28. August, Goethes Geburtstag

Nach­dem ich sie durch den Bun­des­tag und die angren­zen­den Par­la­ments­ge­bäu­de geführt habe, sagt eine rus­si­sche Bekann­te: „Das ist alles groß­zü­gig und modern gebaut, aber es hat kei­ne See­le.”

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Ges­tern Abend: In Chem­nitz beginnt die nächs­te fried­li­che Revo­lu­ti­on (ich dan­ke Leser *** für das Foto).

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In mei­ne ges­tern publi­zier­te klei­ne Etü­de („qua­si una fan­ta­sia”) zur Mes­serfolk­lo­re in Chem­nitz hat sich ein fal­scher Ton ein­ge­schli­chen, das Todes­op­fer war wohl gar kein „ech­ter”, son­dern sozu­sa­gen ein Beu­te­sach­se, näm­lich ein Halb­ku­ba­ner, also ver­mut­lich zu einem gewis­sen Gra­de das, was in der Spra­che der Grü­nen Jugend peop­le of colour heißt. Bei den bei­den Ver­letz­ten soll es sich um Russ­land­deut­sche han­deln. Erstaun­lich, für wen die­se dun­kel­deut­schen Chem­nit­zer Nazis auf die Stra­ße gehen. Zum Tat­her­gang sel­ber lag ich wohl ziem­lich rich­tig (ich bezie­he mich auf Schil­de­run­gen in den sog. sozia­len Netz­wer­ken, die oft nicht stim­men, aber immer noch ver­läss­li­cher sind als die Dar­stel­lun­gen der Lücken- bzw. bis­wei­len auch Lumpenpresse). 

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Der Grü­nen-Poli­ti­ker Kon­stan­tin von Notz hat in einem Inter­view gesagt, der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter müs­se „sich fra­gen las­sen, ob das Amt für ihn noch das rich­ti­ge ist”. Das ist voll­kom­men rich­tig. Wer nicht in der Lage ist, als Chef des Innen­res­sorts das Recht durch­zu­set­zen, soll­te zum Abschied lei­se „Ser­vus” sagen. Wei­ter erklär­te Notz, See­hofer habe mit sei­ner Äuße­rung von einer „Herr­schaft des Unrechts” in der Flücht­lings­kri­se selbst die „Legi­ti­ma­ti­ons­ba­sis für einen rech­ten Mob” geschaffen.

Das ist bei­na­he rich­tig. Es gibt inzwi­schen tat­säch­lich so etwas wie eine Legi­ti­ma­ti­ons­ba­sis, nicht nur für den Mob, son­dern für jeden Geg­ner der Migra­ti­ons­po­li­tik, aber geschaf­fen hat sie die Wil­kom­mens­jun­ta mit den grü­nen Gau­nern mittenmang.

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„Sehr geehr­ter Herr Klo­n­ovs­ky, nur die Deut­schen schaf­fen den selt­sa­men Spa­gat, ihren neu­ro­ti­schen Selbst­hass in einer zutiefst anmas­sen­den Arro­ganz aus­zu­le­ben.… der aktu­el­le pau­scha­le „Sach­sen­hass” als „pars-pro-Toto Eigen­ex­or­zis­mus” ist wohl die iro­nischs­te, lächer­lichs­te und patho­lo­gischs­te Form des „Ras­sis­mus” die man sich vor­stel­len kann.

Wir Schwei­zer, wie übri­gens ca 70% der Euro­pä­er (ja selbst die Schwe­den haben’s kapiert, sie­he Wah­len in zwei Wochen, ihr habt die sozu­sa­gen links über­holt, obwohl die schon fast an der Mit­tel­leit­plan­ke fuh­ren…) schau­en sprach­los auf Deutsch­land… lei­der domi­ne­ren die ande­ren 30% die ver­öf­fent­lich­te Mei­nung da kriegt ihr das nicht so mit…

Mer­ke, wenn unter tau­send Demons­tran­ten ein Voll­idi­ot den Hit­ler­grus zeigt, sind alle Nazis
Mer­ke, wenn unter tau­send Demons­tran­ten 100 „Antifa”-Chaoten sind… dann machen die halt alles kaputt, da kön­nen auch die andern nichts dafür, weil:
Mer­ke, wenn die AfD zu einer Demo auf­ruft, sind die für jeden ein­zel­nen poli­tisch ver­ant­wort­lich der dort auf­taucht, aber…
Mer­ke, wenn eine „demo­kra­ti­sche” Par­tei dazu auf­ruft, muss man halt in einer plu­ra­lis­ti­schen Gesell­schaft hin­neh­men dass… Blablabla

Mer­ke, auch wenn 80 Mil­lio­nen Deut­sche abge­sto­chen wür­den, es wären bedau­er­li­che Ein­zell­fäl­le, aber wenn sich auch nur einer davon weh­ren wür­de, es wäre sys­tem­im­ma­nen­ter Rassismus.

