30. Dezember 2018


#wirsind­mehr
für Tra­di­tio­na­lis­ten:

nuremberg rally

Wir schaf­fen das! für Nostalgiker:

Unter Hitlers Fuehrung errichteten die Nationalsozialisten im Deutschen Reich

Star­ke Argu­men­te besit­zen eben eine gewis­se Halb­werts­zeit.

                                     ***

Rech­te Het­ze eins.

In Mann­heim haben in 36 von 37 Fäl­len Ver­fah­ren zur Iden­ti­täts­fest­stel­lung erge­ben, dass angeb­lich min­der­jäh­ri­ge Straf­tä­ter ent­ge­gen ihren eige­nen Anga­ben längst erwach­sen waren. „Der Ältes­te der Betroffenen­, ein Marok­ka­ner, der sich als Alge­ri­er aus­ge­ge­ben hat­te, ist 1990 gebo­ren wor­den, nicht 2002, wie er selbst behaup­tet hat­te”, steht in den Stutt­gar­ter Nach­rich­ten zu lesen. In wei­te­ren 33 von ins­ge­samt bis­lang ein­ge­lei­te­ten 70 Ver­fah­ren stün­den die Ergeb­nis­se noch aus. Von den betrof­fe­nen Beschul­dig­ten befän­den sich 17 in Haft, sie­ben sei­en zur Fahn­dung aus­ge­schrie­ben, 43 gäl­ten als unter­ge­taucht.
„In jedem Fall haben die Ergeb­nis­se die Befürch­tun­gen der größ­ten Skep­ti­ker bestä­tigt”, notiert das Blatt. Wer die­se Skep­ti­ker waren und dass auch im baden-würt­tem­ber­gi­schen Lan­des­par­la­ment eine Par­tei sitzt, die seit Jah­ren auf eine Alters­fe­stel­lung bei die­ser uns geschenk­ten Kli­en­tel drängt und dafür medi­zi­ni­sche Metho­den vor­ge­schla­gen hat, erfährt der Leser nicht. Aber immer­hin erfährt er, dass der Mann­hei­mer Ober­bür­ger­meis­ter Peter Kurz (SPD) schon im Herbst 2017 in einem Brief an den baden-würt­tem­ber­gi­schen Innen­mi­nis­ter Tho­mas Stro­bl (CDU) gefor­dert hat, im Land eine geschlos­se­ne zen­tra­le Ein­rich­tung für sol­che Lau­ser zu schaf­fen. „ ‚Bei die­ser Grup­pe besteht kein Inter­es­se an einer Inte­gra­ti­on. Geset­ze, Ver­ord­nun­gen wer­den hem­mungs­los gebro­chen’, stell­te er fest. Die Bür­ger hät­ten inzwi­schen das Ver­trau­en ver­lo­ren, dass der Staat sie vor deren Über­grif­fen schüt­ze. ‚Wir sind am Ende mit unse­rem Latein’, gestand der Oberbürgermeister.”

Rech­te Het­ze zwei.
In beschau­li­chen Lim­burg saßen fünf Leu­te in gel­ben Wes­ten bei­sam­men und tran­ken Kaf­fee. Sechs Poli­zis­ten umstell­ten sie, um sie zu kon­trol­lie­ren. Weil: Arti­kel 3,1 des Ver­samm­lungs­ge­set­zes ver­bie­tet, „öffent­lich oder in einer Ver­samm­lung Uni­for­men, Uni­form­tei­le oder gleich­ar­ti­ge Klei­dungs­stü­cke als Aus­druck einer gemein­sa­men poli­ti­schen Gesin­nung zu tra­gen”. Offen­bar herrscht eine gewis­se Ner­vo­si­tät, die links­rhei­ni­sche Gelb­wes­ten­re­vol­te kön­ne auch auf ’schland über­grei­fen (deren Denun­zie­rung durch jour­na­lis­ti­sche Gesin­nungs­re­lo­ti­us­se allein wird wohl nicht aus­rei­chen). Danisch stellt die pas­sen­den Fra­gen: Ob man wohl rosa Müt­zen wie bei Femi­nis­tin­nen als lega­le, gel­be Warn­wes­ten aber als ver­bo­te­ne Uni­for­mie­rung anse­hen wol­le? Und vor allem: War­um dür­fen Lin­ke als schwar­zer Block auftreten?

Rech­te Het­ze drei.
Das Stan­des­amt Ber­lin-Neu­kölln ist zu klein für Groß­fa­mi­li­en mit dem exis­tenz­ver­edeln­den Hin­ter­grund. Wie wir aus der (nicht nur, aber ganz spe­zi­ell unse­rer) Geschich­te gelernt haben, wird „Volk ohne Raum” gele­gent­lich aggres­siv. Dann gibt es sogar Haue für die Mit­ar­bei­ter, wes­halb der schöns­te Tag im Leben einer Neuköllner*in dort nur noch mit Secu­ri­ty statt­fin­den kann. 

