12. April 2018

Nach den aktu­el­len Zah­len der Bun­des­an­stalt für Arbeit vom Sep­tem­ber 2017 haben von den 4,3 Mil­lio­nen erwerbs­fä­hi­gen Hartz-IV-Emp­fän­gern 55,2 Pro­zent einen Migra­ti­ons­hin­ter­grund. 2013 waren es noch 43 Prozent.

„Für die Bun­des­agen­tur ist die Ent­wick­lung nicht über­ra­schend: Da die meis­ten Flücht­lin­ge wegen feh­len­der Sprach­kennt­nis­se oder Qua­li­fi­ka­tio­nen nach dem Abschluss ihres Asyl­ver­fah­rens nicht sofort eine Arbeit fin­den, bezie­hen sie zunächst Grund­si­che­rung von den Job­cen­tern”, schreibt der Focus. Davon abge­se­hen, dass Asyl­be­wer­ber hier unter der Hand in Ein­wan­de­rer ver­wan­delt wer­den, sind das die übli­chen Ver­nied­li­chun­gen resp. Feknjuhs: Die meis­ten die­ser uns unbe­greif­li­cher­wei­se von Afri­ka geschenk­ten Men­schen wer­den nie arbei­ten, weil sie kei­ne Fähig­kei­ten besit­zen oder erwer­ben kön­nen bzw. wol­len, die sie für den hie­si­gen Arbeits­markt inter­es­sant machen, aber sie wer­den ler­nen, das als Dis­kri­mi­nie­rung zu bewer­ten und For­de­run­gen zu stel­len, ich weiß sogar von wem. Dank­bar­keit gegen­über einer Gesell­schaft, die sie für ihr blo­ßes Hier­sein bezahlt, kennt die Mehr­zahl von ihnen ohne­hin nicht, weil alles, was ihnen gege­ben wird, in ihren stol­zen Augen von Gott kommt.

Der Vor­gang ist so skan­da­lös, dass er gar nicht oft genug denun­ziert wer­den kann: Leu­te wan­dern hier ein und bekom­men für ihre Anwe­sen­heit Geld, das deut­schen Steu­er­zah­lern weg­ge­nom­men wird, das heißt, die Ein­hei­mi­schen müs­sen in einer Art umge­kehr­tem Kolo­nia­lis­mus für die Ein­ge­wan­der­ten arbei­ten. Sie haben kei­ne Opti­on zu bekun­den, dass sie für die­se Art des Aus­ge­beu­tet­wer­dens nicht zur Ver­fü­gung ste­hen. Wenn sie ihren Unmut dar­über äußern, schilt man sie Frem­den­fein­de, Ras­sis­ten und was an Kose­na­men für reni­ten­te wei­ße Nutz­men­schen noch so aus dem lin­ken Reper­toire zu Gebo­te steht. Das Gros der Beschimp­fer und sich mora­lisch Auf­plus­tern­den finan­zie­ren sie gleich mit. Da die ali­men­tier­ten Neu­bür­ger in Mil­lio­nen­stär­ke antre­ten, pro­fi­tiert immer­hin die Kon­sum- und Betreu­ungs­in­dus­trie von ihnen, sie kau­fen Hän­dis, Turn­schu­he, bekom­men Woh­nun­gen, Arzt­be­hand­lun­gen etc., auch hier läuft die Aus­beu­tung, in die­sem Fall die poli­tisch erpress­te Umver­tei­lung von Steu­er­gel­dern an die Wirt­schaft, rei­bungs­los. Und zuge­dröhnt von all den Vor­wür­fen, mit denen ihn die Bewirt­schaf­ter sei­nes schlech­ten Gewis­sens über­zie­hen – Kli­ma als Flucht­grund! Bür­ger­krie­ge mit deut­schen Waf­fen! Aus­beu­tung der Drit­ten Welt! Ras­sis­mus! Kolo­nia­lis­mus! Dis­kri­mi­nie­rung! Schuld der Wei­ßen! Schuld der Wei­ßen! –, lässt sich der bra­ve deut­sche Michel, die­ser Hoch­leis­tungs­skla­ve, aus­neh­men und immer wei­ter aus­neh­men. Dabei wür­de er es nicht ein­mal bemer­ken, wenn die gesam­te Drit­te Welt, die er angeb­lich aus­beu­tet, über Nacht vom Pla­ne­ten ver­schwän­de. Also er wür­de es schon bemer­ken, er hät­te plötz­lich wie­der Geld, Platz und Ruhe. Armer Michel. Du hat­test, aufs Gan­ze gese­hen, ein­fach kein Glück. Auch wenn es vie­len Michels und Miche­li­nen heu­te noch so scheint…

