie­les nicht, aber das ganz beson­ders gern nicht: „Die Kon­struk­ti­on des Ande­ren in der post­mi­gran­ti­schen (sic!) Gesell­schaft”, heißt der Titel eines Buches der His­to­ri­ke­rin Fati­ma El-Tay­eb. Die Autorin nähe­re sich „den aktu­el­len Dis­kus­sio­nen um die deut­sche Iden­ti­tät durch ihre his­to­ri­sche Kon­tex­tua­li­sie­rung und deren Lücken”, heißt es im Ankün­di­gungs­text, und sie unter­su­che „die Aus­wir­kun­gen die­ser ein­sei­ti­gen Geschichts­auf­ar­bei­tung anhand drei­er ras­si­fi­zier­ter Grup­pen – Schwar­ze, Roma und Mus­li­me – als ‚undeutsch’ ”. – Noch­mals Gómez Dávi­la: „Damit es nicht trau­rig ist, inmit­ten einer all­zu dum­men Mei­nung zu leben, ist es nütz­lich, sich jeder­zeit dar­an zu erin­nern, daß die Din­ge offen­sicht­lich das sind, was sie sind, mag die Welt mei­nen, was sie mag.”

Vier
Aber ein Statt­des­sen: mor­gens ein paar Goe­the-Brie­fe, abends zwei, drei Gedich­te, zum Bei­spiel alt­chi­ne­si­sche Lyrik, schon ist man gestärkt (statt infor­miert), ange­rührt (statt hys­te­ri­siert) und auf der Höhe der Zeit (statt auf dem Lau­fen­den). Sela, Psalmenende. 

7. Febru­ar 2016

Nicolás Gómez Dávi­la spricht: 

„Die Bücher haben ein unheil­vol­les Schick­sal: Ent­we­der wer­den sie ver­ges­sen oder studiert.”

„Qua­si das ein­zig Unter­halt­sa­me an den ‚Unter­hal­tun­gen’ ist das Schau­spiel des dum­men Gesich­tes derer, die sich unterhalten.”

„Legi­tim ist das sozia­le Sys­tem, das die Koexis­tenz der größt­mög­li­chen Zahl an Wer­ten erlaubt.”

„Der demo­gra­phi­sche Druck vertiert.”

„Der Feh­ler des pro­gres­sis­ti­schen Chris­ten besteht dar­in, zu glau­ben, daß die durch­ge­hen­de Pole­mik des Chris­ten­tums gegen die Rei­chen eine impli­zi­te Ver­tei­di­gung der sozia­lis­ti­schen Pro­gram­me wäre.”

„Die kind­li­che Sexua­li­tät ist nicht vor­erwach­sen, son­dern vorerbsündlich.”

„Lite­ra­tur ist alles, was mit Talent geschrie­ben wird.”

„Die Lek­tü­re klei­ne­rer Dich­ter taucht sicher­lich auf unter den Fol­tern der Hölle.”

6. Febru­ar 2016

In der dem­nächst wohl eins­ti­gen soge­nann­ten Kar­ne­vals­hoch­burg Mainz hat die Poli­zei für den Rosen­mon­tags­um­zug erst­mals siche­re Räu­me und Not­in­seln für Frau­en ein­ge­rich­tet. Dort kön­nen die Damen gege­be­nen­falls tun, was heu­te ohne­hin immer mehr Deut­schen obliegt und im kom­men­den Epöch­lein ein veri­ta­bler Trend wer­den dürf­te: Schutz suchen vor Schutzsuchenden.

Spä­te­rer 5. Febru­ar 2016

Neu­es geflü­gel­tes Wort: Wir wol­len kei­ne schla­fen­den Ara­ber wecken.

