3. September 2018

Und wei­ter mit dem immer­glei­chen Sermon! 

Die von Tag zu Tag schril­le­ren Paro­len, dreis­te­ren Lügen, gefin­kel­te­ren Euphe­mis­men und abge­feim­te­ren Ver­dre­hun­gen, mit denen aus den Poli­tik- und Medi­en­la­bo­ren „gegen rechts” geteu­felt wird, klin­gen in mei­nen Ohren wie Äols­har­fen: „Sie pfei­fen auf dem letz­ten Loch” (Lan­ce Arm­strong). Vor unse­ren Augen und Ohren bricht eine Men­ta­li­täts­herr­schaft zusam­men, die blei­er­ne Zeit geht zu Ende:

„Das alte Geschlecht der Heu­che­lei
Ver­schwin­det, Gott sei Dank, heut,
Es sinkt all­mäh­lich ins Grab, es stirbt
An sei­ner Lügen­krank­heit.”
(Hei­ne, „Win­ter­mär­chen”, Caput XXVII)

Genie­ßen wir ihre Ver­ren­kun­gen und Veitstänzlein.

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„Wer die AfD wählt, wählt Nazis”: Mit die­ser Zei­le begann Spie­gel online gegen 0.00 Uhr etwas ver­früht mit der Wahl­wer­bung für die Rechts­po­pu­lis­ten, denn es ist nicht sicher, ob die AfD nächs­tes Jahr schon die stärks­te Par­tei im sym­pa­thischs­ten aller Bun­des­län­der wird – die säch­si­schen Schü­ler schnei­den zwar in den Bil­dungs­tests seit acht Jah­ren am bes­ten ab, aber die sind ja noch nicht alle wahl­be­rech­tigt. Geschrie­ben hat den „Leit­ar­ti­kel” eine Maid, die ihr Maul­werk beim Kin­der-Stür­mer aus Ber­lin-Kreuz­berg gelernt hat und sich in Ham­burg noch nach vor­ne grö­len muss; des­halb der schril­le Ton. Thank you very much.

Ich weiß frei­lich nicht, ob es wirk­lich der­ma­ßen vie­le Nazis in Deutsch­land gibt, dass noch eine erwäh­nens­wer­te Zahl bei der AfD Platz fin­det, nach­dem sie schon so zahl­reich in den Medi­en und bei den Links­par­tei­en unter­ge­kro­chen sind. 

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Von n‑tv – dem „Nach­rich­ten­ka­nal” – wer­den wir fol­gen­der­ma­ßen infor­miert:

„Chem­nitz im Spät­som­mer 2018: Ein schreck­li­ches Ver­bre­chen sorgt für ein neu­er­li­ches Beben unter den Füßen von hun­der­ten Hohl­bir­nen. Schnell wer­den Sprin­ger­stie­fel geschnürt, schwarz-weiß-rote Flag­gen gehisst und die Fäus­te geballt. Wie­der ein­mal zie­hen trink­fes­te Wut­bür­ger und bür­ger­kriegs­gei­le Neo­na­zis durch die Stra­ßen der säch­si­schen Pro­vinz und hin­ter­las­sen dabei ein Trüm­mer­feld aus Blut und Angst. Unschul­di­ge Men­schen wer­den gehetzt und gejagt wie wil­de Tie­re. Die Poli­zei ist über­for­dert. Der Nor­mal­bür­ger hat Angst. Und die Poli­tik schaut zu.”

Ange­sichts der Tat­sa­che, dass die säch­si­che Gene­ral­staats­an­walt­schaft festellt: „Nach allem uns vor­lie­gen­den Mate­ri­al hat es in Chem­nitz kei­ne Hetz­jagd gege­ben” (sie­he Ein­trag „Spä­te­rer 1. Sep­tem­ber”), ist das eine Mel­dung von hoher Bri­sanz. Was ver­schweigt uns die Staats­an­walt­schaft? Wenn n‑tv sei­ne Quel­len nicht offen­legt, muss man den Sen­der dazu zwin­gen. Es sol­len auch unbe­glei­te­te männ­li­che Flücht­lin­ge in simu­lier­te Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger an den Chem­nit­zer Stadt­rand ver­schleppt wor­den sein! Anti­fa­schis­ti­sche Zeu­gen mun­keln sogar von Probehinrichtungen…

                                  ***

Es gibt ver­schie­de­ne Arten, auf die Ermor­dung eines Lands­man­nes zu reagie­ren: Die Rech­ten ver­an­stal­ten einen Schwei­ge­marsch, die Lin­ken ein Hap­pe­ning.

