21. Juni 2018

Mit hauch­dün­nem Vor­sprung vor ihrer Par­tei­freun­din Clau­dia Roth zog Kat­rin Göring-Eckardt ins Gui­ness-Buch der Rekor­de ein: für die nied­rigs­te je in einem Par­la­ment gemes­se­ne Intelligenz.

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Wer in den soge­nann­ten sozia­len Medi­en Dis­kus­sio­nen über die Fol­gen der Migra­ti­on liest, stellt immer wie­der erstaunt fest, dass die­je­ni­gen, die mei­nen, es sei­en ja nicht so vie­le, die da her­ein­schnei­en, und ein Bevöl­ke­rungs­aus­tausch fin­de nicht statt, zum einen außer­stan­de sind, sich Bevöl­ke­rungs­dy­na­mi­ken anders denn als linea­re Pro­zes­se vor­zu­stel­len, und zum ande­ren Zeit­räu­me, die ihr eige­nes Leben über­stei­gen, für völ­lig irrele­vant hal­ten. Die­ser aso­zia­len „Après nous le déluge”-Mentalität steht das stil­le und beharr­li­che Wach­sen der Mus­li­me gegen­über, die dem Den­ken als sol­chem zwar oft nicht zuge­tan sind, jenem in gro­ßen Zeit­räu­men aber doch. Aber es wird mit der Bevöl­ke­rungs­um­schich­tung via Migra­ti­on und Kreiß­saal viel schnel­ler gehen, als unse­re phan­ta­sie­lo­sen und nach­kom­mens­schwa­chen Tole­ran­ten glau­ben, sie wer­den sogar in ihren bes­se­ren Wohn­ge­gen­den noch etwas davon mitbekommen.

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Am Ran­de einer Lesung Gespräch mit einem Ber­li­ner Geburts­me­di­zi­ner. Die Zahl der Gebur­ten habe sich in sei­ner Kli­nik in den letz­ten Jah­ren ver­vier­facht, erzählt er, die weit über­gro­ße Mehr­heit der Eltern sei­en Mus­li­me, er habe Fäl­le, wo Frau­en zehn und mehr Kin­der zur Welt brach­ten. „Die über­ren­nen uns ein­fach mit den Gebur­ten.” Die­se Kli­en­tel habe zwar im Schnitt wenig Ahnung von Medi­zin, aber eine hohe Anspruchs­hal­tung, alles müs­se sofort gesche­hen, und bei Kom­pli­ka­tio­nen „zie­hen sie sofort die Dis­kri­mi­nie­rungs­kar­te”. Außer­dem gebe es mit mus­li­mi­schen Vätern regel­mä­ßig Pro­ble­me, wenn er allein Dienst habe, denn ein ungläu­bi­ger Mann dür­fe nicht den Geburts­ka­nal einer Die­ne­rin Allahs sehen. Meis­tens beug­ten sich die Frömm­ler aber der Nor­ma­ti­vi­tät des bio­lo­gisch Fak­ti­schen. Den­noch sei ihm bei all dem nicht ganz wohl; in Eng­land* habe ein Mos­lem den Arzt ein­ge­la­den, der sein Kind zur Welt brach­te, angeb­lich um sich zu bedan­ken, und ihm ohne Zögern in den Kopf geschossen. 

* Meh­re­re Leser mer­ken an, dass sich die­ser Fall, falls kei­ne Par­al­lel­tat in Eng­land statt­fand, in Sau­di-Ara­bi­en zuge­tra­gen habe und der Arzt überlebte.

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Ein Leser weist mich auf die Web­sei­te mit dem viel­ver­spre­chen­den Namen „Insel­af­fen­ar­tig­kei­ten” hin, auf wel­cher eine Rei­he exzel­len­ter Apho­ris­men in Frak­tur­schrift geschrie­ben ste­hen, was inso­fern erstaun­lich ist, als es sich bei dem Autor offen­bar um einen Eng­län­der han­delt, der in, wenn das Para­dox gestat­tet ist, intro­ver­tier­ter Exzen­tri­zi­tät Blogs in meh­re­ren Spra­chen betreibt, seit eini­gen Jah­ren frei­lich ver­stummt ist. Ich gestat­te mir, eini­ge der Sen­ten­zen zu zitieren:

„Die Aris­to­kra­tie bringt Apho­ris­men her­vor, die Demo­kra­tie Parolen.”

