22. August 2018

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„Ver­we­sung ist auch ein ‚Wan­del’.„
Nicolás Gómez Dávila

(Ich habe mit die­sem Zitat anno 2012 ein Podi­ums­ge­spräch zu Wei­mar eröff­net, das unter dem Mot­to „Par­tei­en­sys­tem im Wan­del“ stand und mit dem thü­rin­gi­schen CDU-Chef sowie einem Bon­ner Poli­tik­pro­fes­sor statt­fand. Läh­men­des, nahe­zu ent­setz­tes Schwei­gen brei­te­te sich im Saal und auf dem Podi­um aus…) 

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Apo­pos Podi­um: Auf einem sol­chen saß ich auch ein­mal mit der Tages­spie­gel-Redak­teu­rin Andrea Dern­bach, die dort für die Alt­jung­fern­por­nos zustän­dig ist, etwa jenen bei­na­he legen­dä­ren, in dem sie die Auf­re­gung nach der Köl­ner Spon­tan­par­ty an Sil­ves­ter 2016 auf die unter­schwel­li­gen Ängs­te des alten wei­ßen Man­nes vor der viri­len migran­ti­schen Sexu­al­kon­kur­renz zurück­führ­te. Die­ser Typus Frau bzw. Expe­rin für Penis­neid ist nach mei­ner Wahr­neh­mung ein his­to­risch jun­ges und auch sehr deut­sches Phä­no­men bzw. eines der pro­tes­tan­ti­schen Län­der, im roma­ni­schen Süden und im Osten Euro­pas trifft man ihn eher nicht, dafür bei der Links­par­tei, den Grü­nen, in NGOs, in hie­si­gen Redak­tio­nen und an den Uni­ver­si­tä­ten, dort vor allem in jenen Fächern, wo man nicht rech­nen, logisch den­ken und strin­gent argu­men­tie­ren kön­nen muss. Da es sich trotz­dem und immer noch um eine Dame han­delt, ver­knei­fe ich mir wei­te­re Erläu­te­run­gen, Sie wis­sen ohne­hin, was ich mei­ne, und ein Foto sagt mehr als tau­send­und­ein Wort. Wer dem Res­sen­ti­ment ein Denk­mal errich­ten woll­te, besä­ße in ihr jeden­falls ein idea­les Modell (mit Doppel‑L). Nun hat sich die hol­de Maid wie­der ein­mal in der näm­li­chen Ange­le­gen­heit zu Wort gemel­det – war­um, fragt sie mit abge­feim­ter Heu­che­lei, geht ein groß Geschrei durchs Land, wenn Ach­med oder Mus­ta­fa den Mädels unauf­ge­for­dert an die „Speck­musch” (E. Hen­scheid) lan­gen bzw. in sie ein­drin­gen, nicht aber wenn Gun­nar und Heinz auf dem Okto­ber­fest zwangs­kus­cheln und grup­pen­ver­ge­wal­ti­gen? –, und Alex­an­der Wendt sagt alles Nöti­ge dazu, mit der treff­li­chen Con­clu­sio: „Der Tages­spie­gel ist ein frau­en­feind­li­ches Blatt.” (Wenn das so wei­ter­geht, wird das noch ein rich­ti­ges Zitier­kar­tell mit dem Wendt!)

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Übri­gens:

