28. November 2018

Was ist Hass? Jener Impuls, aus dem sich alle Kri­tik an der Poli­tik der Kanz­le­rin speist. Was ist Het­ze? Jeder Ver­such, die­sen Hass in Wor­te oder gar Peti­tio­nen zu fas­sen.
Was ist guter Hass? Jener, der sich gegen den Hass rich­tet. Was ist gute Het­ze? Jene, die sämt­li­che Het­ze been­det.
Ist das end­lich ver­stan­den worden?!

                                 ***

Drei Mel­dun­gen, die – im Sin­ne von The­se, Anti­the­se, Syn­the­se – durch­aus zusammengehören. 

Eins.
Die Eltern von Maria Laden­bur­ger – zur Erin­ne­rung: Es han­delt sich um ein neun­zehn­jäh­ri­ges Kol­la­te­ralop­fer der Will­kom­mens­kul­tur, das zu Frei­burg von einem Geflüch­te­ten zu Tode ge…, nun, Sie wis­sen schon –, die Eltern von Maria Laden­bur­ger wol­len sich von der „tie­fen Erfah­rung von Unmensch­lich­keit durch Mari­as Tod” nicht des­il­lu­sio­nie­ren las­sen. (Ein­schub: „Ich habe gefun­den, es soll nicht sein”, sagt Adri­an Lever­kühn im „Faus­tus”, und auf die Fra­ge, was nicht sein sol­le, erwi­dert er bekannt­lich: „Das Gute und Edle, was man das Mensch­li­che nennt, obwohl es gut ist und edel.” Eine Ver­ge­wal­ti­gung, das leh­ren tau­sen­de Jah­re Geschich­te, ist zutiefst mensch­lich, wenn­gleich es zivi­li­sa­to­ri­sche Abstu­fun­gen gibt, die zur Kennt­nis zu neh­men in mora­lisch erlauch­ten Krei­sen wohl unter Ras­sis­mus fie­le.) Die Laden­bur­gers also haben eine Stif­tung zur Unter­stüt­zung von Stu­die­ren­den (frü­her: Stu­den­ten) mit Behin­de­run­gen gegrün­det, die aber auch Stu­die­ren­den zugu­te kom­men soll, die zugleich Geflüch­te­te (frü­her: Ein­wan­de­rer) sind, mel­det die Bild-Zei­tung. Der Vater wird mit den Wor­ten zitiert: „Maria hät­te sich nie durch Hass und Het­ze davon abbrin­gen las­sen, ihre Mög­lich­kei­ten zu nut­zen, Gutes zu tun. Sie war zupa­ckend, hoff­nungs­voll, soli­da­risch und welt­of­fen.” Ob sie in ihren letz­ten Minu­ten ihre Mei­nung geän­dert hat, wer­den wir nie erfah­ren, aber wir wis­sen immer­hin, dass die Illu­sio­nen der Eltern in die Kate­go­rie der regie­rungs­of­fi­zi­ell erwünsch­ten und zivil­ge­sell­schaft­lich akkla­mier­ten Illu­sio­nen gehören.

PS: Lese­rin *** weist auf die­sen Text hin, wel­cher wie­der­um auf die Rol­le von Mari­as Vater in der Will­kom­mens­in­dus­trie hin­weist: „Mari­as Vater Dr. Cle­mens Laden­bur­ger ist seit 2008 Assis­tent des Gene­ral­di­rek­tors des Juris­ti­schen Diens­tes der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on und als sol­cher der maß­geb­li­che Autor eini­ger viel­zi­tier­ter Stel­lung­nah­men der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on in Fra­gen der Grund­rechts­char­ta und ihres Ver­hält­nis­ses zum Lis­sa­bon­ver­trag und zur Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on. Zugleich ist er Ver­bin­dungs­mann des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Jus­tiz und in kirch­li­chen und men­schen­recht­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen tätig, die sich für genau die euro­päi­sche Huma­ni­tär­mi­gra­ti­ons­plan­wirt­schaft stark machen, die auch der Ber­li­ner Gro­Ko und den Brüs­se­ler Spit­zen­po­li­ti­kern vor­schwebt. Mari­as Vater ist ein füh­ren­der Schrift­ge­lehr­ter der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­zi­vil­re­li­gi­on, durch deren Men­schen­wür­de-Prin­zi­pi­en­rei­te­rei in den letz­ten Jah­ren alle Völ­ker­wan­de­rungs­schran­ken gefal­len sind, und inso­weit womög­lich sogar eine Schlüs­sel­fi­gur der euro­päi­schen Staats­schlep­pe­rei-Poli­tik (…) Noch auf Mari­as Beer­di­gung sam­mel­te Fami­lie Laden­bur­ger für den Flücht­lings­hel­fer­ver­ein Weit­blick Frei­burg e.V. Spen­den, der sich gegen Abschie­bun­gen stark macht.” Wir erle­ben augen­schein­lich den gat­tungs­ge­schicht­lich ein­drucks­vol­len Schritt vom reli­giö­sen zum zivil­re­li­giö­sen Men­schen­op­fer.   

