2. Dezember 2018

Die Sonn­ta­ge immer…?

Neben einem Glanz­stück des Reper­toires wie die­sem (bei solch erle­se­nen Bei­spie­len erschließt sich auch sofort der Sinn his­to­ri­scher Instru­men­te, sofern deren Ein­satz eben kei­ner Ideo­lo­gie folgt) will ich heu­te abwechs­lungs­hal­ber auf einen wahr­schein­lich unüber­biet­ba­ren* Tief­punkt der Ver­wurs­tung, Ver­hun­zung, Ver­ram­schung und Ver­gack­eie­rung des­sel­ben (also des Reper­toires) ver­lin­ken, der frei­lich auch zum Schie­ßen komisch ist (also ich habe schal­lend gelacht, als ich zufäl­lig dort hin­ein­zapp­te; es genügt, wenn Sie von 2,00 bis 2,30 schau­en). Am bes­ten dürf­te es sein, zuerst dem zwei­ten Link zu folgen.

* Es müs­se doch „unun­ter­biet­bar” hei­ßen, moniert Leser **; das aber ver­kennt mei­nes Erach­tens den Über­bie­tungs­wil­len der Unterbieter…

                                ***

Es war zu erwar­ten bzw. unver­meid­lich, dass aus dem klei­nen gest­ri­gen Dis­kurs zum Kon­flikt zwi­schen Ger­ma­nen und Römern ein grö­ße­rer ent­ste­hen wür­de. Ich gebe eini­ge Zuschrif­ten (gekürzt) wieder: 

„Die Fra­ge nach kriegs­lüs­ter­nen Römern und fried­li­chen Ger­ma­nen geht – in sich kon­se­quent – am eigent­li­chen Migra­ti­ons­the­ma vor­bei”, bemerkt Leser ***. „Vor Ankunft der Ger­ma­nen sie­del­ten in Mit­tel­eu­ro­pa Kel­ten. Ohne dass die­se schrift­li­che Bele­ge hin­ter­las­sen haben, darf man von einer Hoch­kul­tur aus­ge­hen. (…) Nach der ‚Besie­de­lung’ durch die Ger­ma­nen, die ähn­lich (nur erfolg­rei­cher) ver­lau­fen sein dürf­te, als die Migra­ti­ons­be­we­gun­gen der Wikin­ger, wur­de die kel­ti­sche Kul­tur in ‚Ger­ma­ni­en’ aus dem kol­lek­ti­ven Gedächt­nis der­art aus­ge­löscht, dass zeit­ge­nös­si­sche Berich­te über eine präch­ti­ge Stadt Pyre­ne an der obe­ren Donau nicht sehr ernst genom­men wur­den. Die migrie­ren­de Kul­tur war näm­lich der­art erbärm­lich, dass selbst ein Adolf H. sich geschämt haben soll, dass ein Hein­rich H. die Erd­hüt­ten der Ger­ma­nen auch noch archäo­lo­gisch erschlie­ßen ließ…

Von den alten Römern sagt man heu­te, dass sie Gal­li­en nur wegen der dor­ti­gen per­fek­ten Infra­struk­tur der­art schnell erobern konn­ten. Auch dies wirft ein deut­li­ches Licht dar­auf, wie nach­hal­tig die kel­ti­sche Kul­tur in ‚Ger­ma­ni­en’ ver­nich­tet wur­de. (Für die Expe­di­tio­nen des Ger­ma­ni­cus hat­te es aller­dings noch aus­rei­chend Wege gege­ben.) Kel­ten waren sicher kei­ne Bet­sch­wes­tern, doch die kul­tur­lo­sen Migran­ten, die sie wohl erst in Raub­zü­gen schwäch­ten (Wikin­ger und Ara­ber dürf­ten nicht die ers­ten der­ar­ti­gen Migran­ten gewe­sen sein) und schließ­lich bis auf ein paar geo­gra­phi­sche Bezeich­nun­gen in Mit­tel­eu­ro­pa völ­lig ersetz­ten, waren in ihrer Aggres­si­vi­tät deut­lich entschlossener. 

