29. September 2018

Eine Peti­tes­se am Ran­de: Als er von der „Mut­ter aller Pro­ble­me” sprach, hat Horst See­hofer, anders als allent­hal­ben von inter­es­sier­ter Sei­te unter­stellt wird, expli­zit die der­zei­ti­ge Migra­ti­on gemeint. Migra­ti­on hat es immer gege­ben (stimmt), Migra­ti­on hat Gesell­schaf­ten geprägt (stimmt), berei­chert (stimmt) und gele­gent­lich zer­stört (kei­ner sagt’s, stimmt trotz­dem). Aber auch, wenn Migra­ti­on bis­lang immer nur segens­reich ver­lau­fen wäre, schlös­se das einen plötz­li­chen Umschlag ins Zer­stö­re­ri­sche kei­nes­wegs aus.

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Aus dem bran­den­bur­gi­schen Beelitz sen­det Leser *** die­ses zukunfts­wei­sen­de Foto: Döner­la­den und AfD-Büro in trau­li­chem Nebeneinander.

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Die Nazi-Men­ta­li­tät auf Nazi-Suche, x‑te Fol­ge: Ein schrei­ben­der Erpres­ser vom Kin­der-Stür­mer aus Ber­lin-Kreuz­berg hat die Bun­des­li­ga­ver­ei­ne auf Lini­en­treue gegen­über der Oppo­si­ti­on abge­fragt, die meis­ten win­den sich (noch) mit den unter Gesin­nungs­ter­ror­be­din­gun­gen übli­chen all­ge­mei­nen Lip­pen­be­kennt­nis­sen aus der Ange­le­gen­heit, und im ers­ten Leser­kom­men­tar schlägt ein Witz­bold vor, die Akti­on auch auf die zwei­te und drit­te Liga aus­zu­wei­ten… (hier).   

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Und gleich wei­ter in der­sel­ben Rubrik. Die Fami­lie als Brut­stät­te von allem Übel muss selbst­ver­ständ­lich auch in die Are­na des anti­ras­sis­ti­schen, anti­se­xis­ti­schen, anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen etc. Kamp­fes gezerrt wer­den, was mit den Clans und den meis­ten Ein­wan­de­rern zwar nim­mer­mehr gelin­gen wird, aber unter Deut­schen, wie zuletzt das Drit­te Reich und der ost­deut­sche Real­so­zia­lis­mus vor­ge­führt haben, oft zu treff­li­chen Ver­wer­fun­gen inner­halb der Sipp­schaf­ten führt, bis zur Denun­zia­ti­on falsch­mei­nen­der Ange­hö­ri­ger. Auf der Web­sei­te „wikiHow – hier lernst du alles” wer­den Spröss­lin­ge recht­ge­lei­tet, deren Eltern auf welt­an­schau­li­chen Abwe­gen der Schwe­fel­höl­le ent­ge­gen­wan­deln. „Mit ras­sis­ti­schen Eltern rich­tig umge­hen”, ist der Text über­ti­telt, der eben­so bei jetzt, ben­to, in der Huf­fing­ton Post oder einem ande­ren die­ser Juve­ni­li­tät simu­lie­ren­den Ten­denz­voll­stre­ckungs­por­ta­le für den lese­fä­hi­gen lin­ken Nach­wuchs ste­hen könnte. 

Dort ist zu lesen: „Es kann unan­ge­nehm und schmerz­haft sein, wenn die eige­nen Eltern eine ras­sis­tisch gepräg­te Lebens­ein­stel­lung besit­zen. In den meis­ten Fäl­len sehen sich dei­ne Eltern ver­mut­lich gar nicht als Ras­sis­ten und könn­ten abweh­rend reagie­ren, wenn du ihnen gegen­über die­se Bezeich­nung ver­wen­dest. Mög­li­cher­wei­se basiert ihre Denk­wei­se auch ein­fach auf einem ver­al­te­ten kul­tu­rel­len Rah­men­werk, in dem ras­sis­tisch gepräg­te Kli­schees der akzep­tier­ten Norm ent­spre­chen und manch­mal sogar posi­tiv bewer­tet wer­den. Ein Bei­spiel: Viel­leicht sind dei­ne Eltern der Mei­nung, dass es völ­lig in Ord­nung ist, Din­ge zu sagen wie: ‚Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig’. Du wirst ler­nen müs­sen, wie du dich gegen­über dei­nen Eltern in Bezug auf ihre ras­sis­ti­schen Ten­den­zen effek­tiv äußern kannst und wie du ihnen ver­mit­teln kannst, war­um dich ihre Aus­sa­gen stören.”

