28. März 2018

Ein Staat wür­de es sich drei­mal über­le­gen, die indi­vi­du­el­len Frei­hei­ten anzu­tas­ten, wenn jeder Bür­ger daheim ein Gewehr im Schrank hät­te. Die­se Fest­stel­lung stammt nicht von mir, son­dern von Fried­rich Engels (wört­lich: „Wel­che Regie­rung wür­de es wagen, die poli­ti­sche Frei­heit anzu­tas­ten, wenn jeder Bür­ger ein Gewehr und fünf­zig schar­fe Patro­nen zu Hau­se lie­gen hat?” MEW Bd. 21, S. 345.) Der Marx-Dio­sku­re mag nicht geahnt haben, wie sehr sei­ne Wor­te auf sozia­lis­ti­sche Regie­run­gen zuge­trof­fen haben wür­den und es immer noch tun, doch sie sind und blei­ben rich­tig. Es gibt kein bes­se­res Mit­tel zur Ver­hin­de­rung einer Dik­ta­tur – mag sie auch auf Samt­pföt­chen und schnur­rend Ein­zug hal­ten wie jene von Ger­or­ge Soros und sei­nen Spieß­ge­sel­len finan­zier­te –, als bewaff­ne­te Bür­ger. Ich gehe davon aus, dass das den Dik­ta­to­ren in sta­tu nas­cen­di völ­lig klar ist, wes­halb die Kam­pa­gnen gegen die Frei­heit des Waf­fen­be­sit­zes immer wie­der ange­sta­chelt wer­den, wäh­rend die west­li­chen Staa­ten der Gegen­wart den Waf­fen­be­sitz von Kri­mi­nel­len weder ver­hin­dern kön­nen noch pro­ble­ma­ti­sie­ren. Auch viri­le beu­te­lus­ti­ge Ein­wan­de­rer benäh­men sich in Gebie­ten, wo die Bür­ger Waf­fen besit­zen oder gar tra­gen, deut­lich fried­fer­ti­ger als bei­spiels­wei­se auf dem Alex­an­der­platz, dem Gör­lit­zer Park oder am Kott­bu­ser Tor. Gera­de in über­al­ter­ten Gesell­schaf­ten stellt das Schieß­ei­sen jene Waf­fen­gleich­heit her, die den kör­per­lich Über­le­ge­nen erfolg­reich abschreckt. Wenn der Mob durch die Stra­ßen zieht – und wer bezwei­felt, dass auch uns dies, wenn­gleich wahr­schein­lich nur in schlech­te­ren Wohn­ge­gen­den, eines Tages bevor­steht, zum Bei­spiel weil kein Schutz­geld (= Hartz IV) mehr gezahlt wer­den kann? –, ist es doch ein beru­hi­gen­des Gefühl, daheim das Maga­zin zu fül­len und zu wis­sen, dass die drau­ßen es eben­falls wissen…

Nun kom­men die Gegen­bei­spie­le. Der Dro­gen­krieg in Mexi­ko etwa, dem Stamm­land der ille­ga­len Waf­fen. Aber wür­de die­ser Krieg an Stär­ke zule­gen, wenn jeder Nor­malme­xi­ka­ner daheim eine Knar­re hät­te, oder doch eher abflau­en? Das käme auf den Ver­such an. („Mexi­ko ist eines der gefähr­lichs­ten Län­der der Welt. Vie­le wol­len sich mit einer eige­nen Waf­fe schüt­zen. Doch der Kauf ist extrem kom­pli­ziert und kon­trol­liert” – mehr hier). Und die Amok­läu­fe in den USA! Das ist das König­s­ar­gu­ment, unab­weis­bar, erschüt­ternd, jede Dis­kus­si­on been­dend. Nun, es gibt für ein ech­tes Pro­blem nie die Lösung, son­dern immer nur die Für-und-Wider-Abwä­gung. Wie vie­le Mes­ser­at­ta­cken hät­ten durch Schuss­waf­fen ver­hin­dert wer­den kön­nen! Wie rasch hät­te der Wach­schutz Brei­vik in einem US-ame­ri­ka­ni­schen Schü­ler-Camp am Wei­ter­mor­den gehin­dert! Wie schnell fin­den Atten­tä­ter in Isra­el den Weg zu den 72 Huris! 