„Ohne Rück­sicht auf den Selbst­wert pre­digt das Böse das Selbstwertgefühl.”

„Wäre die ras­sisch-bio­lo­gi­sche Ungleich­heit der Men­schen nicht eine offen­kun­di­ge Tat­sa­che, hät­te sie wenig Beleidigungskraft.”

„Könn­ten die Tat­sa­chen ein Pferd krän­ken, so hät­te der Zeit­geist schon ent­schie­den, daß es weder Voll­blüt­ler noch Schind­mäh­ren gibt, son­dern nur Eben­bür­ti­ge, und die Hip­po­lo­gie hät­te sich mit der Anthro­po­lo­gie zusam­men­ge­tan, um zu ver­kün­den, der Glau­be an Unter­schie­de sei eine böse und unwis­sen­schaft­li­che Einbildung.”

„Es bleibt abzu­war­ten, ob sich eine Zivi­li­sa­ti­on gegen eine Hor­de mit poli­tik­wis­sen­schaft­li­chen Diplo­men bewaff­ne­te Voll­hors­te erfolg­reich ver­tei­di­gen kann.”

„Der Trieb, die euro­päi­schen Völ­ker zu zer­stö­ren, wird von der For­de­rung beglei­tet, jeder Mensch davon müs­se die Zer­stö­rung fei­ern, andern­falls wer­de er als böse ver­un­glimpft. So eine schön gemach­te und ver­fei­ner­te Grau­sam­keit ist fast bewundernswert.”

„Die Demo­kra­tie ist die bes­te Gewähr, die wir dafür haben, daß die Macht nicht in anstän­di­ge und ehren­haf­te Hän­de fal­len wird.”

„Inner­halb der Gren­zen von den quan­ti­ta­ti­ven Eigen­schaf­ten der beob­acht­ba­ren Erschei­nun­gen ist die natur­wis­sen­schaft­li­che Denk­wei­se ein Denk­wun­der. Außer­halb davon wird sie eine ver­trau­te und viel­ge­fei­er­te Art der Dummheit.”

„Ver­lie­he der Gleich­heits­glau­be kein Über­le­gen­heits­ge­fühl, ver­lö­re er viel von sei­nem Reiz.”

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Ist es nicht erstaun­lich, Mer­kel­deutsch­land hat inzwi­schen nahe­zu die­sel­ben Fein­de wie Hit­ler­deutsch­land: Russ­land, die USA, Eng­land, Polen. Nur der „Kol­la­bo­ra­teur” Macron hält noch halb­wegs zur deut­schen Fremdenführerin.

Dazu passt die­ser Kom­men­tar auf Spie­gel online, des­sen Ton dem klei­nen Dok­tor ein zufrie­de­nes Lächeln ins Ant­litz zau­bern wür­de. Unter der Über­schrift „Feind im Wei­ßen Haus” schreibt der Lei­ter des Haupt­stadt­bü­ros: „Trumps jüngs­te Lügen sind ein offe­ner Angriff auf die Bun­des­re­gie­rung. Die­ser Prä­si­dent war nie ein Part­ner, er ist ein aggres­si­ver Geg­ner. Man soll­te ihn end­lich ent­spre­chend behandeln.” 

Mit den „jüngs­ten Lügen” meint die­ser Lüge­n­äther-Mit­pro­du­zent Trumps völ­lig kor­rek­te Bemer­kung, in Deutsch­land wer­de die Kri­mi­nal­sta­tis­tik fri­siert, gera­de im Wahl­jahr 2017, um die Explo­si­on der Gewalt­kri­mi­na­li­tät durch Mer­kels Gäs­te zu ver­tu­schen (mehr dazu hier und hier und hier und hier und hier und hier).

