1. Dezember 2018

„Der Mensch, der sich lächer­li­chen Hoff­nun­gen hin­gibt, ist, wie es scheint, auf irgend­ei­ne Art ein bes­se­rer Bür­ger als der­je­ni­ge, der auf die Wahr­heit hin­weist.„
H. L. Mencken

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Rech­te Het­ze, eins.
„Von 103 Kin­dern hat eines deut­sche Eltern. Das ist die Rea­li­tät an der Ber­li­ner Grund­schu­le Köll­ni­sche Hei­de. Doch längst nicht nur dort sind deut­sche Schü­ler in der Unter­zahl und die Sprach­bar­rie­re ein Rie­sen­pro­blem. Eine Schul­di­rek­to­rin schlägt nun öffent­lich Alarm.” (hier)

Rech­te Het­ze, zwei.
„In einer Schu­le im hes­si­schen Kas­sel ist ein 8‑jähriges Mäd­chen von Mit­schü­lern gemobbt und tät­lich ange­grif­fen wor­den. Den Grund für die Aus­gren­zung durch ihre Klas­sen­ka­me­ra­den ortet Vater Mike F. in der deut­schen Mut­ter­spra­che sei­ner Toch­ter.” (hier)

Rech­te Het­ze, drei.
Deut­sche Islam-Kon­fe­renz: „Gleich in den ers­ten Rei­hen saßen drei Islam-Kri­ti­ker, die rund um die Uhr Poli­zei­schutz brau­chen und um ihr Leben fürch­ten müs­sen: Rechts­an­wäl­tin und Moschee-Grün­de­rin Sey­ran Ates (55, zwei Leib­wäch­ter im direk­ten Umfeld), der deutsch-israe­li­sche Extre­mis­mus-Exper­te Ahmad Man­sour (42, zwei Leib­wäch­ter direkt neben sich) und der deutsch-ägyp­ti­sche Poli­to­lo­ge Hamed Abel-Samad (46, auch zwei Leib­wäch­ter neben sich). Wei­te­re Per­so­nen­schüt­zer sichern den Raum, die Türen. Selbst auf dem Weg zur Toi­let­te wer­den die Islam-Kri­ti­ker beglei­tet. Ates wen­det sich an See­hofer, spricht für alle drei: ‚Wir sind nur hier, weil uns 15 LKA-Beam­te beschüt­zen.’ ” (hier)

Rech­te Het­ze, vier.
Bru­ta­le Atta­cke auf Obdach­lo­sen (26) in Köln: Drei Täter haben einen Obdach­lo­sen in Köln getre­ten und bestoh­len. Die Grup­pe soll dem Woh­nungs­lo­sen mit bra­chia­ler Gewalt gegen den Kopf getre­ten haben. … ‚Sie schlu­gen und tra­ten immer wie­der auf ihn ein, auch gezielt gegen sei­nen Kopf’, so der Zeu­ge gegen­über der Poli­zei.” (hier)

Rech­te Het­ze, fünf. 

„Mit­tags von Migran­ten zu Tode geprü­gelt: Wie­ner Pen­sio­nist nun ver­stor­ben.” Der 67jährige hat­te die juve­ni­len Neu­mit­bür­ger auf offe­ner Stra­ße frech gebe­ten, ihn und sei­ne Frau pas­sie­ren zu las­sen. (hier)

Rech­te Het­ze, sechs.

„Gewalt gegen Ret­ter nimmt zu. Des­halb for­dert die Feu­er­wehr-Gewerk­schaft nun Poli­zei­schutz in der Sil­ves­ter­nacht für ihre Ein­satz­kräf­te.” (hier)

Rech­te Het­ze, sie­ben.
„Sach­sens Innen­mi­nis­te­ri­um bestä­tigt: Dem Frei­staat wer­den über­pro­por­tio­nal vie­le kri­mi­nel­le Zuwan­de­rer zuge­teilt.” (hier)