Der Vor­stoß, den Besitz auto­ma­ti­scher Waf­fen ein­zu­schrän­ken, ist nach dem Mas­sa­ker von Las Vegas ange­bracht. Mehr aber nicht. Die Heu­che­lei bei der Bericht­erstat­tung über Schuss­waf­fen­to­te in Über­see beginnt damit, dass die Rela­tio­nen nie bekannt gemacht wer­den. Die meis­ten davon sind näm­lich Selbst­mör­der (gewis­se Wahr­hei­ten klin­gen zynisch, ohne es zu sein: Es ist für die Auf­räum­trupps viel ange­neh­mer, sol­che Sui­zi­d­an­ten weg­zu­schaf­fen als Sprin­ger oder sich-vor-den-Zug-Schmei­ßer). Beim Rest wie­der­um han­delt es sich über­wie­gend um Tote bei Kämp­fen im kri­mi­ni­el­len Milieu, also Men­schen, die den Mord und das Ermord­etwer­den zum Bestand­teil ihrer Lebens­phi­lo­so­phie gemacht haben, meis­tens übri­gens von Schwar­zen erschos­se­ne Schwar­ze, was auch der Grund ist, war­um dar­über kaum berich­tet wird. Die Amok­lauf-Opfer sind zwar am spek­ta­ku­lärs­ten, aber weit­aus am seltensten. 

Man erwar­te kein Resü­mee von mir. Ein Mann mag frei sein ohne Waf­fe. Mit Waf­fe ist er freier. 

PS: „Wir sind”, bemerkt Leser *** zum Waf­fen-The­ma, „sozu­sa­gen einen Staats­ver­trag ein­ge­gan­gen, der das Gewalt­mo­no­pol an die dafür von uns finan­zier­ten Stel­len über­trägt. Dafür erwar­ten wir von den zustän­di­gen Stel­len umfas­sen­de inne­re und äuße­re Sicher­heit, sowie eine unab­hän­gi­ge Jus­tiz, die Kri­mi­nel­le tat­säch­lich straft. Was bedeu­tet es aber nun, wenn unse­re Sicher­heit in immer gerin­ge­rem Umfang gewähr­leis­tet wird und selbst üble Straf­tä­ter, wenn über­haupt, mit Bewäh­rung davon kom­men? Das läuft mehr und mehr auf eine ein­sei­ti­ge Kün­di­gung die­ses Staats­ver­tra­ges hin­aus. Nur ech­te freie Bür­ger haben das Recht, Waf­fen zu besit­zen und zu füh­ren, Unter­ta­nen aus Sicher­heits­grün­den für die herr­schen­de Klas­se nicht. Eine Schuss­waf­fe stellt auch für im Regel­fall kör­per­lich unter­le­ge­ne Frau­en einen Gleich­ma­cher dar und ver­setzt die­se in die Lage, ihre kör­per­li­che Unver­sehrt­heit durch­zu­set­zen. Vor­aus­set­zung dabei ist aber stets die min­des­tens aus­rei­chen­de Beherr­schung der Waf­fe durch ent­spre­chen­des Trai­ning.”
 
PPS: „Ver­ehr­ter Herr Klo­n­ovs­ky, immer wie­der wird miß­ver­stan­den – wie auch bei dem von Ihnen zitier­ten Leser –, daß das Gewalt­mo­no­pol des Staa­tes auch den Ver­zicht auf pri­va­te Waf­fen ein­schließt. Das ist ein gefähr­li­cher Trug­schluß. Das Gewalt­mo­no­pol des Staa­tes bezieht sich auf die Gerichts­bar­keit und nicht auf die Aus­übung unmit­tel­ba­rer Gewalt.
Der Bür­ger hat nur inso­fern einen ent­spre­chen­den Ver­trag geschlos­sen, als er dem Staat die exklu­si­ve Gerichts­bar­keit über­trägt. Das heißt, er ver­zich­tet auf Lynch­jus­tiz oder z.B. Clan­ge­richts­bar­keit (gibt es ja mitt­ler­wei­le wie­der bei uns). Das leuch­tet sofort ein, wenn man sich eine Not­si­tua­ti­on vor­stellt, in der man nur durch Waf­fen­ein­satz sei­ne Gesund­heit und sein Leben schüt­zen kann. Schließ­lich hat nicht jeder Bür­ger – außer natür­lich den paar Pri­vi­le­gier­ten, die das Waf­fen­ver­bot exe­ku­tie­ren – einen oder meh­re­re Body­guards.
Übri­gens wur­den – soviel ich weiß – nach der Macht­er­grei­fung der Nazis als ers­tes die Juden ent­waff­net und damit weit­ge­hend wehr­los gemacht.”

