17. September 2018

Das stärks­te Argu­ment der­je­ni­gen, die eine Dik­ta­tur errich­ten, lau­tet gemein­hin, dass sie bloß einen Bür­ger­krieg ver­hin­dern wollen.

                                    ***

Johan­nes Kahrs, Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter der vie­ler­orts zügig, aber ohne Hast der Ein­stel­lig­keit ent­ge­gen­stre­ben­den ehe­ma­li­gen Volks­par­tei SPD und seit dem letz­ten Ple­num auch außer­halb Ham­burgs bekannt, erläu­tert in der Ham­bur­ger Mor­gen­post die Beweg­grün­de sei­ner oppor­tu­nis­ti­schen Rüpe­lei­en gegen den auf­stre­ben­den poli­ti­schen Mit­be­wer­ber zur Rechten:

„Seit neun Mona­ten erle­be ich die AfD in Aus­schüs­sen, im Ple­num und den sozia­len Netz­wer­ken. Es reicht! Hier geht es nicht um poli­ti­schen Streit. Hier geht es nicht um unter­schied­li­che Lösun­gen für die ver­schie­de­nen Fra­gen und Auf­ga­ben für die Zukunft unse­res Lan­des. Hier geht es um alles! Hier geht es um unser Land! Hier geht es um die Gesell­schaft, in der wir leben!

Die AfD betrach­tet unser Land als maro­de und kaputt. (…) Sie ist getrie­ben von Hass, will die­se Gesell­schaft zer­stö­ren und in ein Land umfor­men, in dem vie­le von uns kei­nen Platz mehr haben. Käme die AfD an die Macht, müss­ten Mil­lio­nen von Men­schen die Kof­fer packen, mich ein­ge­schlos­sen. Die offe­ne, libe­ra­le und sozia­le Gesell­schaft, in der wir heu­te leben, wür­de über Nacht in eine häss­li­che Dik­ta­tur ver­wan­delt. (…)  Es muss uns dar­um gehen, sie für alle sicht­bar zu ent­lar­ven. Zu zei­gen, dass wir es nicht nur mit nai­ven Wirr­köp­fen zu tun haben, son­dern dass hin­ter die­sen Damen und Her­ren ein Sys­tem lau­ert, das Deutsch­land schon ein­mal an den Rand der tota­len Ver­nich­tung geführt hat.

Ich ste­he hier und kann nicht anders.”

Es gibt zwei Mög­lich­kei­ten. Ent­we­der der Mann glaubt bol­zen­stramm an das, was er da sagt; dann lei­det er an einer schwe­ren Wahr­neh­mungs- und zugleich nar­ziss­ti­schen Per­sön­lich­keits­stö­rung, in die sich über­dies der touret­te-arti­ge Tic drängt, ande­re zu belei­di­gen und mit Ver­balschmutz zu bewer­fen (Kopro­la­lie), und der Bedau­erns­wer­te soll­te viel­leicht einen Spe­zia­lis­ten auf­su­chen. Ähn­li­ches ver­mu­tet Alex­an­der Wendt: „Kahrs hält nicht nur Alex­an­der Gau­land für den neu­en Hit­ler im Tweed­ja­ckett, son­dern sich selbst für eine Mischung aus Mar­tin Luther, Otto Wels und Hans Scholl”, wobei dem his­to­risch Gebil­de­ten spon­tan ein wei­te­rer, sogar bei­na­he namens­glei­cher und inso­fern der alle­r­ide­als­te Kan­di­dat zur über­sprung­haf­ten Selbst­iden­ti­fi­ka­ti­on des feschen Sozis ein­fällt: der baye­ri­sche Gene­ral­staats­kom­mis­sar Gus­tav von Kahr (der frei­lich einer Nacht der lan­gen Mes­ser zum Opfer fiel und kei­ne anzu­zet­teln gedachte*). 

Oder aber, Herr Kahrs gibt nur vor, an das zu glau­ben, was er da von sich gibt; in die­sem Fall eig­ne­te er sich mora­lisch zwar allen­falls als Betrei­ber eines Por­no­ki­nos, könn­te aber beruf­lich wei­ter­ma­chen wie bisher.

* Das ist, geehr­ter Herr *** kei­ne all­zu gro­ße Über­trei­bung; wer so redet wie Kahrs, der will durch­aus Blut sehen.

                                    ***

Das Impe­ri­um schlägt zurück: Ange­la „Hetz­jag­den” Mer­kel will Ver­fas­sungs­schutz­chef Maaßen den Hyä­nen des links­grü­nen Gesin­nungs­kar­tells zum Fraß vor­wer­fen, also ent­las­sen. Bestra­fe einen, erzie­he tau­send! In Buf­fa­lo Bills Wor­ten: „Wer die Wahr­heit aus­spricht, muss ein schnel­les Pferd haben.” Ich las unlängst die­sen sehr ela­bo­rier­ten The­sen­auf­satz, des­sen Autor sta­tu­iert, dass Deutsch­land längst von einem geo­po­li­tisch ein­ge­bun­de­nen See­hofer regiert wer­de und Mer­kels Tage gezählt sei­en. Auch in die­sem Text geht es dar­um, dass der Glo­bus poli­tisch neu auf­ge­teilt wird und die deut­sche Migra­ti­ons­för­de­rung bei den ande­ren Euro­pä­ern (außer der­zeit den Spa­ni­ern) auf immer grö­ße­ren Wider­stand stößt. Söder rech­net der Ver­fas­ser der irr­lich­tern­den Ana­ly­se den Ewig­gest­ri­gen (= Trans­at­lan­ti­kern) zu. Nun wird es span­nend. Klio erwägt, den Feig­lin­gen der Uni­on eine gan­ze Sei­te ihres ewi­gen Buches frei­zu­hal­ten. Die Per­so­na­lie See­hofer und die baye­ri­schen Wah­len wer­den zur nächs­ten mög­li­chen Soll­bruch­stel­le der deut­schen Poli­tik. Oans, zwoa…!

Total
0
Shares
Vorheriger Beitrag

16. September 2018

Nächster Beitrag

Später 17. September 2018

Ebenfalls lesenswert

13. April 2018

Dass man sich nicht – nie­mals – von wem auch immer distan­ziert, ist kei­ne poli­ti­sche Ent­schei­dung, son­dern eine…

23. Januar 2020

Man muss wohl was mit Geis­tes­wis­sen­schaf­ten stu­diert haben, um zu behaup­ten, Enti­tä­ten wie Geschlecht und Volk sei­en „Kon­struk­te”, will­kür­li­che…

18. September 2020

Vor kur­zem ver­trat ich die The­se: Die Lin­ke hat aus dem Zusam­men­bruch der real­so­zia­lis­ti­schen Staa­ten die Leh­re gezo­gen,…

8. November 2018

Die heu­ti­ge Bun­des­tags­de­bat­te zum „Glo­bal Com­pact for Migra­ti­on” hät­te nach dem Wil­len der Regie­rung am bes­ten nie­mals statt­fin­den…