1. Februar 2018

„Wer sich in die poli­ti­schen Dis­kur­se der deut­schen Öffent­lich­keit ein­mischt, der tut es auf eige­ne Gefahr. Abschre­ckend wir­ken weni­ger die mora­li­schen Ver­däch­ti­gun­gen, die auf die­sem Feld gang und gäbe sind”, notier­te Hans Magnus Enzens­ber­ger 1992. „Gra­vie­ren­der sind die intel­lek­tu­el­len Risi­ken, die jeder ein­geht, der sich an einer Medi­en­de­bat­te betei­ligt. Fast immer wird er, kaum daß er sei­nen Bei­trag abge­lie­fert hat, düm­mer aus­se­hen als zuvor.”

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Der­zeit bli­cken uns von öffent­li­chen Wer­be­flä­chen „Gesich­ter mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund” (Bernd Zel­ler) an, unter denen Slo­gans ste­hen wie: „Ich bin moti­viert” – „Ich bin team­fä­hig” – „Ich bin stress­re­sis­tent” – „Ich bin belast­bar” – „Ich bin ziel­ori­en­tiert”. Dass die all­mor­gend­lich in den Poli­zei­be­rich­ten fest­ge­hal­te­nen Taten von „Grup­pen” ohne eine gewis­se Team­fä­hig­keit gar nicht mög­lich wären, ist logisch, und ohne Stress­re­sis­tenz und Ziel­ori­en­tie­rung wären die meis­ten Gold­stü­cke gar nicht hier. Wie der ver­gnüg­te Betrach­ter rasch bemerkt, sol­len die­se Slo­gans aller­dings die Ein­wan­de­rungs­ge­sell­schafts- bzw. Job­taug­lich­keit der­je­ni­gen, die erst seit kur­zem hier leben, her­bei­sug­ge­rie­ren; es han­delt sich, wenn nicht um rei­ne Pro­pa­gan­da, so doch um empi­risch kaum unter­füt­ter­te Bot­schaf­ten, deren Gegen­teil auch nicht falsch wäre. Es wäre jetzt ein Leich­tes, ein Bild von Anis Amri zu pla­ka­tie­ren und dar­un­ter zu schrei­ben: „Ich bin ziel­ori­en­tiert” oder auch: „Ich kann Auto fah­ren”. Oder eben Fran­co A. und Hus­sein K. mit: „Ich bin moti­viert”. Aber es wäre über­flüs­sig. Meint viel­leicht jemand, dass über­haupt noch ein nor­ma­ler Mensch, also einer, der arbei­ten geht, Steu­ern zahlt und außer­halb der poli­tisch-medi­al-uni­ver­si­tä­ren Sphä­re lebt, an die­sen Quatsch glaubt? Dass solch ent­fes­sel­ter Blöd­sinn (oder mei­net­we­gen guter Wil­le) etwas ande­res erreicht, als immer mehr Men­schen an die Sei­te der Rechts­po­pu­lis­ten zu treiben?

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Aus der Rei­he „Ich bin ori­gi­nell”: Vor dem Haupt­ein­gang der City Arka­den in Wup­per­tal gin­gen zwei folk­lo­ris­ti­sche „Grup­pen” mit Schwer­tern auf­ein­an­der los. „Ich dach­te zunächst, alles sei Spaß”, gab ein Augen­zeu­ge zu Pro­to­koll. „Bis einer der Betei­lig­ten blut­über­strömt zusam­men­brach.” Der Ver­letz­te sei ansprech­bar gewe­sen, habe aber eine klaf­fen­de Kopf­wun­de davon­ge­tra­gen (hier). Immer nur Mes­ser (hier, hier, hier, hier) wird ja auch lang­wei­lig! Oder Fla­sche. Oder Schlei­fen.

