17. Januar 2018

Eines mei­ner Lieb­lings­bon­mots stammt von Ralph Wal­do Emer­son und lau­tet: „Das Gefühl, gut geklei­det zu sein, ver­schafft eine Sicher­heit, wie sie kei­ne Reli­gi­on geben kann.” Rein empi­risch sind gut geklei­de­te Men­schen frei­lich noch sel­te­ner anzu­tref­fen als from­me, auch wenn zuneh­mend neu­es reli­giö­ses Boden­per­so­nal im post­christ­li­chen Wes­ten ein­trifft, das aber in der Regel eben­falls nicht beson­ders anspre­chend geklei­det ist. An die­ser Stel­le ist meist der basis­de­mo­kra­ti­sche Ein­wand „Die Geschmä­cker sind eben ver­schie­den” fäl­lig, auf wel­chen ich zu repli­zie­ren pfle­ge, dass der Plu­ral falsch sei, es müs­se hei­ßen: Der Geschmack ist ver­schie­den. Frie­de sei­ner Asche.

Wäh­rend den Damen oder mitt­ler­wei­le Mädels eine erheb­li­che Frei­heit des sich-Klei­dens zu Gebo­te steht, sowohl was die For­men als auch die Far­ben betrifft, vom klei­nen Schwar­zen bis zum Ball­keid, vom Dirndl bis zum Kos­tüm, soll­te ein west­li­cher Mann, der etwas auf sich hält, beim Ver­kehr mit ande­ren Men­schen die bür­ger­li­che Uni­form tra­gen: den Anzug. (Ein guter Bekann­ter erschien sogar im Anzug, als er mir beim Umzug half.) Wie jeder schon ein­mal auf Bil­dern gese­hen hat, wirkt sogar ein Schim­pan­se im Anzug manier­lich, also soll­te auch jeder höhe­re mas­ku­li­ne Pri­mat einen anzie­hen, bevor er sich in die Öffent­lich­keit begibt. Die­ses Gebot galt hun­dert Jah­re, inzwi­schen gilt es bekannt­lich längst nicht mehr. Das Beque­me, Prak­ti­sche, Bil­li­ge, „Funk­tio­na­le” hat das geschmack­lich Anspre­chen­de und sitt­lich Ver­bin­den­de abge­löst, und nur ein Don Qui­chot­te des Ästhe­ti­schen kann sich noch dar­über bekla­gen. „Ein Pho­to mit strei­ken­den Arbei­tern um 1900 zeigt eine Men­ge in schwar­zen Anzü­gen mit schwar­zen Melo­nen auf dem Kopf”, schreibt Asfa-Wos­sen Asse­ra­te in sei­nem Buch „Manie­ren”. „Mit die­sem Typ Pro­le­ta­ri­er gedach­ten Bebel und Lenin und Mus­so­li­ni Staat zu machen. Wel­ches Staats­bild ent­spricht dem Unisex-Jogginganzug?” 

