18. Februar 2018

Der Sonn­tag dies­mal den Kühnsten.

Nach der gest­ri­gen Bericht­erstat­tung über die Frau­en­de­mons­tra­ti­on gegen sexu­el­le Gewalt, Deutsch­lands momen­tan hei­ßes­ten Import­schla­ger, fällt es dem Beob­ach­ter schwer, sich zwi­schen den Ter­mi­ni Lügen‑, Lücken- und Lum­pen­pres­se zu ent­schei­den; gott­lob ist es auch gar nicht nötig. Der Jour­na­list Alex­an­der Wendt war dabei und hat zunächst ein­mal die offi­zi­ell ver­brei­te­te Teil­neh­mer­zahl auf deut­lich über tau­send korrigiert:

„Gegen 16 Uhr setzt sich der Zug lang­sam in Bewe­gung. Es ste­hen Leu­te mit Anti-Mer­kel-Pla­ka­ten dort, mit Deutsch­land­fah­nen, mit Papp­schil­dern wie: ‚Wir sind kein Freiwild.’

Neben mir läuft ein mit­tel­al­tes Paar, bei­de Ärz­te, wie sich her­aus­stellt, bei­de aus einer Gegend nörd­lich von Ber­lin ange­reist. Dass es sich bei ihnen laut Anti­fa, Grü­nen und Links­par­tei um Ras­sis­ten und Nazis han­deln soll, amü­siert sie.

‚Selt­sa­me Stadt’, sagt der Mann.

Ich las­se erst den Zug an mir fast vor­bei, und schlie­ße dann wie­der nach vorn auf. Schät­zungs­wei­se lau­fen 1.400 Men­schen auf der Kreuz­ber­ger Fried­rich­stra­ße. Das Durch­schnitts­al­ter liegt um die vierzig.”

Inzwi­schen gibt es auch ein Video auf you­tube, wo jeder mühe­los über­schla­gen mag, wie  vie­le Grund­ge­setz­fun­da­men­ta­lis­ten in Ber­lin auf die Stra­ße gingen.

Kein Wahr­heits- und Qua­li­täts­me­di­um kam mit sei­ner Mel­dung auch nur in die Nähe der rea­len Teil­neh­mer­zahl, aber alle beeil­ten sich mit­zu­tei­len, dass der Pegi­da-Akti­vist Lutz Bach­mann dort auf­ge­taucht ist.

Wendt, des­sen amü­san­te Schil­de­rung hier zur Gän­ze zu lesen ist, über die Bericht­erstat­tung sei­ner mer­kel­from­men Kollegen:

„Alle Berich­te beto­nen, es habe sich um einen ‚rech­ten Frau­en­marsch’ gehan­delt, das Wort Frau­en­marsch wird auch fast durch­gän­gig in Anfüh­rungs­zei­chen gesetzt.

Die ‚BZ’ nennt Ley­la Bil­ge eine ‚selbst­er­nann­te Frau­en­recht­le­rin’, beant­wor­tet aber lei­der nicht die Fra­ge, wel­ches Amt in Deutsch­land Frau­en­recht­le­rin­nen ernennt. Womög­lich das glei­che Amt, das Qua­li­täts­jour­na­lis­ten zertifiziert?

Kei­nes der Medi­en sieht es als Pro­blem, dass lin­ke Grup­pen das Demons­tra­ti­ons­recht in Ber­lin pro­blem­los aus­he­beln können.”

Regie­rungs­pres­se eben.

Der Apo-Opa und RAF-Ver­ste­her Chris­ti­an Strö­be­le, der von der neu­en Apo noch weni­ger kapiert als von Poli­tik gene­rell, pos­te­te auf Twit­ter ein Foto von sich und zwei Ber­li­ner sog. Grü­nen-Poli­ti­ke­rin­nen und schrieb dazu: „Gegen Ras­sis­mus und für Femi­nis­mus auf der Stra­ße”. Was wür­den die­se Clowns wohl tun, wenn die AfD (die übri­gens die Demo nicht ver­an­stal­tet hat) mor­gen mehr Wind­rä­der oder mehr Ein­wan­de­rer forderte?