Zwei.
Die 65jährige Chris­ti­na Öberg aus Jön­köping muss wegen „Het­ze gegen Volks­grup­pen”, ein Delikt, das in Schwe­den zuneh­mend ver­folgt wird, seit dort gewis­se Ein­zel­vor­fäl­le gegen die Volks­grup­pe der Schwe­den und vor allem Schwe­din­nen nicht wirk­lich regis­triert wer­den, ins Gefäng­nis. Pikant dar­an ist, dass die älte­re Dame vor zwei Jah­ren von „unbe­glei­te­ten Min­der­jäh­ri­gen” zusam­men­ge­schla­gen und ernst­haft ver­letzt wur­de. Seit­dem hat sie Pro­ble­me mit dem Gedächt­nis, was sie frei­lich nicht hin­der­te, ein Absin­ken des schwe­di­schen Durch­schnitts-IQ durch die Auf­nah­me von Migran­ten zu behaup­ten, was zwar nicht falsch, aber Het­ze ist, zumal sie unter­stell­te, es wer­de auf der­mal­einst Gold­fi­sch­ni­veau (statt kor­rekt: Gold­stück­ni­veau) fal­len. Außer­dem rief sie dazu auf, Moscheen abzu­rei­ßen. In die­sem Fall ist es mit den erwünsch­ten Illu­sio­nen also einst­wei­len gründ­lich schief­ge­gan­gen, wes­halb Här­te ange­zeigt ist, aber viel­leicht lernt die schimp­fen­de Vet­tel im Knast ein paar net­te Gold­fi­sche ken­nen, die sie bekehren. 

Drei.
Was uns die Schwe­den in punc­to Tole­ranz noch vor­aus haben, spornt deut­sche Enga­gier­te an. Die Ama­deu-Anto­nio-Stif­tung will nun mög­lichst früh zu Viel­falt, Bunt­heit, Welt­of­fen­heit, Teil­ha­be und Respekt erzie­hen. Dafür hat die dor­ti­ge „Fach­stel­le Gen­der, GMF und Rechts­ex­tre­mis­mus” eine „Hand­rei­chung” namens „Ene, mene, muh und raus bist du!’ – Zum Umgang mit Rechts­po­pu­lis­mus und Men­schen­feind­lich­keit in Kitas” fabri­ziert, die kei­nen Zwei­fel dar­an lässt, wer nach dem Ab- oder Anzäh­len „raus” muss. „Gesell­schaft­li­che Kon­flik­te machen auch vor der Kita­tür nicht halt”, heißt es dort. Plu­ra­lis­mus im Par­la­ment ist ja übel genug! „Rechtspopulist*innen ver­su­chen auch und gera­de in Ein­rich­tun­gen der Kin­der- und Jugend­ar­beit, ihre Ideo­lo­gien durch­zu­set­zen und men­schen­feind­li­che Posi­tio­nen zu ver­brei­ten. Gleich­zei­tig sind (anti­mus­li­mi­scher) Ras­sis­mus, Anti­se­mi­tis­mus sowie Homo-und Trans­feind­lich­keit kei­ne Phä­no­me­ne des rech­ten Rands, son­dern längst in der Mit­te der Gesell­schaft ange­kom­men. Dis­kri­mi­nie­rung und Aus­gren­zung betref­fen auch Kin­der in der Kita, die Erfah­run­gen von Ungleich­be­hand­lung machen. Eltern und Erzieher*innen brin­gen ihre Welt­an­schau­ung und Vor­ur­tei­le mit in die Kita, die eigent­lich ein Ort der Viel­falt und Akzep­tanz sein sollte.”

