4. Juni 2018

Der Abgrund von Lan­des­ver­rat, der sich bei der Bre­mer Außen­stel­le des Bun­des­am­tes für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF) auf­tat, reicht exakt bis zum Kanz­ler­amt und klafft dort auch am tiefs­ten, mögen die Pane­gy­ri­ker der Frem­den­füh­re­rin und Herol­de der Will­kom­mens­jun­ta auch tiri­lie­ren, was die roten Kehl­chen her­ge­ben. Der gesin­nungs­zä­hes­ten Mer­kel­fol­gen­ab­schät­zer einer, Heri­bert P. aus M., erfin­det bei­spiels­wei­se nicht nur die „Ankunft von einer Mil­li­on Men­schen aus den Kri­sen­ge­bie­ten des Nahen und Mitt­le­ren Ostens” anno 2015 – also die Ankunft stimmt, nur über die Her­kunft weiß außer unse­rem Huma­ni­täts­si­mu­lan­ten nie­mand wirk­lich Genau­es –, son­dern auch noch einen apar­ten Neo­lo­gis­mus für das adven­ti­sche Spek­ta­kel: „Flücht­lings­schutz­kri­se”. Der Bra­ve lebt schließ­lich davon und wahr­schein­lich sogar dafür, dass die Zahl der Deut­schen, die vor Schutz­su­chen­den Schutz suchen müs­sen, so ste­tig wächst wie sein Kon­to­stand und sein gutes Gewissen. 

Von Anfang an war die soge­nann­te Flücht­lings­kri­se eine deut­sche Staats­kri­se, doch im gesell­schaft­li­chen Kli­ma all­ge­mei­ner Gleich­gül­tig­keit, Führer_innenhörigkeit und huma­ni­tä­rer Schwär­me­rei auf ande­rer Leu­te Rech­nung spiel­te jeder, der dar­auf hin­wies, mit sei­ner bür­ger­li­chen Exis­tenz, min­des­tens aber mit sei­ner Repu­ta­ti­on. Men­schen­ge­schen­ke wie der Mas­sen­mör­der vom Breit­scheid­platz oder der Mäd­chen­tot­ma­cher von Frei­burg konn­ten unge­hin­dert ein­rei­sen, obwohl sie bereits wegen bru­ta­ler Ver­bre­chen ver­ur­teilt wor­den waren, und Heri­bert P., die­ser Glücks­pilz, darf von sich sagen, dass er einen zwar beschei­de­nen, aber unver­zicht­ba­ren Bei­trag dazu bei­gesteu­ert hat, indem er für die Grenz­of­fen­hal­tung trom­mel­te, etwa mit den Wor­ten: „Der Regie­rungs­prä­si­dent von Ober­bay­ern sag­te einen Satz, der wirk­lich bemer­kens­wert ist, der viel­leicht für ein deut­sches Spät­som­mer­mär­chen, für einen deut­schen Para­dig­men­wech­sel ste­hen kann: ‚Recht­li­che Fra­gen sind mir im Moment nicht so wich­tig’ – es geht, so pro­kla­miert er, vor­ran­gig um ‚huma­ni­tä­res Manage­ment’. Das ist ein Satz, der Ers­te Hil­fe ver­spricht; und wer nun, wie dies diver­se Poli­ti­ker in Euro­pa tun, über die­se Ers­te Hil­fe klagt, weil sie noch mehr Hilfs­be­dürf­ti­ge anlo­cke – der soll sich schämen.”

Wo gehol­fen wird, da fal­len Mari­as, aber ist das etwa ein Grund, den Flücht­lings­schutz bzw. die Flücht­lings­schutz­haft zu been­den? Gera­de jetzt, wo die Jung­fer Euro­pa mit zit­tern­den Schen­keln einer neu­en Asy­lan­ten­wel­le entgegenfiebert?