5. Febru­ar 2016

Rela­tiv unbe­merkt von der Öffent­lich­keit und von mir auch nur durch die Lek­tü­re der eher arka­nen neu­en musik­zei­tung (nmz) regis­triert, ging Ende Janu­ar in der Ham­bur­gi­schen Staats­oper erst­mals die Oper „Stil­les Meer” des Japa­ners Toshio Hos­o­ka­wa über die Büh­ne, „Fuku­shi­ma als Oper” (tagesschau.de), „Grü­ße aus Fuku­shi­ma” (zeit.de), die „Oper über Fuku­shi­ma” (ntv) oder eben gleich „die Fuku­shi­ma-Oper” (stern.de, welt.de etc. pp.). Prompt rausch­te unser­ei­nem die Idee durch die bis­lang viel­leicht all­zu unkor­rup­te Rübe, eilends ein Text­buch für ein Ora­to­ri­um namens „Glo­bal War­ming” zu schrei­ben, mit Chö­ren aus­ster­ben­der Eis­bä­ren und vor Hit­ze kol­la­bie­ren­der Pin­gui­ne, anti­pho­nal vor­zu­tra­gen, oder noch bes­ser: das unter alle sie­ben Häu­te gehen­de Libret­to für eine Oper über ein von säch­si­schen Wut­bür­gern bela­ger­tes Asy­lan­ten­heim. Frei­lich ließ mich der Hin­ter­ge­dan­ke, dass das angeb­li­che Fuku­shi­ma-Opus ja nun von einem Japa­ner stammt, erst ein­mal wei­ter­le­sen, und so stell­te sich her­aus, dass der Begriff „Fuku­shi­ma” in der gesam­ten Oper nicht ein Mal auf­taucht, laut Pro­gramm­heft die Hand­lung aber in einem Dorf „an der Gren­ze zum Sperr­ge­biet rund um Fuku­shi­ma 1, unweit des Kern­kraft­werks” spielt. Mmm. 

Tat­säch­lich han­delt es sich, wie der Titel ja auch sach­dien­lich andeu­tet, um ein Stück, das sich mit den Fol­gen der Tsu­na­mi-Kata­stro­phe beschäf­tigt, und womög­lich kam das Atom­kraft­werk nur des­halb ins Pro­gramm­heft, weil „Stil­les Meer” ein Auf­trags­werk der Ham­bur­gi­schen Staats­oper ist, deren PR-Leu­te schließ­lich wis­sen, was sie dem deut­schen Feuil­le­ton an wenn schon nicht Reiz­wä­sche so doch wenigs­tens Reiz­ter­mi­ni zu prä­sen­tie­ren haben. Die Flut­wel­le mit knapp 20.000 Ertrun­ke­nen war eine japa­ni­sche Kata­stro­phe, Fuku­shi­ma indes, mit null Toten dort‑, aber zig­tau­sen­den Hirn­to­ten hier­zu­lan­de, eine deut­sche. Des­halb erscheint die Kri­tik der Zeit an der Beset­zung der Pre­mie­ren­auf­füh­rung auch etwas unan­ge­mes­sen: „Muss die Prot­ago­nis­tin eine (blon­de) Deut­sche sein, ver­fügt das Publi­kum über so wenig Abs­trak­ti­ons­ver­mö­gen und Empa­thie?” Aber was gehen uns die Pro­ble­me der Japa­ner an?

4. Febru­ar 2016

Eins
Ges­tern abend erzähl­te mir ein befreun­de­ter Phy­sik-Pro­fes­sor, er habe in allen sei­nen wis­sen­schaft­li­chen Publi­ka­tio­nen noch nie eine Arbeit zitiert, die vom afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent und aus dem ara­bi­schen Raum stam­me, Süd­afri­ka und natür­lich Isra­el aus­ge­nom­men, und zwar kei­nes­wegs vor­sätz­lich, son­dern weil dort ein­fach nichts Rele­van­tes ver­öf­fent­licht wer­de. Was das gesam­te mus­li­mi­sche Vor­der­asi­en ange­he, bil­de­ten der Iran und die postatatürk’sche Tür­kei Aus­nah­men, wobei Let­ze­re unter Erdo­gan sich inzwi­schen mög­li­cher­wei­se zur Regres­si­on anschicke. – 

Heu­te nun lese ich, ein, wie es heißt, Exper­te erhei­sche Ara­bisch als Pflicht­fach in deut­schen Schu­len. Etwa bei ntv: „Mit sei­ner For­de­rung, auch deut­sche Kin­der müss­ten in der Schu­le Ara­bisch ler­nen, stößt der Prä­si­dent der pri­va­ten Küh­ne Logistics Uni­ver­si­ty in Ham­burg, Tho­mas Stro­t­hot­te, eine neue Debat­te über Inte­gra­ti­on an. In einem Gast­bei­trag für die Zei­tung Die Zeit schrieb Stro­t­hot­te: ‚Hier­zu­lan­de soll­te hin­zu­kom­men, dass die Flücht­lings­kin­der aus dem Nahen Osten Deutsch und die deut­schen Kin­der Ara­bisch ler­nen’. Bei­de Spra­chen, so der Infor­ma­ti­ker, müss­ten für alle Schü­ler und Schü­le­rin­nen bis zum Abitur zur Pflicht wer­den – und im Opti­mal­fall auch als gleich­be­rech­tig­te Spra­chen im Unter­richt aner­kannt wer­den. Auf die­se Wei­se wür­de den jun­gen Deut­schen ‚ein Zugang zur ara­bi­schen Welt’ ermög­licht. (…) Bereits vor zwei Jah­ren hat­te zudem der stell­ver­tre­ten­de Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Ber­li­ner Indus­trie- und Han­dels­kam­mer, Chris­ti­an Wie­sen­hüt­ter, ähn­li­ches gefor­dert. ‚Wir müs­sen end­lich aner­ken­nen, dass Ara­bisch eine Welt­spra­che ist, und wir müs­sen Schritt hal­ten’, hat­te er dem Tages­spie­gel gesagt.”