Wenn Sie gera­de, wie ich, an Ihrer Steu­er­erklä­rung sit­zen, den­ken Sie immer dar­an: Sie arbei­ten nicht zuletzt, um Viel­falt und Akzep­tanz zu spon­sern, „anti­mus­li­mi­schen Ras­sis­mus” zu bekämp­fen und den außer­par­la­men­ta­ri­schen Oppor­tu­nis­mus (APO 2.0) zu stär­ken. Ihre Kin­der und deren Erzie­her wer­den es Ihnen danken! 

Die Bro­schü­re, heißt es wei­ter, „sen­si­bi­li­siert” gegen­über „Stra­te­gien rech­ter Akteu­re” und wir­ke einer „Nor­ma­li­sie­rung rechts­ex­tre­mer und men­schen­feind­li­cher Ein­stel­lun­gen im früh­kind­li­chen Bil­dungs­be­reich ent­ge­gen”. Wei­ter lesen Sie hier; ich bre­che ab, denn ich ken­ne den Text ohne­hin, weil er von dort stammt, wo ich herkomme. 

„Sol­len Kin­der­gär­ten die poli­ti­sche Gesin­nung der Eltern über­prü­fen?” fragt allen Erns­tes die BZ. Als ob da noch Fra­gen offen wären; IM „Vic­to­ria” war­tet nun schon 30 Jah­re darauf! 

                                    *** 

Apro­pos: „Raus”, wenn­gleich viel zu spät, muss­te auch Huber­tus Kna­be (hier und hier). Spiel­ver­der­ber, die durch­aus möch­ten, dass er wie­der mit­spielt, kli­cken bit­te hier.

                                    ***

Was heu­te „Grup­pe” ist, wird mor­gen Ban­de sein (hier).

                                    ***

Ein Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler namens Hein­rich Dete­ring macht sich zur Zeit wich­tig und dienst­bar, indem er die Spra­che der Rechts­po­pu­lis­ten trak­tiert. So ver­wan­delt sich Horst See­hofers Aus­spruch: „Die Migra­ti­ons­fra­ge ist die Mut­ter aller poli­ti­schen Pro­ble­me in die­sem Land”, nach­dem er die her­me­neu­ti­sche Fil­tra­ti­ons­an­la­ge des lite­ra­tur­wis­sen­schaft­lich geschul­ten Köpf­chens durch­lau­fen hat, in: „Es gäbe kei­ne poli­ti­schen Pro­ble­me mehr, wenn es ‚die Migra­ti­ons­fra­ge‘ nicht gäbe.”

Der Mann ist, wie gesagt, Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler (also einer, der frem­der Leu­te Phan­ta­sien man­gels eige­ner nach­träumt, was gene­rö­ser- resp. drol­li­ger­wei­se unter Wis­sen­schaft schub­la­di­siert wird), aber kein Logi­ker. Des­halb darf er sagen: Wenn die Mut­ter tot ist, gibt es die Kin­der nicht mehr, auch wenn jeder Son­der­schü­ler bemerkt, dass da etwas nicht stimmt. Lite­ra­tur darf das. Aber Dete­ring ver­gleicht See­hofers Bemer­kung aus­drück­lich mit Sad­dam Hus­seins „Mut­ter aller Schlach­ten”, das heißt, ihm ist durch­aus klar, dass der ira­ki­sche Teu­fel so wenig der Mei­nung war, es gäbe kei­ne Schlach­ten mehr, wenn es die Mut­ter aller Schla­chen nicht gäbe, wie ihm klar ist, was See­hofer eigent­lich sagen woll­te. Gera­de wegen sei­nes Metiers soll­te Dete­ring erken­nen, dass der CSU-Mann eine – etwas schie­fe – Meta­pher for­mu­liert hat, die nicht mehr und nicht weni­ger meint als: Die Migra­ti­on ist das poli­ti­sche Kern­pro­blem unse­rer Tage. Und das ist sie. Gäbe es sonst einen „Glo­bal Com­pact” dafür?

