19. Juni 2018

„Die im Prin­zip gleich­ge­wichts­fä­hi­gen Agrar­ge­sell­schaf­ten sind durch die Indus­tria­li­sie­rung zer­stört wor­den, und eine neue nach­hal­ti­ge Struk­tur ist noch nicht in Sicht, was ange­sichts einer etwa um das Zehn­fa­che gewach­se­nen Welt­be­völ­ke­rung ein gra­vie­ren­des Pro­blem bil­det. Sei­ne Lösung erfor­dert umfang­rei­che wis­sen­schaft­lich-tech­nisch-indus­tri­el­le Inno­va­tio­nen. (…) Die isla­mi­sche Welt erscheint heu­te, ver­gleicht man sie nicht nur mit Euro­pa/­Neo-Euro­pa, son­dern auch mit Ruß­land oder dem Fer­nen Osten, als erstaun­lich unfrucht­bar. Man kann sich kaum vor­stel­len, daß ein isla­mi­sier­tes Euro­pa (des­sen begab­tes­te Ein­woh­ner sich natür­lich in ande­re Welt­tei­le abge­setzt hät­ten) in der Lage wäre, die Auf­ga­ben der anste­hen­den gro­ßen Trans­for­ma­ti­on zur Nach­hal­tig­keit zu bewältigen.”

Rolf Peter Sie­fer­le, „Das Migrationsproblem”

***

Inzwi­schen haben meh­re­re Leser Spen­den für die Fami­lie des 40jährigen Tho­mas K. ange­bo­ten, der in der Innen­stadt von Ber­gisch Glad­bach von einem 19jährigen Migran­ten tot­ge­schla­gen wur­de. (Die Ver­stei­ge­rung von Bernd Zel­lers Gemäl­de der Rich­te­rin, die dem Gold­stück zu nur zwei Jah­ren Bewäh­rung ver­half – sie­he Ein­trag vom 15. Juni –, zuguns­ten der Hin­ter­blie­be­nen endet mor­gen!) Das heißt, Zel­ler und ich kön­nen Geld an die Wit­we und ihre bei­den min­der­jäh­ri­gen Kin­der wei­ter­lei­ten, wenn wir nur wüss­ten, wohin. Ich habe schon ein­mal gefragt und wie­der­ho­le die Fra­ge: Ist jemand da drau­ßen, der mir einen Kon­takt zu der Fami­lie her­stel­len kann?

***

Die Mer­kel­schmel­ze schrei­tet fort, und der Nero­be­fehl ist erteilt. Die­se Frau will voll­ende­te Tat­sa­chen schaf­fen, bevor sie in irgend­ein Exil geht (oder glaubt jemand ernst­haft, dass sie ihr schmach­vol­les Leben der­einst in jenem Deutsch­land beschlie­ßen wird, dem sie all jene Las­ten auf­ge­bür­det hat, die Jahr für Jahr fühl­ba­rer wer­den, vom Mer­kel­le­go an öffent­li­chen Plät­zen über die täg­li­che Frau­en­lei­che bis hin zum ers­ten Black­out, der spä­tes­tens vor­stel­lig wird, wenn die AKW vom Netz gegan­gen sind?). Wie alle poli­ti­schen Groß­gau­ne­rei­en die­ser pro­tes­tan­tisch ein­ge­sal­ze­nen und im sozia­lis­ti­schen Sud gegar­ten Baba Jago (sic!) geschieht auch der letz­te Zer­stö­rungs­akt im Ges­tus der Men­schen­freund­lich­keit, man­gels eige­ner Nächs­ter simu­liert sie Ferns­ten­lie­be, beglei­tet von den Vio­li­nen des Huma­ni­ta­ris­mus, den Posau­nen des euro­päi­schen Gedan­kens und den gewohn­ten, frei­lich all­mäh­lich etwas hei­ser klin­gen­den media­len Schmeich­ler­chö­ren. Wenn die Frem­den­füh­re­rin von der Welt­büh­ne abtritt, will sie die Tür hin­ter sich zuschla­gen, dass zumin­dest Deutsch­land erzittert.