Das letz­te Mal, dass einem Volk bzw. einer Bevöl­ke­rung oder eben auch Men­schen da drau­ßen im (damals frei­lich fest­um­frie­de­ten) Land eine Fremd­spra­che als Pflicht auf­er­legt wur­de, war in der DDR, an deren Vor­bild­lich­keit für hie­si­ge Schritt­hal­ter mit jedem Tag immer weni­ger Zwei­fel bestehen. Dass aus­ge­rech­net ein Infor­ma­ti­ker der­glei­chen vor­schlägt, also ein Mensch aus einer Spar­te, in der Ara­bisch nicht die gerings­te Rol­le spielt, soll uns als Ein­wand nicht irri­tie­ren, denn in wel­cher wis­sen­schaft­li­chen oder all­ge­mei­ner geis­ti­gen Sphä­re, mit Aus­nah­me der reli­giö­sen, spiel­te Ara­bisch eine Rol­le? Es ist, zuwei­len, ein heik­les Unter­fan­gen mit der Gleichberechtigung. 

Doch schau­en wir zuerst auf die mög­li­chen posi­ti­ven Begleit­erschei­nun­gen flä­chen­de­cken­der Unter­rich­tung in der Spra­che Muham­mads, Gott seg­ne ihn. Zunächst ein­mal könn­ten deut­sche Kin­der bereits nach kur­zer Zeit das isla­mi­sche Glau­bens­be­kennt­nis feh­ler­frei spre­chen, etwas spä­ter auch den Koran im Ori­gi­nal lesen, was ja, folgt man den Aus­künf­ten mus­li­mi­scher Beken­ner, ein ästhe­tisch ein­zig­ar­ti­ges Erleb­nis und für das sich-Ein­schwin­gen aufs Gebet nahe­zu uner­läss­lich sein soll. Wer sich für das Hoch­mit­tel­al­ter, die Schrif­ten von Aver­ro­ës und Avicen­na oder die End­fas­sung der (eigent­lich dem Indisch-Per­si­schen ent­stam­men­den) „Geschich­ten aus Tau­send­und­ei­ner Nacht” inter­es­siert – unter deut­schen Schü­lern bekannt­lich sehr ver­brei­te­te Lei­den­schaf­ten – wird im Ara­bi­schen gro­ßes Ver­gnü­gen und bis­wei­len gar Beleh­rung fin­den, wenn­gleich spe­zi­ell lyrisch Inter­es­sier­te sich bes­ser gleich aufs Per­si­sche ver­le­gen soll­ten. Nicht zuletzt kann eine ara­bisch bekun­de­te Unter­wer­fung wäh­rend einer nächt­li­chen U‑Bahnfahrt zuwei­len gesund­heits­för­dernd wenn nicht gar lebens­ret­tend wirken. 

In eine noch rosi­ge­re Zukunft einer deutsch-ara­bi­schen Lern­sym­bio­se weist der lau­ni­ge Ein­wurf mei­nes Kol­le­gen ***, in die­sem Fal­le erhö­he sich end­lich ein­mal die Zahl der­je­ni­gen, die auch ara­bisch schrei­ben könn­ten. Will mei­nen: Die Zahl der ara­bisch­spre­chen­den Nicht­an­alpha­be­ten stie­ge. Wenn bio­deut­sche Schü­ler ins Ara­bi­sche dräng­ten, bestün­den gute Aus­sich­ten, dass die­ses ehr­wür­di­ge Idi­om sich bis zum end­gül­ti­gen Ver­schwin­den der bzw. des Deut­schen zu einer acht­ba­ren und geschlech­ter­ge­rech­ten neu­en Umweltschutz‑, Technikkritik‑, Mora­l­ex­port- und Anti­ras­sis­mus­spra­che empor­schwän­ge. Bezie­hungs­wei­se schwön­ge. Oder schwän­ge­re. Es lebe denn also die deutsch-ara­bi­sche Befruch­tung, das Eng­li­sche wird sich warm anzie­hen müs­sen, gewis­ser­ma­ßen. Inschallah! 

