18. Januar 2018

„Was je ein Dan­te, was ein Shake­speare sah,
Was Goe­thes Geist, die Welt umspan­nend, ahn­te,
Was aller Völ­ker Dich­ter je geschaut (…):
Wie klein erscheint es, da das größ­te Dra­ma,
Das je die Mensch­heit sah seit tau­send Jah­ren,
Vor uns den Zeit­ge­nos­sen, sich ent­fal­tet.
Unfaß­bar heu­te noch in sei­ner Wir­kung,
In sei­ner Zukunft Wel­ten­schick­sal ber­gend
Und uns den Atem rau­bend in Erle­bung
Des größ­ten Kamp­fes, den je Völ­ker sahen.

Und doch hat uns­re Kunst ihr Daseins­recht
Sich auch in die­sem Wel­ten­brand bewahrt
Als deut­sche Kunst! Denn das ist deut­sche Art,
Dem ewig Wah­ren grü­belnd nach­zu­den­ken
Und auch umstürmt vom Taten­drang der Welt
Pila­tus­fra­gen sin­nend abzu­wä­gen.
Im Schüt­zen­gra­ben sich in ‚Faust’ ver­tie­fen,
Beethoven‑, Wag­ner­me­lo­dien im Her­zen,
Seht, das ist Deutsch­land, ist das alte Deutsch­land
Der Den­ker und der Dich­ter und der Träu­mer,
Das Deutsch­land, das sie nicht ver­nich­ten kön­nen,
Das Deutsch­land, das wir uns erhal­ten müs­sen,
Erhal­ten mit dem Lei­ber­wall da drau­ßen,
Erhal­ten tief im Geis­te uns hier­in­nen,
Das Deutsch­land, dem wir leben, dem wir sterben!”

Aus­zug aus: Gus­tav Stre­se­mann, Pro­log zur Wie­der­eröff­nung des Stadt­thea­ters in Lie­gnitz, vor­ge­tra­gen am 30. Sep­tem­ber 1916

(Stre­se­mann, Reden und Schrif­ten, Dres­den 1926, Bd. 2, S. 390/91)

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