26. April 2018

„Uner­bitt­lich suchen sich die Prei­se ihre Trä­ger.„
Ger­hard Polt

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Mene Tekel Uphar­sin. In ihrem Buch „Tote wei­ße Män­ner lie­ben“ beschreibt die „habi­li­tier­te Kul­tur­wis­sen­schaft­le­rin” Sophie Lieb­nitz – der Name ist ein Pseud­onym; im bes­ten Deutsch­land, das es je gab, kann es für die uni­ver­si­tä­re Kar­rie­re hei­kel wer­den, wenn man in fal­schen Ver­la­gen fal­sche Tex­te publi­ziert – den vor allem in der angel­säch­si­schen Welt um sich grei­fen­den Ras­sis­mus gegen den DWEM, den „Dead White Euro­pean Male”. Anhand durch­aus unglaub­li­cher Ein­zel­bei­spie­le ent­hüllt die Autorin das Grund­mus­ter eines so schwach­sin­ni­gen wie gefähr­li­chen lin­ken Kul­tur­kampfs – man könn­te auch sagen: eines kul­tur­feind­li­chen Amok­laufs –, der über die Sta­tio­nen Stig­ma­ti­sie­rung, Ver­leum­dung und Ent­rech­tung offen­bar zur Ent­mach­tung und kul­tu­rel­len Aus­lö­schung des wei­ßen Man­nes füh­ren soll. Also jenes Geschöpfs, des­sen Anteil an den wirt­schaft­li­chen, wis­sen­schaft­li­chen, tech­ni­schen und künst­le­ri­schen Her­vor­brin­gun­gen der Men­schen­gat­tung sämt­li­che ande­ren Eth­ni­en und die ca. 67 Geschlech­ter zu Sta­tis­ten degra­diert, depra­viert, ja diskriminiert.

Aber Moment, ver­hält es sich nicht genau anders­her­um, näm­lich dass die argen wei­ßen Ker­le alle ande­re Welt unter­drü­cken und zuschan­den machen? Gehört Frau Lieb­nitz zu den „Panik­ma­chern” (P. Bah­n­ers)? Frei­lich wird nie­mand Ein­wän­de gegen die Fest­stel­lung erhe­ben, dass wei­ße west­li­che Män­ner das ein­zi­ge Groß­kol­lek­tiv bil­den, des­sen Her­ab­set­zung und Bezich­ti­gung in der heu­ti­gen Öffent­lich­keit üblich, gedul­det und sozu­sa­gen en vogue ist („white trash”); zu klä­ren wäre also, ob es sich dabei um einen Anfang han­delt, ein Sam­meln von Kräf­ten und Zusam­men­zie­hen von Trup­pen, oder bloß um eine tem­po­rä­re kol­lek­ti­ve Ent­glei­sung mit durch­aus legi­ti­mem Grund. Sehen wir zu. 

Die Autorin zitiert zunächst die DWEM-Defi­ni­ti­on des Oxford Dic­tion­a­ry: „Infor­mal a wri­ter, phi­lo­so­pher or other signi­fi­kant figu­re who­se impor­t­ance and talents may have been exa­g­ge­ra­ted by vir­tue of his belon­ging to a his­to­ri­cal domi­nant gen­der and eth­nic group.” Die The­se lau­tet, dass Shake­speare, Mozart, Edi­son oder Planck wegen ihres Gen­ders und ihrer eth­ni­schen Her­kunft mög­lich­wei­se über­schätzt wer­den. Allein in die­ser Unter­stel­lung, da wür­de mir Kame­rad Nietz­sche sicher­lich zustim­men, steckt mehr Res­sen­ti­ment als im gesam­ten Chris­ten­tum. Ich kom­me dar­auf zurück.

Schau­en wir auf eini­ge der genann­ten Bei­spie­le. Im Herbst 2017 bot das New York Hun­ter Col­le­ge, das zur Uni­ver­si­ty of New York gehört, eine Lehr­ver­an­stal­tung „Aboli­ti­on of Whiteness” („Abschaf­fung des Weiß­seins”) an – Sie den­ken sich bit­te kom­ple­men­tär immer die Vari­an­ten „des Schwarz­seins”, „Judeseins”, „Frauseins”, „Mos­lem­seins”, „Queers­eins” dazu. In der Beschrei­bung des Kur­ses, notiert die Autorin, „wird Weiß­sein direkt mit ‚white supre­mayy‘ und Gewalt gleich­ge­setzt.” Ein Col­le­ge in San­ta Fe (New Mexi­co) lud wie­der­um zu einem Stu­di­en­kurs, der sich der „depray­ity of whiteness” wid­me­te, also der Ver­dor­ben­heit oder Ver­kom­men­heit des Weißseins.