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Apro­pos „Ich bin orgi­nell”: Ein „Migra­ti­ons­for­scher” mit dem schö­nen Namen Rass hat in der Welt gesagt: „Unse­re Gesell­schaft ist so sicher wie nie.” Eine Woche, nach­dem die Ber­li­ner Poli­zei die Zahl 1974 ver­öf­fent­lich­te: Exakt so vie­le „Mes­ser­vor­fäl­le” hat­te es in der Haupt­stadt in den ers­ten drei Quar­ta­len des ver­gan­ge­nen Jah­res gege­ben. In den Jah­ren davor muss es folg­lich viel schlim­mer gewe­sen sein. Viel­leicht stellt die Lin­ke mal eine Klei­ne Anfra­ge, war­um die Mess­er­ge­walt erst jetzt the­ma­ti­siert wird, wo sie ihren his­to­ri­schen Tiefst­stand erreicht hat und kaum mehr Ein­ge­bo­re­ne mit­mes­sern, um sich die Hän­de in Unschuld zu waschen.

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Die Frem­den­feind­lich­keit wächst gemein­hin pro­por­tio­nal zur Ein­wan­de­rung von Fremdenfeinden.

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Abge­schot­tet von Leib­wäch­tern und in kugel­si­che­ren Limou­si­nen mit abge­dun­kel­ten Schei­ben die Städ­te durch­que­rend, in einer Par­al­lel­welt hin­ter Sicher­heits­schleu­sen und Pan­zer­glas­fens­tern amtie­rend, bei jedem öffent­li­chen Auf­tritt vom Kon­takt zu den Men­schen da drau­ßen abge­schirmt, rausch­te der Gott­kanz­le­rin der Satz durch die Rübe: „Wir glau­ben, dass Abschot­tung uns nicht wei­ter bringt.”

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Hoch­in­ter­es­sant: Unter der Über­schrift „Wird der Clin­ton-Sumpf nun tro­cken­ge­legt?” schreibt ein Blogger:

„Na? Haben Sie heu­te was gehört oder gele­sen? Im Radio, Fern­se­hen oder Tele­text der ÖR-Medi­en? Ich mei­ne jetzt nicht die Erkennt­nis, dass Frau­en auch im Alter mehr put­zen als die Män­ner (Tele­text ARD), son­dern etwas wirk­lich Wich­ti­ges? Dazu muss­ten Sie heu­te früh auf­ste­hen. Um halb sie­ben brach­te BR5 eine dür­re Mel­dung, dass der FBI-Direk­tor Andrew McCa­be zurück­ge­tre­ten sei. Die Hetz­sei­te von web.de mel­de­te tags zuvor das mit der Begrün­dung, dass er von Trump nicht geschätzt wäre. BR5 war­te­te die frü­hen Mor­gen­stun­den ab, um wenigs­tens einen Teil der Wahr­heit ein­ma­lig zu brin­gen. McCa­bes Ehe­frau hat­te auf Umwe­gen von den Clin­tons 700000$ zur Finan­zie­rung ihres am Ende erfolg­lo­sen Wahl­kamp­fes bekom­men. Weil man für so viel Geld natür­lich eher etwas kauft oder eine Gegen­leis­tung ver­langt, anstatt es zu ver­schen­ken, lohnt sich ein Blick zurück auf die Woche vor der US-Wahl am 8.November 2016.” Wei­ter hier.

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Kaum etwas ist mir wider­li­cher, als wenn jemand Per­so­nen schlecht behan­delt, die im Rang weit unter ihm ange­sie­delt sind oder ihm als Dienst­leis­ter zur Ver­fü­gung ste­hen wie Taxi­fah­rer, Kell­ner, Por­tiers, Pro­sti­tu­ier­te etc. Ein Mann von Cha­rak­ter soll­te alle Welt mit iden­ti­scher Höf­lich­keit behan­deln, und die Frau­en beson­ders. Ein­zig Vor­ge­setz­ten gegen­über sind gewis­se Aus­fäl­le erlaubt.

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Zeit für die Monats­end­fi­gur, dies­mal kom­ple­men­tär zur Saison…

Valerya-Volkova.jpg

Der Janu­ar bescher­te dem klei­nen Eck­la­den einen neu­en Besu­cher­re­kord: 734.059 Sei­ten wur­den abge­ru­fen. (Fast tau­send davon übri­gens in Indi­en. Will­kom­men!) Wie gewohnt, macht die Kol­lek­te die Run­de, wie eben­falls gewohnt ver­bun­den mit einem Dan­ke­schön an die bis­he­ri­gen Spender. 

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