Bekannt­lich wird uns Letz­te­rer als ein Bestand­teil oder Kol­la­te­ral­scha­den der indi­vi­du­el­len Frei­heit ver­kauft, wel­che ein­schrän­kungs­los zu prei­sen sei, „denn-die-Melo­ne-hat-Hit­ler-nicht-ver­hin­dert”, und jedes Staats­bild ist ver­werf­lich, solan­ge der bild­lo­se Staats­göt­ze hin­rei­chend für die gro­ße Umver­tei­lung sorgt. Tat­säch­lich erle­ben wir einen Sie­ges­zug der Vul­ga­ri­tät, auf wel­che Frei­heit ohne kul­tu­rel­le Ver­bind­lich­kei­ten anschei­nend unver­meid­lich hin­aus­läuft. Der merk­wür­di­ge Reiz, den Fil­me aus den 30er bis 60er Jah­ren auf den dafür Emp­fäng­li­chen aus­üben, egal ob sie in Euro­pa oder Über­see gedreht wur­den, hat neben der war­men, unhek­ti­schen, kul­ti­vier­ten Dik­ti­on der Dar­stel­ler ja vor allem mit ihrer Klei­dung zu tun. „Es wäre viel­leicht nicht ein­mal abwe­gig, in der gesam­ten Peri­ode von der Jahr­hun­dert­wen­de bis etwa 1970 eine sti­lis­ti­sche Ein­heit zu sehen”, notier­te Rolf Peter Sie­fer­le. In den Fil­men etwa sei­en Ton, Stim­mung, Ambi­en­te unge­fähr iden­tisch. „Ähn­lich die Mode, vor allem die Män­ner­mo­de: Anzug und Schlips tre­ten gegen Ende des 19. Jahr­hun­derts auf und begin­nen seit den frü­hen sieb­zi­ger Jah­ren wie­der zu ver­schwin­den; sie dege­ne­rie­ren zur Berufs­klei­dung von Ver­si­che­rungs­ver­tre­tern und Poli­ti­kern. Viel­leicht kön­nen sie, ähn­lich wie die Culot­te im 19. Jahr­hun­dert, noch eine län­ge­re Zeit ihr Dasein in bestimm­ten Gesell­schafts­seg­men­ten fris­ten, doch gehö­ren sie nicht mehr zur domi­nan­ten Uni­for­mie­rung des Mas­se­men­schen.” Typi­scher­wei­se lesen wir in den Gazet­ten, dass „Top-Mana­ger” zuneh­mend auf die Kra­wat­te ver­zich­ten, und zwar mit einer gewis­sen Peri­odi­zi­tät, als müs­se noch der Letz­te der enorm wich­ti­gen Her­ren davon über­zeugt wer­den. Am spek­ta­ku­lärs­ten aber, so Sie­fer­le, sei das Ver­schwin­den des Hutes – ich ver­mag mir an die­ser Stel­le jedes­mal die Bemer­kung nicht zu ver­knei­fen: mit Aus­nah­me der Geß­ler-Hüte –: „Im Unter­gang des Hutes bestä­tigt sich die alte kul­tur­kri­ti­sche Dia­gno­se, daß mit der bür­ger­li­chen Kul­tur eine sehr weit in hoch­kul­tu­rel­le Räu­me zurück­rei­chen­de Tra­di­ti­on unter­ge­gan­gen ist.” An die Stel­le des Hutes trat die Base­ball-Kap­pe. (Ich habe übri­gens auch eine, sie ist leuch­tend rot und trägt die Auf­schrift „Make Ame­ri­ca gre­at again!”)

Was statt­des­sen über die gesam­te west­li­che Welt her­ein­brach, war die Kul­tur der Unter­schicht. Die­ser Pro­zess begann im Gefol­ge des 68er Destruk­ti­ons­thea­ters, als die gesam­te west­li­che Welt in All­tags­ge­schmacks­fra­gen auf LSD gekom­men zu sein schien: Die Fri­su­ren, die knall­bun­ten Far­ben von Hem­den, Autos und Tape­ten, die Schnit­te der Hosen und die auf Küchen­flie­sen gekleb­ten Pril-Blu­men bezeug­ten, dass die Gesell­schaft ästhe­tisch ver­rückt gewor­den war. Die Befrei­ung des Men­schen von den „bür­ger­li­chen Zwän­gen” lief natur­ge­mäß dar­auf hin­aus, dass er sei­nen ani­ma­li­schen Trie­ben mehr Aus­lauf ver­schaf­fen durf­te. Am signi­fi­kan­tes­ten stan­den dafür die soge­nann­te sexu­el­le Revo­lu­ti­on, der explo­die­ren­de Dro­gen­kon­sum und die Rock­mu­sik. Mögen die Beat­les noch Genies gewe­sen sein, der abschüs­si­ge Weg war beschrit­ten. Heu­te hören die Jugend­li­chen Rap, und die Luxus­vor­stel­lun­gen eines Spit­zen­po­li­ti­kers oder ‑mana­gers lau­fen unge­fähr auf das hin­aus, was Vide­os ame­ri­ka­ni­scher „Gangs­ta-Rap­per” als die ver­dien­ten Tro­phä­en des Rück­sichts­lo­sen prä­sen­tie­ren: gei­le Wei­ber, gro­ße Autos, teu­re Uhren. 

