21. Juli 2018

lowi

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In der Nacht des WM-Tri­um­phes, als die Gran­de Nati­on im Zei­chen ihrer bun­ten Natio­nal­mann­schaft fah­nen­schwen­kend und jubelnd zusam­men­fand, wobei, wie es sich für eine wahr­haft bun­te Nati­on schickt, nicht nur fran­zö­si­sche Fah­nen geschwenkt wur­den, son­dern auch alge­ri­sche, marok­ka­ni­sche etc. pp., wäh­rend die Fei­ern­den es da und dort brü­der­lich berauscht über­trie­ben, in den Innen­städ­ten ran­da­lier­ten, Geschäf­te plün­der­ten, Schei­ben ein­schlu­gen, Autos anzün­de­ten, prü­gel­ten – ich sah auf You­tube ein Video, wo ein Mann nie­der­ge­schla­gen und gegen den Kopf getre­ten wird, weil er die Tri­ko­lo­re trug –, kurz­um: sich benah­men, wie sich revo­lu­tio­nä­re Fran­zo­sen offen­bar eben peri­odisch beneh­men müs­sen, auch wenn sie gar kei­ne Fran­zo­sen sind, wes­halb sogar die „Alle der ely­si­schen Fel­der” von der Poli­zei geräumt wer­den muss­te – „Und um uns war Ely­si­um” (Klopstock) –, in die­ser Nacht wur­den auch zahl­rei­che Frau­en sexu­ell beläs­tigt, wie das Män­ner im Tri­um­ph­rausch eben zu allen Zei­ten gegen­über weib­li­cher Sie­ges­beu­te zu tun pfle­gen. In Jean Ras­pails pro­phe­ti­schem Roman „Das Heer­la­ger der Hei­li­gen” aus dem Jahr 1973 fand ich den melan­cho­li­schen Kom­men­tar dazu: „Nur bei man­chen Ara­bern weck­te die Aus­sicht auf den unwahr­schein­li­chen Zusam­men­stoß, der sich an der Süd­küs­te Frank­reichs ankün­dig­te, gewis­se Rache­ge­lüs­te. Einst­wei­len blieb es bei dunk­len Begier­den und unter­drück­ten Impul­sen. Noch träum­ten sie eher davon, einer Fran­zö­sin ein Lächeln zu ent­lo­cken, als sie zu ver­ge­wal­ti­gen.”  (S. 46; Her­vor­he­bung von mir – M.K.) 

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Apro­pos Ras­pail. Im „Heer­la­ger” fin­det sich auch die­ser Dia­log: „ ‚Herr Machefer, Ihre Fra­ge ist nie­der­träch­tig’, ant­wor­te­te der Minis­ter. ‚Fragt man einen Ertrin­ken­den, bevor man ihn aus dem Was­ser zieht, wohin er gehen will und war­um? Stößt man ihn wie­der ins Meer, wenn er gesteht, daß er auf Ihren Pri­vat­strand zuge­schwom­men ist, um in Ihre Vil­la ein­zu­bre­chen?
‚Man zieht ihn aus dem Was­ser und über­gibt ihn der Gen­dar­me­rie’, sag­te Machefer. ‚Aber wie­vie­le Gen­dar­men haben Sie zur Ver­fü­gung, wenn eine Mil­li­on Die­be aus dem Was­ser gezo­gen werden?’ ”

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Apro­pos Frank­reich. Die Jüdi­sche Rund­schau zitiert den pen­sio­nier­ten Leh­rer Ber­nard Ravet, der in sei­nem Buch „Princi­pal de col­lè­ge ou imam de la Répu­bli­que?” sei­nen All­tag als Schul­lei­ter an ver­schie­de­nen Mar­seil­ler Schu­len beschreibt: „Er erzählt, wie das offen­si­ve Zur­schau­stel­len isla­mi­scher Über­zeu­gun­gen seit der Jahr­tau­send­wen­de immer mehr um sich gegrif­fen hat: Schü­ler ver­lie­ßen den Unter­richt, wenn Rous­se­au oder Moliè­re gele­sen wer­den; lehn­ten Geschichts­un­ter­richt ab, wenn es dort um Chris­ten, Juden oder Mus­li­me geht; wei­ger­ten sich, mit geo­me­tri­schen Figu­ren zu arbei­ten, die Kreu­zen ent­fernt ähn­lich sehen; lehn­ten es ab, in der Schul­kan­ti­ne Fleisch zu essen, das nicht ‚halal’ ist, und ver­lang­ten von Leh­rern nord­afri­ka­ni­scher Her­kunft, den Rama­dan zu hal­ten und nicht zu rau­chen – selbst wenn die­se nicht gläu­big sei­en. Dazu gesel­le sich ein unbän­di­ger Hass auf Juden; wenn die Scho­ah the­ma­ti­siert wer­de, fie­len oft Sät­ze wie ‚Das geschieht den Juden recht’ oder ‚Das hat Hit­ler gut gemacht’.”