Ein Land in Nar­ren­hand. Mit einer Deutsch-Kur­din vor­an demons­trie­ren Frau­en für ihr Recht auf kör­per­li­che Unver­sehrt­heit, prak­tisch das Haupt­the­ma des Femi­nis­mus und dies­mal pures, unver­heu­chel­tes #metoo im Namen wirk­li­cher Opfer, und ein paar hun­dert staat­li­che geför­der­te – also von den Demons­tran­ten teil­fi­nan­zier­te – Links­ex­tre­mis­ten beschimp­fen sie als Nazis und Ras­sis­ten und ver­sper­ren ihnen im Namen des Femi­nis­mus den Weg. Der Kampf gegen rechts ver­wan­delt sich in einen Kampf gegen Frau­en­rech­te, und kein Jour­na­list außer Wendt lacht die­se Golems aus. Die Poli­zei lässt die blo­ckie­ren­den Grund­rechts­aus­heb­ler gewäh­ren; Ber­lin ist ein rechts­frei­er Raum. Man muss sich die gan­ze Ver­an­stal­tung aus der Sicht eines fröh­li­chen isla­mi­schen Radi­ka­len vor­stel­len. Oder aus der einer brünf­ti­gen Fach­kraft im Stadt­park­ge­büsch. (Der aktu­el­le Fall ist die­ser; der Poli­zei zufol­ge soll der Täter even­tu­ell süd­län­di­schen Aus­se­hens sein, was eine ech­te Über­ra­schung wäre.) 

                                   ***

Am Frei­tag wur­de gemel­det, dass es im ver­gan­ge­nen Jahr in Deutsch­land rund 20 Mal mehr anti­se­mi­ti­sche und anti­mus­li­mi­sche Straf­ta­ten als Über­grif­fe auf Chris­ten gege­ben hat. Das gehe aus einer Ant­wort des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums auf eine Klei­ne Anfra­ge der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on her­vor. Dem­nach wur­den 2017 im Rah­men des Kri­mi­nal­po­li­zei­li­chen Mel­de­diens­tes 1.495 poli­tisch moti­vier­te Straf­ta­ten mit anti­se­mi­ti­schem Hin­ter­grund erfasst, 1.069 mit islam­feind­li­chem und 127 mit chris­ten­feind­li­chem Hintergrund.

„So schreck­lich das Aus­maß islam­feind­li­cher Straf­ta­ten in Deutsch­land ist: Mus­li­me soll­ten sich von die­sen Über­grif­fen nicht ein­schüch­tern las­sen”, erklär­te nun der Vor­sit­zen­de des Islam­ra­tes, Bur­han Kesi­ci. Die Vor­stel­lung, dass täg­lich durch­schnitt­lich mehr als drei Straf­ta­ten, „dar­un­ter Schmä­hun­gen, Belei­di­gun­gen, Angrif­fe auf Moscheen und mus­li­mi­sche Frau­en mit Kopf­tü­chern” geschä­hen, las­se einen „erschau­dern“.

Ich ver­ur­tei­le jeden Angriff. Aller­dings wären eini­ge Fra­gen zu stellen.

Wie vie­le der anti­se­mi­ti­schen Gewalt­ta­ten – die Beto­nung liegt auf Gewalt – wur­den von Mus­li­men begangen?

Wie vie­le der chris­ten­feind­li­chen Gewalt­ta­ten wur­den von Mus­li­men begangen?

Wie vie­le mus­li­mi­sche Frau­en sind von deut­schen Islam­fein­den beläs­tigt, ver­ge­wal­tigt und/oder ermor­det worden?

Wie vie­le mus­li­mi­sche Män­ner sind aus mus­lim­feind­li­chen Beweg­grün­den atta­ckiert, ins Koma geprü­gelt, mit Mes­sern ver­letzt oder ersto­chen worden?

Wie vie­le Ter­ror­an­schlä­ge – bei­spiels­wei­se Atta­cken mit Last­kraft­wa­gen auf isla­mi­sche Fes­te – mit wie vie­len Opfern wur­den von islam­feind­li­chen Deut­schen gegen Mus­li­me verübt?

Hat sich Herr Kesi­ci jemals zu den zahl­lo­sen anti­se­mi­ti­schen, anti­christ­li­chen, anti­deut­schen Taten von Mus­li­men geäu­ßert, etwa in dem Sin­ne, dass sie ihn „erschau­ern” lassen?

Am Ran­de: Wel­chen Sinn hät­te die Mel­dung, dass „die Zahl der Angrif­fe auf Kat­zen und Mäu­se” im ver­gan­ge­ne Jahr gestie­gen ist?

 

                                ***

Na dann hat sich Yüzels Besuch bei PKK-Akti­vis­ten vor einem Jahr doch gelohnt…

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