8. Oktober 2018

Unse­ren lin­ken Alp­traum­tän­zern bescher­te die ver­gan­ge­ne Woche wie­der eine Rei­he von Fias­cos. Gleich drei ihrer Denun­zia­ti­ons­kam­pa­gnen ende­ten erfolglos.

Zuerst wur­de Brett Kava­n­augh als obers­ter US-Rich­ter ver­ei­digt, obwohl eine Frau und oben­drein Psy­cho­lo­gie­pro­fes­so­rin, also prak­tisch eine Herr_innenmenschin (wengleich weiß, da geht noch was), behaup­tet hat­te, Kava­n­augh habe sie im Som­mer 1982, damals 17jährig und betrun­ken – also nach heu­ti­gen Begrif­fen ein unbe­glei­te­ter männ­li­cher Nest­flücht­ling – bei einer Par­ty „mas­siv sexu­ell bedrängt”. Sie sel­ber zähl­te wei­land 15 hol­de Len­ze. Das fällt der Frau 36 Jah­re spä­ter ein, als der Kerl einen guten Job bekom­men soll. 1982 war Ronald Rea­gan gera­de US-Prä­si­dent gewor­den, Ange­la Mer­kels ers­te Ehe wur­de frist­los geschie­den, und Oskar der Ers­te besuch­te als saar­län­di­scher Son­nen­kö­nig erst­mals Erich den Ein­zi­gen. Man über­le­ge: Schwe­re Kör­per­ver­let­zung ver­jährt im deut­schen Straf­recht nach zehn Jah­ren, Kör­per­ver­let­zung mit Todes­fol­ge sowie Ver­ge­wal­ti­gung ver­jäh­ren nach zwan­zig Jah­ren, im US-Recht wird es nicht anders sein  – aber Anmach­ver­bre­chen wei­ßer Alpha-Männ­chen ver­jäh­ren nie! Es ist die nor­mals­te Sache von der Welt, dass mas­ku­li­ne Teen­ager auf Par­tys die Mädels bedrän­gen, das gehört zum Spiel (ich sel­ber habe es x‑mal getan, mit wech­seln­dem Erfolg), und jede Maid, die auf eine Par­ty geht, weiß das; des­we­gen geht sie ja hin. Zum Spiel gehört eben­falls, dass mit­un­ter der Fal­sche „bedrängt”, sogar „mas­siv”, aber wenn dar­aus kei­ne Ver­ge­wal­ti­gung ent­steht, darf man die Regeln als gera­de noch ein­ge­hal­ten betrach­ten, sofern der Video­schieds­rich­ter nichts ande­res sagt. Die gute alte Ohr­fei­ge wirkt übri­gens oft Wunder. 

„Fürch­tet den wei­ßen Mann”, lamen­tiert den­noch die Zeit, als gebe es kei­ne Köl­ner Dom­plat­te, kei­nen Tahir­platz und kei­ne offen­bar bit­ter not­wen­di­gen Anti-Ver­ge­wal­ti­gungs-Pla­kat­kam­pa­gnen in Afri­ka, aber die Ham­bur­ger müs­sen ja zumin­dest im Print als „lin­ker Dach­scha­dens­an­zei­ger” (Wolf­gang Röhl) die taz ablö­sen. Spie­gel online sug­ge­riert: „Chris­ti­ne Bla­sey Ford war bei der Anhö­rung zu den Vor­wür­fen der sexu­el­len Gewalt weit glaub­wür­di­ger als Brett Kava­n­augh. Er ver­wi­ckel­te sich in Wider­sprü­che, doch am Ende fehl­te trotz­dem der Beweis, dass Fords Geschich­te so stimm­te.” (Erin­nern Sie sich, geneig­ter Leser, was Sie vor 36 Jah­ren ange­trun­ken auf der Par­ty in X mit der süßen, wie hieß sie doch gleich, ver­an­stal­tet haben?) Durch Kam­pa­gnen die­ser Art sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren vie­le männ­li­che Kar­rie­ren zer­stört wor­den, und nie wird man erfah­ren, ob die Vor­wür­fe wenigs­tens stimm­ten. Jene gegen den desi­gnier­ten Obers­ten Rich­ter waren aller­dings zu absurd – oder erle­ben wir gera­de eine ech­te Trendwende?