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Eine immer wie­der gegen die „Gemein­sa­me Erklä­rung 2018” vor­ge­brach­te Behaup­tung lau­tet, es fin­de über­haupt kei­ne Mas­sen­ein­wan­de­rung statt, und ille­gal sei die­se prak­tisch mas­se­lo­se Ein­wan­de­rung sowie­so nicht. (Vera Lengs­feld hat in einem Tages­spie­gel-Kom­men­tar unter ande­rem auch dar­auf geant­wor­tet.) Beim Blät­tern in alten Acta-Aus­ga­ben fiel mir frei­lich auf, dass füh­re­rin­nen­treue Will­kom­mens­kul­tur­schaf­fen­de sogar im Sep­tem­ber 2015 – damals kamen nicht 15.000 Migran­ten im Monat an wie heu­te, son­dern am Tag – bestrit­ten, dass so etwas wie eine unkon­trol­lier­te Mas­sen­ein­wan­de­rung statt­fin­de. Am 2. Sep­tem­ber schrieb etwa Welt.online unter der Schlag­zei­le „AfD­-Vize Gau­land ent­larvt sich in der Flüchtlings­frage” einen Arti­kel zu San­dra Maisch­ber­gers TV­-Sen­dung vom Vor­abend, wo neben Gau­land unter ande­ren die CDU-­Vi­­ze­vor­sit­zen­de Julia Klöckner zu Gast war, die, so die Welt, den Vor­wurf einer „an­geblich ‚unkontrollierte(n) Ein­wan­de­rung’ ” gera­de­zu mer­ke­lesk abge­schmet­tert hat­te mit dem State­ment: „Das ist nicht unkon­trol­liert, das ist eine Aufga­be.” Der oppo­si­ti­ons­kri­ti­sche Sprin­ger-Jour­na­list, Tho­re Bar­fuss mit Namen, schloss damals: „Bei­des sind schon sprach­li­che Übertreibungen der Wirk­lich­keit. Erst aber die Ver­bin­dung von ‚unkon­trol­liert’ und ‚Massenein­wanderung’ macht es zu einem poli­ti­schen Hetzbegriff.” 

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Jugend­li­che haben die Poli­zei­sta­ti­on von Preetz (Kreis Plön) ange­grif­fen. Der Dienst­grup­pen­lei­ter sprach gegen­über den Kie­ler Nach­rich­ten von einer „noch nicht erleb­ten und unfass­ba­ren neu­en Dimen­si­on eines Angriffs”. Zwei 16-Jäh­ri­ge (!) hat­ten ver­sucht, die Fens­ter­schei­ben der Wache ein­zu­wer­fen und die Tür der Poli­zei­sta­ti­on ein­zu­tre­ten. Ein zie­gel­gro­ßer Stein habe eine Beam­tin nur um Haa­res­brei­te ver­fehlt. Unter der preis­ver­däch­ti­gen Zwi­schen­über­schrift „Preet­zer Jugend­li­che sind legen­där” erin­nert das Ham­bur­ger Abend­blatt dar­an, dass „Preet­zer”! „Jugend­li­che”! „legen­där”! sind und die Innen­stadt dort­selbst „wegen zahl­rei­cher Vor­fäl­le mit aggres­si­ven und gewalt­tä­ti­gen Jugend­li­chen im Mai letz­ten Jah­res von der Poli­zei zum ‚gefähr­li­chen Ort’ erklärt” wor­den war, die­ses Bunt­heits­zer­ti­fi­kat aber vor kur­zem wie­der ver­lo­ren hat­te (die Innen­stadt von Flens­burg besitzt es ihrer­seits). Da geht noch was für Preetz!