Geschich­te wie­der­holt sich nicht. Sie reimt sich bloß. (Mark Twain)”

Leser **** sen­det fol­gen­de lako­ni­schen Anmer­kun­gen:
„1. Kim­bern und Teu­to­nen, oder egal wel­ches Volk im vor­staat­li­chen bzw. ‑zivi­li­sa­to­ri­schen Ent­wick­lungs­stand, als ‚fried­lie­bend’ zu beschrei­ben ist bes­ten­falls Rous­se­au­sche Roman­tik aber kei­ne geschicht­li­che Tat­sa­che. Kein Volk konn­te den Anspruch erhe­ben, fried­li­che Absich­ten zu ver­fol­gen. Man bekam was man neh­men und behielt was man ver­tei­di­gen konn­te.
2. Krieg war für Stäm­me und Völ­ker­schaf­ten wich­tig und daher regel­mä­ßig, weil dies die ’sozia­le Mobi­li­tät’ der männ­li­chen Bevöl­ke­rung sicher­te. Hand­werk und Phi­lo­so­phie bedien­te die Ambi­tio­nen von nur weni­gen, die Mas­se muss­te über orga­ni­sier­te Gewalt ihren Fort­pflan­zungs­vor­teil (durch Frau­en­raub), ihr Sozi­al­pres­ti­ge und mate­ri­el­len Wohl­stand sichern.
3. Pazi­fi­zie­rungs­pro­zes­se wer­den begüns­tigt durch: Staat­lich­keit, Mono­ga­mie und Gebur­ten­schwund. Daher gilt, dass Völ­ker, die noch aus gebär­tüch­ti­gen Frau­en und kriegs­tüch­ti­gen Män­nern bestehen, mit nie­man­dem über ihre Zukunft ver­han­deln. Schon gar nicht mit post­he­roi­schen Bettnässern.”

„Mit der Plün­de­rung Roms durch Gei­se­rich war das Schick­sal Roms noch nicht besie­gelt”, notiert Jochen Heis­ter­mann (der hier des­halb mit Namen erscheint, weil er auf einen Text zum The­ma ver­weist, den er auf achgut.de publi­ziert hat). „Das Ende pas­sier­te eher bei­läu­fig, fast unbe­ach­tet. Rom wur­de wirt­schaft­lich immer schwä­cher und konn­te oft den Sold an Beam­te und Sol­da­ten nicht mehr zah­len. Das führ­te zu Auf­lö­sungs­er­schei­nun­gen in allen Tei­len des Rei­ches, wo loka­le Fürs­ten die Geschi­cke lenk­ten und die Men­schen die römi­sche Zen­tral­re­gie­rung schlicht­weg nicht mehr wahr­ge­nom­men haben. Die­ser Ver­falls­pro­zess ging wei­ter bis 476. Rom wur­de damals for­mal regiert von dem Kind­kai­ser Romu­lus Augus­tus und hat­te kei­ner­lei poli­ti­sche Macht mehr. So inter­es­sier­te es fast nie­man­den, dass die­ser Kai­ser von dem römi­schen Offi­zier ger­ma­ni­scher Her­kunft Odo­aker 476 abge­setzt wur­de. Odo­aker sah ein­fach kei­nen Sinn dar­in, einen neu­en Kai­ser auf­zu­bie­ten, und er selbst hat­te kein Inter­es­se an dem Amt. So wur­de das anti­ke römi­sche Reich still und lei­se dadurch been­det, dass Rom kei­nen Kai­ser mehr benannt hat.

Nun stel­le man sich vor ein Kevin Küh­nert wür­de in eini­gen Jah­ren Bun­des­kanz­ler wer­den. Ich den­ke, dass dann auch Tei­le der Repu­blik der zen­tra­len Macht nicht mehr fol­gen und sich lokal orga­ni­sie­ren in klei­ne­re Ein­hei­ten, am Ende wird Deutsch­land dadurch zu Gra­be getra­gen, dass ‚Kevin der Ers­te’ abge­setzt wird und es ein­fach kei­ne Neu­wah­len gibt.