Und der Prä­si­dent die­ses ver­lot­ter­ten links­rhei­ni­schen Para­dies­gärt­chens, der sich sel­ber offi­zi­ell von der fran­zö­si­schen Kul­tur ver­ab­schie­det und gesagt hat: „Es gibt kei­ne fran­zö­si­sche Kul­tur. Es gibt eine Kul­tur in Frank­reich; sie ist divers” – sprich: befreit von wei­ßen männ­li­chen Pflicht­lek­tü­ren wie Rous­se­au oder Moliè­re (und mal unter uns reac­tionä­ren Bet­brü­dern: Hat nicht die Laus Rous­se­au genau die­se Behand­lung von den geprie­se­nen bon sau­va­ges, die ihn, Ros­se­au, nicht ein­mal ken­nen, ver­dient? und Moliè­res beschwing­te Alex­an­dri­ner* ver­ste­hen die Dep­perl ohn­hin nicht mehr, auch wenn sie vom Hip-hop auf eine gewis­se Reim-Affi­ni­tät dres­siert wor­den sind) –, Gevat­ter Macron also will uns, von Naz­i­k­in­dern und Wie­der­gut­ma­chungs­kas­pern wie Herrn Haber­mas schul­ter­be­klopft, tat­säch­lich vor­schrei­ben, wie die Zukunft Euro­pas aus­zu­se­hen hat.

* Ich emp­feh­le die deut­sche Über­set­zung von Lud­wig Ful­da, der sich nicht der gän­gi­gen Bar­ba­rei ange­schlos­sen hat, Moliè­re in reim­freie Blank­ver­se zu übertragen.

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Und apro­pos unbän­di­ger Hass auf Juden. Es gibt der­zeit 16 Staa­ten, die einen „Jew Ban” ver­hängt haben, also ein Ein­rei­se­ver­bot für Juden: Alge­ri­en, Ban­gla­desch, Bru­nei, Iran, Irak, Kuwait, Liba­non, Liby­en, Malay­sia, Oman, Paki­stan, Sau­di-Ara­bi­en, Sudan, Syri­en, die Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te und der Jemen. Eini­ge die­ser Län­der has­sen Isra­el so sehr, dass sie sogar Nicht­ju­den, die das Land als Tou­ris­ten oder als Geschäfts­leu­te besucht haben, nicht ein­rei­sen las­sen. Die argen­ti­ni­sche Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft sag­te unmit­tel­bar vor der Welt­meis­ter­schaft ein Test­spiel in Isra­el ab, nach­dem es hef­ti­ge Dro­hun­gen gegen die Mes­si-Trup­pe gege­ben hatte.

Davon erfährt man in den deut­schen Medi­en bekannt­lich wenig, vor allem kei­ne Kri­tik. Die beka­men die Israe­lis aber im deut­schen Ankla­ge­chor für ihr neu­es Natio­nal­staats­ge­setz zu hören, das nach Mei­nung der deut­schen Wahr­heits- und Qua­li­täts­me­di­en dire­tis­si­mo zu Ras­sen­tren­nung, Apart­heid und fins­ters­ter Dis­kri­mie­rung der in Isra­el meist gut und gern leben­den Ara­ber führt, die immer­hin und im Unter­schied zum juden­frei­en Gaza­strei­fen zwan­zig Pro­zent der Bevöl­ke­rung aus­ma­chen. Apart­heid ist etwas, das man Län­dern, die Juden gar nicht erst ein­rei­sen las­sen, ja nun wahr­lich nicht vor­wer­fen kann.
Alex­an­der Wendt sagt dazu das Gebo­te­ne.

PS: „In mei­ner Rei­se­tä­tig­keit als lei­ten­der Ange­stell­ter bei einem Betrieb für see­ge­hen­de Fahr­zeu­ge bereis­te ich jah­re­lang alle Küs­ten mit beson­de­rem Kul­tur­gut”, teilt Leser *** mit. „Es war üblich zwei Sor­ten von Aus­weis­pa­pie­ren bereit­zu­hal­ten, wenn unser Frach­ter auf der Rei­se auch israe­li­sche Häfen anlief, was von der Fir­ma nach Mög­lich­keit ver­mie­den wur­de. In den für den beson­ders kul­tur­träch­ti­gen Lebens­raum bestimm­ten Pass (also das See­fahrt­buch) kamen kei­ne Stem­pel der Behör­den Israels.Ich den­ke, dass das noch heu­te so gehand­habt wird.”

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