Was meint die­se nach­kom­men­lo­se, rach­süch­ti­ge, dem eige­nen Land in Zer­stö­rungs­fu­ror ver­bun­de­ne Per­son, wenn sie von einer „euro­päi­schen Lösung” der Völ­ker­wan­de­rungs­fra­ge spricht und nur um etwas Zeit – „Zeit gewon­nen, alles gewon­nen” (Kleist, „Lehr­buch der fran­zö­si­schen Jour­na­lis­tik”) – dafür bittet?

Das Papier, auf wel­ches Mer­kel war­tet, hat das soge­nann­te EU-Par­la­ment bereits pas­siert, in weni­gen Tagen wird es den EU-Regie­rungs­chefs als Beschluss­vor­la­ge zur Unter­schrift prä­sen­tiert. Wenn der EU-Rat Ende Juni zustimmt, wer­den Ände­run­gen an der „Dub­lin III-Ver­ord­nung” rechts­kräf­tig. Danach ist nicht mehr das Erst­ein­tritts­land für das Asyl­ver­fah­ren zustän­dig, son­dern das EU-Land, wel­ches sich der jewei­li­ge Zug­vo­gel als künf­ti­gen Nist- und Brut­platz wünscht. Er – meis­tens ist es ein „er” – muss dafür nur „Anker­per­so­nen” in die­sem Land haben oder es behaup­ten. Dann müs­sen sie an der Gren­ze nicht mehr „Asyl” und nicht ein­mal mehr „Syrer” sagen, son­dern: Da und dort lebt der dritt­äl­tes­te mei­ner neun Brüder/der Schwa­ger mei­nes Nach­barn aus mei­nem Dorf/ das vier­te Kind mei­ner zwei­ten Frau, das genügt, lie­be Lese­rin­nen und Leser, um an Ihrem Steu­er­geld, Ihrer Alters­vor­sor­ge und Ihrer Hei­mat zu par­ti­zi­pie­ren. Hei­mat ist ohne­hin nur ein Kon­strukt! Einen Arbeits­platz brau­chen die Deutsch­land-Debü­tan­ten nicht, denn die Kar­tof­feln arbei­ten ja bald bis neun­und­sech­zig, und wenn die Sozi­al­sys­te­me eines post­mer­kel­schen Tages kol­la­bie­ren, wer­den die meis­ten Gast­ge­ber alt genug sein, dass sie sich in ihren Häu­sern und Woh­nun­gen wider­stands­los alles Über­flüs­si­ge weg­neh­men las­sen. Jeder kann sich aus­ma­len, wie vie­le elan­vol­le Afri­ka­ner und from­me Ori­en­ta­len plötz­lich Ange­hö­ri­ge in Deutsch­land haben wer­den – die haben ja wenigs­tens noch Ange­hö­ri­ge, und mit jedem, der sich hier nie­der­lässt, wer­den es mehr –, die Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten wer­den blü­hen und gedei­hen, die Clans wer­den mäch­ti­ger, die Moscheen präch­ti­ger, die Kri­mi­na­li­tät wird um ein lächer­lich Gerin­ges stei­gen, jedoch in den äußer­lich mono­chro­men, aber inner­lich bun­ten Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten nahe­zu völ­lig ver­schwin­den, immer mehr Wei­ber wer­den die Kur­ve krie­gen und im Haus­frau­en­da­sein ihr Glück fin­den, immer mehr Grü­ne und Rote wer­den beten ler­nen, die Zahl der Geschlech­ter wird auf den Vor­kriegs­stand zurücksin­ken, die Müll­tren­nung ihr Ende fin­den, im Klei­nen Eck­la­den wer­den der Koran und die bes­ten Arten der Frau­en­hal­tung dis­ku­tiert, die Lehr­plä­ne wer­den züch­ti­ger, wie auch wir ver­ge­ben unse­ren Zucht­meis­tern, weil sie als acht­ba­re Musul­ma­nen sich immer­hin eines nicht bie­ten las­sen wer­den, näm­lich öffent­li­che Auf­trit­te von Troll*innen wie C. Roth oder K. Göring-Eckardt… – ich schwei­fe all­zu sehr ab.