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Der bri­ti­sche Diplo­mat und ehe­ma­li­ge Bot­schaf­ter Craig Mur­ray schreibt auf sei­ner Web­sei­te, er befürch­te, dass „die mas­si­ve Orches­trie­rung der Russo­pho­bie in den letz­ten zwei Jah­ren die öffent­li­che Mei­nung auf einen grö­ße­ren mili­tä­ri­schen Kon­flikt im Nahen Osten vor­be­rei­ten soll”, auf ein ame­ri­ka­nisch-rus­si­sches „End­spiel”:

„In this extra­or­di­na­ry war, whe­re Sau­di-fun­ded jiha­dist head chop­pers have Israe­li air sup­port and US and UK mili­ta­ry ‚advi­sers’, every time the Syri­an army is about to take com­ple­te con­trol of a major jiha­dist encla­ve, at the last moment when vic­to­ry is in their grasp, the Syri­an Army alle­ged­ly attacks child­ren with che­mi­cal wea­pons, for no mili­ta­ry rea­son at all. We have been fed this nar­ra­ti­ve again and again and again.

We then face a pro­pa­gan­da ons­laught from neo-con poli­ti­ci­ans, think tanks and ‚cha­ri­ties’ urging a gre­at rain of Wes­tern bombs and mis­si­les, and are accu­sed of call­ous­ness towards suf­fe­ring child­ren if we demur. This des­pi­te the cer­tain know­ledge that Wes­tern mili­ta­ry inter­ven­ti­ons in Afgha­ni­stan, Iraq and Libya have had con­se­quen­ces which remain to this day utter­ly disastrous.

I fear that the mas­si­ve orches­tra­ti­on of Russo­pho­bia over the last two years is inten­ded to pre­pa­re public opi­ni­on for a wider mili­ta­ry con­flict cent­red on the Midd­le East, but likely to spread, and that we are approa­ching that endgame.”

Es ver­hält sich kei­nes­wegs so, dass ich den Rus­sen traue, doch wenn ich etwas gelernt habe aus mei­nen his­to­ri­schen Stu­di­en, dann dass die größ­te Gefahr von den­je­ni­gen aus­geht, die glau­ben, das Man­dat der Geschich­te zu besit­zen, die mei­nen, den Fort­schritt, den Welt­lauf, das Gute, die bes­se­re Gesell­schaft zu ver­tre­ten. Die Gewis­sen­lo­sig­keit mor­det nur. Das gute Gewis­sen rot­tet aus. 

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Mit einem gewis­sen gal­li­gen Ver­gnü­gen lese ich, dass Had­mut Danisch von den Lesern sei­nes Blogs ähn­li­che Vor­wür­fe zu hören bekommt, wie sie mir bis­wei­len zuteil wer­den und wie Erich Käs­t­ner sie in sei­ner Gedicht­zei­le „Wo bleibt das Posi­ti­ve?” zusam­men­ge­fasst hat (in der Spra­che mei­ner Nicht­wahl­hei­mat gesell­te sich noch ein „Genos­se” dazu). Ja weiß der Teu­fel, wo das bleibt. Hal­ten wir es ein­fach mit der Nega­ti­ven Dia­lek­tik des Theo­dor W.: Die Idee des Schö­nen kann nur noch nega­tiv aus­ge­drückt wer­den, weil ihre posi­ti­ve For­mu­lie­rung von der Kul­tur­in­dus­trie, vom Rechts­po­pu­lis­mus oder dem Fress­feind miss­braucht und beschmutzt wür­de. Möge des Gute, Wah­re und Schö­ne bei der Lek­tü­re wie eine Kom­ple­men­tär­far­be vor Ihrem inne­ren Auge auf­schei­nen!
 

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