                                 ***

„Wir haben auch die Chan­ce, die AfD wie­der ver­schwin­den zu las­sen”, ver­kün­det der Zau­ber­lehr­ling Jens Spahn, der den enor­men Trick einst­wei­len mit einem Ele­fan­ten auf der Hin­ter­büh­ne der Senio­ren­uni­on übt. Der stets klar­sich­ti­ge Mar­kus Vah­le­feld macht sich klu­ge, viel­leicht all­zu­klu­ge Gedan­ken daüber, war­um das Mer­kel-Syn­di­kat den Auf­stieg der AfD „hin­ge­nom­men” habe, wie der ande­re aktu­el­le Riva­le von Mer­kel II. sei­ner Trup­pe vor­wirft. Das Schlüs­sel­wort hei­ße „asym­me­tri­sche Wäh­ler­mo­bi­li­sie­rung”, führt Vah­le­feld aus. Die Mer­kel-CDU habe vor Zei­ten kosen­de Bli­cke auf die soge­nann­ten urba­nen Wäh­ler­schich­ten zu wer­fen begon­nen, die Ange­hö­ri­gen der links­grü­nen Groß­stadt­schi­cke­ria, die einer glo­ba­lis­ti­schen Umwelt- und Huma­ni­täts­re­li­gi­on fol­gen und „nichts von dem aus­ba­den müs­sen, was sie an poli­ti­schen Kate­chis­mus in die Welt posau­nen”. Atom­aus­stieg und Grenz­öff­nung waren „gran­dio­se Schach­zü­ge, um die­se Wäh­ler der CDU zuzu­füh­ren”. Die rigi­de Kli­en­tel­um­schich­tung, die Mer­kel ihrer Par­tei ver­schrieb, brach­te natür­lich auch einen Kli­en­tel­schwund mit sich, die CDU büßt seit­her kon­stant soge­nann­te Wäh­ler­gunst ein, frei­lich weni­ger als die auf ähn­li­chen Pfa­den wan­deln­de SPD, doch vor dem Hin­ter­grund, dass auch eine schwin­den­de Uni­on die stärks­te Kraft der „demo­kra­ti­schen Mit­te” bleibt – Vah­le­feld schreibt „ewig”, dar­auf wür­de ich nicht wet­ten –, stün­den ihr Koali­tio­nen mit allen Par­tei­en offen, sogar mit der Links­par­tei. Damit habe die Uni­on das Mono­pol auf Regie­rung und Kanz­ler­schaft, und mehr wol­len Par­tei­en bekannt­lich nicht, wenn sie erst ein­mal ver­stan­den haben, wie illu­si­ons­los der demo­kra­ti­sche Hase läuft. 

Das Dik­tum von Franz Josef Strauß, dass es rechts der CDU kei­ne demo­kra­tisch legi­ti­mier­te Par­tei geben dür­fe, „wur­de ja bis­her so inter­pre­tiert, dass die Uni­on eben auch die­se häss­li­chen rech­ten Wäh­ler an sich bin­den müs­se”, notiert Vah­le­feld. „Erst Ange­la Mer­kel inter­pre­tier­te es ästhe­tisch schö­ner: Wir als CDU ver­zich­ten auf die­sen häss­li­chen rech­ten Wäh­ler, las­sen eine neue rech­te Par­tei zu, spre­chen ihr in der Fol­ge aber ein­fach die demo­kra­ti­sche Legi­ti­ma­ti­on ab. Und sie­he: Die CDU wur­de für die­se urba­nen Wäh­ler­schich­ten auf ein­mal vom häss­li­chen Ent­lein zum schö­nen Schwan.” 


Von hier ab ist es Vah­le­felds Spe­ku­la­ti­on, die häss­lich wird, was ihre Plau­si­bi­li­tät nicht tan­giert. Die viel­be­klag­te Spal­tung der Gesell­schaft, die bekannt­lich nicht nur in Deutsch­land den Rechts­po­pu­lis­ten in die Schu­he gescho­ben wird, sei kein Kol­la­te­ral­scha­den, son­dern viel­mehr „poli­tisch geplant” gewe­sen, schreibt er. Wer Macht wol­le, benö­ti­ge einen Feind, einen mög­lichst dia­bo­li­schen, aber besieg­ba­ren Feind, des­sen Nie­der­wer­fung die Macht legi­ti­mie­re, not­falls auch ihren Miss­brauch. Die bis zum letz­ten Pro­vinz­ka­ba­ret­tis­ten durch­ge­setz­te Stig­ma­ti­sie­rung der Oppo­si­ti­on als Paria-Trup­pe soll garan­tie­ren, dass sie Min­der­heit bleibt, aber in den gelenk­ten Medi­en zugleich als gro­ße Gefahr dar­ge­stellt wer­den kann, wobei es wit­zi­ger­wei­se die Lan­des­ver­rä­ter sind, die „Ver­rat!” schrei­en, dies­mal eben nicht mehr Ver­rat an Volk, Füh­rer und Vater­land, son­dern an der Demo­kra­tie, den Men­schen­rech­ten und dem Fort­schritt ins­ge­samt. Da das „mora­lisch geläu­ter­te, gren­zen­lo­se und pazi­fis­ti­sche Deutsch­land” kei­ne äuße­ren Fein­de mehr akzep­tie­re, habe der Feind „ins Inne­re trans­for­miert” wer­den müs­sen. „So pazi­fis­tisch sich die Gut­mei­nen­den geben, in letz­ter Kon­se­quenz wol­len sie nicht den Krieg, son­dern den Bür­ger­krieg gegen die­sen inne­ren Feind.” Des­sen Vor­bo­ten sei­en sicht­bar. Auch das gehö­re zu Mer­kels Vermächtnis.

