20. Dezember 2018

Wie ich aus einem Tele­fo­nat mit einem Freund erfah­re, wer­den im Fall Claas Relo­ti­us in Kür­ze noch eini­ge amü­san­te und den Spie­gel als bis­wei­len regie­rungs­from­mes Lügen- und Gesin­nungs­blatt deco­u­vrie­ren­de Details zuta­ge geför­dert, die natur­ge­mäß den Inhalt der gefälsch­ten Sto­ries betref­fen. Die Spo­e­ken­kie­ker haben mit der Dreck­ar­beit schon mal ange­fan­gen, begin­nend mit der Pro­gno­se, dass die deut­sche Lügen‑, Lücken- und Lum­pen­pres­se – man darf sie, trotz einer gro­ßen Teil­men­ge, nicht ver­wech­seln mit der Wahr­heits- und Qua­li­täts­pres­se – den Fall mög­lichst klein zu hal­ten ver­su­chen sowie zugleich den Spie­gel für die „scho­nungs­lo­se Auf­klä­rung” loben wer­de, und endend in der nüch­ter­nen Fest­stel­lung, dass inner­halb der Matrix kei­ne Kor­rek­tur der Matrix zu erwar­ten sein wird. 

Wie in deut­schen Medi­en­häu­sern gelo­gen und ver­tuscht wird, zeigt sehr tref­fend die­ses Video (ab 2,30; bis zur Ein­spie­lung der ori­gi­na­len ZDF-Nach­richt hält man die Sache noch für Satire). 

Nach­trag. Der Spie­gel schreibt in eige­ner Sache: „Die kru­den Pot­pour­ris, die wie meis­ter­haf­te Repor­ta­gen aus­sa­hen, mach­ten ihn zu einem der erfolg­reichs­ten Jour­na­lis­ten die­ser Jah­re. Sie haben Claas Relo­ti­us vier Deut­sche Repor­ter­prei­se ein­ge­tra­gen, den Peter Scholl-Latour-Preis, den Kon­rad-Duden‑, den Kindernothilfe‑, den Katho­li­schen und den Cobur­ger Medi­en­preis. Er wur­de zum CNN-‚Journalist of the Year’ gekürt, er wur­de geehrt mit dem Reem­ts­ma Liber­ty Award, dem Euro­pean Press Pri­ze, er lan­de­te auf der For­bes-Lis­te der ’30 under 30 – Euro­pe: Media’ – und man fragt sich, wie er die Elo­gen der Lau­da­to­ren ertra­gen konn­te, ohne vor Scham aus dem Saal zu laufen.”

Ganz falsch. Es muss hei­ßen: ohne sich vor Lachen auf die Schen­kel zu schla­gen. Wer hier vor Scham aus dem Saal lau­fen müss­te, das sind ver­blen­de­te Figu­ren, die Prei­se ver­ga­ben für den Ver­fas­ser resp. Erfin­der von trie­fen­dem Gesin­nungs­kitsch wie: 

„Abdul­lah ging noch am sel­ben Tag zur nächs­ten Poli­zei­wa­che und gab das Spar­buch mit dem Geld ab. Bald dar­auf mel­de­te sich der Besit­zer des Spar­buchs, er woll­te einen Fin­der­lohn zah­len, aber Abdul­lah lehn­te das Ange­bot freund­lich ab. Da, wo er her­kom­me, sagt er, sei man nicht ehr­lich, um eine Beloh­nung zu bekom­men, ’son­dern um ein guter und gerech­ter Mensch zu sein’. Mahmoud Abdul­lah hat­te wenig Grund, an Gutes zu glau­ben oder an Gerech­tig­keit, als er sich, im tiefs­ten Tal sei­nes Lebens, als ehr­li­cher Fin­der erwies.” 