Sie­fer­le über­nimmt für die­sen Pro­zess einen Begriff, den der ame­ri­ka­ni­sche Kul­tur­his­to­ri­ker Paul Fus­sell geprägt hat: pro­le drift (s. Acta diur­na vom 25. Febru­ar 2017). Die­se Drift besteht dar­in, dass der Stil – und das gilt nicht nur für die Klei­der­mo­de – „nicht mehr von oben nach unten, son­dern von unten nach oben fließt”, hält Sie­fer­le fest. „Der­glei­chen hat es in agra­ri­schen Zivi­li­sa­tio­nen nie gege­ben.” Die aus der aris­to­kra­ti­schen Kul­tur gewach­se­ne bür­ger­li­che Kul­tur wan­dert der­weil ins Muse­um (das Muse­um ist bür­ger­li­che Kul­tur), Oper, klas­si­sches Kon­zert, Haus­mu­sik, Salon, Manie­ren, Tisch­sit­ten, Kon­ven­tio­nen, Kon­ver­sa­ti­on, Bil­dungs­ka­non, all das sind nur noch von dis­tink­ten Käu­zen gepfleg­te Über­bleib­sel einer ver­schwun­de­nen Epo­che. Wer einen Pro­zess namens pro­le drift über­haupt bemerkt, gehört schon zu die­sen Käu­zen. Die neue, „moder­ne” Kul­tur besteht zu einem gewis­sen Teil noch aus dem Abräu­men der alten – der Begriff Regie­thea­ter soll­te hier als pars pro toto hin­rei­chen –, ansons­ten genügt der Besuch einer docu­men­ta und eines Rock-Pop-Rap-Kon­zerts, um zu wis­sen, wor­auf die Sache hin­aus­läuft. Zum Phä­no­men pro­le drift gehö­ren Box­kämp­fe, Fuß­ball­spie­le, über­haupt Sport­er­eig­nis­se als der zen­tra­le Kult unse­rer Zeit – außer in Mek­ka und bei Papst­be­su­chen ver­sam­meln sich nir­gend­wo so vie­le Men­schen, aber beim Sport tun sie es regel­mä­ßig in ins­ge­samt ungleich höhe­rer Zahl –, dazu gehört gene­rell die Vor­lie­be für Mas­sen­ver­an­stal­tun­gen, Mas­sen­par­tys, Mas­sen­tou­ris­mus, Mas­sen­strän­de, Mas­sen­ski­pis­ten, über­haupt alles Mas­sen­haf­te. Und eben auch die Ver­än­de­rung der Klei­dung ins Funk­tio­na­le, Stil­lo­se, Belie­bi­ge, aber in sei­ner Belie­big­keit ent­setz­lich Uniforme. 

Apro­pos funk­tio­nal: Ich wer­de mich jetzt in mei­nem Har­ris Tweed-Anzug für ein Vor­mit­tags­schläf­chen aufs Sofa legen, in der schö­nen Gewiss­heit, dass der Stoff beim Auf­ste­hen kei­ne ein­zi­ge Fal­te haben wird. Mal­l­o­ry, Irvi­ne und die ande­ren Tita­nen der frü­hen Alpi­nis­tik sind in Tweed­an­zü­gen auf den Mount Ever­est gestie­gen (und dort gestor­ben, was alle­mal wür­di­ger ist, als irgend­wo in Jack Wolfs­kin-Kla­mot­ten zu mumifizieren). 

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Tweed ist warm, bequem, schön und hält die Form.

Und nicht teu­er: Ein ver­nünf­ti­ges Tweed-Sak­ko bekommt man für 300, eines fürs Leben ab 500 Euro­nen. Ich erlau­be mir dazu die Bemer­kung, dass auch Tweed sit­zen – das heißt: eng anlie­gen – muss. Ich habe einen guten Bekann­ten, der sehr groß und schlank ist und es sich leis­ten kann, Tweed-Sak­kos zu tra­gen, die ihm zu groß sind (und in jede Tasche eine Fla­sche Wein zu ste­cken), aber das ist eine Aus­nah­me. Der obe­re Knopf muss sich schlie­ßen las­sen, ohne dass der Stoff spannt, aber eben gera­de so. Per­so­nen, denen ein defi­nier­ter Bauch gewach­sen ist, soll­ten zum Maß­schnei­der gehen, sonst ren­nen sie halt mit einem Zelt her­um statt mit einem Jackett. 

Wenn es wär­mer wird, reden wir über ita­lie­ni­sche Anzüge.

