6. Februar 2018

Freund *** berich­tet von einem Gespräch mit einem befreun­de­ten Deutsch­leh­rer, der gemein­sam mit ande­ren huma­ni­tär beweg­ten Kol­le­gen in Ber­lin gestran­de­ten Neu­bür­gern Deutsch­un­ter­richt anbie­tet, ehren­amt­lich in sei­ner Frei­zeit ver­steht sich. Alle die­se Leh­rer, erklärt der Ver­tre­ter der Spar­te, hät­ten dabei die­sel­ben Erfah­run­gen mit ihren Zög­lin­gen gemacht: Ab der zwei­ten oder drit­ten Stun­de tre­te Lust­lo­sig­keit ein, wür­den die Zei­ten nur noch abge­ses­sen, spiel­ten sie auf ihren Smart­pho­nes her­um, statt zuzu­hö­ren. Kaum einer zei­ge die Bereit­schaft, Voka­beln zu ler­nen, von der Gram­ma­tik gar nicht zu reden. Letzt­lich blie­ben sämt­li­che Bemü­hun­gen fruchtlos.

Die­ses Resü­mee wer­de, wie gesagt, uni­so­no gezo­gen. Dann aber tre­te ein inter­es­san­ter Bruch in der Leh­rer­schar zuta­ge: Wäh­rend die eine Hälf­te die Gold­stü­cke schul­ter­zu­ckend für unbe­schul­bar erklä­re und sich aus die­ser Sisy­pho­sia­de zu ver­ab­schie­den geden­ke, suche die ande­re Hälf­te die Schuld bei sich. Offen­bar habe man die „Flücht­lin­ge” nicht hin­rei­chend moti­viert, sei man nicht genug auf sie ein­ge­gan­gen und der­glei­chen from­me Flos­keln mehr. Das Sche­ma ist bei die­sen Zer­knirsch­ten immer das­sel­be: Wir sind die­je­ni­gen, die etwas falsch machen – die uns Zuge­lau­fe­nen kom­men dafür nie in Betracht. Wir müs­sen uns nach ihnen rich­ten. Wir sind für sie ver­ant­wort­lich. Das gilt bekannt­lich auch für die Spei­se­wün­sche, reli­giö­sen Gebo­te und kul­tu­rel­len Bizar­re­ri­en der unver­hofft so zahl­reich Her­ein­ge­schnei­ten bzw. immer noch Hereinschneienden.

Man stel­le sich vor, sagt Freund ***, eine Kohor­te Deut­scher wan­de­re nach Chi­na aus und ver­lan­ge dort neben Sozi­al­leis­tun­gen, Unter­kunft und eige­nen Andachts­räu­men täg­lich Schweins­ha­xe, Königs­ber­ger Klop­se, Pils – und von den chi­ne­si­schen Päd­ago­gen mehr Moti­va­ti­ons­of­fer­ten für das Erler­nen ihrer schwie­ri­gen Spra­che. Fai­rer­wei­se will ich hin­zu­fü­gen, dass unse­re Neu­mit­bür­ger der­glei­chen ja nicht ver­lan­gen, sie neh­men es ein­fach nur an. Und dann erzäh­len sie eben in ihre Län­der wei­ter, wie gran­di­os bescheu­ert die Deut­schen sind, bei denen man all das für lau bekommt, wofür sie daheim hart arbei­ten müss­ten. Nur die Spra­che von die­sen Freaks, die wür­den sie nicht mal geschenkt nehmen. 

                               ***

„Die AfD ist wich­tig, um die fal­sche Poli­tik der offe­nen Gren­zen zu stop­pen, die sich fatal auf die Welt aus­wirkt”, schreibt der Mann, der Adolf Eich­mann vor sei­ne irdi­schen Rich­ter gebracht hat. In einem Gruß­wort zu einer Ver­an­stal­tung der AfD-Bun­des­tags­frak­ti­on zum The­ma „alter und neu­er Anti­se­mi­tis­mus” erklär­te der ehe­ma­li­ge Geheim­dienst­agent und israe­li­sche Minis­ter Rafi Eit­an, die Juden­feind­schaft habe heu­te „ein ande­res Gesicht” als in der Ver­gan­gen­heit. Wenn man nichts dage­gen unter­neh­me, wür­den „die Mos­lems die freie demo­kra­ti­sche Gesell­schaft in etwas ande­res ver­wan­deln”. Ein Land, das sei­ne Gren­zen nicht siche­re, sei ein schwa­ches Land. Der AfD beschei­nig­te er: „Sie haben mehr Freun­de in der Welt, als sie denken.”