Eben­falls 2017 gab es eine Serie von Anschlä­gen auf Colum­bus-Denk­mä­ler in den USA, denn der Genue­ser brach­te ja den wei­ßen Mann übers Meer. Bei der Schmä­hung des Ent­de­ckers der Neu­en Welt woll­ten es die Pro­gres­sis­ten frei­lich nicht belas­sen. Die Säu­be­rungs­wel­le erreich­te kurz dar­auf den Grün­der­va­ter der USA, Geor­ge Washing­ton, denn der hat­te Skla­ven, wie das damals in sei­ner Klas­se üblich war. Wenig spä­ter geriet sogar Abra­ham Lin­coln, der trotz sei­ner Ver­diens­te um die Skla­ven­be­frei­ung angeb­lich im Her­zen ein Ras­sist geblie­ben war, in den Blick der Kul­tur­re­vo­lu­tio­nä­re: In Chi­ca­go wur­de einen Büs­te des Prä­si­den­ten ver­brannt, andern­orts beschmier­te und beschä­dig­te man Sta­tu­en von ihm.

Ja, und die reak­tio­nä­ren Süd­staat­ler kamen erst recht an die Rei­he! „Char­lot­tes­vil­le mit der Uni­ver­si­tät von Vir­gi­nia und sei­nen 50.000 Ein­woh­nern ist zu einem Schau­platz der Aus­ein­an­der­set­zung um den Umgang mit Sym­bo­len der Skla­ve­rei sowie zum Spiel­platz für eine ultra­rech­te Bewe­gung gewor­den”, schrieb Spie­gel online am 12. August 2017. „Die libe­ra­le Stadt hat­te sich im April dafür ent­schie­den, aus einem zen­tra­len Park eine Sta­tue von Robert E. Lee zu ent­fer­nen. Lee war der Befehls­ha­ber der Trup­pen der Süd­staa­ten, die im ame­ri­ka­ni­schen Bür­ger­krieg für den Fort­be­stand der Skla­ve­rei kämpf­ten. Der frag­li­che Park wur­de bereits von Lee Park in Eman­ci­pa­ti­on Park umbe­nannt. Eine Peti­ti­on eines afro­ame­ri­ka­ni­schen Schü­lers hat­te das Gan­ze ins Rol­len gebracht.” So han­deln nur wirk­lich libe­ra­le Städte.

Als ein an Mili­tär­ge­schich­te leid­lich Inter­es­sier­ter kann ich Ihnen ver­si­chern, dass Lee zu den größ­ten mili­tä­ri­schen Genies aller Zei­ten zählt (schlimm!), dass er ein Ehren­mann war und im Gegen­satz zu den Nord­staa­ten-Schläch­tern Sher­man und Sheri­dan ein rit­ter­li­cher Krie­ger, der die Zivil­be­völ­ke­rung schon­te. Aber mit dem Fort­schritt im Tor­nis­ter hat es sich bekannt­lich zu allen Zei­ten am her­zigs­ten gebrannt und gemordet.