Rech­te Het­ze, acht.
„ ‚Die­ses Land gerät in eine hoch­kri­ti­sche Situa­ti­on und dage­gen müs­sen wir etwas tun. Wir sind am Ran­de eines kul­tu­rel­len Zusam­men­bruchs.’ Dies sagt der Unter­neh­mer und Mul­ti-Mil­li­ar­där Heinz Her­mann Thie­le, der zu den reichs­ten hun­dert Men­schen des Pla­ne­ten zählt. Das The­ma ‚Flücht­lin­ge’ sei nicht nur öko­no­misch unbe­herrsch­bar, es stel­le sich auch die Fra­ge nach der Iden­ti­tät unse­rer Gesell­schaft.” (hier)

Rech­te Het­ze, neun.
„Umwelt­kri­mi­na­li­tät: Geschütz­te Groß­vö­gel wie Adler, Rei­her oder Uhu wer­den oft gezielt getö­tet. Und zwar an Stel­len, an denen sie im Weg sind. Zum Bei­spiel dort, wo Wind­kraft­an­la­gen gebaut wer­den sol­len und geschütz­te Vögel ein Pla­nungs­hin­der­nis dar­stel­len”. (hier)

Rech­te Het­ze, zehn.
„Deutsch­land war offen­bar viel stär­ker an der Aus­ar­bei­tung des UN-(Migrations)Paktes betei­ligt, als das Kanz­ler­amt bis­her zuge­ge­ben hat. Der Völ­ker­recht­ler Her­de­gen mahnt, die recht­li­chen Kon­se­quen­zen eines sol­chen Doku­ments nicht zu unter­schät­zen.” (hier)

Rech­te Het­ze, elf. 

„ ‚Das ist der Mann der die Vor­la­ge für den umstrit­te­nen Migra­ti­ons­pakt lie­fer­te’, so beti­telt heu­te der Focus sei­nen Arti­kel über den UN-Gene­ral­se­kre­tär Anto­nio Guter­res. Der Bei­trag über den Por­tu­gie­sen und UN-Gene­ral­se­kre­tär, der eini­ge Hin­ter­grün­de des sozia­lis­ti­schen Poli­ti­kers aus­leuch­tet, gibt sich ‚inves­ti­ga­tiv’ – aber er ist es nicht. Nicht wirk­lich. Denn der Autor ‚ver­gisst’ ein Detail, wel­ches Guter­res noch heu­te auf den Zehen drückt und ihn trans- wie supra­na­tio­nal erpress­bar machen könn­te. Es geht um den Ver­dacht, dass er in die schlimms­te Kinds­miss­brauchs­se­rie der por­tu­gie­si­schen Geschich­te ver­wi­ckelt war.” (hier)

Rech­te Het­ze, zwölf.
„Es wird nicht direkt behaup­tet, aber durch den Wort­laut wird insi­nu­iert, dass Migra­ti­on in der Mensch­heits­ge­schich­te weit über­wie­gend posi­tiv zu sehen war. Das gilt aber allen­falls für die Ein­wan­de­rung in bis­lang unbe­sie­del­te Räu­me. In allen ande­ren Fäl­len ging Ein­wan­de­rung in der weit über­wie­gen­den Zahl der Fäl­le zu Las­ten der auto­chtho­nen Bevöl­ke­rung des Einwanderungslandes.

So war es,
als die Stäm­me Isra­els nach dem Aus­zug aus Ägyp­ten das Land Kana­an besie­del­ten;
als die ger­ma­ni­schen Völ­ker das west­rö­mi­sche Reich zer­stör­ten;
als die Angeln und Sach­sen über die Nord­see nach Eng­land zogen;
als die isla­misch gewor­de­nen Ara­ber sich von Spa­ni­en bis nach Per­si­en aus­brei­te­ten;
als die Mon­go­len nach Euro­pa auf­bra­chen;
als die Tür­ken Klein­asi­en und den Bal­kan erober­ten;
als die mus­li­mi­schen Mogu­len Indi­en unter ihre Herr­schaft brachten.