Der zwei­te Fall: Die wahr­schein­lich direkt vom Kanz­ler­amt aus orches­trier­te Hetz­jagd gegen den Hetz­jag­den-Leug­ner Hans-Georg Maaßen ver­läuft, wie ein Qua­li­täts­jour­na­list meta­phern wür­de, eben­falls im Sand; Maaßen bleibt einst­wei­len im Amt. Wahr­schein­lich mau­ert hier das gesam­te Innen­mi­nis­te­ri­um, wo man schließ­lich weiß, von wem in die­sem Land eine Bedro­hung aus­geht, mag der Süd­deut­sche Beob­ach­ter auch einen Schelm nach dem ande­ren aus dem alten Hut zau­bern, der ein paar elan- und plan­lo­se Schrei­häl­se mit einem IQ unge­fähr auf dem durch­schnitt­li­chen Level des Gol­des aus den Schif­fen zu einer Bedro­hung der natio­na­len Sicher­heit auf­bläst (sie­he auch Acta diur­na vom 2. Okto­ber, zwei­ter Eintrag). 

Vor den drit­ten Fall set­ze ich aus Grün­den der Leser­freund­lich­keit drei Sternchen:

                                           ***

Noch inni­ger beplärr­te die Wahr­heits- und Qua­li­täts­pres­se mit freund­li­cher Unter­stüt­zung eini­ger staats­from­mer jüdi­scher Funk­tio­nä­re (oder, was die Unter­stüt­zung angeht, umge­kehrt) die Grün­dung der Grup­pe „Juden in der AfD”, die sich fre­cher- bzw. unver­ständ­li­cher­wei­se auch noch ohne Anwei­sung von oben, wie das in ech­ten demo­kra­ti­schen Par­tei­en üblich ist, son­dern auf eige­ne Faust kon­sti­tu­ier­te. Die Maß­lo­sig­keit der Beschimp­fun­gen erweck­te den Anschein, dies­mal sei den Brü­dern und Schwes­tern der gan­ze Pla­net auf die Hüh­ner­au­gen getre­ten. Mit der AfD habe zum ers­ten Mal eine Par­tei den Ein­zug in den Bun­des­tag geschafft, „deren Pro­gramm sich zusam­men­fas­sen lässt mit den Wor­ten: ‚Juden raus’ ”, phan­ta­sier­te Char­lot­te Knob­loch im Spie­gel und bekun­de­te damit immer­hin ihre erschüt­tern­de Unkennt­nis des AfD-Pro­gramms. Alfred Jaco­by, der Vor­sit­zen­de der Jüdi­schen Gemein­de in Offen­bach und augen­schein­lich eine der hells­ten Ker­zen auf der Meno­ra, wur­de in einem Inter­view gefagt:

„Zuerst soll­te die Grün­dung der JAfD ja in Offen­bach statt­fin­den. Jetzt trifft sich die Par­tei am Sonn­tag in Wies­ba­den. Wie fin­den Sie das?”
Wor­auf er mit den geflü­gel­ten und sogar gefin­kel­ten Wor­ten ant­wor­te­te:
„Ich fin­de, dass wir uns die Stink­tie­re gut vom Hals gehal­ten haben.”

Ich über­las­se es Ihrem Geschmacks­ur­teil, geneig­ter Leser, ob Sie es als ein Zei­chen von Nor­ma­li­tät wer­ten, dass sich nun auch unter jüdi­schen Funk­tio­nä­ren die Nazi­men­ta­li­tät auf die Suche nach neu­er­dings sogar jüdi­schen Nazis begibt. Für unse­re Links­fa­schis­ten ist das natür­lich ein Fest: ein lega­ler Judenboykott!