Direkt nach den Pro­tes­ten in Char­lot­tes­vil­le gegen die Demon­ta­ge des Lee-Denk­mals zer­stör­ten gute Ras­sis­ten in North Caro­li­na ein Krie­ger­denk­mal der Kon­för­de­rier­ten. In Bal­ti­more ließ die Stadt­ver­wal­tung ein Dop­pel­mo­nu­ment der Gene­rä­le Lee und Tho­mas „Stone­wall” Jack­son abrei­ßen, wobei hier ein neu­es, eigent­lich aber uraltes Zei­chen des Tri­umphs gesetzt wur­de: Die Denk­mä­ler wur­den nicht nur ent­fernt, son­dern durch ein ande­res ersetzt, wie das die Sie­ger im Land der Besieg­ten zu allen Zei­ten getan haben, um ihren Herr­schafts­an­spruch auch sym­bo­lisch mit­zu­tei­len. Anstel­le der bei­den wei­ßen Offi­zie­re steht nun eine schwar­ze Schwan­ge­re mit einem Kind auf dem Rücken dort, die wem auch immer mit der Faust droht. Soge­nann­te Akti­vis­ten gaben ihr den Namen „Lady Liber­ty”. Eine deut­li­che­re Kampf­an­sa­ge sei nicht vor­stell­bar, notiert Lieb­nitz: „Der Frei­heits­sta­tue, klas­si­zis­tisch, weiß, ste­ril und in ihrer Aus­sa­ge uni­ver­sa­lis­tisch, wird eine expres­si­ve, schwar­ze, frucht­ba­re Figur ent­ge­gen­ge­setzt, die durch ihre erho­be­ne Faust signa­li­siert, für ihre Inter­es­sen und die ihres Nach­wuch­ses aggres­siv ein­tre­ten zu wol­len.” Ange­sichts der staat­lich geför­der­ten Ent­eig­nung und Ver­trei­bung der Wei­ßen aus Süd­afri­ka, die von regel­mä­ßi­gen grau­si­gen Lynch­mor­den beschleu­nigt wird, an denen hier­zu­lan­de weder Poli­tik noch Medi­en ein teil­neh­men­des Inter­es­se zei­gen, darf sich jeder aus­ma­len, wohin die Rei­se füh­ren könnte.

Wech­seln wir auf die bri­ti­sche Insel, wo der­sel­be wohl­ge­sinn­te Wahn wal­tet. Im King’s Col­le­ge zu Lon­don, Lehr­statt von zwölf spä­te­ren Nobel­preis­trä­gern, füll­te der Dean of edu­ca­ti­on im Juli 2017 das Som­mer­loch mit der For­de­rung, man möge die Por­träts der Grün­der­vä­ter aus der Ein­gangs­hal­le ent­fer­nen, weil es den Stu­den­ten nicht zuzu­mu­ten sei, von Bil­dern bär­ti­ger wei­ßer Män­ner aus den zwan­zi­ger Jah­ren umge­ben zu sein (Bil­der gewis­ser bär­ti­ger Män­ner aus dem 7. bzw. 21. Jahr­hun­dert sind aber in Zukunft bestimmt will­kom­men). Die Cam­brid­ger Alt­phi­lo­lo­gin Mary Beard (sic!) sum­mier­te die dort Pro­trä­tier­ten bün­dig als „vik­to­ria­ni­sche Ras­sis­ten”, deren Anblick spe­zi­ell die far­bi­gen Stu­den­ten ver­höh­ne, wobei zu deren Inschutz­nah­me gesagt sei, dass die Initia­ti­ve nicht von ihnen aus­ging, so eman­zi­piert sind sie noch nicht. Der Iko­no­klas­mus auf der Insel befin­det sich noch im Sta­di­um des blo­ßen For­derns, kommt aber bei der Wahl des zu besei­ti­gen­den Per­so­nals dem über­see­ischen Vor­bild schon recht nahe: Eine afri­ka­nisch­stäm­mi­ge Jour­na­lis­tin hat im Guar­di­an dazu auf­ge­ru­fen, die Sta­tue Lord Nel­sons, immer­hin ein „white supre­macist”, am Tra­fal­gar Squa­re zu ent­fer­nen. Wenn man sich vor Augen füh­re, was der Sie­ger der See­schlacht von Tra­fal­gar für die Bri­ten bedeu­te, kom­men­tiert Lieb­nitz, „kann man die Pro­vo­ka­ti­ons­kraft und den Macht­wil­len ermes­sen, die in die­ser For­de­rung stecken”. 