Das Gros der Wahr­heits- und Qua­li­täts­pres­se beschwieg das uner­hör­te State­ment beflis­sent­lich; nur da und dort, etwa aus dem Inter­net-Flu­sen­sieb Huf­fing­ton Post, ertön­te lei­ses Gegrum­mel der­ge­stalt, dass die AfD nun einen Nazi-Jäger „instru­men­ta­li­sie­re”, um von sich sel­ber abzu­len­ken. Ein­zig der israe­li­sche Bot­schaf­ter in Deutsch­land, Jere­my Iss­ach­ar­off, reagier­te in übli­cher Schrill­heit: Mit den Wor­ten „Ich wei­se die Aus­füh­run­gen von Rafi Eit­an aufs schärfs­te zurück” zeig­te er auf Twit­ter, was er in Deutsch­land gelernt hat. Eit­an lobe deut­sche Rech­te, „die die Nazi-Ver­gan­gen­heit ver­herr­li­chen” (wen genau er damit meint, ließ der Bot­schaf­ter offen; es wird wohl im Zwei­fels­fall, wie stets, der Meis­ter Uri­an aus Thü­rin­gen dafür her­hal­ten müs­sen). Dass Eit­an, die­ser Scheit­an, sogar noch den Wunsch äußer­te, die Alter­na­ti­ve für Deutsch­land möge eine Alter­na­ti­ve für Euro­pa wer­den, sei „trau­rig und eine Schan­de”; Letz­te­re prak­tisch für ganz Deutsch­land. (Mehr hier.)

Nun lau­tet die Fra­ge, wes­sen Wort mehr Gewicht hat: Das­je­ni­ge des Eich­mann-Ent­füh­rers und Tat­men­schen, oder das eines Kar­rie­re­di­plo­ma­ten, der die Welt hin­ter getön­ten Auto­schei­ben wahr­nimmt und des­sen beruf­li­che Bio­gra­fie sich im Wesent­li­chen dar­in erschöpft, dass er irgend­wel­chen Dele­ga­tio­nen angehörte.

Auch durch die jüdi­sche Welt geht jener Riss, der die west­li­chen Gesell­schaf­ten durch­zieht und die Glo­ba­lis­ten von den Par­ti­ku­la­ris­ten, die Gesin­nungs­ethi­ker von den Ver­ant­wor­tungs­ethi­kern, die Poli­tisch Kor­rek­ten von den real­po­li­tisch Den­ken­den trennt. Fast alle Juden bzw. Israe­lis, die ich ken­ne, sehen die Din­ge ähn­lich wie Eit­an, die Ein­las­sun­gen der jüdi­schen Offi­zi­el­len in Deutsch­land blei­ben indes an staats­tra­gen­der Wirk­lich­keits­ver­leug­nung kaum hin­ter denen unse­rer Frem­den­füh­re­rin zurück. Klar, die­se Leu­te bekom­men ja auch Geld vom deut­schen Staat. Das bedeu­tet, sie die­nen sich der größ­ten Anti­se­mi­ten-Import­spe­di­ti­on der euro­päi­schen Geschich­te, der Mer­kel-Gro­ko, an. Wem jetzt spon­tan die Erin­ne­rung an gewis­se Juden­rä­te durch den Kopf schießt, dem sei gesagt: Wer einen Tag eher recht hat, als die Rea­li­tät es ihm gibt, der gilt einen Tag län­ger als rechts­ex­trem (frei nach Riva­rol). Las­sen Sie das besser!