Auch in der Neu­zeit hör­te das nicht auf:
Die ‚Ein­wan­de­rung’ von Spa­ni­ern und Por­tu­gie­sen nach Mit­tel- und Süd­ame­ri­ka hat­te den Tod der meis­ten India­ner zur Fol­ge.
Die ‚Ein­wan­de­rung’ der Bri­ten und ande­rer Euro­pä­er nach Nord­ame­ri­ka bedeu­te­te das Ende der über­kom­me­nen india­ni­schen Lebens­wei­se und die weit­ge­hen­de Aus­rot­tung der dort leben­den india­ni­schen Stäm­me.
Die „Ein­wan­de­rung“ von zwei Mil­lio­nen Fran­zo­sen nach Alge­ri­en wäh­rend der Kolo­ni­al­zeit war den Ara­bern über­haupt nicht will­kom­men. Nach der Unab­hän­gig­keit muss­ten sie alle­samt das Land ver­las­sen.
Auch die Ein­wan­de­rung von Juden nach Paläs­ti­na zu Zei­ten der bri­ti­schen Man­dats­herr­schaft ent­sprach nicht den Wün­schen der auto­chtho­nen Bevöl­ke­rung. Die dar­aus erwach­se­nen Span­nun­gen trei­ben auch noch 80 Jah­re spä­ter den Nah­ost-Kon­flikt von einer Kri­se zur nächsten.

Dage­gen sind die his­to­ri­schen Bei­spie­le, in denen die Ein­wan­de­rung grö­ße­rer Zah­len von der auto­chtho­nen Bevöl­ke­rung als segens­reich emp­fun­den wur­de und nicht zu Blut­ver­gie­ßen und anhal­ten­den Span­nun­gen führ­te, äußerst rar. Das war immer nur dann der Fall, wenn der rela­ti­ve Umfang der Zuwan­de­rer sehr gering war und die­se über­durch­schnitt­lich flei­ßig und tüch­tig waren. Für die Ein­wan­de­rung aus dem Nahen und Mitt­le­ren Osten und Afri­ka nach Euro­pa seit dem Zwei­ten Welt­krieg lässt sich dage­gen der ein­deu­ti­ge Nach­weis füh­ren, dass die­se der auto­chtho­nen Bevöl­ke­rung in Euro­pa weder wirt­schaft­li­che noch sozia­le Vor­tei­le brach­te, son­dern finan­zi­el­le und sozia­le Net­to­kos­ten pro­du­zier­te und produziert.”

Also schrieb Thi­lo Sar­ra­zin zum Glo­ba­len Migra­ti­ons­pakt (hier). 

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Nach­trag: „In einem ein­zi­gen Punkt” möch­te Leser *** Sar­ra­zin wider­spre­chen: „Als die ger­ma­ni­schen Völ­ker das west­rö­mi­sche Reich zer­stör­ten, war das kein Fall einer ‚Migra­ti­on’, wel­che mit den ande­ren von Ihnen genann­ten Bei­spie­len ver­gleich­bar wäre, viel­mehr han­del­te es sich um die kon­se­quen­te Ver­fol­gung und Ver­nich­tung der römi­schen Inva­so­ren, die nach der herr­li­chen Her­manns­schlacht end­lich auch in der Hei­mat des Fein­des und in sei­ner Haupt­stadt voll­endet wurde.”

Ich erlau­be mir die Kor­rek­tur der Kor­rek­tur: Es waren die Cim­bern und Teu­to­nen, die zuerst Rom angrif­fen, bevor je ein Legio­när ger­ma­ni­schen Boden betrat, und wer die römi­sche Geschich­te ver­folgt, wird kon­sta­tie­ren, dass die römi­schen Expan­sio­nen, begin­nend mit den Puni­schen Krie­gen, oft aus Gegen­an­grif­fen resul­tier­ten; das Impe­ri­um Roma­num hat­te, als sei­ner­zeit ein­zi­ge Zivi­li­sa­ti­on der Erde, ein enor­mes Sicher­heits­be­dürf­nis – heu­te sprä­che man von „Vor­ne­ver­tei­di­gung”. Leo­pold von Ran­ke hat gesagt, die Welt­ge­schich­te wäre sinn­los, wenn es die Römer nicht gege­ben hät­te. Gegen die Bar­ba­ren hat­te Rom sogar in sei­nen Bar­ba­ris­men immer recht. Nein, das ist kei­ne indi­rek­te Ver­tei­di­gung der Pax Ame­ri­ca­na, des „Wes­tens” oder der UNO, son­dern nur Roms, des ein­zi­gen Impe­ri­ums, das ohne Ideo­lo­gie zu herr­schen wuss­te. Ende der Durchsage. 