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In der Anmo­de­ra­ti­on der Tages­the­men spricht der Mode­ra­tor Zam­pe­ro­ni – Zap­pe­ro­ni wäre auch nicht schlecht, aber Hel­mut Mark­wort hat immer gesagt: Kei­ne Namens­wit­ze! – von einer „Mes­ser­ste­che­rei”, die zu Chem­nitz statt­ge­fun­den habe und nun wun­der­li­cher­wei­se die Gemü­ter erre­ge. Wahr­schein­lich haben auch in der Redak­ti­on von Char­lie Heb­do oder im Bata­clan „Schie­ße­rei­en” stattgefunden. 

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Es hat lan­ge gedau­ert, bis aus dem Lüge­n­äther wie­der ein­mal die­se nicht mehr ganz fri­sche Feknjuhs erschallt: 

„ ‚Arsch huh – zäng ussen­an­der!’, lau­te­te das Köl­ner Mot­to 1992, nach­dem ein pöbeln­der, gewalt­tä­ti­ger Mob in Ros­tock-Lich­ten­ha­gen ein Asyl­be­wer­ber­heim mit Molo­tow-Cock­tails in Brand gesteckt hat­te. Hin­tern hoch und Zäh­ne aus­ein­an­der, hieß es auch acht Jah­re spä­ter, als ein Kanz­ler namens Ger­hard Schrö­der einen Auf­stand der Anstän­di­gen for­der­te, nach­dem es in Düs­sel­dorf zu einem Brand­an­schlag auf die dor­ti­ge Syn­ago­ge gekom­men war. Brau­nes Gedan­ken­gut ist ein­fach nicht tot­zu­krie­gen. Ver­ständ­lich daher, dass Hei­ko Maas den Deut­schen Bequem­lich­keit vor­hält, weil sie sei­ner Ansicht nach nicht hin­rei­chend auf die Chem­nit­zer Pogrom-Stim­mung reagiert haben.”

Plau­dert jemand im Deutsch­land­funk frei erfun­den daher. Wenn in Chem­nitz schon kei­ne „Men­schen­jag­den” statt­ge­fun­den haben, muss wenigs­tens eine „Pogrom­stim­mung” her­bei­ge­schrie­ben wer­den (So ähn­lich rudert übri­gens – Abspra­che? Neue Direk­ti­ve? Nein: Die Sar­di­nen emp­fan­gen die Kom­man­dos des Schwarms über die Sei­ten­li­nie! – auch die Welt zurück: „Eine all­ge­mei­ne Hetz­jagd, von der teils die Rede war, gab es offen­bar nicht. Aber die­se Vor­fäl­le zei­gen, was in der Luft lag.”) Den Brand­an­schlag auf die Düs­sel­dor­fer Syn­ago­ge haben bekannt­lich zwei Ara­ber ver­übt, was den Schrö­der­schen „Auf­stand der Anstän­di­gen” zur Kennt­lich­keit ent­stell­te. Und nun wen­det sich der seit 1945 ers­te Minis­ter, der wegen Ausch­witz Poli­ti­ker gewor­den ist, neu­er­lich an die Anstän­di­gen, dass sie auf­ste­hen mögen gegen „rechts”, nach­dem neu­er­lich kri­mi­nel­le Ara­ber den Anlass gelie­fert haben. Das durch­ge­hal­ten zu haben und dabei anstän­dig geblie­ben zu sein, ist ein immer wie­der neu zu schrei­ben­des Ruh­mes­blatt im Schluss­ka­pi­tel der Geschich­te der deut­schen Sozialdemokratie.

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„Schä­men Sie sich nicht, eine sol­che Par­tei zu wäh­len?” Wenn es den Begriff Kau­der­welsch (Abart des Rot­welschs, Mor­bus Kau­der, spe­zi­el­le Form der Echo­lalie und des Kre­ti­nis­mus) nicht schon gäbe, man müss­te ihn erfin­den (hier).