Ohne die­sen über­mü­ti­gen jour­na­lis­ti­schen Kre­tin, der sofort zu heu­len anfin­ge, wenn er sich an einer tat­säch­li­chen feind­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung betei­li­gen soll­te, jetzt beson­ders hoch zu hän­gen, will ich auf eine Bemer­kung Bis­marcks über­lei­ten, der in sei­ner Reichs­tags­re­de vom 6. Febru­ar 1888 sag­te: „Jedes Land ist auf die Dau­er doch für die Fens­ter, die sei­ne Pres­se ein­schlägt, irgend ein­mal ver­ant­wort­lich; die Rech­nung wird an irgend einem Tage prä­sen­tiert in der Ver­stim­mung des ande­ren Lan­des.” Wenn Trump aus einer Lau­ne her­aus sei­ne Diens­te anweist, den mit jeder Art Unflat nach ihm wer­fen­den Deut­schen kei­ne Hin­wei­se mehr auf dschi­ha­dis­ti­sche Anschlags­plä­ne zu geben, bekom­men wir ein erheb­li­ches Pro­blem.  

Der Spie­gel-Bub hat sein Hetz­hand­werk übri­gens beim Kin­der-Stür­mer aus Kreuz­berg gelernt, wo man heu­te die Frem­den­füh­re­rin fei­ert, was ja im Grun­de alles Nöti­ge über deren Poli­tik sagt.

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Die Neue Zür­cher bringt einen erstaun­lich unin­spi­rier­ten Arti­kel über Kali­nin­grad. Der Anlass, der Stadt am Pre­gel publi­zis­ti­sche Beach­tung zu schen­ken, ist sim­pel: Dort wer­den ein paar Spie­le der Fuß­ball-WM aus­ge­tra­gen. Im Wesent­li­chen besteht der Text aus Nega­tiv­ein­drü­cken. „Unver­mit­telt taucht in Gesprä­chen immer wie­der das Jahr 2014 auf, das alles ver­än­dert habe. In der Schweiz wird damit die völ­ker­rechts­wid­ri­ge Anne­xi­on der ukrai­ni­schen Halb­in­sel Krim durch den Kreml ver­bun­den”, heißt es da, obwohl es auch gute Grün­de gibt, die Ange­le­gen­heit als Sezes­si­on der Krim von der Ukrai­ne via Volks­ent­scheid zu betrach­ten, aber das schen­ken wir uns. Die weni­gen Wor­te zur Stadt­ge­schich­te sind von bei­na­he bun­des­deut­scher Tendenziösität:

„1946 wur­de das eins­ti­ge Königs­berg nach dem sowje­ti­schen Poli­ti­ker Michail Kali­nin umbe­nannt. Erstaun­lich hoch im Kurs ist nun wie­der Ost­preus­sen. Seit gut zehn Jah­ren bemü­hen sich die Stadt von der Grös­se Zürichs sowie das umlie­gen­de Gebiet mit 15 000 Qua­drat­ki­lo­me­tern Flä­che um das deut­sche Erbe.”

Das stimmt. Die preu­ßi­schen Res­te wer­den gepflegt, die deut­sche Ver­gan­gen­heit der Stadt ist trotz der enor­men Zer­stö­run­gen durch Krieg und Wie­der­auf­bau all­prä­sent. Zu dem „Poli­ti­ker” Kali­nin kom­men wir gleich. Zuerst müs­sen wir die Fra­ge stel­len, war­um es erstaun­lich sein soll, dass Ost­preu­ßen wie­der „hoch im Kurs” steht.

„Der Rück­halt, den Hit­ler in Ost­preus­sen von Anfang an hat­te, scheint heu­te ver­ges­sen – trotz dem hohen Blut­zoll der Roten Armee bei der Erobe­rung der Fes­tung Königs­berg im April 1945. Im gut erhal­te­nen Fried­län­der Tor ist das Stadt­mu­se­um unter­ge­bracht, das frei von Ideo­lo­gie in Erin­ne­run­gen an den ost­preus­si­schen Zwi­schen­kriegs­all­tag im damals noch deut­schen Königs­berg schwelgt. In die­sem erziel­ten jedoch die Natio­nal­so­zia­lis­ten bei den letz­ten frei­en Wah­len von 1933 mit über 56 Pro­zent das Spitzenresultat.”

