19. April 2018

„Dem moder­nen Men­schen ist es gleich­gül­tig, in sei­nem Leben kei­ne Frei­heit zu fin­den, wenn er sie in den Reden jener ver­herr­licht fin­det, die ihn unter­drü­cken.„
Nicolás Gómez Dávila

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Ein geist­rei­cher und vor allem humo­ri­ger Autor soll­te eine Sati­re schrei­ben (ich habe bedau­er­li­cher­wei­se kei­ne Zeit dafür) des Titels: „Erwin Rom­mel und Erich von Man­stein inspi­zie­ren die Bundeswehr”.

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Aktu­el­le Stun­de des Bun­des­tags zu Syri­en. Auf die Kurz­in­ter­ven­ti­on eines AfD-Abge­ord­ne­ten, wel­che Bewei­se die Bun­des­re­gie­rung für den behaup­te­ten und mit Bom­ben bestraf­ten Che­mie­waf­fen­ein­satz Assads habe, repli­ziert Chris­ti­an Schmidt, CSU, ehe­ma­li­ger Bun­des­mi­nis­ter für Land­wirt­schaft und davor Par­la­men­ta­ri­scher Staats­se­kre­tär im Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um (Land­wirt­schaft, Armee, ist doch alles eins, Exper­ten­tum wird über­schätzt): „Für mich stellt sich die Fra­ge, wel­chen Kampf Sie hier kämp­fen”, und endet mit den Wor­ten: „Wir sind hier nicht beim Amts­ge­richt.” Das gesam­te Gestam­mel, jenem unlängst an die­ser Stel­le ver­link­ten der zweit­be­gab­tes­ten Regie­rungs­spre­che­rin über die Bewei­se zum Casus Skri­pal nicht unähn­lich, kön­nen Sie hier genie­ßen. Bemer­kens­wert sind Schmidts Ein­las­sun­gen zur vor­an­ge­gan­ge­nen Rede Alex­an­der Gau­lands, die nicht nur mit der ihm gestell­ten Fra­ge nichts zu tun haben, son­dern die Zuhö­rer in einem Maße für blöd ver­kau­fen wol­len, das selbst für Uni­ons­ver­hält­nis­se expo­niert ist. Gau­land hat­te dar­auf insi­tiert, dass der drit­te Golf­krieg mit der Pro­pa­gan­da­lü­ge begon­nen wur­de, Sad­dam Hus­sein bedro­he sei­ne Nach­barn mit Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen, aber die Inspek­to­ren spä­ter sol­che Waf­fen nicht fin­den konn­ten, und nun für eine gewis­se Zurück­hal­tung gegen­über Assad plä­diert, solan­ge nichts klar sei. Der CSU-Mann warf Gau­land vor, er habe „völ­lig dane­ben­ge­langt”, denn Sad­dam Hus­sein habe sehr wohl Gift­gas beses­sen und 1988 gegen die Kur­den ein­ge­setzt. Wor­aus wir anschei­nend zu fol­gern gehal­ten sind, dass für die Zer­schla­gung des Irak 15 Jah­re spä­ter schon alle guten und wah­ren Grün­de vor­ge­le­gen hätten.

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Der Sozia­lis­mus wur­de vor allem in Polen, Ungarn und Sach­sen zer­stört. Dort, wo heu­te der Inter­na­tio­nal­so­zia­lis­mus an sei­ne Gren­zen stößt.