PPS: Leser *** lässt nicht locker und setzt hin­zu: „Wir spra­chen über den Unter­gang des West­rö­mi­schen Rei­ches (fühes­tens unter Juli­us Nepos, spä­tes­tens unter Jus­ti­ni­an), und nicht über die Wan­de­rung der fried­lie­ben­den Cim­bern und Teu­to­nen (unge­fähr ein hal­bes Jahr­tau­send frü­her). Die Cim­bern und Teu­to­nen, wel­che kei­nes­wegs ‚Rom angrif­fen’, wie Sie mei­nen, wur­den ihrer­seits von den Römern ange­grif­fen, ich zitie­re (aus der Wiki­pe­dia – M.K.): ‚Im Jah­re 113 v. Chr. tra­fen Kim­bern, Teu­to­nen und Ambro­nen in der heu­ti­gen Stei­er­mark zum ers­ten Mal auf Römer. Der römi­sche Kon­sul Gnae­us Papi­ri­us Car­bo ließ die Alpen­päs­se sper­ren, um die Ger­ma­nen am Marsch in Rich­tung Rom zu hin­dern. Obwohl die Ger­ma­nen ver­spra­chen, fried­lich wei­ter­zu­zie­hen und nach Sied­lungs­land zu suchen, lock­ten die Römer sie in eine Fal­le: Car­bo gab ihnen Füh­rer mit, die ihnen angeb­lich behilf­lich sein soll­ten, geeig­ne­tes Sied­lungs­land zu fin­den. Von Car­bo hat­ten die Füh­rer jedoch die Anwei­sung, einen län­ge­ren Umweg zu machen, damit er sie aus dem Hin­ter­halt angrei­fen konn­te. Wäh­rend die Kim­bern in der Nähe von Noreia ras­te­ten, grif­fen zwei römi­sche Legio­nen mit einer Stär­ke von 12.000 Mann an. Sie wur­den in der Schlacht von den Ger­ma­nen ver­nich­tend geschla­gen.‚
Das West­rö­mi­sche Reich ent­stand erst wesent­lich spä­ter, näm­lich im Jah­re 395 n. Chr. durch die Tei­lung der Herr­schaft im Römi­schen Reich unter den bei­den Söh­nen des Kai­sers Theo­dosi­us (I).”

Par­don, geehr­ter Herr ***, aber auch die Völ­ker­wan­de­rung begann fast vier Jahr­hun­dert nach der Her­mann­schlacht (bzw. den Rache-Feld­zü­gen des Ger­ma­ni­cus), die Mar­ko­man­nen­krie­ge waren aus römi­scher Sicht bereits schon wie­der defen­siv. Die Tren­nung von Rom und Westrom ist in unse­rem Kon­text sinn­los, denn „Westrom” setz­te ja „Rom” fort, erfolg­lo­ser als Byzanz, gewiss, aber der Wes­ten war der „römi­sche­re” Teil und hat­te das Pech, von den Ger­ma­nen über­rannt zu wer­den. Seit dem Zug der Cim­bern und Teu­to­nen wuss­ten die Römer, dass in die­sem kli­ma­tisch unfreund­li­chen Nor­den Völ­ker leb­ten, von denen Unheil droh­te und auf die das Impe­ri­um eine magi­sche Anzie­hungs­kraft aus­üb­te. Man mag dar­über strei­ten, ob die Bar­ba­ren die Haupt­ur­sa­che oder nur die Nutz­nie­ßer des Zusam­men­bruchs waren. Nun wer­den die Ana­lo­gien zur Gegen­wart all­mäh­lich all­zu aufdringlich.