Zwei
Was heißt übri­gens auf Ara­bisch: Mer­kel muss weg?

Drei
Wolf­gang Her­les, ehe­ma­li­ger Lei­ter des ZDF-Stu­di­os Bonn und Exmo­de­ra­tor der Kul­tur­sen­dung „aspek­te“ , tat kund und zu wis­sen, was im Grun­de jeder weiß, näm­lich: „Es gibt tat­säch­lich (…) Anwei­sun­gen von oben. Auch im ZDF sagt der Chef­re­dak­teur: Freun­de, wir müs­sen so berich­ten, dass es Euro­pa und dem Gemein­wohl dient. Und da braucht er in Klam­mern gar nicht mehr dazu­sa­gen: Wie es der Frau Mer­kel gefällt.“  Es setz­te hin­zu: „In beson­de­ren Zei­ten wird das ZDF zum Gesin­nungs­sen­der.“ Die Flücht­lings­kri­se sei für ihn eine „beson­de­re Zeit“. 

Wenn Medi­en, die mit einer staat­li­chen Zwangs­steu­er groß­zü­gigst finan­ziert wer­den und deren Inten­dan­ten­ses­sel pro­porz­ge­nau mit Par­tei­ka­dern besetzt sind, nicht nur als Staats­me­di­en wahr­ge­nom­men, son­dern auch als sol­che bezeich­net wer­den, soll­te das eigent­lich nie­man­den erschüt­tern, und die meis­ten Zei­tun­gen fühl­ten sich auch nicht bemü­ßigt, über dies Stöck­chen zu sprin­gen, son­dern setz­ten ihren demo­kra­ti­schen Schlum­mer fort. Und die selt­sa­me Dis­kus­si­on dar­über betref­fend, wie genau der­glei­chen – angeb­lich angeb­li­che – Anwei­sun­gen nun den Weg zu den Redak­teu­ren fin­den mögen: Was eine Sar­di­ne ver­mag, kann doch ein Jour­na­list erst recht! 

Vier
„Grüß Gott Herr Klo­n­ovs­ky, könn­ten Sie (sofern Sie Zeit und Inter­es­se haben ) das Pro­jekt einprozent.de beschrei­ben oder kom­men­tie­ren ? 
Es wäre geni­al wenn wir Ihrer Leser errei­chen könnten.”

Das sei, von mir unkom­men­tiert, jenen selbst überlassen.

2. Febru­ar 2016

Eins
Mer­ke: Der natür­li­che Feind der Viel­falt ist die Meinungsvielfalt.

Zwei
„Ihr wollt das Gefühl haben, dass die­ses Land, wo ich als Gast bin, immer noch euer Land ist”: Ein Migra­na­zi aus dem Kon­go, Ser­ge Nathan Dash Men­ga, bekannt gewor­den durch sei­ne mil­lio­nen­fach auf­ge­ru­fe­ne Video­bot­schaft nach den Köl­ner Sil­ves­ter­fin­ge­rei­en, auf wel­che hin ihn gar der Erz­put­to Gabri­el in sei­ne Ber­li­ner Resi­denz vor­lud, ist jetzt bei Pegi­da auf- und somit aus der anti­völ­ki­schen Volks­ge­mein­schaft qua­si end­gül­tig aus­ge­tre­ten. Der nun­mehr im dop­pel­ten Sin­ne Dun­kel­deut­sche sag­te ande­ren Ver­tre­tern die­ser unser Anse­hen vor allem im Maghreb und in der Levan­te beschmut­zen­den Spe­zi­es bei­spiels­wei­se: „Der ein­zi­ge Grund, war­um ich hier ste­he, ist der, dass Deutsch­land von Anfang an bereit war, alle sei­ne Steu­er­zah­ler mir zur Ver­fü­gung zu stel­len. Ich wur­de hier auf­ge­nom­men, durf­te zur Schu­le gehen, durf­te einen Sport­ver­ein besu­chen, und ich durf­te eine Fami­lie grün­den. Wenn ich hier ste­hen kann, dann glau­be ich nicht, dass Deutsch­land ras­sis­tisch ist” (die gan­ze Anspra­che hier). Nun, unse­re streit­ba­ren Anti­fa­schis­ten und Qua­li­täts­me­di­en­schaf­fen­den wer­den dem außer Rand und Band gera­te­nen Moh­ren schon zei­gen, dass sich auch ein Pegida-„Quotenneger” (Ser­ge Nathan Dash Men­ga über Ser­ge Nathan Dash Men­ga) hier kei­nes­wegs alles erlau­ben darf.