War­um der (jüdi­sche) Wirt in Offen­bach, bei dem die Ver­an­stal­tung ursprüng­lich statt­fin­den soll­te, auf­ge­ge­ben hat, kann sich jeder den­ken, der mit den Erpres­sungs- und Bedro­hungs­ge­pflo­gen­hei­ten im bes­ten Deutsch­land aller Zei­ten halb­wegs ver­traut ist; dass auch die Wies­ba­de­ner Zusam­men­kunft ver­spä­tet begann, hat­te bloß mit einer Bom­ben­dro­hung und einem all­zu pedan­ti­schen Poli­zei­such­hund zu tun. Bei der gleich­wohl erfreu­lich gut besuch­ten Pres­se­kon­fe­renz wur­de den Medi­en­schaf­fen­den schnell klar, dass sie zu den übli­chen Distan­zie­rungs­tänz­chen, wie sie ein bio­deutsch besetz­tes Podi­um wahr­schein­lich hin­ge­legt hät­te, nicht län­ger auf­zu­for­dern brauch­ten; die Juden auf dem Podi­um lie­ßen sich ein­fach nicht bit­ten. Dass die AfD von allen Par­tei­en die israel­freund­lichs­te sei bzw. dies immer­hin simu­lie­re, muss­te sogar Bild ein­ge­ste­hen. Die­se Anti­se­mi­ten arbei­ten mit allen Tricks. Sie enga­gier­ten sogar zwei Künst­ler, die auf Pia­no­for­te und Cel­lo das „Kol Nidre” dar­bo­ten, bevor eine beson­ders zwie­lich­ti­ge Figur die Büh­ne betrat und fol­gen­de het­ze­ri­sche Rede hielt:

„Mei­ne Damen und Her­ren, ein alter jüdi­scher Witz, der in ver­schie­de­nen Ver­sio­nen erzählt wird, geht so: Im New Yor­ker Cen­tral Park sitzt ein Schwar­zer auf einer Bank und liest die Jeru­sa­lem Post. Ein Jude kommt vor­bei und fragt ihn: ‚Neger zu sein genügt Ihnen wohl nicht?’

Wenn ich in die­se Run­de schaue, kann ich mir die Fra­ge nicht ver­knei­fen: Jude sein genügt Ihnen wohl nicht?

Wenn sich jetzt Juden auf die Sei­te der AfD schla­gen, ist das natür­lich ein Fest für lin­ke Anti­se­mi­ten. Gön­nen wir ihnen die gei­fern­de Lust. Man muss nur das etwas unap­pe­tit­li­che Gedan­ken­ex­pe­ri­ment anstel­len und sich vor­stel­len, um wie­viel gebrems­ter die öffent­li­che Empö­rung aus­ge­fal­len wären, wenn sich eine Grup­pe ‚Juden in der Anti­fa’ gegrün­det hätte.

Etwas ent­täu­schen­der, wenn­gleich ähn­lich erwart­bar, waren die Reak­tio­nen des offi­zi­el­len Juden­tums. Bedau­er­li­cher­wei­se schei­nen sich vie­le Juden in Deutsch­land mit zwei sehr deut­schen Stil­mit­teln ange­freun­det zu haben: dem Gleich­schritt und dem Maul­korb. Inso­fern ist es zu begrü­ßen, dass Sie, mei­ne Damen und Her­ren, aus der Rei­he sche­ren und eine alte Regel wie­der in Kraft set­zen, wel­che unge­fähr lau­tet: fünf Deut­sche – eine Mei­nung, fünf Juden – zehn Meinungen.

Wir müs­sen nicht lan­ge drum­her­um reden, das Haupt­mo­tiv für Juden, der AfD bei­zu­tre­ten, ist die För­de­rung der Mas­sen­ein­wan­de­rung von über­wie­gend Mus­li­men durch sämt­li­che ande­ren Par­tei­en. Ob nun in unbe­grenz­ter Zahl, wie Lin­ke und Grü­ne for­dern, oder in jähr­li­chen Kon­tin­gen­ten, wie es der Koali­ti­on vor­schwebt, Deutsch­land wird die mus­li­mi­sche Juden­feind­schaft auch künf­tig groß­zü­gig importieren.