Letz­tes PS: „Zu Römern und Ger­ma­nen” sen­det Leser **** „eine Nicht–Korrektur der Kor­rek­tur der Kor­rek­tur: Im Prin­zip haben die Römer nach der ‚Varus­schlacht’ (so soll­te man sie nen­nen und nicht ger­ma­no­phil nach Armi­ni­us) stets die Rhein­gren­ze respek­tiert, abge­se­hen von tak­ti­schen Nadel­sti­chen. Zudem wur­de die Limes­gren­ze ca. 260 aus stra­te­gi­schen Grün­den auf den Obergermanisch–Raetischen Limes zurück­ge­nom­men, als die Bar­ba­ren immer mehr römi­sches Gebiet verletzten.”

Aller­letz­tes PS: „Es ist nicht ‚ger­ma­no­phil’, son­dern alter Brauch und gute Sit­te, eine Schlacht nach dem Sie­ger und nicht nach dem Ver­lie­rer zu benen­nen.” (Leser ***)

                                     ***

Immer wenn Gott­fried Curio, Mathe­ma­ti­ker, pro­mo­vier­ter und habi­li­tier­ter Ele­men­tar­teil­chen­phy­si­ker mit drei­jäh­ri­gem Stu­di­en­auf­ent­halt in Prince­ton (USA), über­dies stu­dier­ter Musi­ker und zwi­schen­zeit­lich als Kor­re­pe­ti­tor, Ensem­ble­lei­ter und Kom­po­nist tätig, immer wenn die­ser Dr. Curio im Bun­des­tag ans Red­ner­pult tritt, ver­schanzt sich das Audi­to­ri­um hin­ter zwei mas­si­ven Boll­wer­ken: den ers­ten bei­den Stan­dard­ab­wei­chun­gen auf der Glo­cken­kur­ve der Intel­li­genz­ver­tei­lung – die meis­ten übri­gens, wie ich nach knapp ein­jäh­ri­ger direk­ter Beob­ach­tung unse­rer (qua­si) natio­na­len poli­ti­schen Eli­te fern­zu­dia­gnos­ti­zie­ren wage, zwi­schen beiden.

Von dort aus rufen die Abge­ord­ne­ten dem AfD-Red­ner aller­lei Bega­bungs­re­fe­ren­zen zu, bei­spiels­wei­se bei Curi­os letz­tem Vor­trag zum Migra­ti­ons­pakt (Jür­gen Fritz hat Rede und Zwi­schen­ru­fe auf sei­ner Web­sei­te dan­kens­wer­ter­wei­se fest­ge­hal­ten) die Folgenden:

„Michel Brandt (Lin­ke): ‚Ihr seid ein Tro­ja­ni­sches Pferd! Faschis­ten!‚
Mari­an Wendt (CDU): ‚Alles Lüge!‚
Michel Brandt (Lin­ke): ‚Sie sind nur am Rum­lü­gen! Eine Lüge nach der ande­ren!‚
Aus den Rei­hen der Lin­ken: ‚Eine Lüge an der nächs­ten!‚
Micha­el Brand (CDU): ‚Ekel­haft!‚
Stef­fi Lem­ke (Grü­ne): ‚Elen­de Het­ze­rei!‚
Alex­an­der Graf Lambs­dorff (FDP): ‚Sie brau­chen den Ari­er­nach­weis, Herr Curio! Sie brau­chen den Ari­er­nach­weis!‚
Alex­an­der Graf Lambs­dorff (FDP): ‚Eine Anein­an­der­rei­hung von Lügen ist das!‚
Micha­el Brand (CDU): ‚Hass­pre­di­ger!’ ”