                             ***

In Nico­laus Fests emp­feh­lens­wer­tem Buch „Welt­esche und Feu­er­holz”, der gedruck­ten Ver­si­on sei­nes online-Tage­buchs (die so schön aus­sieht und in der Hand liegt wie die Buch­aus­ga­ben der Acta diur­na und im sel­ben Ver­lag erschie­nen ist), lese ich unter dem 27. Mai 2016: „Bei einem sei­ner letz­ten Besu­che in Rom, so erzählt ein ita­lie­ni­scher Freund, sei­en dem Köl­ner Kar­di­nal Woel­ki, aber auch ande­ren hohen Wür­den­trä­gern der katho­li­schen Kir­che Fil­me gezeigt wor­den, wel­che die Ver­fol­gung von Chris­ten doku­men­tie­ren: Wie sie von Mus­li­men gestei­nigt, ent­haup­tet, gefol­tert wer­den, wie man ihnen die Augen aus­sticht, sie an Autos ket­tet und durch die Stra­ßen schleift, ihnen die Fin­ger abschnei­det. Es ist der­sel­be Woel­ki, der kürz­lich ein flam­men­des Plä­doy­er für den Islam hielt. Wenn der Hir­te die Wöl­fe zur Her­de rech­net, sind die Scha­fe verloren.”

Der­sel­be Woel­ki ver­kün­de­te vor ein paar Tagen in Sachen Mas­sen­ein­wan­de­rung: „Wir sind noch kei­nes­wegs an unser Limit gegan­gen und kom­men auch nicht dort­hin. Es darf nicht durch die Hin­ter­tür zu einer Ober­gren­ze kommen.“

Die Gren­ze kommt durch die Hin­ter­tür, ein­ver­stan­den, wenn sie nur kommt, dann mei­net­we­gen auch so. Doch wer ist „wir” und wo liegt „unser Limit”? Und wie kommt das Rot­käpp­chen auf die Idee, die­ses Limit sei qua­si unerreichbar?

Es gehe nicht um Woel­kis Limit, beru­higt Alex­an­der Wendt, also nicht um „die Auf­ga­be sei­ner geräu­mi­gen Bischofs­woh­nung in Köln, das fast voll­stän­di­ge Spen­den sei­nes Amts­ge­hal­tes von gut 11 000 Euro monat­lich, die Ver­pfän­dung des Besit­zes der Erz­diö­ze­se Köln von schät­zungs­wei­se drei Mil­li­ar­den Euro – das ist ja selbst­re­dend alles schon gesche­hen. Aber das all­ge­mei­ne Limit, wo liegt es? Wenn die Kri­mi­na­li­täts­ra­te nicht mehr in zwei- son­dern drei­stel­li­gen Pro­zent­schrit­ten von Jahr Jahr steigt? Wenn nicht, wie jetzt, 600 000 kürz­lich her­ein­ge­wan­der­te Fach­kräf­te von Hartz IV leben, son­dern sechs Mil­lio­nen? Wenn nicht jedes Jahr über­wie­gend jun­ge unge­bil­de­te Män­ner aus Afri­ka und ara­bi­schen Län­der in der Grö­ßen­ord­nung der Stadt Nürn­berg impor­tiert wer­den, son­dern der Stadt Köln? Wenn deren Betreu­ung, die Kom­pen­sa­ti­on der Schä­den, die Kos­ten für neue Poli­zis­ten, Gefäng­nis­wär­ter, Sozi­al­psy­cho­lo­gen, Kri­mi­nal­for­scher und ande­re dann nicht wie heu­te 30 Mil­li­ar­den im Jahr ver­schlin­gen, son­dern 300? Das wäre ja noch immer nicht das Limit. Der Bun­des­haus­halt gibt über 700 Mil­li­ar­den Euro pro Jahr her, vor­aus­ge­setzt, es kommt nicht schon vor­her zur Aus­lö­sung der deut­schen Auto­in­dus­trie wegen ihrer untilg­ba­ren mora­li­schen Schuld.”

Keh­ren wir zurück zu den mas­sa­krier­ten Chris­ten in Län­dern, wo die (Re-)Islamisierung im vol­len Gan­ge ist, und zu unse­rem Kar­di­nal, dem die Instru­men­te gezeigt wor­den sind – und der sie jetzt seg­net und impor­tie­ren möch­te. Wie ist so etwas möglich?