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Leser *** sand­te mir die­sen „Brief” eines aus­rei­se­wil­li­gen BRD-Bür­gers zu, den irgend­ei­ne SED-Gazet­te 1989 kurz vor Tore­schluss abdruck­te. Ich neh­me an, ver­gleich­ba­re „Brie­fe aus Chem­nitz” sind schon in Arbeit:

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Wer mein­te, nach dem habi­tu­el­len Pro­vinz­spar­kas­sen­di­rek­tor Köh­ler (nichts gegen die Pro­vinz übri­gens!), dem Töl­pel Wul­ff und dem eit­len Buf­fo Gauck kön­ne es nicht mehr schlim­mer kom­men, hat wahr­schein­lich nur geflun­kert. Beim Niveau-Lim­bo der Figu­ren an der sym­bo­li­schen Staats­spit­ze hat Herrn Stein­mei­er die Lat­te so tief gelegt, das ihm schon Mol­lus­ken wie der Maas­hei­ko oder Clau­dia Kip­ping-Eckardt nach­fol­gen müs­sen, um dar­un­ter durch­zu­flut­schen, noch tie­fer hin­ein in die lin­ke Gos­se

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Eine vor­züg­li­che Zusa­men­fas­sung der Ereig­nis­se von Chem­nitz im Zerr­spie­gel der gelenk­ten Medi­en­öf­fent­lich­keit gibt die löb­li­che Web­sei­te Sci­ence­Files unter dem aus­sa­ge­kräf­ti­gen Titel „Die Lügen­spi­ra­le” hier

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Der Afgha­ne, der die 15-jäh­ri­ge Mia in Kan­del in einem Super­markt mit einem Mes­ser abge­schlach­tet hat, ist vom Land­ge­richt Land­au zu acht Jah­ren und sechs Mona­ten Haft ver­ur­teilt wor­den – nach Jugend­straf­recht, weil Abdul D. „laut Gut­ach­ten zur Tat­zeit womög­lich noch min­der­jäh­rig war”, wie der SWR mel­det (Her­vor­he­bung von mir – M.K.).

Ein Jahr und zwei Mona­te mehr war der Schwur­ge­richts­kam­mer des Land­ge­richts Dres­den die Tat des Mon­teurs Nico K. wert: Der 31jährige hat­te im Herbst 2016 zwei selbst­ge­bas­tel­te Rohr­bom­ben in Dres­den gelegt, eine vor der Fatih Camii Moschee (zu deutsch: „Erobe­rer-Moschee”, nach Meh­met II. Fatih, dem Erobe­rer von Kon­stan­ti­no­pel) im Stadt­teil Cot­ta. Per­so­nen kamen nicht zu Scha­den, auch der Sach­scha­den war gering. K. erhielt wegen ver­such­ten Mor­des, Her­bei­füh­rens von Spreng­stoff­ex­plo­sio­nen und ver­such­ter beson­ders schwe­rer Brand­stif­tung neun Jah­re und acht Mona­te Haft.

Wenn die zwei­te deut­sche Repu­blik eines Tages in ähn­li­chen Katak­lys­men enden soll­te wie die ers­te, wer­den His­to­ri­ker schrei­ben, dass, wie bei der Vor­gän­ge­rin, die Ein­äu­gig­keit der Jus­tiz ihren Teil dazu beitrug.

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Noch zum Vori­gen: Die bei­den ara­bi­schen Brand­stif­ter von Düs­sel­dorf, die den „Auf­stand der Anstän­di­gen” aus­lös­ten, hat­ten mit ihrem Angriff auf die Syn­ago­ge „ein Zei­chen set­zen” wol­len, gegen Isra­el, und mit dem­sel­ben Argu­ment begrün­de­ten ihre Gesin­nungs- und Gebets­brü­der, die zu Wup­per­tal ein Feu­er­chen an der Syn­ago­ge leg­ten, ihre Tat – sogar das OLG Düs­sel­dorf wer­te­te den Anschlag als „Isra­el-Kri­tik” (ich hat­te vor ein paar Tagen schon mal dar­auf ver­linkt). Was uns zu den Sozis führt, die bekannt­lich um die Stim­men unse­rer Neu­mit­bür­ger inbrüns­tig wer­ben, weil ihnen die ande­ren Wäh­ler aus­ge­hen. Isra­el-Kri­tik war eine Kern­kom­pe­tenz von Außen­amts­chef Gabri­el, und auch Stein­mei­er betei­ligt sich gern dar­an; er war der ers­te deut­sche Bun­des­prä­si­dent, der am Grab von Ara­fat einen Kranz nie­der­leg­te. Hier schlie­ßen sich Kreise…

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Wie wir fürs ers­te, bevor wir rich­tig (dran) glau­ben müs­sen, zu glau­ben gehal­ten sind, ist die Isla­mo­pho­bie ein schwe­res kol­lek­ti­ves Lei­den, an des­sen The­ra­pie sich die Zivil­ge­sell­schaft bewäh­ren muss. Dass nun aus­ge­rech­net der WDR den womög­lich pro­fun­des­ten Isla­mo­pho­ben das Wort erteilt, ver­wun­dert denn doch.