Zur Agen­da der Wei­ßen­ab­wer­tung gehört die Mani­pu­la­ti­on der Geschich­te, die ja sowie­so kei­ner mehr kennt, was die Ange­le­gen­heit erleich­tert – ich erin­ne­re an die rei­zen­de Sto­ry, dass tür­ki­sche Gast­ar­bei­ter nach dem Zwei­ten Welt­krieg West­deutsch­land wie­der auf­ge­baut haben. Ein Lehr­vi­deo der BBC zeigt einen schwar­zen römi­schen Offi­zier, der den Bau des Hadri­ans­walls kon­trol­liert. Nach geta­ner Arbeit kehrt die­ser ver­früh­te Othel­lo zu sei­ner wei­ßen Frau heim und schaut mit ihr gemein­sam dem Töch­ter­chen zu, wie es mit dem Spiel­zeug­schwert han­tiert und sich dar­auf ein­stimmt, der­einst den Wall gegen blü­ten­wei­ße Bri­ten zu ver­tei­di­gen. Bereits 2009 war in einem Robin-Hood-Film ein schwar­zen Bru­der Tuck auf­ge­tre­ten. Die Ver­gan­gen­heit umzu­schrei­ben, gehör­te stets zu den ers­ten Maß­nah­men von Erobe­rern. „Was die UN ganz unver­blümt als ‚repla­ce­ment migra­ti­on’ benann­te, wie­der­holt sich hier auf sym­bo­li­scher Ebe­ne” (Lieb­nitz).

Die Scot­tish Natio­nal Por­trait Gal­le­ry in Edin­burgh prä­sen­tier­te im ver­gan­ge­nen Jahr eine Schau mit Por­träts aus dem 17. und 18. Jahr­hun­dert. Eine Hip-Hop-Trup­pe der Stadt durf­te in der Aus­stel­lung ein Video dre­hen, in dem ein halb­nack­ter, bar­fü­ßi­ger schwar­zer Bur­sche aggres­siv die Räu­me durch­streift, Box­be­we­gun­gen gegen die Gemäl­de aus­führt und dazu rappt: „Bedeu­tet das, mich gibt es nicht? … Weil ich kein Gesicht wie meins, in Gold gerahmt, an den Wän­den sehe? … Tote, wei­ße Ker­le … eine lan­ge Rei­he inzücht­le­ri­scher Brut, die bald aus­ster­ben wird. Aber ich bin hier. Mein blo­ßes Dasein, mei­ne Nähe, mein Atem – alles belei­digt dich!” Nun, zumin­dest der letz­ten Bemer­kung wird wohl nie­mand wider­spre­chen. Der Hass­aus­bruch gegen die bri­ti­sche Geschich­te wur­de auf bewähr­te wei­ße, wenn­gleich nicht beson­ders wei­se Wei­se mit bri­ti­schen Steu­er­gel­dern finan­ziert. Wenn die Brut wirk­lich eines Tages aus­ge­stor­ben sein soll­te, wird auch das vor­bei sein; wenigs­tens das.

Ich sprach vor­hin von Res­sen­ti­ment in Rein­form. Hier steht ein kul­tur­lo­ser, zu jeder Art Schöp­fer­tum unfä­hi­ger, wegen sei­ner Haut­far­be mit beson­de­rer Sen­si­bi­li­tät zu behan­deln­der Fatz­ke vor Zeug­nis­sen der west­li­chen Kunst und deu­tet schon mal an, was die­se Genies eines Tages wahr­schein­lich wirk­lich erle­di­gen wer­den: deren Zer­stö­rung. (Es sei denn, die Chi­ne­sen oder rei­che Ara­ber kau­fen das alles; die ken­nen auch noch die ange­mes­se­ne Art, mit Leu­ten umzu­ge­hen, die ihnen ihren Besitz kaputt­ma­chen wol­len.) Es geht dem Buben nicht nur dar­um, die für ihn uner­reich­ba­ren Trau­ben als viel zu sau­er abzu­wer­ten, er will das Ver­lan­gen nach Süße über­haupt dis­kre­di­tie­ren. Womit wir beim für heu­te letz­ten Exem­pel wären. 2016 brach­te eine Grup­pe von Stu­den­ten der Uni­ver­si­tät Yale eine Peti­on ein, die eine fun­da­men­ta­le Ände­rung der Stu­di­en­lek­tü­re for­der­te. Die Kennt­nis von Shake­speare, Mil­ton und ande­rer toter wei­ßer Män­ner soll­te nicht mehr ver­bind­lich sein für das Stu­di­um eng­li­scher Lite­ra­tur, denn ein Stu­di­um „wo die lite­ra­ri­schen Bei­trä­ge von Frau­en, far­bi­gen Men­schen und Queers feh­len, beschä­digt alle Stu­den­ten, egal wel­cher Iden­ti­tät“, notier­te damals der Guar­di­an. Der­glei­chen geschieht der­zeit an vie­len Uni­ver­si­tä­ten im angel­säch­si­schen Raum. Der Kanon ist ent­schie­den zu weiß. Saul Bel­lows Bemer­kung: „Wenn die Zulus einen Tol­stoi haben, wer­den wir ihn lesen”, ist als wei­ßer Übe­le­gen­heits­dün­kel überführt.