Wenn die EU-Regie­rungs­chefs die­ses Papier abseg­nen, wird der Migra­ti­ons­strom nach Deutsch­land nicht mehr ver­eb­ben, und er wird das Land stär­ker ver­än­dern als der Zwei­te Welt­krieg. Da es sich fast aus­nahms­los um unge­bil­de­te, zu gro­ßen Tei­len tri­ba­lis­tisch erzo­ge­ne, bis zur Arbeits­un­lust from­me Per­so­nen han­delt, deren Bei­trag zum Brut­to­so­zi­al­pro­dukt sich umge­kehrt rezi­prok zu ihrem Anteil am Auf­bau inne­rer Span­nun­gen… – geneig­ter Leser, das ken­nen Sie ja alles schon. Die Migra­ti­ons­fra­ge ist die Schick­sals­fra­ge Euro­pas, die­ses The­ma lässt sich gar nicht über­be­wer­ten. Aus einer Wäh­rungs­uni­on kann man aus­tre­ten, ein zer­stör­tes Land wie­der auf­bau­en, eine Ener­gie­wen­de umkeh­ren, aber ein Bevöl­ke­rungs­aus­tausch sol­chen Tem­pos und in die­ser Grö­ßen­ord­nung – als Mess­sta­tio­nen kom­men ein­zig die Schu­len und Kin­der­gär­ten in Fra­ge, nur dort sieht man die Zukunft – ist irrever­si­bel. Mer­kel, deren Gene aus­ster­ben wer­den, was viel­leicht das Bes­te ist, das sich über sie sagen lässt, muss sich um das Schick­sal ihrer Lie­ben nicht sor­gen und kann sich zugleich als Huma­nis­tin fei­ern las­sen dafür, dass sie eine Zivi­li­sa­ti­on auf mitt­le­re Sicht dem Abge­räum­twer­den preis­ge­ge­ben hat, und die dumpf­deut­schen Sieg­heil­brül­ler umschwär­men sie trotz­dem; ein wahr­haft teuf­li­sches Schau­spiel, geeig­net für jede Art Blocksberg.

Teuf­lisch ist auch der Mecha­nis­mus, der die ande­ren EU-Staa­ten, von denen kei­ner am deut­schen Hexen­sab­bat teil­zu­neh­men gedenkt (auch Mer­kels letz­ter ver­blie­be­ner Incu­bus Macron lässt an Frank­reichs Süd­gren­ze mas­sen­haft Migran­ten abwei­sen), trotz­dem zur Unter­schrift treibt, aus­ge­nom­men viel­leicht die als Völ­ker­wan­de­rungs­zi­el­län­der unwil­li­gen Ost­eu­ro­pä­er, die künf­ti­gen Exi­le der christ­li­chen Euro­pä­er. Zumin­dest wer­den die Regie­rungs­chefs aus Ita­li­en, Spa­ni­en und Grie­chen­land zustim­men, denn wenn die deut­sche Vet­tel der Welt die Bei­ne öff­net, blei­ben ihre Län­der vom Lie­bes­dienst ver­schont. Am Ende wer­den womög­lich sogar die ost­eu­ro­päi­schen Staats­chefs die Sache abni­cken, um Sank­tio­nen zu ent­ge­hen; da sie kaum Migran­ten auf­ge­nom­men haben, leben dort auch kaum „Anker­per­so­nen”… Auch hier gibt es eine Hoff­nung, näm­lich die Rats­prä­si­dent­schaft Öster­reichs, die am 1. Juli beginnt. Viel­leicht zer­schlägt ja der acht­ba­re Herr Kurz Mer­kels Plä­ne, viel­leicht lässt er das Papier neu „dis­ku­tie­ren”.