Deutsch­lands Offen­heit für die­se Mas­sen­ein­wan­de­rung – die ver­meint­li­chen oder tat­säch­li­chen Flücht­lin­ge sol­len ja nicht wie Flücht­lin­ge behan­delt wer­den, son­dern defi­ni­tiv hier­blei­ben, und das nur als Vor­hut für kom­men­de Ein­wan­de­rer­ko­hor­ten –, Deutsch­lands Offen­heit für Ein­wan­de­rer hängt psy­cho­struk­tue­rell eng mit der Schoa zusam­men. Die­ses Land will süh­nen, genau­er: sei­ne Funk­ti­ons­eli­ten wol­len süh­nen, was wie­der­um heißt: sie wol­len die ande­ren Deut­schen süh­nen las­sen – und sel­ber zwi­schen Sekt­emp­fang und Golf­tur­nier Reso­lu­tio­nen unter­zeich­nen. In der soge­nann­ten Will­kom­mens­kul­tur hat die ritu­el­le Süh­ne eine neue Qua­li­tät erreicht. Ein Land, das kei­ne Gren­zen mehr kennt, ist ein Land, das von der Kar­te ver­schwin­den will. Wer nicht mit­ver­schwin­den möch­te, sieht sich heu­te zur poli­ti­schen Ent­schei­dung gera­de­zu genötigt.

Die Deut­schen sind ein see­lisch labi­les Volk, sie nei­gen zu Fun­da­men­ta­lis­mus, Irra­tio­na­lis­mus und kol­lek­ti­ver Hys­te­rie. Nach­dem sie Hit­ler hin­ter­her­ge­lau­fen sind und die hal­be Welt mit Krieg und Mord über­zo­gen haben, wol­len sie heu­te die hal­be Welt bei sich auf­neh­men. Es ist nicht allein der Wunsch nach Wie­der­gut­ma­chung der NS-Ver­bre­chen, der die deut­schen Gren­zen wie Wun­den offen­hält, es kommt noch ein Phä­no­men hin­zu, das man spe­zi­ell auch in Schwe­den stu­die­ren kann: ein Pro­tes­tan­tis­mus, der nicht mehr an Gott glaubt und sei­nen Zer­knir­schungs­fu­ror inner­welt­lich aus­le­ben muss. Bei­den Buß- und Süh­ne­ge­mein­schaf­ten gemein­sam ist die über sie ver­häng­te ewi­ge Unerlöstheit.

Was hier­zu­lan­de zu der bemer­kens­wer­ten Pikan­te­rie oder doch bes­ser poli­ti­schen Per­ver­si­on führt, dass Deutsch­land den Juden­mord sühnt, indem es Scha­ren von Juden­fein­den will­kom­men heißt. Das ist sehr ‚tief’, sehr deutsch, sehr krank, und Sie als Juden bekom­men damit zuneh­mend ein Pro­blem. Zum deut­schen psy­cho­po­li­ti­schen Dach­scha­den gehört, dass die ein­zi­ge Par­tei, die gegen die­se Ent­wick­lung pro­tes­tiert, von den Medi­en und der poli­ti­schen Kon­kur­renz zu einer Art NSDAP light umge­lo­gen wird.

Mei­ne Damen und Herrn, der His­to­ri­ker Micha­el Wolff­s­ohn, den ich hier zitie­re, weil er zu den zurech­nungs­fä­hi­gen Geg­nern die­ser Grün­dung gehört, hat vor kur­zem der Neu­en Zür­cher Zei­tung gesagt: ‚Der gewalt­tä­ti­ge Anti­se­mi­tis­mus kommt heu­te nicht von rechts, auch wenn die irre­füh­ren­den Sta­tis­ti­ken etwas ande­res sagen. Wenn ich mich in mei­nem jüdi­schen Bekann­ten­kreis umhö­re, dann sagen alle das Glei­che: Gewalt gegen Juden geht aus­schließ­lich von Mus­li­men aus.’