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„Part­ner­su­che führ­te ein­mal zu Part­ner­schaf­ten. Heu­te ist sie der wich­tigs­te Tren­nungs­grund.„
Sven Hil­len­kamp, „Das Ende der Liebe”

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Die zur regel­mä­ßi­gen Lek­tü­re hier­mit emp­foh­le­ne Web­sei­te Sci­ence­Files ist eine Bas­ti­on der Ratio­na­li­tät in Zei­ten von Welt­kli­ma­ret­tung, Dekar­bo­ni­sie­rung, Will­kom­mens­scha­ma­nis­mus, Geschlech­ter­ver­viel­fa­chung und ande­rer Feld­zü­ge gegen die Intel­li­genz. Dies­mal wid­met sich dort ein Autor der Fra­ge, war­um das eins­ti­ge Land der bes­ten Inge­nieu­re kei­nen Flug­ha­fen mehr bau­en kann und war­um das größ­te Schlacht­schiff, das die Deut­schen seit dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs kon­stru­iert haben, die Fre­gat­te F‑125, weder see- noch kampf­taug­lich ist, ja nicht ein­mal über eige­ne Luft­ab­wehr­waf­fen ver­fügt. Ein Ant­wort­vor­schlag lautet: 

„Ein Land, in dem Leis­tung dis­kre­di­tiert wird, weil z.B. Geschlecht oder ideo­lo­gi­sche Pas­sung höher gewich­tet wird, ist kein Land, in dem Leis­tungs­wil­li­ge blei­ben. Ein Land, des­sen poli­ti­sche Füh­rung sich expli­zit gegen moder­ne Tech­no­lo­gien, sei es Kern­kraft, Bio­tech­no­lo­gie oder Mili­tär­tech­nik ent­schei­det, ein Land, in dem die Regie­ren­den als ein­zi­ge Visi­on für ihre Gesell­schaft Zuwan­de­rung emp­feh­len kön­nen, ein Land des­sen Infra­struk­tur ver­fällt, weil mehr Geld in ideo­lo­gi­sche Erzie­hung, Frau­en­be­vor­zu­gung und poli­ti­sche Gefal­len gesteckt wird als in Auto­bahn­brü­cken, ein Land, in dem es Rent­nern nach 45 Jah­ren Arbeit nicht mög­lich ist, ein Leben aus ihrer staat­li­chen Ren­te zu finan­zie­ren, das ihrer Lebens­leis­tung ange­mes­sen ist, ein Land, in dem der Leis­tungs­wil­le ver­lacht und das Schnor­ren als Günst­ling von Minis­te­ri­en Schu­le macht, ein Land, in dem ein tech­no­lo­gie­feind­li­ches Kli­ma herrscht, ein sol­ches Land muss sich nicht wun­dern, wenn die Leis­tun­gen frü­he­rer Jah­re nicht auf­recht­erhal­ten wer­den kön­nen.
Mit Gen­der Stu­dies kann man nun ein­mal kei­ne Brü­cken kon­stru­ie­ren oder Flug­hä­fen pla­nen.” (Mehr hier.)

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Auf der Palet­te neu­deut­scher Bunt­heit ist unver­hofft ein völ­lig neu­er Farb­ton vor­stel­lig gewor­den. Nach dem Frau­en­schlei­fen, der Stei­ni­gung, der Ver­bren­nung bei leben­di­gem Leib, dem pla­zet­frei­en inter­kul­tu­rel­len Gang-Bang und vie­len pit­to­res­ken Arten des Tran­chie­rens wird nun auch das leben­dig Begra­ben wie­der in sei­ne alten Rech­te ein­ge­setzt. „Die Ankla­ge­be­hör­de wirft den bei­den Alge­ri­ern vor, ihren älte­ren Lands­mann bei einem Streit bei Durmers­heim im Kreis Ras­tatt zusam­men­ge­schla­gen zu haben. In der Annah­me, das Opfer sei tot, soll der älte­re Ange­klag­te den 17-Jäh­ri­gen gezwun­gen haben, den 44 Jah­re alten Mann am Ran­de eines Kar­tof­fel­ackers zu ver­gra­ben. Er war aber erst unter der Erde erstickt, wie die Obduk­ti­on ergab” (hier). Es ist, wie Sie sehen, noch nicht die ganz per­fek­te Ver­si­on; die wur­de hier ver­sucht, brach­te aber auch nicht das gewünsch­te Ergeb­nis, weil der Ver­bud­del­te über­leb­te. Wir hal­ten Sie auf dem Laufenden.