                                    ***

Still! Hören Sie das Knir­schen der Schar­nie­re? Unter dem Mot­to „Traum­job Haus­frau” ver­brei­tet ntv einen Gast­bei­trag, der so anhebt: 

„Kin­der und Kar­rie­re: In Zei­ten, in denen Frau­en immer häu­fi­ger bei­des mit­ein­an­der ver­bin­den, ste­hen Haus­frau­en plötz­lich unter beson­de­rem Recht­fer­ti­gungs­druck. Zu Unrecht. Denn auch die Ent­schei­dung fürs klas­si­sche Modell erfor­dert Mut.”

Eva Her­man wur­de dafür noch gegrillt. Und nun, lie­be Kin­der, asso­zi­ie­ren wir (nein, das ist nicht die Monatsendfigur):

FDP.jpg

Aygul Kilic sei ein gutes Bei­spiel für gelun­ge­ne Inte­gra­ti­on. Sie sei ange­stellt bei der Stadt und arbei­te als sozia­le Assis­ten­tin in einer Kita. Als ver­hei­ra­te­te Frau Mit­te 50 habe sie nach der Aus­bil­dung ihrer Kin­der selbst alle Schul­ab­schlüs­se nach­ge­holt. Sie enga­gie­re sich seit vier Jah­ren in der FDP – Quel­le: https://www.shz.de/19425256 ©2018

Aygul Kilic, ver­hei­ra­tet, Mut­ter drei­er Kin­der, stammt aus Istan­bul, ist ange­stellt bei der Stadt und arbei­tet in einer Kita. Nach der Aus­bil­dung ihrer Kin­der hat sie alle Schul­ab­schlüs­se nachgeholt.

Ich bin von ihrer Gar­de­ro­be nicht enthu­si­as­miert, doch das gilt für die Kle­da­ge von 99 Pro­zent der mei­nen Weg kreu­zen­den Deut­schen eben­so, und ich weiß nicht, ob für Frau Kilic eine deut­sche Kul­tur jen­seits der Spra­che iden­ti­fi­zier­bar ist oder ob sie ins Lager jener Unge­bil­de­ten gehört, dem Aydan Özoğuz vor­steht. Aber ich will lie­ber mit die­ser Frau über die Zukunft reden als mit grü­nen kin­der­lo­sen Existenzruinen.

PS: „Sehr geehr­ter Herr Klo­n­ovs­ky,
das Pro­blem der Kle­da­ge von Frau Kilic ist ja eben kein ästhe­ti­sches, son­dern die­se ist ein per­ma­nen­tes Trans­pa­rent für ihr Glau­bens­be­kennt­nis und für eine bestimm­te Aus­le­gung des Glau­bens­be­kennt­nis­ses. Sie wis­sen das ja alles… Daher stand ich gera­de mit einem gro­ßen Fra­ge­zei­chen vor der Acta diur­na!
Nun:
Könn­te Frau Kilic im Wahl­kampf Sät­ze wie die­sen gesagt haben: ‚Ich bin libe­ral und lebe das täg­lich. Wenn mei­ne Toch­ter jetzt katho­lisch ein­hei­ra­tet und unser Sohn Athe­ist wird (wahl­wei­se schwul), so ist das immer eine Her­aus­for­de­rung, aber wir sind trotz­dem eine gute Fami­lie…’ Die­se Kopf­be­de­ckung steht für das Gegen­teil von Viel­falt und Frei­heit. Das ist ja gera­de das Beson­de­re die­ses gro­tesk-groß­ar­ti­gen ‚libe­ra­len’ Plakats.

Die Lebens­leis­tung von Frau Kilic schmä­lert das nicht. Mei­ne obi­gen Vor­ur­tei­le las­se ich mir auch gern neh­men. Reden soll­te man immer mit allen, solan­ge man auch was sagen darf und nicht gleich auf die Lip­pe kriegt.”

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