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Mei­ne Gepflo­gen­heit, hier immer wie­der Leser­zu­schrif­ten ein­zu­rü­cken, stößt auf Kri­tik, wenn die Schrei­ber sich nicht ad rem, son­dern ad per­so­nam äußern, ich mei­ne: zu mei­ner Per­son und unbe­greif­li­cher­wei­se nega­tiv. Ich kann dar­auf nur mit La Roche­fou­cauld ant­wor­ten: Bes­ser, es wird schlecht über einen gere­det, als gar nicht; außer­dem mit Goe­thes „Wer lobt, stellt sich gleich” einen Damm auf­schüt­ten. (Ich wür­de ja nie­mals, jeden­falls sel­ten die Geschmack­lo­sig­keit besit­zen, loben­de Zuschrif­ten ins Schau­fens­ter mei­nes klei­nen Eck­la­dens zu stel­len; der Ken­ner genießt und schweigt, wie unlängst ein hier ver­öf­fent­lich­ter Hoch­be­gab­ter schrieb, in des­sen Welt sogar Sport­rä­der eine Klin­gel haben.) Bei man­chen Zeit­ge­nos­sen ist es ein­fach am ange­mes­sens­ten, wenn man sie sel­ber zu Wort kom­men und das Urteil spre­chen lässt. Also, ich bit­te um Ein­satz und erhöh­te Anstren­gung! Fürs ers­te und pro­be­hal­ber sei die­ser Kame­rad zitiert, der auf mein gest­ri­ges Bekennt­nis (inmit­ten mei­ner ewig­gest­ri­gen) zum Ekel Bezug nimmt und schreibt:

„Bon­jour, mon­sieur Klo­n­ovs­ky, Selbst­er­kennt­nis, welch hohe Kunst und Sie sind einen ent­schei­den­den Schritt wei­ter nach oben auf der Lei­tung der Selbst­er­leuch­tung gekom­men: ‚Ekel’ heißt das Zau­ber­wort, das steht Ihnen in jede Pore geschrie­ben, das ist so rasier­mes­ser­scharf in Ihre Züge ein­gra­viert, daß es in den Pupil­len schmerzt und man sich ver­dutzt die Augen reibt, daß aus­ge­rech­net jemand wie Sie ‚Lebens­wer­te’ pro­pa­giert, denn nie­mand kann sich vor­stel­len, daß Sie in der Lage wären, sich ent­spannt zurück­zu­leh­nen und mit war­mem Lachen Men­schen mit Ihrer guter Lau­ne anzu­ste­cken und trotz allem Elend um uns her­um den Lie­ben Gott auch mal einen guten Mann sein zu lassen.

Geleb­tes Chris­ten­tum und tief ver­in­ner­lich­ter Huma­nis­mus – haben Sie mal etwas von Ste­fan Zweig gele­sen ? Nur damit Sie eine Ahnung bekom­men, was gemeint sein könnte ?

Wir wer­den das unbe­hag­li­che Gefühl nicht los, daß Sie unter ande­ren Umstän­den einen adret­ten Polit­kom­mis­sar abge­ge­ben hät­ten und dar­in liegt viel­leicht auch das Geheim­nis ver­bor­gen, daß Sie einen Cha­rak­ter wie Pret­zell nicht recht­zei­tig erkannt haben – er war Ihnen mög­li­cher­wei­se zu ähnlich.

Hul­di­gun­gen neh­men wir gern von Sonn­tag­mit­tag­mit­tag bis 12.00 Uhr entgegen,

haben die Ehre !”

Das ist so poren­tief rasier­mes­ser­scharf gese­hen und zugleich mit lebens­christ­lich-huma­ner Wär­me beob­ach­tet, dass es sogar einen ver­setz­ten Polit­kom­mis­sar schmerzt, der natür­lich am liebs­ten Lager­kom­man­dant gewor­den wäre, um sei­nen Ekel aus­le­ben zu kön­nen. War­um soll­te ich Ihnen, geneig­ter Leser und geschätz­te Lese­rin, nach­dem ich Ihnen schon gestan­den habe, wie sehr ich ekel­ge­steu­ert bin, nicht hin und wie­der einen Grund dafür präsentieren?