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„Für mich nach 20 Jah­ren als Gerichts­re­por­te­rin der erschüt­ternds­te Pro­zess mei­nes Berufs­le­bens.” So beginnt ein Arti­kel über den Pro­zess gegen Moham­med N., 27, und Adil E., 35, „die mit fal­schen Iden­ti­tä­ten nach Deutsch­land ein­ge­reist waren”. Die bei­den Marok­ka­ner hat­ten „meh­re­re Unter­künf­te zer­legt, Men­schen in und vor Gast­stät­ten ange­grif­fen. So bekam ein Mann ein Bier­glas ins Gesicht geschla­gen, einem Behin­der­ten wur­de die Krü­cke weg­ge­nom­men, als er zu Boden ging, wur­de er mit der Krü­cke geschla­gen. Schon die­se Taten hat­ten die Ange­klag­ten gemein­sam began­gen, doch der 35-Jäh­ri­ge hat­te noch mehr auf Lager: So wur­den ein­mal Men­schen auf einem Super­markt­park­platz mit einer Mache­te ver­folgt, bei zwei ande­ren Gele­gen­hei­ten zog der 35-Jäh­ri­ge ein­mal mit einer Axt und ein wei­te­res Mal mit einer Motor­sä­ge durch den Ort. Die Motor­sä­ge stamm­te dabei übri­gens aus einen Gara­gen­ein­bruch bei dem Vor­sit­zen­den eines Flücht­lings­hil­fe­ver­eins, den die Lind­la­rer extra zur Unter­stüt­zung der ankom­men­den Asy­lan­ten gegrün­det hatten.” 

Was alles offen­bar kein Anlass war, die­se fröh­li­chen Gesel­len aus­zu­wei­sen oder vorm Kanz­ler­amt anzu­ket­ten. Erst muss­ten die bei­den einen Mit­be­woh­ner mit „unge­heu­rer Bru­ta­li­tät und sel­ten anzu­tref­fen­dem Ver­nich­tungs­wil­len”, wie der Rich­ter sag­te, zusam­men­schla­gen und ‑tre­ten. Das ins Koma geprü­gel­te Opfer lan­de­te auf der Inten­siv­sta­ti­on, die bei­den Täter in U‑Haft. Dort ging es wei­ter. „Nach­dem er einen Mit­ge­fan­gen schwer ver­letzt hat­te und schließ­lich einen Jus­tiz­voll­zugs­be­am­ten ange­grif­fen und mit dem Tode bedroht hat­te (‚Ich habe schon zwei Men­schen getö­tet und du bist der drit­te’), war der 35-Jäh­ri­ge nur noch in Hand- und Fuß­fes­seln, beglei­tet von meh­re­ren Beam­ten, ins Gericht gebracht wor­den. Dem Gericht hat­te E. schon ange­kün­digt, dass er nicht an der Urteils­ver­kün­dung teil­neh­men wer­de, weil der Rich­ter kein Recht habe, dort zu sit­zen und er nur Angst vor Gott habe. Das Urteil wer­de er anfech­ten. Tat­säch­lich muss­te E. von den Beam­ten gefes­selt in den zwei­ten Stock in den Gerichts­saal getra­gen wer­den und selbst dort kämpf­te der Mann mit aller Kraft gegen die Beam­ten. Ledig­lich am Boden lie­gend konn­te er halb­wegs ruhig gehal­ten werden.”

So geht es also zu am Land­ge­richt Köln in Zei­ten wach­sen­der Gefahr von rechts (mehr hier).

Das Schluss­wort der Gerichts­re­por­te­rin lau­tet: „Ich gebe jeden­falls mein Ehren­wort, dass bei mei­ner Arbeit in den Gerich­ten deut­sche Ange­klag­te die abso­lu­te Min­der­heit sind. Jedem Poli­ti­ker steht es frei, mal durch die Gän­ge in den Land­ge­rich­ten zu gehen und sich die Vor­na­men der Ange­klag­ten an den Türen durch­zu­le­sen. Die Quo­te der Ange­klag­ten mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund dürf­te in Wahr­heit bei cir­ca 74 Pro­zent liegen.”

Sela, Psal­me­nen­de.

PS: „Ich möch­te die­se Zahl nicht in Abre­de stel­len, aber eine Bewer­tung, die ein einen gewis­sen Spiel­raum bie­ten­des Adverb (‚cir­ca’) mit einem doch recht exak­ten Pro­zent­satz, näm­lich genau 74 (und nicht etwa 70 oder 80 oder ger­ne auch 75) ver­bin­det, wirkt irgend­wie unglaub­haft”, moniert Leser ***.