Und die Kanz­le­rin, die für die­se Ent­wick­lung ver­ant­wort­lich ist, besucht am deut­schen Natio­nal­fei­er­tag Isra­el und tags dar­auf Yad Vas­hem. Ver­ste­hen Sie, was ich mit poli­tisch per­vers mei­ne? Die popu­lärs­ten Juden in Deutsch­land sind, um eine Sot­ti­se von Alex­an­der Wendt zu zitie­ren, Herr und Frau Stolperstein.

Der­sel­be Micha­el Wolff­s­ohn schrieb ein paar Wochen spä­ter in der­sel­ben Zei­tung: ‚Juden­feind­schaft ver­dam­men und gleich­zei­tig mög­li­chen Juden­fein­den Tür und Tor zu öff­nen, ist bes­ten­falls naiv. Frank­reich bekämpft die anti­jü­di­sche Gewalt von Mus­li­men eben­falls erfolg­los. Wen wun­dert es daher, dass rund 30 Pro­zent der Juden Frank­reichs jüngst die rechts­ex­tre­me Mari­ne Le Pen wähl­ten oder eine Mini-Min­der­heit deut­scher Juden zur AfD wan­dert?’ Dass sich Juden für die AfD oder Le Pen ent­schei­den, so Wolff­s­ohn, sei ‚ana­ly­tisch erklär­bar, aber mora­lisch und poli­tisch falsch’.

Was für ein Eier­tanz. Ana­ly­tisch erklär­bar, aber poli­tisch falsch? Was wäre denn poli­tisch rich­tig bzw. korrekt?

Sich lie­ber für die lin­ken und grü­nen Israel­boy­kot­teu­re und Mas­sen­ein­wan­de­rungs-Pro­pa­gan­dis­ten zu ent­schei­den? Oder für die SPD, deren einer Außen­mi­nis­ter, Herr Gabri­el, Isra­el einen Apart­heid­staat nann­te, wäh­rend der nächs­te, Herr Maas, ver­kün­det, er sei wegen Ausch­witz in die Poli­tik gegan­gen – dar­un­ter macht es die­ser Schneid­si­mu­lant nicht –, aber zugleich den Sau­dis in den Aller­wer­tes­ten kriecht, also den Haupt­fi­nan­ziers der welt­wei­ten Ver­brei­tung des Islam und damit des mus­li­mi­schen Anti­se­mi­tis­mus? Oder soll­ten Juden am bes­ten gleich der größ­te Anti­se­mi­ten-Import­spe­di­ti­on der deut­schen Nach­kriegs­ge­schich­te bei­tre­ten, der Merkel-CDU?

Mei­ne Damen und Her­ren, es liegt eine unglaub­li­che Ver­lo­gen­heit dar­in, die Mus­li­me zu den ‚Juden von heu­te’ zu erklä­ren, was Nar­ren wie Herr Benz und Inter­es­sen­ver­tre­ter wie Herr Mazyek bekannt­lich tun.