Drei
„Mann bezeich­net Mus­lim als ’neu­en Juden’. – ‚Viel­leicht meint er nicht mich per­sön­lich, aber das ist ja gera­de das Schlim­me am Gene­ral­ver­dacht.’ ” Der täg­li­che Blick durch den Nebel des ver­öf­fent­lich­ten Mei­nungs­dschun­gels in Zei­ten auf aller­lei rechts­dre­hen­de Müh­len flie­ßen­den Was­sers, die Zel­ler Zei­tung.

Vier
Wenn depri­mie­rend dum­me Men­schen klu­ge und vor allem amü­san­te Repli­ken aus­lö­sen, steckt oft der Gevat­ter Licht­mesz dahin­ter, und zwar dies­mal aus­ge­rech­net an Mariä Licht­mess bzw. Puri­fi­ca­tio; hier.

1. Febru­ar 2016

Und wei­ter mit dem immer­glei­chen from­men Ser­mo­ni! Für heu­te frei­lich soll mein Kol­le­ge Alex­an­der Wendt ein­sprin­gen als Agent der Proto‑, Post- und Gegen­auf­klä­rung: „Die Plan­ta­gen des Blö­den” heißt sein klei­nes Kom­pen­di­um, wel­ches für drei Sil­ber­lin­ge hier oder hier erhält­lich ist. Zitat: „Bei uns den­ken alle Mit­ar­bei­ter unkon­ven­tio­nell. Wer da nicht mit­zieht, hat kei­ne Chance.“ 

Apro­pos: Kol­le­ge ***, den der­zeit wie so man­chen der Welt­lauf gene­rell sowie inson­der­heit jener nach Deutsch­land sacht gru­selt, erzählt einen Traum. Dar­in sei er von sei­nem Vor­ge­setz­ten auf­ge­for­dert wor­den, einen klei­nen Fluss auf­zu­stau­en. Wäh­rend er – im Traum wie in der Wirk­lich­keit das Pflicht­be­wusst­sein in Per­son – sich sofort anhei­schig mach­te, den Auf­trag zu erfül­len, fiel ihm auf, dass er ja direkt am Ufer des Flüss­leins woh­ne; wenn er das Was­ser also staue, wer­de es ihm ins Haus flie­ßen. Die­se Beden­ken habe er denn auch sei­nem Chef vor­ge­tra­gen, doch der habe lachend abge­wun­ken und gesagt, er möge nicht so pes­si­mis­tisch und beden­ken­trä­ge­risch sein, das wer­de schon funk­tio­nie­ren, wahr­schein­lich lau­fe das Was­ser ganz woan­ders hin, er möge ein­fach anfan­gen. Befoh­len, getan; *** errich­te­te aus Stei­nen einen Damm in Form eines gegen die Strö­mung gefüg­ten Halb­runds, das Was­ser stau­te sich, schwoll an und über­schwemm­te schließ­lich sei­ne Blei­be. Als er den Chef zur Rede stel­len woll­te, war der nicht mehr auf­find­bar und irgend­wo­hin ver­schwun­den. In der nächs­ten Traum­se­quenz, erzählt ***, habe er dann ver­schie­de­ne frem­de Leu­te gese­hen, die ihm teu­re Gegen­stän­de aus sei­nem vom Hoch­was­ser ram­po­nier­ten Haus tru­gen; offen­bar hat­te eine Ver­stei­ge­rung sei­ner Habe statt­ge­fun­den, und ver­geb­lich ver­such­te er, das eine oder ande­re Stück zu behal­ten. – Hier ende­te der Traum.

„Sie träu­men sogar schon von Frau Mer­kel”, sag­te ich ihm.

Übri­gens: Im Janu­ar haben sich 65.642 Gäs­te in mei­nem klei­nen Eck­la­den ein­ge­fun­den bzw. dort­hin ver­irrt, und zwar exakt 167.704mal, um dort­selbst 325.971 Sei­ten auf­zu­ru­fen. Ich habe übri­gens nicht vor, die­se Was­ser­stän­de für­der­hin regel­mä­ßig zu ver­mel­den.

Ana­log zur Jah­res­end­fi­gur sei nun­mehr die Monats­an­fangs­fi­gur eingeführt: 

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