Nun, viel­leicht folg­te die Dame einem fata­len Hang zur Sati­re – oder sie woll­te 75 schrei­ben und hat sich vertippt… 

                              ***

Ein Kes­sel Bun­tes, Fortsetzung:

„572 Fäl­le von Geni­tal­ver­stüm­me­lung” sei­en allein in Hes­sen erfasst, mel­det die Welt, die Dun­kel­zif­fer sei aber um ein Viel­fa­ches höher zu ver­an­schla­gen: „In ganz Deutsch­land leben fast 50.000 weib­li­che Opfer von Geni­tal­ver­stüm­me­lung, wie eine Stu­die des Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­ums im Jahr 2017 ergab. Ver­brei­tet ist die­se Pra­xis dem­nach unter ande­rem in Ägyp­ten, Eri­trea, Soma­lia, Äthio­pi­en, Mali und dem Irak” (hier).

Sechs Tage nach der Mes­se­rat­ta­cke auf ein Ehe­paar im Cott­bu­ser „Ble­chen Car­ré” kam es am Mitt­woch er­neut zu einem Mes­­ser-An­­griff durch einen sy­ri­schen Ju­gend­li­chen. „Im Ver­lauf der Aus­ein­an­der­set­zung wur­de ein 16-Jäh­­ri­­ger von einem der sy­ri­schen Ju­gend­li­chen gegen eine ste­hen­de Stra­ßen­bahn ge­drückt, der ihm dann mit einem Mes­ser die lin­ke Ge­sichts­hälf­te auf­schlitz­te” (hier).

In Prenz­lau erschie­nen drei aus Syri­en stam­men­de Män­ner im Alter von 18, 20 und 39 Jah­ren in einer Schu­le, um sich Fra­gen zum Schul­be­such eines Fami­li­en­mit­glieds beant­wor­ten zu las­sen. „Im Lau­fe des Gesprä­ches mit der Schul­lei­tung wur­de der Jüngs­te der Män­ner ver­bal aus­fäl­lig und trat dro­hend auf. Die hin­zu­ge­zo­ge­nen Poli­zis­ten konn­ten das Trio im angren­zen­den Asyl­be­wer­ber­heim stel­len.” Kurz zuvor hat­te die Mut­ter eines Schü­le­rin einen Mit­schü­ler wegen sexu­el­ler Nöti­gung ange­zeigt. „Der gleich­alt­ri­ge Syrer soll die Min­der­jäh­ri­ge seit Wochen beläs­tigt haben. ‚Bei jeder Gele­gen­heit hat er sie betatscht, Po und Brüs­te berührt, gab die Mut­ter zu Pro­to­koll.” Die Vor­fäl­le ste­hen ver­mut­lich mit­ein­an­der in Zusam­men­hang (hier).

„Zwölf­jäh­ri­ger soll am Haupt­bahn­hof Dres­den mit Mes­ser zuge­sto­chen haben.” Gegen den dies­seits von Afri­ka ange­lang­ten Lau­ser wird jetzt wegen des Ver­dachts der ver­such­ten Tötung ermit­telt (hier).

„Laut einer Zeu­gin soll ein Mann im U‑Bahnhof Yorck­stra­ße zunächst ohne ersicht­li­chen Grund einem 50-jäh­ri­gen Obdach­lo­sen ins Gesicht getre­ten haben, teil­te die Poli­zei am Diens­tag mit. Dann habe er mehr­mals mit der Faust in das Gesicht eines 36-jäh­ri­gen Obdach­lo­sen geschla­gen und schließ­lich mit einem Gegen­stand einem wei­te­ren Mann ins Bein gesto­chen (…) Der ara­bisch aus­se­hen­de Täter wird laut Poli­zei auf ein Alter von 20 bis 25 Jah­ren geschätzt. Sein ara­bisch aus­se­hen­der Beglei­ter ist eben­falls etwa 20 bis 25 Jah­re alt” (hier).

Aber die Hil­fe naht: „In Ber­lin wächst die Sala­fis­ten­sze­ne rasant.” Laut einem Lage­be­richt des Ber­li­ner Ver­fas­sungs­schut­zes hat sich die Zahl nahe­zu ver­drei­facht” (hier).

Land­nah­me, wohin man schaut. Und nun freue dich, Berlin!

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