Ich mei­ne dabei nicht ein­mal die kras­se Ver­schie­den­heit der bei­den Bevöl­ke­rungs­grup­pen hin­sicht­lich ihrer Zahl, ihrer Bil­dung, ihrer Erwerbs­ge­neigt­heit, Kri­mi­na­li­täts­bi­lanz, Wissenschaftler‑, Künstler‑, Pro­fes­so­ren- und Nobel­preis­trä­ger­dich­te. Ich mei­ne auch nicht den radi­ka­len Men­ta­li­täts­wan­del bei den Deut­schen nach 1945, die nur noch Sozi­al­part­ner und Betreu­ungs­kol­lek­ti­ve ken­nen woll­ten. Wor­auf ich hin­aus­will, ist viel­mehr die simp­le Tat­sa­che, dass ein zügig ver­grei­sen­des, bereits jetzt bei einem Durch­schnitts­al­ter nahe der Fünf­zig ange­lang­tes Volk, in des­sen vita­ler Alters­ko­hor­te der fünf­zehn- bis drei­ßig­jäh­ri­gen Män­ner gera­de mal um die acht Mil­lio­nen übrig­ge­blie­ben sind, von denen wie­der­um unge­fähr ein Drit­tel bereits einen soge­nann­ten Migra­ti­ons­hin­ter­grund hat, dass ein sol­ches Volk sich unmög­lich je zu irgend­wel­chen kol­lek­ti­ven Schand­ta­ten anspor­nen las­sen wird, schon gar nicht gegen eine Min­der­heit, die in den letz­ten drei Jah­ren um etwa eine Mil­li­on meist jun­ge Män­ner gewach­sen ist und heu­te bereits, schlös­se sie sich zusam­men, ein zah­len­mä­ßig nahe­zu eben­bür­ti­ges Kämp­fer­kon­tin­gent in der besag­ten Alters­ko­hor­te auf­stel­len könn­te. Ten­den­zi­ell nimmt die eine Grup­pe ab, die ande­re zu. Ten­den­zi­ell wächst die Bedro­hung der einen Grup­pe durch die ande­re, wie das heu­te bereits in diver­sen Stadtei­len, Schu­len und öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln der Fall ist.

Die­je­ni­gen, die 1933 anfin­gen, den Sta­chel­draht aus­zu­rol­len und bei Juden die Schei­ben ein­zu­schmei­ßen, waren jun­ge Män­ner, der Natio­nal­so­zia­lis­mus war eine Jugend­be­we­gung, wie auch der Bol­sche­wis­mus oder der Mao­is­mus Jugend­be­we­gun­gen waren – und der radi­ka­le Islam eine ist. Kei­ne Ideo­lo­gie ohne Biologie.

‚Erken­ne die Lage!’, heißt die ers­te aller poli­ti­schen Maxi­men. Von wem geht eine Bedro­hung aus und von wem eher nicht? Sie, mei­ne Damen und Her­ren, haben die Lage augen­schein­lich erkannt.

Das führt uns zu der Fra­ge, war­um Isra­el in Deutsch­land kei­nen son­der­lich guten Leu­mund genießt, auch wenn die Kanz­le­rin ver­kün­det, die Bun­des­wehr wer­de mit all ihren fahr­tüch­ti­gen Pan­zern und flug­fä­hi­gen Kampf­hub­schrau­bern für die Exis­tenz des Juden­staa­tes ein­ste­hen. Beim ton­an­ge­ben­den lin­ken Milieu, bei den Akro­ba­ten der Isra­el-Ankla­ge, han­delt es sich um Leu­te, die der Mei­nung sind, die deut­sche Ver­gan­gen­heit ‚auf­ge­ar­bei­tet’ zu haben, und die sich über­haupt mora­lisch vor­bild­lich füh­len. In die­sem Milieu wird Isra­el sozu­sa­gen als ‚rech­ter’ Staat wahr­ge­nom­men. Dass die Israe­lis immer noch wie ein Volk agie­ren, das Wohl­erge­hen der eige­nen Lands­leu­te wich­ti­ger neh­men als das frem­der Min­der­hei­ten und ihr Ter­ri­to­ri­um rus­ti­kal ver­tei­di­gen, wider­spricht all den Bunt­heits-­, Mul­ti­kul­ti-­, Teil­ha­be-­ und Diver­si­ty-Vor­stel­lun­gen der hie­si­gen Wort­füh­rer. In die­sem Kon­text gehört Israel­kri­tik para­do­xer­wei­se zum staats­re­li­giö­sen deut­schen ‚Kampf gegen rechts’, auch wenn man gera­de den Rech­ten vor­wirft, heim­lich oder offen anti­se­mi­tisch zu sein. Die deut­schen Pro­gres­sis­ten erwar­te­ten von Isra­el, es möge sich die pazi­fi­zier­te, auch gegen ihre Fein­de tole­ran­te, auf eige­ne Sou­ve­rä­ni­tät und Ver­tei­di­gung weit­ge­hend ver­zich­ten­de, Selbst­er­hal­tung für Ras­sis­mus hal­ten­de Bun­des­re­pu­blik zum Vor­bild neh­men. Nur wäre Isra­el, wenn es sich wie das heu­ti­ge Deutsch­land auf­führ­te, über­mor­gen von der Land­kar­te verschwunden.