Noch­mals tritt der ein­gangs erwähn­te Freund in die Bütt und erklärt die Motiv­la­ge des guten Hir­ten. Schon wäh­rend er die Bil­der sah, habe Woel­ki den Fol­ter­knech­ten und Mör­dern ver­ge­ben. Jesus habe den Knech­ten, die ihn ans Kreuz schlu­gen, ja auch ver­ge­ben! Ein guter Christ müs­se sei­nen Fein­den und den Fein­den der Chris­ten­heit über­haupt – auch ihren Schläch­tern! – ver­ge­ben, das gehö­re zur Heils­ge­schich­te, so wie Judas zu ihr gehö­re und all die Mär­ty­rer. Die Heils­ge­schich­te ken­ne weder böse Men­schen noch unrett­ba­re Sün­der. Woel­ki han­de­le wie ein guter Christ. 

„Ich ver­ste­he”, ent­geg­ne ich. „Der Kar­di­nal möch­te, dass künf­tig auch Chris­ten in Deutsch­land das Pri­vi­leg genie­ßen dür­fen, ein Mar­ty­ri­um zu erlei­den. Aber wäre es nicht schön, wenn er sel­ber als leuch­ten­des Bei­spiel voranginge?”

                                ***

Had­mut Danisch: „Es ent­steht ein immer dich­te­res Netz, ein immer stär­ke­rer Ein­druck, dass wir einem mas­si­ven Ver­fas­sungs­putsch aus­ge­setzt sind, dass der Staat aus dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt her­aus und unter Mit­wir­kung von des­sen ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­tern zer­setzt, zer­stört, geplün­dert wird. Aus­ge­rech­net aus dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt her­aus. Das, woge­gen es kei­ne demo­kra­ti­sche Gegen­wehr mehr gibt.

Und genau das hat­te ja auch mal eine Mit­ar­bei­te­rin Baers auf einer Ver­an­stal­tung gesagt: Dass man als Ver­fas­sungs­rich­te­rin den Staat nach femi­nis­ti­schen und gen­de­ris­ti­schen Gesichts­punk­ten umbau­en kön­ne und nie­mand kön­ne etwas dage­gen machen.

Und auf ein­mal pas­sen alle die­se Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts genau zusam­men, erge­ben ein geschlos­se­nes Bild einer links­ra­di­ka­len Zer­set­zung des Staa­tes, schlim­mer als es die RAF je hät­te unter­neh­men können.

Auf ein­mal haben wir in der Gesamt­sicht das Bild einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung, die sich im Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gebil­det hat.

Eine inter­es­san­te Fra­ge wäre, wer damals eigent­lich auf höhe­re Asyl­be­wer­ber­un­ter­stüt­zung geklagt hat. Es war kei­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de, son­dern ein Kla­ge vor dem Sozi­al­ge­richt, das die Fra­ge dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt vor­ge­legt hat­te. Da stellt sich dann die Fra­ge, ob die­ser Klä­ger auch von Leu­ten aus dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt gecas­tet wur­de und die dem die Kla­gen geschrie­ben hatten.

Das stinkt alles gewal­tig nach einem Ver­fas­sungs­putsch aus dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt her­aus.” (Der ganz Text hier).

                             ***

Das Genie der Vor­al­pen, Heri­bert der Beherz­te, hat in einem Leit­ar­ti­kel des Süd­deut­schen Beob­ach­ters kund­ge­tan, dass Fuß­ball­ver­ei­ne selbst­ver­ständ­lich das Recht besit­zen, AfD-Mit­glie­dern den Ein­tritt zu ver­wei­gern. Lei­der hat er ver­ges­sen, zwei wich­ti­ge Fol­ge­fra­gen zu beant­wor­ten, die Beant­wor­tung der ers­ten wahr­schein­lich nur des­we­gen, weil es ja logisch ist, dass die Ver­ei­ne dann auch SPD-Mit­glie­der, Grü­ne, Mos­lems oder Bibel­for­scher abwei­sen dür­fen. Die zwei­te Fra­ge betrifft den Ver­fah­rens­rah­men: Dür­fen denn die Ver­ei­ne künf­tig von jedem Anwär­ter auf Mit­glied­schaft ver­lan­gen, dass er Aus­kunft über sei­ne Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit erteilt? Ich mei­ne, das soll­te in einer ent­wi­ckel­ten Gesell­schaft mög­lich sein, solan­ge es noch unter­schied­li­che Par­tei­en gibt. 

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