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Seit­dem Donald Trump zum Prä­si­den­ten gewählt wor­den ist, obwohl die meis­ten deut­schen Jour­na­lis­ten dage­gen waren, ist kei­ne Woche ver­gan­gen, in der nicht irgend­ein Wahr­heits- und Qua­li­täts­me­di­um geraunt hät­te, dass Trump wegen die­ser Affä­re oder jenes Vor­wurfs wer­de zurück­tre­ten müs­sen (Bernd Zel­ler: „Rät­sel­haf­tes Signal aus dem All könn­te das end­gül­ti­ge Ende von Trumps Amts­zeit bedeu­ten”). Momen­tan wird dar­über spe­ku­liert, ob die Ver­ur­tei­lung sei­ner bei­den Ver­trau­ten Paul Manaf­ort und Micha­el Cohen dem Prä­si­den­ten end­lich das Genick bricht. „Wer­den wir gera­de Zeu­gen vom Ende der Prä­si­dent­schaft Trump?”, fragt froh­lo­ckend der Ame­ri­ka-Kor­re­spon­dent der Welt, Han­nes Stein, einer jener beflis­se­nen Trans­at­lan­ti­ker, denen mit der Trump-Wahl das ber­gen­de über­see­ische Rek­tum zumin­dest tem­po­rär abhan­den kam. Der Jour­na­list erlang­te eine eben­falls tem­po­rä­re Bekannt­heit mit sei­ner Beschrei­bung der Wahl­nacht, wie sie sich daheim bei den Steins zutrug („Gespräch im Hau­se Stein über den abwe­sen­den Herrn Trump”), wel­che kul­mi­nier­te in einem Pas­sus von so pran­gen­der Unzu­rech­nungs­fä­hig­keit und schmarr­köp­fi­ger Hys­te­rie, wie ihn nicht mal Clau­dia Kip­ping-Eckardt zustan­de bräch­te, nämlich:

„’Donald Trump hat die Wahl gewon­nen’, sag­te ich lei­se. Mei­ne Frau sag­te nichts, dann fing sie an zu wei­nen. Ich nahm ihre Hand, sodass unse­re Arme eine Art Brü­cke über unser Kind bil­de­ten, dann wein­te auch ich. ‚Unser Sohn, unser Sohn’, sag­te ich. Mir rann­ten apo­ka­lyp­ti­sche Bil­der durch den Kopf, mir fiel ein, dass heu­te zufäl­lig der 9. Novem­ber war, der Tag, an dem in Deutsch­land die Syn­ago­gen brann­ten. ‚Unser Sohn muss leben.’ Er atme­te zwi­schen uns tief und gleichmäßig.”

Und das tut er hof­fent­lich und gott­lob heu­te noch. Auf der ande­ren Sei­te des Atlan­tiks begann ich unge­fähr zur sel­ben Stun­de Cham­pa­gner zu trin­ken und zu tan­zen, nach­dem ich die Nacht tief und gleich­mä­ßig durch­ge­at­met hat­te, denn in den frü­hen Mor­gen­stun­den war eine sms mit einem so berühm­ten wie beru­hi­gen­den Zitat bei mir ein­ge­trof­fen, wel­ches lau­tet: „Von hier und heu­te geht eine neue Epo­che der Welt­ge­schich­te aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei­ge­we­sen.” Mir ran­nen oder mei­net­we­gen rann­ten freu­di­ge Bil­der durch den Kopf, denn es war der 9. Novem­ber, der Tag, an dem der Real­so­zia­lis­mus zusam­men­ge­bro­chen war – dass der Sur­re­al­so­zia­lis­mus unter der Füh­rung einer ost­deut­schen Kom­mu­nis­ten­pfar­rers­toch­ter noch bevor­stand, hat­te 1989 nicht ein­mal die necki­sche Klio geahnt. Jedem Ver­stän­di­gen war in der Wahl­nacht klar, dass der Donald, anstatt Syn­ago­gen anzu­zün­den und anders als die vom End­zeit­pro­phe­ten und Neo­con-Wedel­trä­ger H. Stein prä­fe­rier­te kriegs­gei­le Hil­la­ry, den mör­de­ri­schen soge­nann­ten „Demo­kra­tie­ex­port” been­den, also den Syri­en­krieg und den Ukrai­ne­kon­flikt nicht wei­ter anhei­zen, ja womög­lich sogar been­den wür­de. Die bei­den tref­fends­ten Meta­phern für den aktu­el­len US-Prä­si­den­ten ent­stam­men übri­gens der „pro­ges­si­ven” Rock­mu­sik: „A Working Class Hero” (John Len­non) und „Peace Train” (Cat Ste­vens, seit 1977 als Yus­uf Islam in der Reli­gi­on des Frie­dens angekommen).