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Im April die­ses Jah­res, nach der Ermor­dung der 85jährigen Jüdin Mireil­le Knoll durch ihren mus­li­mi­schen Nach­barn in Paris, haben fran­zö­si­sche Intel­lek­tu­el­le das „Mani­fest ‚cont­re le nou­vel anti­sé­mi­tisme’ ” ver­öf­fent­licht, in dem 250 Unter­zeich­ner die mus­li­mi­schen Auto­ri­tä­ten in Frank­reich auf­for­dern, den Koran von allen Ver­sen zu säu­bern, die zum Mord an Juden, Chris­ten und Ungläu­bi­gen auf­ru­fen. Initi­iert wur­de die Akti­on von Phil­ip­pe Val, dem ehe­ma­li­gen Direk­tor von Char­lie Heb­do. Zu den Unter­zeich­nern gehör­ten Nico­las Sar­ko­zy, Bert­rand Del­a­noë, Pas­cal Bruck­ner, Ber­nard Hen­ry-Levi, Alain Fin­kiel­kraut, ein paar libe­ra­le, aber unbe­deu­ten­de Ima­ne, Athe­is­ten aus dem mus­li­mi­schen Kul­tur­krei­ses sowie eini­ge Rechtsintellektuelle. 

Alex­an­der Wendt frag­te mich vor kur­zem, ob ich davon etwas in den hie­si­gen Medi­en gele­sen hät­te. Hat­te ich nicht. Ich habe die Infor­ma­ti­on jetzt von einer Jour­na­lis­tin bekom­men, die in Frank­reich arbei­tet. Die ein­zi­ge deut­sche Zei­tung, die, sofern Goog­le nichts unter­schlägt, dar­über berich­tet hat, war die acht­ba­re Jüdi­sche Rundschau.

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Dafür, dass er kein Rück­grat hat­te, stand er erstaun­lich gerade.

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Ich möch­te allen Besu­chern mei­nes klei­nen Eck­la­dens die­se grund­sätz­li­che, aber gar nicht son­der­lich lan­ge Rede ans Herz statt Het­ze legen, die Alex­an­der Gau­land am Wochen­en­de beim Bür­ger­dia­log in Mainz vor­ge­tra­gen hat. Es wäre schon viel gewon­nen, wenn die poli­ti­schen Mit­be­wer­ber der Schwe­fel­bu­ben auf die­sem Sach­lich­keits- und Refle­xi­on­le­vel ankämen.

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Dani­el Zabel, der cou­ra­gier­te Whist­leb­lower, der den Haft­be­fehl gegen den bis­lang letz­ten Mes­ser­ste­cher von Chem­nitz der Öffent­lich­keit zugäng­lich mach­te und damit der Pro­pa­gan­da schwe­ren Scha­den zufüg­te, hat als Jus­tiz­be­am­ter logi­scher­wei­se aus­ge­dient, nahm sei­ne Ent­las­sung aber bewusst in Kauf, was sehr ehren­wert und unter­stüt­zens­wür­dig ist. Vera Lengs­feld hat einen Spen­den­auf­ruf für Zabel gestar­tet, um den Mann bei der Bewäl­ti­gung der beruf­li­chen und juris­ti­schen Fol­gen sei­ner zwar edlen, aber sank­tio­nier­ten Tat zu unter­stüt­zen (hier). Ich gehe jetzt überweisen. 

Apro­pos Spen­de: Die Anwäl­tin der Wit­we von Tho­mas K. aus Ber­gisch Glad­bach hat mir noch ein­mal bestä­tigt, dass sie die hier gesam­mel­ten 28.729,- Euro der Fami­lie über­ge­ben hat. Die Hin­ter­blie­be­nen sind den Spen­dern sehr dankbar.

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