Ich habe kei­nen Ein­wand gegen die The­se, dass die Kanz­le­rin der Her­zen den Bür­ger­kriegs­in­dex in ’schland signi­fi­kant erhöht hat (und die End­pha­se der Nero­be­feh­le läuft ja eben erst an). Mein ein­zi­ger Ein­wand gegen die­se Art Theo­rie ist der, dass sie die Intel­li­genz der Akteu­re sehr hoch ver­an­schlagt und ihnen einen pro­gnos­ti­sche Sicher­heit unter­stellt, der sie fol­gen wie ein bei star­kem Nebel lan­den­des Flug­zeug dem Leit­strahl. Ich mei­ne indes, dass Mer­kel aus Feig­heit, Schwä­che und Oppor­tu­nis­mus (und feh­len­der Loya­li­tät ihrem Land gegen­über) in die­se Situa­ti­on gera­ten ist und dass sie den Kar­ren aus Grün­den von Stur­heit, Recht­ha­be­rei und Ätsch­bätsch nun wei­ter gegen die Wand fährt. Gewollt hat sie es, frei nach Karl Kraus, womög­lich nicht; es ist ihr bloß gelungen.

                                  ***

Noch zum Vori­gen passt die­ser Bericht der Tages­schau vom 11. August 1998. „Nach Mer­kels Wor­ten brin­gen alter­na­ti­ve Ener­gien abseh­bar nur begrenz­ten Nut­zen”, heißt es dort über die Umwelt­mi­nis­te­rin, das eigent­li­che The­ma der Mel­dung damals war aller­dings „der Streit um die Atom­e­ne­gie, eines der weni­gen hei­ßen Wahl­kampf­the­men” (wie idyl­lisch). Die Phy­si­ke­rin Mer­kel, zugleich Minis­te­rin für Reak­tor­si­cher­heit, hielt den Atom­aus­stieg damals für „sicher­heits­tech­nisch abso­lut nicht gebo­ten” und für „wirt­schaft­lich unsin­nig”. Das war nach dem Unglück von Tscher­no­byl (ca. 50 unmit­tel­ba­re Todes­op­fer, ca. 9000 töd­lich Strah­len­kran­ke und ca. 25.000 Krebs­er­kran­kun­gen als Fol­ge), aber vor der Rie­sen­ka­ta­stro­phe von Fuku­shi­ma (0 Tote außer­halb des Kop­fes von Clau­dia Kiping-Eckardt) und der spon­ta­nen Moder­ni­sie­rung der christ­de­mo­kra­ti­schen Klientelakquisevorschriften.

Total
0
Shares
Vorheriger Beitrag

27. November 2018

Nächster Beitrag

29. November 2018

Ebenfalls lesenswert

12. Juli 2019

Heu­te ist der Geburts­tag von Kirs­ten Flag­stadt, jener Sopran-Kathe­dra­le, unter deren gewal­ti­gem Decken­ge­wöl­be die Orgel­klän­ge Lau­ritz Mel­chi­ors ertön­ten.…

Ähem…

Der Spie­gel beschleimt eine geis­ti­ge Weg­be­rei­te­rin und Eman­zi­pa­zi-Ahnin (man ach­te auf die Wortwahl). Eine Sozia­lis­tin, die für die…

14. September 2018

Der Reak­tio­när „ist ein Flücht­ling der Geschich­te. (…) Die Mili­tanz sei­ner Nost­al­gie macht den Reak­tio­när zur ent­schie­den moder­nen…

20. Juli 2019

„Wenn die Regie­ren­den sich für die Sach­wal­ter der gan­zen Mensch­heit hal­ten, nähert sich der Ter­ror.„Nicolás Gómez Dávila                                    …