Ob Trump nun vor­zei­tig ab- oder eine zwei­te Amts­zeit antritt, die US-Poli­tik wird sich in einem ent­schei­den­den Punkt nicht ändern: Kein US-Prä­si­dent wird dem Glo­bal Com­pact for Migra­ti­on bei­tre­ten; jeder Prä­si­dent wird viel­mehr der Trump-Sen­tenz bei­pflich­ten: „Wir sind eine Nati­on und kein Sied­lungs­ge­biet.” Hören Sie ein­mal, was Bill Clin­ton 1995 zur Not­wen­dig­keit, die Gren­zen bes­ser gegen ille­ga­le Ein­wan­de­rer zu sichern und kri­mi­nel­le „Ali­ens” abzu­hal­ten, gesagt hat, hier.

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Zu einer ver­ab­scheu­ungs­wür­di­gen Nazi­tat kam es im baye­ri­schen Abens­berg. Der „Ein­zel­gän­ger” ist das kon­ge­nia­le Pen­dant zum „Ein­zel­tä­ter”. Mer­ke: „Gewalt ist immer auch ein Hil­fe­ruf” (Cl. Roth), sofern sie nicht von der Hee­res­grup­pe Mit­te ausgeht.

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War­um, fragt der Tages­spie­gel, der eine gro­ße Fra­ge­wo­che zu ver­an­stal­ten scheint, „spal­tet gera­de die Flücht­lings­de­bat­te die Gesell­schaft?” Und nicht etwa Tuchels Absa­ge an den FC Bay­ern? Einer jener Exper­ten für die Beant­wor­tung der gro­ßen gesell­schaft­li­chen Fra­gen, die neu­er­dings von unse­ren Medi­en­schaf­fen­den so zahl­reich wie Kanin­chen aus ihren online-Zylin­dern her­vor­ge­zau­bert wer­den – wobei fai­rer­wei­se hin­zu­ge­fügt wer­den muss, dass auch die Jour­na­lis­ten sel­ber, die unter immer neu­en Namen die immer glei­chen Tex­te schrei­ben oder Inter­view­fra­gen stel­len, in ihrer pos­sier­li­chen Uni­for­mi­tät an jene Kanin­chen erin­nern –, ein Exper­te also erklärt die Lage wie folgt: „Die Haupt­ur­sa­che liegt in einem Gefühl der Bedro­hung, das vie­le Men­schen haben. Wenn sich etwas Ver­trau­tes ändert, dann löst das bei Men­schen Bedro­hungs­ge­füh­le aus.”

Viel­leicht – noch – nicht bei Exper­ten und Tages­spie­gel-Redak­teu­ren. Aber mög­li­cher­wei­se im Umfeld des nicht mehr unter uns wei­len­den Dr. med. Joa­chim Tün­cher, Fach­arzt für All­ge­mein­me­di­zin in Offen­burg, der in sei­ner Pra­xis von einem soma­li­schen Asyl­be­geh­rer vor den Augen sei­ner zehn­jäh­ri­gen Toch­ter abge­sto­chen wur­de (hier)?

Oder in Ker­pen, wo ein „tür­kisch­stäm­mi­ger” Mann ein Paar mit einem Beil angriff und schwer ver­letz­te (hier)?

Oder viel­leicht in Ber­lin, wo ein aus Tsche­tsche­ni­en zu uns her­ein­ge­schnei­ter Isla­mist kilo­wei­se Spreng­stoff, wahr­schein­lich für ein Feu­er­werk zu Ehren sei­ner Reli­gi­on, hor­te­te (hier – wobei der Tages­spie­gel nun wahr­lich alles tut, um sich nicht als Ziel anzubieten)?