„War­um denn rasen und toben die Hei­den im Zor­ne?”, mag der Kir­chen­mu­si­ker Curio in sol­chen Augen­bli­cken den­ken, ohne dass er sich in sei­nen prä­zi­se gesetz­ten Wort­kas­ka­den unter­bre­chen lie­ße. Das Pro­blem mit den Stan­dard­ab­wei­chun­gen besteht ja dar­in, dass sie für die­je­ni­gen dies­seits der ers­ten kaum erklär­bar sind und jen­seits davon (aber dies­seits der zwei­ten) auf gro­ßen Wider­stand sto­ßen, denn dort wächst die Ahnung der eige­nen Unter­le­gen­heit, ohne dass der Durch­bruch zur tat­säch­li­chen Erkennt­nis der eige­nen Beschränkt­heit erreicht wür­de*; das macht aggres­siv, spe­zi­ell im Schut­ze der Macht. (Eine der raren Aus­nah­men von Selbst­er­kennt­nis im nied­ri­ge­ren Seg­ment war Muham­mad Ali, der nach sei­nem mise­ra­blen Abschnei­den bei einem Intel­li­genz­test bemerk­te: „Ich habe gesagt, ich bin der Größ­te, nicht der Klügs­te”.) Die intel­lek­tu­ell – eher – Min­der­be­gab­ten brül­len also im Bun­des­tag den – wahr­schein­lich – Hoch­be­gab­ten an, und ihre Brü­der resp. Schwes­tern in den Medi­en toben mit; das ist der Lauf der Welt, und wenn jemand fragt, war­um es noch Leu­te gibt, die die­se Gazet­ten lesen und sogar kau­fen, sei auf die Glo­cken­kur­ve verwiesen.

Zeit gewon­nen, alles gewon­nen, lau­tet der simp­le Grund­satz aller Regie­rungs­po­li­tik – und beim Migra­ti­ons­pakt ist die­se Poli­tik ein All­par­tei­en­pakt gegen die ein­zi­ge Oppo­si­ti­ons­trup­pe. Dass Curio der­einst recht gehabt haben wird, ist für sei­ne aktu­el­len Beschimp­fer irrele­vant, weil sie sich bis dahin eben­so voll­pen­sio­niert davon­ge­schli­chen zu haben hof­fen, wie sich die Kanz­le­rin bei Curi­os Rede osten­ta­tiv emp­fahl oder „davon­stahl”, wie der Red­ner mit gebo­te­ner Süf­fi­sanz anmerk­te. Gemein­sam mit dem eben ver­link­ten Text von Thi­lo Sar­ra­zin soll­te auch die Curio-Rede auf­be­wahrt und in zwei, drei Jah­ren als Beweis­stück zur Wie­der­vor­la­ge her­bei­ge­schafft werden.

* „Ein Freund, Mathe­ma­ti­ker, fragt sich, ob die­ser Satz nicht viel­leicht umfor­mu­liert wer­den soll­te”, lässt mich Leser *** wis­sen. „Dies­seits der ers­ten Stan­dard­ab­wei­chung soll­te der Bereich 100–85 IQ-Punk­te sein, von uns aus gese­hen, da herrscht der gro­ße Wider­stand, wenn auch noch eine Ahnung von Ver­ständ­nis. Jen­seits der zwei­ten, also unter 85 Punk­ten, wird es dann kaum erklärbar.”

Ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gen, Bil­dungs­for­scher und Kogni­ti­ons­wis­sen­schaft­ler wer­den Leser *** wahr­schein­lich Recht geben, aber ich bin zu ver­drieß­lich, eli­tär und poli­tik­per­so­nal­kun­dig, um von mei­ner Ver­si­on abzu­wei­chen. Die meis­ten Sche­re­rei­en hat man mit Leu­ten, deren IQ zwi­schen 110 und 120 liegt: intel­li­gent genug, um Zusam­men­hän­ge zu erken­nen, aber zu dumm, die eige­ne Beschränkt­heit ein­zu­rech­nen. Unge­fähr ab 130 begin­nen die kal­ku­lier­ba­ren (i.e. nicht­zu­fäl­li­gen, struk­tu­rel­len) Selbstzweifel …

