23. Juli 2018

„Alle schö­nen Din­ge gehö­ren der glei­chen Zeit an.„
Oscar Wil­de

 

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Eine wis­sen­schaft­li­che Kapa­zi­tät und Bom­ben­in­tel­lek­tu­el­le droht, ihr deut­sches Νεφελοκοκκυγία (Nephe­lo­kok­ky­gia) zu ver­las­sen: „Die Pro­fes­so­rin Nai­ka Forou­tan aus Ber­lin sieht Anzei­chen dafür, dass sich Deutsch­land in eine ‚präfa­schis­ti­sche Pha­se’ ent­wi­ckelt. Die Migra­ti­ons­for­sche­rin sag­te, sie habe schon über­legt, in ein ande­res Land aus­zu­wan­dern”, notiert die Welt. Der Ein­tritt von Kalt­land in sei­ne zwei­te präfa­schis­ti­sche Pha­se hat der won­ni­gen Maid zufol­ge übri­gens nichts mit der Ein­wan­de­rung von Juden­hassern, Tes­to­ste­ron­fa­schos und rasur­be­frei­ten Radi­kal­frömm­lern zu tun, son­dern damit, dass sich bei den kreuz­bra­ven und end­los gedul­di­gen Bio­deut­schen nach der x‑ten Mes­ser­at­ta­cke, Ver­ge­wal­ti­gung, Mas­sen­schlä­ge­rei und an die gro­ßen­teils analpha­be­ti­schen Gold­stü­cke wei­ter­ge­lei­te­ten Steu­er­mil­li­ar­de so etwas wie lei­ser Groll regt. Frau Forou­tan wäre mit ihrer Kern­kom­pe­tenz Pro­blem­ver­leug­nung sicher­lich in Mali, Alge­ri­en oder Weiß­russ­land eine gern gese­he­ne Geflüch­te­te; sie müss­te dort nur auf die Beschimp­fung von Ein­hei­mi­schen ver­zich­ten. Man wür­de ihr glatt eine gute Rei­se wün­schen, wüss­te man nicht, dass die­ses Aus­wan­de­rungs­ge­re­de bloß hei­ße Luft ist, noch hei­ße­re als ihre soge­nann­te For­schungs­ar­beit, denn die­je­ni­gen, die heut­zu­ta­ge in Scha­ren Deutsch­land ver­las­sen, sind in der Regel Net­to­steu­er­zah­ler, also Leu­te, die etwas kön­nen, Wis­sen­schaft­ler in den MINT-Fächern etwa, Unter­neh­mer, Inge­nieu­re, Fach­ar­bei­ter, auch ein paar Mil­lio­nä­re, mit einem Satz: Men­schen, die dem Land fehlen.

Inter­es­sant übri­gens der Link, den die Welt hin­ter die Behaup­tung der Dame setzt, ein Bild mit einem Auto­kra­ten wer­de genutzt, um dem Fuß­bal­ler Mesut Özil „das Deutsch­sein zu ent­zie­hen”. Wer dem Link folgt, gelangt frei­lich bloß auf die Mel­dung, dass die ehe­ma­li­ge Schu­le des Kickers nach des­sen Foto­coup mit Recep dem Präch­ti­gen ein Tref­fen abge­sagt hat­te; von einer Deutsch­seinsab­erken­nung kei­ne Spur. Wie Tho­mas Mann darf Özil schließ­lich von sich sagen: „Wo ich bin, ist Deutsch­land.”

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„Was ist eigent­lich der Skan­dal an der trump­schen Poli­tik? Dass er die Steu­ern senkt und die Dere­gu­lie­run­gen vor­an­treibt? Dass er mit Nord­ko­rea Frie­den schliesst? Dass er den Kal­ten Krieg mit Russ­land been­det und Putin respekt­voll begeg­net? Dass er sei­ne Wahl­ver­spre­chen ein­löst? Dass er aus einem Kli­ma­ab­kom­men aus­steigt, von dem selbst die Befür­wor­ter sagen, es brin­ge nichts? Dass er die Chi­ne­sen und die EU mit Straf­zöl­len dazu brin­gen will, ihre eige­nen Straf­zöl­le zu senken? (…) 

Die Medi­en waren ent­setzt, dass sich Putin wie Trump bemüh­ten, über alle Dif­fe­ren­zen und Kon­flik­te hin­weg gemein­sa­men Boden zu mar­kie­ren. Und es trieb die Kom­men­ta­to­ren zur Weiss­glut, dass sich die Prä­si­den­ten so ein­ver­nehm­lich wei­ger­ten, in den Kal­ten Krieg zurück­zu­fal­len. Der Gip­fel von Hel­sin­ki war ein Mei­len­stein, eine Stern­stun­de ratio­na­ler Völ­ker­ver­stän­di­gung und für Trump ein Tri­umph.” (Wei­ter hier.)

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Es mag „den Marc und den Johan­nes krän­ken, wenn ich sie Kar­tof­fel nen­ne”, notiert eine Schreib­kraft der taz aus und mit dem daseins­ver­edeln­den Hin­ter­gund. „Okay. Aber führt es dazu, dass sie struk­tu­rell benach­tei­ligt wer­den? Dass die Poli­zei sie häu­fi­ger kon­trol­liert? Dass sie kei­ne Woh­nung bekom­men? Weni­ger Kar­rie­re­per­spek­ti­ven haben? Dass sie abge­scho­ben wer­den? Angezündet?”

Struk­tu­rell benach­tei­ligt heißt gemein­hin, ich bin blö­der als ande­re, will aber ihren Job; auf­grund der Mehr­heits­fä­hig­keit die­ser Posi­ti­on wer­den inzwi­schen gut aus­ge­bil­de­te wei­ße Män­ner struk­tu­rell am stärks­ten benach­tei­ligt (einst­wei­len noch außer­halb der Wirt­schaft, aber wir arbei­ten dar­an). Die Poli­zei kon­trol­liert Nicht­kar­tof­feln häu­fi­ger, weil sie aus Erfah­rung han­delt und Nicht­kar­tof­feln eben aus poli­zei­li­cher, aber auch weib­li­cher und über­haupt Kar­tof­fel-Sicht häu­fi­ger auf­fäl­lig wer­den. Bis Kar­tof­feln aus ihrem Anbau­ge­biet abge­scho­ben wer­den kön­nen, muss noch ein biss­chen Zeit ver­ge­hen. Aber ange­zün­det? Hm. Womög­lich, ja wahr­schein­lich ist es genau das. Wäre ja längst kein Debüt mehr.

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