Nach Infor­ma­tio­nen des Redak­ti­ons­netz­werks Deutsch­land haben im Rah­men des fort­ge­setz­ten Spät­som­mer­mär­chens über die BAMF-Außen­stel­le Bre­men auch 46 knuf­fi­ge Isla­mis­ten Schutz­sta­tus in Deutsch­land erhal­ten, was aber nicht im Wider­spruch zur Regie­rungs­po­li­tik steht. „Die Ver­feh­lun­gen einer klei­nen Amts­lei­te­rin wer­den jetzt auf die Kanz­le­rin pro­ji­ziert. Die trägt die eigent­li­che Ver­ant­wor­tung – nicht die klei­ne Schwind­le­rin, die nur aus­führ­te, was Mer­kel anführ­te”, notiert Roland Tichy, den die Wahr­heits- und Qua­li­täts­pres­se aus ihren fest geschlos­se­nen Rei­hen ver­sto­ßen hat, weil er sol­che Feknjus schreibt.

Ähn­lich fun­da­men­ta­lis­tisch sieht Alex­an­der Wendt die Din­ge: Die „rechts­wid­ri­gen und wahr­schein­lich orga­ni­siert kri­mi­nel­len Vor­gän­ge” in Bre­men ver­deck­ten „den eigent­li­chen Skan­dal”, näm­lich „dass seit 2015 das gesam­te BAMF umge­baut wur­de: von einem unab­hän­gi­gen Amt mit Kon­troll­funk­ti­on zu einer poli­ti­schen Erfül­lungs­be­hör­de. Und das nicht nur mit dem Wis­sen des Kanz­ler­amts. Das Kanz­ler­amt selbst setz­te die Poli­tik Ange­la Mer­kels im Zuge eines Staats­um­baus durch.” Eine kur­ze Chro­nik die­ses Umbaus, für des­sen Grö­ße und Herr­lich­keit er ein­fach kein Organ hat, lie­fert der Publi­co-Klug­schei­ßer hier und hier.

Wo Lan­des­ver­rat end­lich Staats­rä­son gewor­den ist, kann schwer­lich eine Behör­de dafür ver­ant­wort­lich gemacht wer­den, dass sie ihren Teil dazu bei­trug; das wäre ja, als wenn der Süd­deut­sche Beob­ach­ter Heri­bert P. wegen staats­feind­li­cher Het­ze ent­lie­ße. Wie kor­rup­ti­ons­to­le­rant das bun­tes­te Deutsch­land aller Zei­ten inzwi­schen ist, wird sich dar­an ermes­sen las­sen, wie unge­rupft die „Iko­ne des Wes­tens” (U. Pos­ch­ardt) und letz­te Ver­tei­di­ge­rin aller Viel­falts­pin­sel von Mit­tel­er­de – „Sie ist ganz allein” (B. Oba­ma); „Gott sei dank” (A. Wendt) – aus einer Affä­re her­vor­ge­hen wird, die sie eigent­lich den Job kos­ten müsste.

                                              ***

Nein, geehr­ter Herr ***, zu die­sem Vor­fall sage ich nichts. Ich muss nicht jeden Schiss kommentieren.

                                              ***

„Jedes Land ist auf die Dau­er doch für die Fens­ter, die sei­ne Pres­se ein­schlägt, irgend ein­mal ver­ant­wort­lich; die Rech­nung wird an irgend einem Tage prä­sen­tiert in der Ver­stim­mung des ande­ren Lan­des.„
Otto von Bis­marck am 6. Febru­ar 1888 im Reichstag

                                             ***

Leser *** schickt mir ein Alpha­bet neu­er Begrif­fe; ich rei­che ein Sträuß­chen dar­aus weiter:

Asyl­va­ni­en
ber­link
Deut­sch­wild­west
Ermäch­ti­gungs­ge­setz­lo­se
grenz­schutz­be­dürf­tig
Jack the Skip­per
Köl­nisch Mes­ser
links­ri­dikül
Rädels­kanz­le­rin
Schafs­schan­ze
Tage­laue­rer
Xeno­phi­lis­ter
Zeit­geist­li­cher

                                          ***

Eine Bemer­kung in die Run­de: An alle, die auf das unlängst hier plat­zier­te Inse­rat zur Grün­dung eines Maga­zins geschrie­ben haben, ist heu­te eine Ant­wort­mail geschickt wor­den. Soll­te ich jeman­den ver­ges­sen haben, bit­te ich um einen Wink.

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