Ein zeit­ge­schicht­li­ches Muse­um, das frei von Ideo­lo­gie an die jün­ge­re Ver­gan­gen­heit erin­nert, ja in ihr „schwelgt”, obwohl sie deutsch war, ist im deut­schen Sprach­raum natür­lich eine blas­phe­mi­sche Sen­sa­ti­on. Und das nun aus­ge­rech­net bei den Rus­sen, die unter dem deut­schen Ein­marsch mehr gelit­ten haben als alle ande­ren Kriegs­teil­neh­mer, die Polen aus­ge­nom­men. Und die­se Ost­preu­ßen haben beson­ders zahl­reich Hit­ler gewählt, waren also beson­ders schlim­me Nazis, oder? Oder war da etwas? Ein pol­ni­scher Kor­ri­dor viel­leicht? Das Insel­da­sein einer Enkla­ve, der von den Polen nach Kräf­ten blo­ckier­te Kon­takt ins Mut­ter­land? Und auf der ande­ren Sei­te der Bol­sche­wis­mus vor den Toren? Die Ost­preu­ßen der Zwi­schen­kriegs­zeit hat­ten noch gewis­se Erin­ne­run­gen an den rus­si­schen Ein­marsch 1914. In den wir­ren Zei­ten nach dem Ers­ten Welt­krieg stell­ten sie das Ost­preu­ßi­sche Frei­wil­li­gen­korps auf, das die Lan­des­gren­zen gegen rus­si­sche Trup­pen sichern und ein Gegen­ge­wicht zu den deut­schen Anhän­gern der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on bil­den soll­te. Dort wähl­te man Hit­ler in der Hoff­nung, aus der rus­sisch-pol­ni­schen Zan­ge wie­der ins Reich geholt und vor den Roten geschützt zu werden.

„Immer­hin hat jemand am Dom einen weis­sen Nel­ken­strauss ins Grab­git­ter von Imma­nu­el Kant gesteckt”, fährt unser kri­ti­scher Kor­re­spon­dent fort. Für die­ses „Immer­hin” ist bei­na­he ein Jour­na­lis­ten­preis fäl­lig. Das Kant-Grab gehört zu den popu­lä­ren Orten der Stadt, es ist sel­ten unbe­sucht, vie­le Men­schen foto­gra­fie­ren sich dort, Hoch­zeits­paa­re legen dort ihren Braut­strauß nie­der. „Bis an die Ster­ne reich­te einst ein Zwerg./Sein irdisch Reich war nur ein Königs­berg” (Karl Kraus), und es gibt wahr­schein­lich mehr Rus­sen als Deut­sche, die das noch wissen.

„Etwas bes­ser zum Zuge” als z.B. Ästhe­ten „kom­men in Kali­nin­grad Sowjet­nost­al­gi­ker. Am Pro­spekt Mira gibt es ein Kos­mo­nau­ten­denk­mal sowie das Sta­di­on des Zweit­li­ga­klubs Bal­ti­ka. Aber die Wohn­ver­hält­nis­se in den Plat­ten­bau­ten der 1970er Jah­re wol­len sich wohl auch die Nost­al­gi­ker nicht zu Gemü­te füh­ren. Einen gut ver­schlei­er­ten Höhe­punkt bie­tet das ‚Haus der Sowjets’ im neu­en Stadtzentrum.”