Der Autor kommt sich ziem­lich schlau vor, weil er ein Bei­spiel des „posi­ti­ven” Ras­sis­mus gewählt hat. Er hät­te auch schrei­ben kön­nen: „Ara­ber sind heiß­blü­tig” oder „Deut­sche sind gründ­lich” oder „Schwar­ze schnack­seln gern”. Jede die­ser Aus­sa­gen ist zwar eine Pau­scha­li­sie­rung, aber jede ist eher rich­tig als falsch. Wer sol­che Aus­sa­gen trifft, meint nicht: immer, son­dern signi­fi­kant häu­fig. Alle Vor­ur­tei­le sind mit die­ser Ein­schrän­kung rich­tig, sonst gäbe es sie ja nicht. Asia­ten sind signi­fi­kant häu­fig „sehr klug und flei­ßig”, wes­we­gen der­glei­chen „anti­ras­sis­ti­sche” Tex­te, deren Autoren so fana­tisch ras­sen­be­ses­sen sind, dass sie jeden kol­lek­ti­ven Unter­schied leug­nen müs­sen, auch auf asia­ti­schen Web­sei­ten kaum zu fin­den sind. Asia­ten sind so signi­fi­kant häu­fig „sehr klug und flei­ßig”, dass man es pau­schal for­mu­lie­ren kann, und jeder halb­wegs Zurech­nungs­fä­hi­ge befin­det sich bei die­ser For­mu­lie­rung im Bil­de dar­über, dass sie kei­nes­wegs jeden ein­zel­nen Asia­ten ein­schließt. Mit ande­ren Wor­ten: Nur Platt­köp­fe – die in die­sem Kon­text signi­fi­kant häu­fig das Maul auf­rei­ßen – sto­ßen sich an sol­cher­art gene­ra­li­sier­ten Aussagen. 

Mer­ke Gómez Dávi­la: „Der Ras­sist gerät außer sich, weil er ins­ge­heim den Ver­dacht hegt, dass die Ras­sen gleich sind; der Anti-Ras­sist, weil er ins­ge­heim ver­mu­tet, dass sie es nicht sind.”

Pro­bie­ren Sie mal, es ist ganz einfach:

Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und flei­ßig. Asia­ten sind sehr klug und fleißig.

Geht doch.

                                    ***

Und wei­ter mit dem immer­glei­chen Ser­mon: Der Prä­si­dent des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, Prof. Dr. Andre­as Voß­kuh­le, warn­te auf dem Juris­ten­tag davor – wen genau, sag­te er nicht –, „den Rat­ten­fän­gern popu­lis­ti­scher Bewe­gun­gen auf den Leim [zu] gehen”. 

Ein Ver­fas­sungs­rich­ter muss sich schon ande­re Fra­gen gefal­len las­sen als ein Jour­na­list. Inson­der­heit jene, wer denn die Rat­ten sein mögen, die den Fän­gern nicht auf den Leim gehen sol­len. Da Voß­kuh­le als juris­ti­sche Sprech­pup­pe des Kanz­ler­am­tes spe­zi­ell die AfD-Wäh­ler meint, ist also der Prä­si­dent des höchs­ten deut­schen Gerich­tes der Ansicht, in deut­schen Lan­den und Gau­en leb­ten meh­re­re Mil­lio­nen wahl­be­rech­tig­te Rat­ten. Außer in Dik­ta­tu­ren und Bana­nen­re­pu­bli­ken genüg­te das als Rücktrittsgrund. 

PS: „Was mich angeht: so ich denn die Wahl habe, bin ich lie­ber Rat­te als ein Lem­ming” (Leser ***).

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Aus den Mes­ser­an­grif­fen der Woche – inzwi­schen soll­te sich die For­mu­lie­rung eta­blie­ren: „Das ist so sicher wie der nächs­te Mes­ser­an­griff in der Fuß­gän­ger­zo­ne” (statt etwa „wie das Amen in der Kir­che”) – sticht, hehe, jener Fall her­vor, und zwar – dies ist ja ein Ort, an wel­chem Gewohn­heit und Nor­ma­li­tät Hoch­schät­zung genie­ßen – wegen des paw­low­schen Aller­welts­re­fle­xes, wel­cher der Ravens­bu­g­er Aller­welts­blut­tat folg­te: „Der baden-würt­tem­ber­gi­sche Inte­gra­ti­ons­mi­nis­ter Man­ne Lucha (Grü­ne) hat die Bür­ger nach der Mes­ser­at­ta­cke in der Innen­stadt von Ravens­burg zum Zusam­men­halt auf­ge­ru­fen. ‚Wir las­sen uns nicht von Men­schen aus­ein­an­der­di­vi­die­ren, die die­se furcht­ba­re Tat nun für poli­ti­sche Zwe­cke miss­brau­chen und Hass und Häme über all jene aus­schüt­ten, die für Zusam­men­halt in die­ser Stadt stan­den und ste­hen’, sag­te Lucha.”

Sag­te ich „Blut­tat”? Huch, es muss doch hei­ßen: „Ein wei­te­rer Grund, für Zusam­men­halt zu ste­hen, ereig­ne­te sich zu Ravens­burg.” Ist Cam­pi­no eigent­lich schon angefragt?

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„Nie­mand hat die Absicht, die euro­päi­schen Natio­nen aus­zu­tau­schen”: Genaue­res dazu hier.

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