Es tut mir leid Herr Klon­on­vs­ky, ich lese Ihren Blog seit lan­gem meist mit Genuss und Zustim­mung (gut, Ihre etwas bla­sier­te Fran­co­phi­lie ist mir nicht ganz ver­ständ­lich, aber jedem sei­ne Per­ver­sio­nen), aber ich muss Ihnen mit­tei­len: Ihr habt es geschafft, ihr Deut­schen habt es geschafft, ich bin ein Ras­sist gewor­den. Ich kann euch ein­fach nicht mehr ernst neh­men. Sobald ich nur ‚Deut­sche’ höre, fang ich schon an zu schmun­zeln. Ich woh­ne am Drei­län­der­eck (200m Luft­li­nie nach D und F), und jedes­mal wenn ich mich klan­des­tin an den Nach­barn vor­bei nach D schlei­che, um pein­li­cher­wei­se güns­tig ein­zu­kau­fen (nie­mals Lebens­mit­tel!), da muss ich doch ein biss­chen lachen, wenn sich die Deut­schen (Frau­en neu­er­dings kaum mehr allei­ne) ängst­lich mit gesenk­tem Blick an den her­um­lun­gern­den Pulks min­der­jäh­ri­ger 25 Jäh­ri­ger aus allen Her­ren Län­der vor­beizwän­gen, in der Hoff­nung dass jemand anders beläs­tigt wird… und falls mal, es kommt eh kaum mehr vor, ein deut­scher Mann bereit ist, so einer Beläs­ti­gung einen Rie­gel zu schie­ben, mit allen Konsequenzen…

…dann ist es ein Deutsch­rus­se, oder ein Sach­se… und das ist auch der Grund für den Sach­sen­hass, der Feig­ling reagiert aggres­siv auf den, der sich wehrt, erin­nert er in doch an sei­ne eige­ne Feig­heit und dar­an, dass er sich unter­wor­fen hat.

Ach Herr Klo­n­ovs­ky, auch wenn Sie Zeug­nis able­gen, dass es in D noch so etwas alter­tüm­li­ches wie ‚gesun­den Men­schen­ver­stand’ gibt (ein ‚Naz­ikon­zept’!?! wie mir unlängst eine Uni­ver­si­täts­do­zen­tin erklär­te, die auch mein­te, dass ‚Empi­rie’ ein „männ­li­ches Kon­zept” sei, wobei ich ihr bei Zwei­te­rem nicht instink­tiv wider­spre­chen woll­te)… ich befürch­te, es wird der Tag kom­men, an dem ich selbst Sie nicht mehr ernst neh­men kann, nur weil Sie Deut­scher sind.

Sie wis­sen ja was kom­men wird! Haben Sie schon mal an Aus­wan­de­rung gedacht? In der Schweiz – nach 10 Jah­ren Wohn­sitz, mit tadel­lo­sem Leu­mund, selbst­ver­sor­gend und mit (Hoch-)Deutschkenntnissen, die Sie ja augen­schein­lich mit­brin­gen (die Ihnen in der Schweiz aber nur bedingt hel­fen wür­den) – da kön­nen Sie eine Ein­bür­ge­rung bean­tra­gen, und wenn Sie sich auch noch eini­ger­mas­sen in die Gemein­schaft Ihres Wohn­or­tes inte­griert haben, dann wird Sie die Bür­ger­ver­samm­lung auch ger­ne ein­bür­gern, in offe­ner Abstim­mung, nicht als Ver­wal­tungs­akt im Hin­ter­zim­mer. Oder haben Sie, nur auf­grund Ihres Nach­na­mens spe­ku­lie­rend, viel­leicht Anspruch auf pol­ni­sche Papie­re? Ich wet­te, dass die angren­zen­den Gebie­te Pom­merns und Schle­si­ens in 30 Jah­ren wie­der eine grös­se­re deutsch­spra­chi­ge Bevöl­ke­rung haben, wenn die ers­ten Deut­schen mas­sen­haft flie­hen… aber dann eher aus NRW als aus dem angren­zen­den Sach­sen. Wel­ches sich in Per­so­nal­uni­on viel­leicht wie­der mit Polen ver­ei­nigt, den Sach­sen kann man näm­lich, im Gegen­satz zu den übri­gen Deut­schen, eine ähn­lich gute Über­le­bens­chan­ce wie den Polen attestieren.”

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