***

Indes: Die ande­ren Euro­pä­er, sagt Freund ***, klag­ten doch immer über die deut­sche Wirt­schafts­do­mi­nanz und den deut­schen Außen­han­dels­über­schuss. Bei­des lie­ße sich ver­mit­tels Migra­ti­on begren­zen, sofern man bei dem der­zei­ti­gen Modus blie­be, dass über­wie­gend Analpha­be­ten und Tau­ge­nicht­se ins Land geholt wer­den. Die Ein­wan­de­rer bräch­ten die Wirt­schaft nicht vor­an, son­dern kos­te­ten im Gegen­teil den Steu­er­zah­ler Mil­li­ar­den, aber als Kon­su­men­ten sei­en sie auf­grund ihrer schie­ren Zahl nicht zu unter­schät­zen. Man schla­ge also zwei Flie­gen mit einer Klap­pe: Die deut­sche Wirt­schafts­kraft sin­ke, und mehr deut­sches Geld wer­de in Deutsch­land ausgegeben.

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Man wird künf­tig sagen: „Ich bin in Deutsch­land vor Anker gegangen.”

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Gibt es ein Mit­tel dage­gen? Mög­li­cher­wei­se. Aber die Zeit arbei­tet auch für die­je­ni­ge, deren Tage gezählt sind und deren Name bald nicht mehr genannt wer­den darf; des­halb wird ihre Poli­tik ja immer amok­läu­fe­ri­scher. Wenn See­hofer die Koali­ti­on plat­zen lässt, wer­den die Grü­nen in Mer­kels Volks­sturm ein­rü­cken und den Kampf gegen die Zwei­te deut­sche Demo­kra­tie fort­set­zen. Die mul­ti­me­dia­le Ver­teu­fe­lung der AfD und das Geschick vie­ler AfD­ler, nach dem gelun­ge­nen Über­schrei­ten des Rubi­kon aus­gie­big in jedem Fett­näpf­chen zu baden, machen bis­lang gemein­sa­me Aktio­nen mit CSU und FDP unmög­lich – bis­lang, aber die Zeit läuft! –, so dass alle kurz­fris­ti­ge Hoff­nung auf den schma­len und schwa­chen Schul­tern der CDU-Bun­des­tags­frak­ti­ons­mit­glie­der ruht.

Natür­lich ist es bes­ser, wenn die Koali­ti­on aus­ein­an­der­fliegt, als wenn ein fau­ler Kom­pro­miss gefun­den wird. Im Netz zir­ku­lie­ren Spe­ku­la­tio­nen, dass die CSU dann bun­des­weit antre­ten könn­te. Mit den ent­täusch­ten CDU-Wäh­lern und den Über­läu­fern aus der AfD- und FDP-Stimm­schaft könn­ten die Christ­so­zia­len bun­des­weit die stärks­te Par­tei wer­den, aber der Auf­wand wäre gigan­tisch, und bis­lang galt die Regel, dass ein Bay­er als Kanz­ler unver­mit­tel­bar ist. Der­weil arbei­tet Frau Wagen­knecht an ihrer lin­ken Samm­lungs­be­we­gung, und was sprä­che eigent­lich dage­gen, aus der „Gemein­sa­men Erklä­rung 2018” wie­der­um eine kon­ser­va­tiv-libe­ra­le Samm­lungs­be­we­gung her­vor­ge­hen zu las­sen? Die deut­sche Poli­tik ist span­nend wie lan­ge nicht, aber hier setzt wie­der der sata­ni­sche Mecha­nis­mus ein, dass dabei Zeit ver­geht, kost­ba­re Zeit, Mer­kel­zeit. Es ist wie der „Wett­lauf zum Meer” an der West­front 1914…

Bis dahin wird noch viel Was­ser die Spree hin­ab und viel mensch­li­ches Gold in jenes Schla­raf­fen­land strö­men, wo man Gold mit Hartz IV auf­wiegt, zahl­rei­che Mes­ser und Import­pe­nis­se wer­den unauf­ge­for­dert in wider­spens­ti­ge deut­sche Mädel ein­drin­gen (hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier), vie­le „Fami­li­en” und „Grup­pen” wer­den ihr Folk­lo­re­fes­te auf deut­schen Stra­ßen aus­tra­gen (hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier), vie­le Scha­fe und auch Frau­en wer­den halal geschlach­tet (hier, hier), Tou­ris­ten nicht ver­ges­sen (hier), und die Reli­gi­on des Frie­dens wird sich wei­ter im Lan­de der Gott­lo­sen und ihrer gott­be­schei­ßens­wür­di­gen Bischöf*innen ausbreiten.