Wer jetzt vor­schlägt, man kön­ne doch das eine tun und das ande­re nicht las­sen, hat das Prin­zip nicht begrif­fen. Es geht nicht um Par­ti­zi­pa­ti­on, son­dern um Macht. Mit lite­ra­ri­scher Qua­li­tät hat das nichts zu tun. Die Über­le­gen­heit der toten wei­ßen Män­ner in allen Küns­ten außer viel­leicht Hip-Hop, Säbel- und Bauch­tanz ist zu enorm, dass es auch der diver­si­fi­zier­tes­ten Esel_In bei der Par­al­lel­lek­tü­re oder ‑betrach­tung nicht irgend­wann auf­gin­ge; des­halb muss Shake­speare ganz weg. Mehr Res­sen­ti­ment ist, wie gesagt, schwer möglich.

Die­sel­be Unver­söhn­lich­keit und Kom­pro­miss­lo­sig­keit herrscht auch bei der Bewer­tung his­to­ri­scher Per­sön­lich­kei­ten und Ereig­nis­se. Es wäre ja ein Leich­tes, sowohl einen Colum­bus-Tag als auch, an einem ande­ren Datum, einen „Indi­ge­nious Peop­le Day” zu fei­ern, aber tat­säch­lich wur­de in ver­schie­de­nen ame­ri­ka­ni­schen Städ­ten, dar­un­ter L. A., der eine bloß durch den ande­ren ersetzt. Eine ver­bind­li­che, alle Bür­ger und Eth­ni­en inte­grie­ren­de natio­na­le Geschichts­er­zäh­lung scheint nicht mehr mög­lich zu sein. Es geschieht, was der His­to­ri­ker Arthur M. Schle­sin­ger 1991 halb dia­gnos­ti­zier­te und halb pro­phe­zei­te: the Dis­u­ni­t­ing of Ame­ri­ca. Grup­pen tra­gen ihre Inter­es­sen mit zuneh­men­der Aggres­si­vi­tät in die Gesell­schaft; das Gemein­sa­me ist kein Ziel mehr. Angeb­lich agie­ren die lin­ken Akti­vis­ten, die übri­gens ver­blüf­fend oft weiß sind, als Agen­ten des Uni­ver­sa­lis­mus, aber die­se Zau­ber­lehr­lin­ge erzeu­gen immer nur neue Par­ti­ku­la­ris­men. Wobei sie ver­su­chen wer­den, die DWEM-Denk­mä­ler über­all zu schlei­fen, durch Bunt­heits­mo­nu­men­te zu erset­zen und das Ergeb­nis als Uni­ver­sa­lis­mus zu ver­kau­fen. Mit dem Para­do­xon, dass es angeb­lich Ras­sen gar nicht gibt, aber Ras­sen­un­ter­drü­ckung und Ras­sen­un­ru­hen denn doch – und natür­lich die Ras­se der Wei­ßen, die dafür ver­ant­wort­lich ist –, wol­len wir uns nicht auf­hal­ten; es geht hier nicht um Logik, son­dern, wie gesagt, um Macht.