Mei­ne Damen und Her­ren, las­sen Sie sich nicht kir­re machen von Leu­ten, die Ihnen ein­re­den wol­len, die AfD sei eine Anti­se­mi­ten-Par­tei. Wenn die AfD anti­se­mi­tisch wäre, stün­de ich nicht hier. Wir sind Popu­lis­ten, das heißt: Wir wen­den uns gegen ein Estab­lish­ment, das in sei­nem glo­ba­lis­ti­schen Amok­lauf alles aufs Spiel setzt, was die­ses Land lebens­wert macht: den Rechts­staat, die öffent­li­che Sicher­heit, die Mei­nungs- und Reli­gi­ons­frei­heit, die Gleich­be­rech­ti­gung der Frau, die Bil­dungs­stan­dards an den Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten, über­haupt unse­re Art zu leben.

Die Lin­ke hat nach dem Zusam­men­bruch des Drit­ten Reichs die Chan­ce erkannt, die dar­in bestand, die Nazis zu Rech­ten zu dekla­rie­ren und die Juden als Ver­bün­de­te im ‚Kampf gegen rechts’ zu gewin­nen. Inzwi­schen haben sowohl die Lin­ken als auch die von Frau Mer­kel zur Par­tei ohne Eigen­schaf­ten umge­krem­pel­te Uni­on die Soli­da­ri­tät mit dem Juden­tum auf­ge­kün­digt. Der deut­sche Zeit­geist wird von Feig­lin­gen gemacht, und die­se Leu­te las­sen der­zeit jedes ihrer eins­ti­gen Hät­schel­kol­lek­ti­ve fal­len. Gewalt gegen Frau­en, Unter­drü­ckung von Frau­en, das war noch vor zehn Jah­ren ein deut­sches Sakri­leg. Heu­te gilt bei­des, von den Rich­ti­gen aus­ge­übt, als Folk­lo­re und Kol­la­te­ral­scha­den der Gesell­schafts­ver­bun­tung. Gewalt gegen Schwu­le? Das­sel­be. Gewalt gegen Juden? Wenn man sie nicht den Rech­ten in die Schu­he schie­ben kann, kein The­ma mehr.

Mei­ne Damen und Her­ren, Juden in der AfD, das ist nichts wei­ter als die Her­stel­lung von Nor­ma­li­tät. Nor­ma­li­tät heißt, dass Juden zu sämt­li­chen poli­ti­schen Lagern gehören.

Ich gestat­te mir, Karl Kraus zu zitieren:

‚Wo Leben sie der Lüge unter­joch­ten,
war ich Revo­lu­tio­när.
Wo gegen die Natur sie auf Nor­men poch­ten,
war ich Revo­lu­tio­när.
Mit leben­dig Lei­den­dem hab ich gelitten.

Wo Frei­heit sie für Phra­se nutz­ten,
war ich Reak­tio­när.
Wo Kunst sie mit ihrem Kön­nen beschmutz­ten,
war ich Reak­tio­när.
Und bin bis zum Ursprung zurückgeschritten.’

Man wüss­te doch gern, was Otto Wei­nin­ger zu ‚Gen­der’ sagen wür­de, Egon Frie­dell zum letz­ten deut­schen His­to­ri­ker­tag, Karl Kraus zur deut­schen Lücken­pres­se, Rudolf Bor­chardt zu deut­schen Best­sel­ler­lis­ten, Jacob Tau­bes zur Theo­lo­gie des Islam. Aber das ist ein ande­res The­ma. Freu­en wir uns fürs ers­te, dass der jüdi­sche Geist nun auch in die ein­zi­ge Oppo­si­ti­ons­par­tei einzieht.

Ich dan­ke für Ihre Aufmerksamkeit.”

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