Na und wenn dort erst mal eine Ver­schlei­er­te einen Höhe­punkt hat! In der Tat kom­men Sowjet­nost­al­gi­ker in Kali­nin­grad etwas auf ihre Kos­ten, aber nicht wegen der Kos­mo­nau­ten und des „Dom Sov­jet­sk“. Womit wir beim Namens­ge­ber der Stadt wären, einem Sta­lin-Getreu­en, der den Holo­do­mor – die Aus­hun­ge­rung der Ukrai­ne – ver­tei­digt hat und den Mas­sen­mord von Katyn befür­wor­te­te, ein Poli­ti­ker eben. Es gibt in Kali­nin­grad ein Denk­mal für den U‑Boot-Kom­man­dan­ten Alex­an­der Marine­s­ko – den Mann, der die „Gust­loff” ver­senk­te –, einen Lenin­pro­spekt und eine Dscher­schin­ski­stra­ße, aber sol­che Stra­ßen­na­men sind in Russ­land nor­mal, denn die Sowjets haben den Krieg ja nicht verloren.

Es gibt über die­se welt­weit ein­zi­ge Stadt, in der kein Ein­woh­ner lebt, der von sich sagen kann, dass sei­ne Groß­el­tern hier zur Welt kamen, instruk­ti­ve­re Tex­te. Wer sich dafür inter­es­siert, fin­det einen sehr spe­zi­el­len hier.

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Netz­fund (Ori­gi­nal­schreib­wei­se):

„ ‚Buh­uhu die Sicher­heits­la­ge für Frau­en hat sich ver­schlech­tert
’Buh­uhu die Frem­den kom­men aus einem patri­ar­chi­schen Sys­tem
’Buh­uhu ich kann nicht mehr zu mei­nem Bull­shit Job weil ich unter­wegs beläs­tigt wer­de
’Buh­uhu ich will nicht die Kon­se­quen­zen mei­ner eige­nen Ent­schei­dun­gen tra­gen obwohl ich immer für genau die­sen Scheiss gewählt habe’

Fickt euch und fickt euer Leben.
Als ob ihr irgend­was ande­res ver­dient hättet.

Ich will über­haupt nicht das Mer­kel irgend­wie weg kommt denn die alte Cat­la­dy ist eine abso­lut fai­re Reprä­sen­ta­ti­on des deut­schen Rest­volks. Die Uni­on führt immer noch die Umfra­ge­wer­te. Für die­se Leu­te ist sowie­so jede Hoff­nung zu spät dran und die Ret­tung wür­de sich nicht nur nicht loh­nen, sie wäre ein Ver­bre­chen gegen die Natur. Ich will nicht dass die­ses ver­küm­mer­te Scheiss­pack geret­tet wird, ich will einen dys­to­pi­schen Fun­park für die gan­zen ver­roh­ten Kids. Hisst die schwar­ze Flag­ge und lasst die natür­li­che Selek­ti­on beginnen.”

So könn­te man bei­na­he den­ken, wenn einem die Kin­der nicht leid täten.

Das meint auch Lese­rin ***. „Wer wis­sen will, was für Men­schen zu uns kom­men und wie unser Zusam­men­le­ben mit ihnen in zehn, zwan­zig Jah­ren aus­se­hen wird, braucht sich doch nur anzu­se­hen, wie ihre Kin­der mit unse­ren Kin­dern bereits heu­te in den Schu­len umge­hen. War­um soll­ten die­se Kin­der, wenn sie erwach­sen sind, sich anders ver­hal­ten? Geschla­gen, gede­mü­tigt, aus­ge­raubt, ver­ge­wal­tigt, auch ermor­det zu wer­den – ein­fach aus Spaß, weil man es kann und die Ein­hei­mi­schen als min­der­wer­ti­ge Ungläu­bi­ge und fei­ge Schwäch­lin­ge sowie­so für ver­ächt­li­ches Pack hält – wür­de auch für die erwach­se­nen Deut­schen dann über­all zum All­tag gehören.

Das kann kei­ner, der sich und sein Land nicht abgrund­tief haßt, ernst­haft wol­len. Ich bin mir sicher, dass die Deut­schen – mug­ged by rea­li­ty – sich bald in immer grö­ße­rer Zahl zur Wehr set­zen werden.”

Und von der eige­nen Jus­tiz dafür beson­ders hart bestraft werden?