Lieb­nitz schreibt dazu: „Wenn Wei­ße ihre Dre­ad­locks abschei­den und sich von Hip-Hop fern­hal­ten sol­len” – was ich sehr befür­wor­ten thä­te! –, „dann dürf­ten schwar­ze Ame­ri­ka­ner nicht mehr in Jeans her­um­lau­fen, sich dürf­ten nicht Auto fah­ren, kei­ne moder­ne Medi­zin in Anspruch neh­men, kei­nen Com­pu­ter oder Fern­se­her benut­zen und kei­ne Men­schen­rech­te bean­spru­chen – alles Din­ge, die in wei­ßen Kul­tu­ren ent­wi­ckelt wor­den sind.” Aber auch dar­auf ver­steht die anti­wei­ße Fron­de zu reagie­ren: Man behaup­tet ein­fach, dass alle Ent­wick­lun­gen der Wei­ßen aus der Unter­drü­ckung und Aus­plün­de­rung der ande­ren resul­tie­ren; mit­hin sind vom atti­schen Tem­pel bis zur Raum­sta­ti­on sämt­li­che Wer­ke der wei­ßen Wöl­fe eigent­lich von den ande­ren Eth­ni­en geschaf­fen wor­den. Der lin­ke alte wei­ße Mann glaubt, durch die eif­ri­ge Bezich­ti­gung und Ver­dam­mung aller ande­ren wei­ßen Män­ner sei­ne blei­che Haut zu ret­ten, aber sie wer­den ihn nicht verschonen.

Soweit zum Buch. Eine per­sön­li­che Schluss­be­mer­kung will ich mir gestat­ten. Ich hat­te mir unter dem Titel etwas ande­res ver­spro­chen, näm­lich eine Lie­bes­er­klä­rung. Alles, was ich lie­be, haben tote (und ein paar noch leben­de) wei­ße Män­ner geschaf­fen, ob nun die Ölma­le­rei, das Disti­chon, den Kon­tra­punkt oder die Komö­die, ob Mat­thä­us-Pas­si­on oder die „Meis­ter­sin­ger”, Schu­berts B‑Dur-Sona­te oder Bruck­ners Ach­te, Cho­pins Noc­turnes oder Rame­aus „Piè­ces”, ob die Hofzwer­ge des Veláz­quez, die Him­mel Clau­de Lor­rains oder die Fres­ken Giot­tos, ob „A la recher­che du temps per­du” oder „Pnin”, ob „Odys­see”, „West-öst­li­cher Divan” oder die Sonet­te des Gro­ßen Ein­zi­gen, ob Tsche­chows Erzäh­lun­gen oder die Geschich­ten Jaa­kobs, ob Châ­teau Mar­gaux oder Châ­teau Lafi­te-Roth­schild, ob Lin­den­oper oder Sca­la, ob die Kathe­dra­le von Ami­ens, die Basi­li­ca dei San­ti Gio­van­ni e Pao­lo oder San Fran­ces­co in Assi­si, ob „Clock­work oran­ge” oder „Bar­ry Lyn­don”, zu schwei­gen von Renn­rad, Chai­se­longue, Spei­se­wa­gen, Füll­fe­der­hal­ter, Drei­tei­ler, Cro­ckett & Jones-Schu­hen und hal­ter­lo­sen Damen­strümp­fen. Wenn nun ein paar spe­zi­el­le Hoch­be­gab­te der Mei­nung sind, die Wer­ke der toten wei­ßen Män­ner an den Uni­ver­si­tä­ten – und wer weiß, wo über­all noch – aus­zu­son­dern, kann ich das nur glü­hend befür­wor­ten. Weg mit Goe­the, weg mit Bau­de­lai­re, weg mit Beet­ho­ven, weg mit Michel­an­ge­lo, weg mit Ver­meer, die­ses pre­kä­re G’schwärl, die­se „Brut” soll das nicht lesen, nicht sehen, nicht hören, nicht beschmut­zen; mögen sol­che Figu­ren auch ästhe­tisch unter ihres­glei­chen blei­ben, damit ist am Ende allen gedient …

                                  ***

Eine klei­ne Anmer­kung. Ein sol­ven­ter Inves­tor sucht für eine neu zu grün­den­de Wochen­zeit­schrift recher­che­be­rei­te und ideo­lo­gisch unver­na­gel­te Jour­na­lis­ten. Er hält dies Medi­um hier, also mei­nen klei­nen Eck­la­den, für einen guten Ver­brei­ter die­ser unkon­ven­tio­nel­len Stel­len­an­zei­ge, für einen bes­se­ren zumin­dest als den Stel­len­markt der Süd­deut­schen oder der FAZ. Ich bin gehal­ten, Inter­es­sen­ten an ihn wei­ter­zu­ver­wei­sen. Wer Inter­es­se hat, möge mir unter info@michael-klonovsky.de schrei­ben; ich stel­le den Kon­takt her, alles ganz dis­kret, ver­steht sich.

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