                                   ***

Zur „Cau­sa Laden­bur­ger” bemerkt Leser ****: „Vor kur­zem ist ein Arbeits­kol­le­ge töd­lich ver­un­glückt (Auto, Baum), des­sen Mit­be­woh­ner ich eini­ge Jah­re sein durf­te. Wir moch­ten uns in jener Zeit sehr, waren gute Freun­de, haben dem­entspre­chend viel Zeit mit­ein­an­der ver­bracht usw. usf. Der Aus­zug mei­ner­seits war fami­li­en­be­dingt nötig; den­noch trenn­ten wir uns im Streit. Seit­dem hat­ten wir nicht mehr viel mit­ein­an­der zu tun. Trotz­dem geht mir sein Tod sehr nahe. Besag­ter Schmerz ist den­noch ein Vogel­schiss gegen das, was die Eltern L. erfah­ren muss­ten: sie haben nicht nur ihre Toch­ter (auf­grund des Ver­bre­chens, ‚kann pas­sie­ren; gab es frü­her auch schon’) ver­lo­ren. Sie haben letzt­end­lich mit ihrer Erzie­hung ein sol­ches Schick­sal über­haupt mög­lich gemacht. Mit einer sol­chen Bür­de fer­tig zu wer­den, ist als Eltern unmög­lich (!), berück­sich­tigt man vor allem den gesam­ten Wer­de­gang der Fami­lie L.

Den Eltern L. blieb und bleibt (schlicht­weg) nichts ande­res übrig, als das zu sein, was sie der­zeit dar­stel­len oder womög­lich auch sind. Sor­gen wir dafür, dass ‚#wirsind­nicht­mehr’ lebt und wächst! Aber las­sen Sie die Eltern L. bit­te in Ruhe: sie glei­chen Zom­bies, d.h. leben­den Toten: wür­den sie sich der Wahr­heit stel­len, bleibt ihnen nur die Kapi­tu­la­ti­on vor sich selbst. Wol­len Sie das? Möch­ten Sie auf solch einem ver­stimm­ten Instru­ment spie­len als guter Musi­ker? Als guter Instru­men­ta­li­sie­rer? Wis­sen Sie: Sie dür­fen nicht den sel­ben Bogen in die Hand neh­men, ihn rück­wärts spie­len, und dann mei­nen, es ist eine viel bes­se­re Melodie.”

                                  ***

Wie­der ist die Monats­end­fi­gur fäl­lig, die ein­zi­ge wirk­lich ver­läss­li­che insti­tu­ti­on per­ma­nen­te die­ses Eck­la­dens. In letz­ter Zeit wur­de viel über ein neu­es media­les Phä­no­men geschmei­chelt und gepö­belt, näm­lich das ver­mehr­te Auf­tau­chen von Fuß­ball-Mode­ra­to­rin­nen in den TV-Stu­di­os. Wäh­rend ich bei den Live-Kom­men­ta­to­ren kon­ser­va­tiv bin und auf eine Män­ner­stim­me bestehe, habe ich gegen die Frau­en im Stu­dio nichts ein­zu­wen­den, sofern sie etwas von der Sache ver­ste­hen. Wenn sie oben­drein noch so hin­rei­ßend aus­se­hen wie Dilet­ta Leot­ta (hier, hier ab 0,37 und hier, uiuiui, bei 0,16), wird die Ball­tre­te­rei doch wie­der zur wich­tigs­ten Neben­sa­che zurecht­ge­se­tutzt. Feli­ce Ita­lia! 

Die deut­sche Ver­si­on heißt Nele Schen­ker und sieht auch recht apart aus:

CqeYbAKWIAELW1v 

Wie immer, wenn ein Monat ins Land gegan­gen ist, geht an die­ser Stel­le ihrer­seits die Kol­lek­te um, mit einem herz­haf­ten „Vergelt’s Gott!” an alle, die sie bis­lang groß­zü­gig befüllt haben; alle ande­ren kli­cken bit­te hier

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