Und dass der Pre­mi­um-Jour­na­list der letz­ten Über­le­ben­den der „Wei­ßen Rose”, der 99jährigen, in South Caro­li­na leben­den Trau­te Laf­renz, über die Chem­nit­zer Pro­tes­te gegen Mer­kels Migra­ti­ons­po­li­tik, von denen sie nichts wuss­te, die Wor­te in den Mund schob: „Deut­sche, die streck­ten auf offe­ner Stra­ße den rech­ten Arm zum Hit­ler­gruß, wie frü­her”, einen Satz, den sie nie gesagt hat­te, der aber so voll­endet zu den kanz­ler­amts­ab­ge­seg­ne­ten Mär­chen bzw. Lügen über „Hetz­jag­den” im fer­nen Sach­sen pass­te wie das Ana­to­mie­lehr­buch im Bahn­wer­be­spot zum Kopf­tuch­mäd­chen next door, das bestä­tigt nicht nur mei­ne ges­tern hier dar­ge­leg­te Gewiss­heit über Ten­denz und Qua­li­tät die­ser Tex­te, son­dern belegt auch ein­mal mehr das Aus­maß des Will­kom­mens­de­li­ri­ums, wel­ches seit Herbst 2015 gewis­se ton­an­ge­ben­de Milieus die­ses Lan­des befal­len und bis zur Unzu­rech­nungs­fä­hig­keit ver­blö­det hat. 

                                    ***

Das Bun­des­kri­mi­nal­amt hat offen­bar Grün­de, für die uns in so erfreu­lich gro­ßer Zahl „geschenk­ten Men­schen” (Kat­rin Göring-Eckardt) qua­si nach kana­di­schem Vor­bild einen Punk­te­ka­ta­log vor­zu­schla­gen, aller­dings nicht deren Kul­tur, Bil­dung, Leis­tungs­wil­len und Brauch­bar­keit betref­fend, denn das wäre ja „Nütz­lich­keits­ras­sis­mus” (so irgend­ei­ne Lin­ken-Red­ne­rin unlängst im Bun­des­tag), son­dern ihre – nur anfäng­li­che, bei man­chen bis zur ulti­ma­ti­ven Teil­ha­be noch bestehen­de – Delin­quenz. Das BKA-Kon­zept sieht Medi­en­be­rich­ten zufol­ge „eine rote Linie bei maxi­mal 60 Punk­ten erreicht”. Für min­der­schwe­re Delik­te wie Dieb­stahl sei ein Punkt vor­ge­se­hen, zehn Punk­te wür­den fäl­lig, wenn ein Asyl­be­wer­ber mit min­des­tens einem Jahr Haft für sei­ne Tat bestraft wer­de – etwa wegen einer Kör­per­ver­let­zung oder einem Rausch­gift­de­likt. Bei Mord wür­den 70 Punk­te ein­ge­tra­gen.” Sozu­sa­gen ein Über­zie­hungs­kre­dit. Die­ser Leser­brief­schrei­ber, ein Ost­deut­scher natür­lich, liegt also gewal­tig daneben: 

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Von wegen drei Mor­de! Tat­säch­lich soll ein Schutz­su­chen­der sogar schon nach sei­nem sechs­ten nichtt­öd­li­chen Mes­ser­ver­tei­di­gungs­an­griff abge­scho­ben wer­den kön­nen. An sexu­el­ler Not­duft labo­rie­ren­de Her­ein­ge­schnei­te bekä­men auf Poli­zei­re­vie­ren künf­tig Sät­ze zu hören wie: „Zwei Ver­ge­wal­ti­gun­gen hast du noch, Freund­chen, teil sie dir ein!” Und die Laden­dieb­stäh­le wer­den abneh­men, sobald ein Teil des bedin­gungs­lo­sen Grund­ein­kom­mens an die Fami­lie daheim fließt. 

                                    ***   

„Kann man das sagen?”, fragt Leser ***: „Er schloss einen unver­bind­li­chen Pakt mit dem Teu­fel. Laut Duden wäre ein Pakt aller­dings eine ‚[ver­trag­li­che] Vereinbarung’.”

Und, ein­mal in Fra­ge­lau­ne, fährt *** fort: „Kann man auch ‚Schatz­su­chen­de’ statt ‚Schutz­su­chen­de’ sagen?”

                                     ***

„ISIS sup­por­ter who atta­cked poli­ce with sword out­side Buck­ing­ham Palace while yelling ‚Alla­hu Akbar’ is found not guil­ty of ter­ror plot after tel­ling court he did­n’t intend to harm anyo­ne”, mel­det Dai­ly Mail, becau­se: Der Arme ist depres­siv und hör­te Stim­men… Es ist kei­nes­wegs tröst­lich, wenn auch ande­re alle Zei­chen von Irr­sinn zei­gen, sofern die­se Ande­ren im sel­ben Boot mit einem sitzen.

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