Noch eine Fuß­no­te zur dama­li­gen Geschich­te, näm­lich wie bei­läu­fig der Van­da­le Gei­se­rich Rom im Jah­re 455 plün­der­te: Als Roms dama­li­ger Kai­ser 455 ver­stor­ben war und die geplan­te Hei­rat der Kai­ser­toch­ter mit einem Sohn Gei­se­richs von Rom abge­sagt wur­de, sah Gei­se­rich den Ver­trag mit Rom als been­det an und lief mit sei­ner Flot­te Rich­tung Rom aus zur Plün­de­rung der Stadt. Als Grund nann­te er lapi­dar, dass Rom kei­ne nen­nens­wer­te Ver­tei­di­gung mehr hatte.”

Leser ***** stört sich „ein klein wenig” an mei­nen Wor­ten: „Das Impe­ri­um Roma­num hat­te, als sei­ner­zeit ein­zi­ge Zivi­li­sa­ti­on der Erde, ein enor­mes Sicher­heits­be­dürf­nis – heu­te sprä­che man von ‚Vor­ne­ver­tei­di­gung’ ”, sowie an der Klas­si­fi­zie­rung Roms als „des ein­zi­gen Impe­ri­ums, das ohne Ideo­lo­gie zu herr­schen wusste”.

„Mei­ner beschei­de­nen Mei­nung nach”, hält ***** fest, „war das Impe­ri­um Roma­num zu jener Zeit kei­nes­wegs die ein­zi­ge Zivi­li­sa­ti­on der Erde, schließ­lich exis­tier­te ein paar tau­send Kilo­me­ter wei­ter das Chi­ne­si­sche Kai­ser­reich. Auch die­ses hat­te ein enor­mes Sicher­heits­be­dürf­nis, das sich noch heu­te in Form der Chi­ne­si­schen Mau­er besich­ti­gen lässt. Und mir wäre auch neu, dass das Chi­ne­si­sche Kai­ser­reich (extrem schwe­res The­ma über die Jahr­tau­sen­de) eine spe­zi­el­le Ideo­lo­gie zum Herr­schen benö­tig­te. Eine spe­zi­el­le Ideo­lo­gie (abge­se­hen vom Kon­fu­zia­nis­mus und Tao­is­mus, aber ist das eine Ideo­lo­gie der Herr­schen­den?) gab es in extrem aus­ge­prä­ger Form in neue­rer Zeit m. E. nur unter Mao, bzw. bis ‚vor Kur­zem’ unter den Herr­schen­den der ‚Kom­mu­nis­ti­schen’ Par­tei. Ich stam­me zwar eigent­lich aus der Ecke der Japa­no­lo­gen, aber natür­lich muss­te ich da bis hin zum qua­si Alt­chi­ne­si­schen und dem chi­ne­si­schen Macht­be­reich zu diver­sen Zei­ten (nicht immer zu mei­nem Ver­gnü­gen) mich mit so Eini­gem beschäftigen …”

Eine klei­ne Abschwei­fung noch: Leser ****** nimmt Anstoß an der von mir mit­zi­tier­ten Aus­sa­ge Sar­ra­zins, dass „die Stäm­me Isra­els nach dem Aus­zug aus Ägyp­ten das Land Kana­an besie­del­ten”, ver­weist auf  Finkelstein/Silbermans Buch „Kei­ne Posau­nen vor Jeri­cho” und schreibt: „Nach allem, was man his­to­risch eini­ger­ma­ßen sicher weiß, waren die ‚Stäm­me Isra­els’ ein ganz nor­ma­les kanaa­näi­sches Volk (oder Völ­ker) und nie in Ägyp­ten ansäs­sig bzw. aus Ägyp­ten aus­ge­wan­dert. Nur wenn man dar­auf ver­zich­tet, die bibli­schen Mythen als his­to­ri­sche Fak­ten aus­zu­ge­ben, kann man von den Mos­lems erwar­ten, dass auch sie ihre Mythen an der his­to­ri­schen Rea­li­tät überprüfen.”

Kein Dis­sens, ich woll­te nur nicht an dem zitier­ten Text her­um­dok­tern. Ich habe mich sel­ber ein­mal ver­gleichs­wei­se aus­führ­lich zu die­sem The­ma ver­brei­tet, noch kurz vor dem Erschei­nen des genann­ten Buchs der bei­den israe­li­schen Alt­his­to­ri­ker bzw. Archäo­lo­gen; wen’s inter­es­siert: hier). 

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