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Das Neue Deutsch­land weist eine Wort­mel­dung des sowje­ti­schen Staats­chefs zurück: „Gor­bat­schow bla­miert sich mit Lügen-Tele­gramm” (hier).

***

Dass See­hofer sagt, er kön­ne „mit die­ser Frau nicht mehr zusa­men­ar­bei­ten”, hat nicht pri­mär inhalt­li­che Grün­de, son­dern folgt aus Mer­kels voll­kom­men scham­lo­ser und per­fi­der Art, die Ansich­ten zu wech­seln und zu ver­ges­sen. Alex­an­der Wendt hat eine ent­lar­ven­de Chro­nik der letz­ten Tage ver­öf­fent­licht. Ein Auszug:

„Don­ners­tag, 14. Juni. Die Gene­ral­se­kre­tä­rin schreibt einen Brief an alle CDU-Mit­glie­der. Dar­in unter­brei­tet sie nun plötz­lich einen ‚Kom­pro­miss’, den Mer­kel bei Anne Will, in der Frak­ti­on und bei dem nächt­li­chen Gespräch im Kanz­ler­amt abge­lehnt hatte:

‚Aus die­ser Über­zeu­gung her­aus hat unse­re Par­tei­vor­sit­zen­de Horst See­hofer fol­gen­den Kom­pro­miss­vor­schlag unterbreitet:
Sofor­ti­ge Zurück­wei­sung an der Gren­ze von den­je­ni­gen, die bereits einen Asyl­an­trag gestellt und eine Ableh­nung erhal­ten haben.
Auf der Grund­la­ge von bila­te­ra­len Ver­ein­ba­run­gen, Zurück­wei­sung von den­je­ni­gen, die bereits einen Asyl­an­trag in einem ande­ren euro­päi­schen Land gestellt haben.’

Ziel der Akti­on ist es, die CSU-Ver­tre­ter als die­je­ni­gen dar­zu­stel­len, die jeden Kom­pro­miss ableh­nen. In Wirk­lich­keit hat­ten See­hofer und Söder genau das ange­bo­ten – erst ein­mal Beschrän­kung auf die Grup­pe der schon in Deutsch­land Abge­lehn­ten, aber einen Auf­schub für die Abwei­sung der Asyl­be­wer­ber, die über EURODAC in einem ande­ren EU-Land regis­triert sind.

Kramp-Kar­ren­bau­er erklärt in ihrem Brief nicht, war­um die Abwei­sung der einen Grup­pe an der Gren­ze nun doch mög­lich sein soll – nach­dem Mer­kel ja gera­de behaup­tet hat­te, das euro­päi­sche Recht ver­bie­te grund­sätz­lich Zurück­wei­sun­gen an der Grenze.

Durch Kramp-Kar­ren­bau­ers Brief kommt es den CDU-Mit­glie­dern und vie­len Deut­schen über­haupt erst zu Bewusst­sein, dass Mer­kel bis­her noch nicht ein­mal die Zurück­wei­sung von bereits in Deutsch­land abge­lehn­ten und erneut ein­rei­sen­den Asyl­be­wer­bern akzep­tie­ren woll­te, und die­se Selbst­ver­ständ­lich­keit jetzt als gro­ßen Kom­pro­miss ver­kauft.” (Mehr hier.)

***

Zur „Tos­ca” an der Wie­ner Oper erscheint eine usbe­kisch­stäm­mi­ge Mus­li­min mit offe­nem Haar und tief dekol­le­tiert, in der Pau­se spricht sie dem Wei­ne zu, und im Anschluss an die Oper bestellt sie an der Bar einen Cock­tail. „Beten genügt”, sagt sie.