                                     ***

Im Fall der ver­miss­ten Sophia Lösche haben Freun­de der jun­gen Frau eine ver­zwei­fel­te Rund­mail mit der Bit­te um Hin­wei­se ver­schickt, in der sie, zwi­schen Sor­gen und poli­ti­scher Kor­rekt­heit schwan­kend, „es fast nicht über das Herz brin­gen, den LKW näher zu beschrei­ben – die Far­be, den Namen der Spe­di­ti­on, und dass er ein marok­ka­ni­sches Kenn­zei­chen hat­te”, wie Had­mut Danisch auf sei­nem Blog fest­hält. „Den weit größ­ten Teil des Auf­ru­fes nimmt die in Fett­schrift dar­ge­stell­te Mit­tei­lung ein, sich von ras­sis­ti­schen Spe­ku­la­tio­nen zu distan­zie­ren, sich ‚gegen rech­te Het­ze und Ras­sis­mus zu stel­len’ wie es auch die ver­miss­te Frau ihr Leben lang getan habe.” Die Ver­miss­te ist/war Mit­glied der SPD Bam­berg und schreibt auf ihrem Lis­ten­platz-Pro­fil: „Die Stadt gehört allen. Mein Ziel ist es, jeder und jedem zu ermög­li­chen, sie gemein­sam bun­ter zu gestal­ten und Frei­räu­me für jun­ge Ideen und Alter­na­ti­ven zu schaf­fen.” Die Dar­win-Awards sind zwar eröff­net, aber kei­ne Häme bit­te! Das ist eine trau­ri­ge und erns­te Sache. 

„Für mich heißt das, dass die Gesell­schaft am Ran­de des Ner­ven­zu­sam­men­bruchs steht, zwi­schen zwei hys­te­ri­schen Fron­ten zer­rie­ben wird (ob man sie jetzt rechts-links oder wie auch immer nennt, ist mir egal, soll sich der Leser selbst über­le­gen), die so sehr auf­ein­an­der zuge­rückt sind, dass dazwi­schen so gut wie kein nicht-hys­te­ri­scher Frei­raum mehr bleibt”, schreibt Danisch. „Wer schon selbst sol­che Rund­schrei­ben oder Aus­hang­tex­te her­aus­gibt, sich aller­größ­te Sor­gen um sei­ne Freun­din macht, und dann die Sach­be­schrei­bung klein, das poli­ti­cal cor­rect­ness-Bekennt­nis aber groß und fett und viel wich­ti­ger, als die tra­gen­de Bot­schaft dar­stel­len, und die ver­miss­te Freun­din zur Neben­sa­che ver­kom­men lässt, der soll­te sich mal über­le­gen, was er da tut.

Der muss sich die Fra­gen gefal­len las­sen, ob man nicht mit sei­nem Ein­tritt für Migra­ti­on (den ich aus der har­schen anti­ras­sis­ti­schen For­mu­lie­rung mal schluss­fol­ge­re) nicht letzt­lich selbst den Tod von Frau­en – viel­leicht auch von die­ser – irgend­wo zwi­schen grob fahr­läs­sig und bil­li­gend in Kauf genom­men hat. Ob das nicht zumin­dest mora­lisch mal irgend­wann in die Nähe oder den Bereich einer Mit­schuld kommt.”

Er habe manch­mal den Ein­druck, schließt Danisch, „dass die Leu­te mehr Angst davor haben, dass der Täter ein Migrant sein könn­te, als dass die Freun­din tot ist. Die­se Gesell­schaft hat sich inzwi­schen sehr, sehr weit von einem gesun­den Zustand entfernt.” 

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Es gibt zur der­zei­ti­gen Situa­ti­on kei­nen pas­sen­de­ren Kom­men­tar als diesen:

Der Leser spricht

„Sehr geehr­ter Herr Klo­n­ovs­ky, mit gro­ßem Inter­es­se habe ich Ihre Aus­füh­run­gen zu Bill Gates, die Reak­tio­nen dar­auf und…