Oder wie­der­um in Ber­lin, wo kri­mi­nel­le Ara­ber­clans „machen, was sie wol­len” (hier)?

Oder im lau­schi­gen Unna, als 21. Stadt Mit­glied im Netz­werk „Kom­mu­nen der offe­nen Gesell­schaft”, auf des­sen Rat­haus­platz seit­dem – das ist nicht kau­sal zu ver­ste­hen, nur par­al­lel – hef­ti­ge Mas­sen­schlä­ge­rei­en mit bis zu 70 Betei­lig­ten, alle aus dem edlen Krei­se der uns Zuge­lau­fe­nen, statt­fin­den (hier)?

Oder in Rabenau bei Gie­ßen, wo an der Grund­schu­le neun­jäh­ri­ge Zwil­lings­brü­der aus einer Asyl­be­geh­r­er­fa­mi­lie einem Sie­ben­jäh­ri­gen so lan­ge gegen den Kopf tra­ten, bis er end­lich kran­ken­haus­reif war (hier)?

Oder in Berg­heim und Neu­en­heim bei Hei­del­berg, wo eine „Grup­pe” ara­bisch aus­se­hen­der Frücht­chen zuerst einem Mann so schwe­re Kopf­ver­let­zun­gen zufüg­te, dass die Poli­zei wegen ver­such­ter Tötung ermit­telt, und dann noch ein Teen­ager-Paar atta­ckier­te (hier)?

Oder womög­lich in Düs­sel­dorf, wo ein 24jähriger Alpars­lan (das heißt: „tap­fe­rer Löwe”; der his­to­ri­sche Alp Ars­lan vul­go: Diya ad-Din Adud ad-Dau­la Abu Schud­scha Muham­mad Alp Ars­lan, ein Sel­dschu­ke, fiel in Byzanz ein und war der Erobe­rer des christ­li­chen Ani) über ein Jahr lang eine 14jährige auf den Strich schick­te und das Mäd­chen, als sie unge­hor­sam wur­de, mit kochen­dem Was­ser über­schüt­te­te, wofür ihm der deut­sche Rechts­staat mit vol­ler Här­te Sozi­al­stun­den auf­brumm­te (hier)?

Oder in den Kran­ken­häu­sern, wo, wie Sie hier mit vie­len Bei­spie­len nach­le­sen kön­nen, Ärz­te und Kli­nik­per­so­nal immer häu­fi­ger bedroht, ange­grif­fen und ver­letzt wer­den, etwa eine Not­ärz­tin in Otto­brunn, die von einem Eri­tre­er schwer ver­letzt wur­de (hier – mein Lieb­lings­pas­sus: „Eine Ärz­tin aus Günz­burg in Bay­ern berich­tet, dass Ira­ker sie zwin­gen woll­ten, das Kreuz in der Pra­xis abzu­hän­gen: Es füh­re zu Fehlgeburten.”)

Oder in Dort­mund und Umge­bung, wo die Serie der Ver­ge­wal­ti­gun­gen, par­don, Will­kom­mens­dank­ab­stat­tun­gen nicht endet (hier, hier, hier)?– im badi­schen Bad Kro­zin­gen durf­te sich sogar eine 63jährige in den Emp­fän­ger­kreis ein­rei­hen (hier).