***

Was mich auf Umwe­gen zu Peter Hacks führt, mei­nem Lieb­lings­sta­li­nis­ten, einer ken­tau­ri­schen Gestalt aus Lin­kem (poli­tisch) und Reak­tio­när (ästhe­tisch), was in der DDR gar nicht so sel­ten war und wofür Namen wie Hei­ner Mül­ler oder Wolf­gang Harich ste­hen (Letz­te­re kann­te ich per­sön­lich, Hacks lei­der nicht). Ich such­te online nach einem Gedicht von ihm, um es einer Run­de von Kle­ri­kal­fa­schis­ten, Roya­lis­ten, Ras­sis­ten, Cel­lis­ten und Sata­nis­ten vor­zu­tra­gen, fand es aber nir­gends. Die­sen skan­da­lö­sen Zustand will ich hier­mit been­den. Hacks schrieb „Tamer­lan in Ber­lin” als gal­li­ge Sati­re auf die Über­nah­me sei­ner DDR durch die BRD; auf die heu­ti­ge Situa­ti­on – und erst recht die mor­gi­ge – passt das Stück aber noch weit besser.

Timur der Hin­ker, Fürst der Transoxanen,
Durch Got­tes Zorn gesetzt auf sei­ne Bahnen,

Nach­dem er Per­si­en an sich gerissen,
Bag­dad zer­stört, Ruß­land in Staub geschmissen,

Fiel ihm noch bei, mit sei­nen Steppensöhnen
In uns­rer Haupt­stadt sei­nen Zug zu krönen.

Des Hin­kers Heer kam rasch wie ein Gedanke
Her­ein­ge­bro­chen über Spree und Panke.

Ein aus­ge­stopf­ter Zie­gen­bock, den Horden
Vor­an­ge­tra­gen, ruft zu tau­send Morden,

Und gräß­lich dün­gen des Tyran­nen Diener
Die Lin­den mit dem Blu­te der Berliner.

Drei Tage litt das Volk Gewalt und Schatzung.
Doch noch viel schwe­rer drück­te die Besatzung.

Drum hört, was vom Besat­zer uns für Leid
Geschah in unse­rer Usbekenzeit.

In Schin­kels Wache tränkt er sei­ne Gäule.
Ein Pfer­de­jun­ge pißt an eine Säule.

Im Stü­ler­bau ver­ehrt er sei­ne Götzen,
Gemacht von Filz, sie stin­ken wie die Plötzen.

Er badet nie, der from­me Steppenreiter.
Die Sack­laus ist sein stän­di­ger Begleiter.

Vor der polier­ten Gneis­scha­le aus Rauen
Soll­te man ihm beim Hüt­chen­spiel mißtrauen.

Wall­stra­ße. Auf­ge­schnürt an einem Drahte
Die Köp­fe uns­rer grei­sen Magistrate.

Bei Auf­bau sitzt ein lei­ten­der Usbeke
Und druckt nun sein usbe­ki­sches Gequäke,

Bei Auf­bau! Dort, wo mei­ne eig­nen Dramen
Erschie­nen, ehe die Usbe­ken kamen.

Fried­hof Chaus­see­stra­ße. Ein Fettschwanzschaf
Rupft sich ein Kraut von Hegels Epitaph.

Im Schau­spiel­haus ver­sam­meln sich die Großen,
Um auf den lah­men Emir anzustoßen.

Sie trin­ken grü­nen Zie­gel­tee mit Butter
Und Stu­ten­bier und and­res Hundefutter.

Nur in der Volks­büh­ne, wo man zu Hauf
Polo mit Schä­deln spielt, fällt gar nichts auf.

Die Son­ne fliegt. Natür­lich wird die Nacht
In dem Poe­ten­vier­tel zugbracht.

Ihr blon­den Frau­en vom Torpedokäfer:
Der Sex mit Turkta­ta­ren ist kein safer.

Von Fackeln zuckt ein Abglanz ums Gemäuer.
Am Stra­ßen­rand, auf einem off­nen Feuer,

Wird mit Hal­lo von Tamerlans Soldaten
Der lin­ke Dich­ter Papen­fuß gebraten.

Drin inder­weil, den Glatz­kopf auf die Theke
Gesun­ken, schläft ein fur­zen­der Usbeke.

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