4. November 2018

Die Sonn­ta­ge immer…!

Eins.
Um Jah­re zu spät – der Vor­fall ereig­ne­te sich im Juli 2012 – erreich­te mich die­ses gleich­wohl brand­ak­tu­el­le Zeug­nis wahr­lich vor­bild­li­chen Orches­ter­ver­hal­tens ange­sichts einer ver­such­ten ideo­lo­gi­schen Gei­sel­nah­me, oben­drein unter den Augen einer Köni­gin. Das Nie­der­län­di­sche Natio­nal­sor­ches­ter woll­te eigent­lich Mah­ler spielen. 

PS: „Hät­te der Gast­di­ri­gent eine ideo­lo­gi­sche Brand­re­de für Demo­cra­cy, Human Rights, und Open Socie­ty gehal­ten, wäre das Orches­ter nicht mit einem ‚wahr­lich vor­bild­li­chen Orches­ter­ver­hal­ten’ in Erschei­nung getre­ten”, moniert Leser ***. „Ich kann in dem ‚muti­gen’ Ver­hal­ten des Orches­ters auch nichts Vor­bild­li­ches erken­nen, ich erken­ne eine Unhöf­lich­keit und Respekt­lo­sig­keit einem gläu­bi­gen Men­schen gegen­über, der – die Gunst der Stun­de nut­zend – nicht mehr und nicht weni­ger als eine Ein­la­dung aus­spricht, sich sei­nem Glau­ben anzuschließen.”

Genau das ist ja das Pro­blem, geehr­ter Herr ***: Ich will nir­gends, nie­mals und von nie­man­dem mis­sio­niert wer­den, schon gar nicht im Kon­zert­saal, qua­si mei­ner Kir­che. Dass die Musi­ker nach einer wie von Ihnen ange­deu­te­ten Brand­re­de bei­fäl­lig mit den Bögen auf ihre Instru­men­te geklopft hät­ten, glau­be ich sehr wohl, und das hät­te mich nicht weni­ger angewidert. 

Zwei.
Beet­ho­vens cis-Moll-Kla­vier­so­na­te op. 27 Nr. 2, bekannt unter dem Titel „Mond­schein­so­na­te”, stellt den Pia­nis­ten im berühm­ten namens­ge­ben­den ers­ten Satz (Ada­gio sos­ten­uto) vor nicht uner­heb­li­che inter­pre­ta­to­ri­sche Schwie­rig­kei­ten im Sin­ne des Aus­drucks, ist aber tech­nisch unpro­ble­ma­tisch. Im drit­ten Satz (Pres­to agi­ta­to) ver­hält es sich anders­her­um. Die­sen drit­ten Satz hat eine fran­zö­si­sche Nach­wuchs­mu­si­kan­tin auf einer E‑Gitarre ein­ge­spielt, über­aus vir­tu­os, und damit bei you­tube bin­nen zwei­er Jah­re mehr als 21 Mil­lio­nen Auf­ru­fe erzielt. Man sieht: Eine gewis­se zir­zen­si­sche Note kata­pul­tiert auch staub­be­deck­te Reper­toire­stü­cke in stra­to­sphä­ri­sche Klick-Regio­nen. (Ich hal­te das kei­ne Minu­te aus, was aber an mei­ner gene­rel­len Aver­si­on gegen die­ses Instru­ment lie­gen mag.) 

Drei. Spä­ter Okto­ber in Tirol. Werk eines unbe­kann­ten Meisters.

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