Dies ist zwar eine Chro­nik, doch ich will es nicht über­trei­ben mit den Ein­zel­fäl­len, zumal sie ja nicht zusam­men­hän­gen, also nur als Bedro­hung wahr­ge­nom­men wer­den, obwohl sie gar kei­ne sind, und zurück­keh­ren zum füh­ren­den Haupt­stadt­blatt und dem vom ihm her­vor­ge­zau­ber­ten Exper­ten für „sozia­le Hier­ar­chien, Vor­ur­tei­le und poli­ti­sche Psy­cho­lo­gie”, Frank Asb­rock, Pro­fes­sor für Sozi­al­psy­cho­lo­gie an der TU Chem­nitz, der auf die Frage:

„Und die­se Ängs­te schla­gen sich dann zum Bei­spiel in frem­den­feind­li­chen Hass-Tira­den im Netz nie­der?„
gekonnt repli­ziert:

„Ja, das ist für vie­le eine Form, mit Bedro­hung und Angst umzu­ge­hen. Gegen das Gefühl der Bedro­hung wol­len Men­schen etwas unter­neh­men. Sie schrei­ben dann Kom­men­ta­re gegen Flücht­lin­ge bei Face­book oder demons­trie­ren gegen eine Asylunterkunft.”

Der Jour­na­list lässt sich nicht lum­pen und hakt nach: „Was haben sie davon?„
Ant­wort: „Sie füh­len sich dann besser.”

Viel bes­ser. Unge­fähr so gut wie Fra­ger und Exper­te nach die­sem gera­de­zu tsche­chow­schen Dia­log oder der Ein­zel­fall-Nafri nach Ver­las­sen des Gebüschs, in dem sich die nächt­li­che Jog­ge­rin noch die Haa­re ord­net. Denn es ist doch klar: Der Arzt im sel­ben Stadt­teil wird ersto­chen, die Toch­ter sexu­ell beläs­tigt, die Bekann­te einer Freun­din zustim­munsgfrei pene­triert, da fühlst du dich als ohne­hin miss­mu­ti­ge Kar­tof­fel bedroht, obwohl du sel­ber gar kei­ne Speck­musch hast, und ziem­lich schei­ße, weil eben auch kei­ne Knar­re, aber wenn du dann auf Face­book was gepos­tet hast, geht’s dir wie­der bes­ser. Es leben die sozia­len Medien!

Doch das wirk­li­che Haileid des jour­na­lis­tisch-sozi­al­psy­cho­lo­gi­schen Kre­ti­nis­mus folgt noch.
Fra­ge: „Kann das Gefühl der Bedro­hung auch erklä­ren, war­um der Fall des ehe­ma­li­gen Natio­nal­spie­lers Mesut Özil so stark pola­ri­siert?„
Exper­ten­ant­wort: „Ja, Özil for­dert die Welt­sicht vie­ler Men­schen her­aus und wird des­halb als Bedro­hung wahrgenommen.”

Außer in der Abwehr von Süd­ko­rea und Man­ches­ter City. 

(Den gan­zen Seim fin­den Sie, so Sie ihn wirk­lich suchen, hier.)

                                          ***

Einen Fall habe ich mir im Urlaub noch notiert. In Bochum ver­ur­teil­te ein Schwur­ge­richt einen Zwei­fach­mör­der zu einer lebens­lan­gen Haft­stra­fe. Der Mann hat­te ein Rent­ner­ehe­paar, 79 und 78 Jah­re alt, in des­sen Woh­nung über­fal­len, der Frau mit dem Mes­ser in den Hals gesto­chen und ihr mit Trit­ten den Rest gege­ben, danach dem bett­lä­ge­ri­gen, bein­am­pu­tier­ten Mann den Schä­del ein­ge­schla­gen. Tat­mo­tiv: Er woll­te sich, so der Rich­ter, „mit dem erbeu­te­ten Geld Par­ty machen, Dro­gen neh­men und sich mit Pro­sti­tu­ier­ten ver­gnü­gen”. Die Medi­en spra­chen von einem „Mann” oder „35jährigen”. Ein­zig Bild nann­te den Namen des Mör­ders: Gök­han K. Spielt der etwa eine Rol­le? Natür­lich nicht. Des­we­gen hat ihn ja auch nie­mand veröffentlicht. 

                                         ***

Zum Tagesaus­klang noch eine Art Got­tes­be­weis. Hal­le­ju­lia!

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