Der säch­si­sche Fisch stank übri­gens sogar vom Kop­fe her gegen den Natio­nal­so­zia­lis­mus an. Ernst Hein­rich Prinz von Sach­sen, jüngs­ter Sohn des letz­ten säch­si­schen Königs Fried­rich August III., stand von Anfang an in Oppo­si­ti­on zu den Nazis. Am 1. Juli 1934 wur­de er im Rah­men des Röhm-Put­sches ver­haf­tet und fünf Tage im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Hohn­stein ein­ge­sperrt. Auf Schloss Moritz­burg emp­fing er den ehe­ma­li­gen Leip­zi­ger Ober­bür­ger­meis­ter Carl Fried­rich Goe­rde­ler zu regel­mä­ßi­gen poli­ti­schen Gesprä­chen. 1943 zwei­fel­te er öffent­lich den Unfall­tod sei­nes Bru­ders Georg an und unter­stell­te, Georg sei ermor­det wor­den. Dar­auf­hin wur­de er von der Gesta­po ver­haf­tet und ver­hört. Ernst Hein­rich war ein Bewun­de­rer von Käthe Koll­witz, deren Wer­ke seit 1936 als „Ent­ar­te­te Kunst“ zu gel­ten hat­ten (Ken­nen Sie ihre Litho­gra­fie „Gefal­len!” von 1921? Allein mit die­sem Bild gehört die Koll­witz zu den Unsterb­li­chen). Nach­dem die Künst­le­rin 1943 in Nord­hau­sen aus­ge­bombt und obdach­los gewor­den war, nahm der Prinz sie in Moritz­burg auf.

Georg von Sach­sen, der letz­te Kron­prinz, Offi­zier und seit 1925 Jesui­ten­pa­ter, gehör­te zum Ber­li­ner Una-Sanc­ta-Kreis, einer öku­me­ni­schen Gesprächs- und Wider­stands­grup­pe, von deren Mit­glie­dern vie­le das NS-Regime nicht über­leb­ten. Er stand in Kon­takt zum Kreis­au­er Kreis sowie zu den Ver­schwö­rern vom 20. Juli 1944. Am 14. Mai 1943 starb der geüb­te Schwim­mer Pater Georg im Groß Glie­ni­cker See bei Ber­lin. Sein Bru­der Ernst Hein­rich sprach auf­grund der Aus­sa­gen von Augen­zeu­gen von einem Auf­trags­mord durch die Gestapo.

Maria Ema­nu­el Prinz von Sach­sen, Her­zog zu Sach­sen und Mark­graf von Mei­ßen, wur­de als Schü­ler wegen eines NS-kri­ti­schen Brie­fes 1943 ver­haf­tet und wegen Wehr­kraft­zer­set­zung ange­klagt. Ihm soll­te vor dem Volks­ge­richts­hof der Pro­zess gemacht wer­den, doch nach­dem der zustän­di­ge Rich­ter Roland Freis­ler im Febru­ar 1945 bei einem Bom­ben­an­griff zur Höl­le gefah­ren war, ruh­te das Ver­fah­ren. Bei Kriegs­en­de wur­de Maria Ema­nu­el als poli­ti­scher Häft­ling durch die in Pots­dam ein­rü­cken­den sowje­ti­schen Trup­pen befreit.

Immer die­se Sach­sen. Gegen jedes Regime müs­sen sie stänkern.

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Nach­trag zu mei­nen gest­ri­gen Varia­tio­nen über das The­ma: Mes­ser­at­ta­cken gehö­ren zu Deutsch­land. Eine RBB-Jour­na­lis­tin hat auf ihrer Face­book-Sei­te (Pos­ting vom 7. April) eine Tabel­le des Pots­da­mer Innen­mi­nis­te­ri­ums veröffentlicht:

2014: 260 Mes­ser­an­grif­fe, 264 ermit­tel­te Tat­ver­däch­ti­ge, davon 44 nicht-deutsch, davon 18 Zuwanderer.

2015: 306 Mes­ser­an­grif­fe, 304 TV, davon 84 nicht-deutsch, davon 42 Zuwanderer.

2016: 373 Mes­ser­an­grif­fe, 273 TV, davon 158 nicht-deutsch, davon 127 Zuwanderer.

2017: 404 Mes­ser­an­grif­fe, 396 TV, davon 174 nicht-deutsch, davon 115 Zuwanderer.

Bezo­gen auf die letz­ten drei Jah­re ist ein Anstieg um rund 55 Pro­zent. Die ande­ren Ten­den­zen sehen Sie ja.

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