Irgend­wie rech­te Het­ze, jeden­falls Het­ze, vier.
Den jüngs­ten Trans­pa­renz­be­richt von Apple miss­braucht die­ses schwei­ze­ri­sche Maga­zin zu der Unter­stel­lung, die deut­sche Regie­rung sei „Spit­zel­welt­meis­ter”. In kei­nem ande­ren Land „wer­den die Bür­ger mehr ihrer Frei­heits­rech­te beraubt und das Recht auf Pri­vat­sphä­re von den Macht­ha­bern mehr mit Füs­sen getre­ten” als im bes­ten Deutsch­land, das es je gab, behaup­tet die Gazet­te. Apple habe im ers­ten Halb­jahr nach eige­nen Anga­ben 32.342 Anträ­ge von Regie­run­gen erhal­ten. Mit die­sen Anträ­gen soll­te in der zwei­ten Jah­res­hälf­te auf 163.823 Gerä­te zuge­grif­fen wer­den. Aus Deutsch­land kamen die meis­ten Gerä­te­an­fra­gen (13.704 auf 26.160 Apple-Gerä­te). Es folg­ten die Ver­ei­nig­ten Staa­ten mit 4.570 Daten­an­fra­gen für 14.911 Gerä­te. Russ­land habe übri­gens 702 Gerä­te­an­fra­gen gestellt, sicher­lich um die Oppo­si­ti­on zu unterdrücken.

Nicht direkt rech­te, aber mit indi­rek­ten Feknjuhs-Vor­wür­fen gegen die Regie­rung doch Het­ze, fünf.
Deut­sche Poli­ti­ker wol­len gegen Com­pu­ter­pro­gram­me vor­ge­hen, die angeb­lich in der Lage sind, sich in sozia­len Netz­wer­ken als Men­schen aus­zu­ge­ben und die öffent­li­che Mei­nungs­bil­dung zu beein­flus­sen. Flo­ri­an Gall­witz, Pro­fes­sor für Medi­en­in­for­ma­tik in Nürn­berg, behaup­tet nun aber, ihm sei „kein Fall bekannt, in dem ein Social Bot eine poli­ti­sche Debat­te beein­flusst hät­te” und lei­tet damit prak­tisch die Peg­nitz auf die Müh­len der AfD bzw. der Rechtspopulisten.

Het­ze aus unein­deu­ti­ger Rich­tung, aber Het­ze ganz sicher, sechs.
Die Aus­lands­jour­na­lis­tin Ron­ja von Wurmb-Sei­bel hat get­wit­tert:
„Kann die Empö­rung über #Relo­ti­us nicht ernst neh­men. Tipps, die pro­mi­nen­te Chefs mir gaben: ‚Das Gute am Aus­lands­jour­na­lis­mus ist ja, dass nie­mand raus­fin­den wird, ob der Mann in Kabul das wirk­lich gesagt hat.’ // ‚Du hast recher­chiert? Das machen wir hier eher nicht.’ ”
Die dar­an anschlie­ßen­de Dis­kus­si­on ist lesens­wert. (Medi­enst­er­ben von sei­ner schöns­ten Sei­te, um den Genos­sen Yüzel wie­der ein­mal herbeizuwuchten.)

Ein­deu­tig rech­tes­te Het­ze, ja Ultra­het­ze aber, sie­ben...
… ist die­ses Video von Wei­bern, die sel­ber weder ver­ge­wal­tigt noch geritzt wor­den sind und trotz­dem akti­ve Will­kom­mens­kraft­zer­set­zung betreiben.

Rech­te Het­ze, acht.
„Vor zwan­zig Jah­ren kam Hugo Chá­vez in Vene­zue­la an die Macht, er wur­de eine Iko­ne für vie­le Lin­ke welt­weit. (…) Inzwi­schen leben mehr als 80 Pro­zent der Bevöl­ke­rung unter der Armuts­li­nie, mehr als 60 Pro­zent sogar in extre­mer Armut – so die Schät­zun­gen pri­va­ter Insti­tu­te, denn offi­zi­el­le Sta­tis­ti­ken wer­den nicht mehr ver­öf­fent­licht. Das rei­che Ölland ist bet­tel­arm gewor­den. Und die Herr­schaft der Sozia­lis­ten mutier­te unter Madu­ro immer mehr zu einer har­ten Dik­ta­tur, die bru­tal gegen die Oppo­si­ti­on und Demons­tran­ten vor­geht.
Erstaun­lich ist dabei, wie still die euro­päi­schen und nord­ame­ri­ka­ni­schen Lin­ken gewor­den sind, die noch vor nicht all­zu lan­ger Zeit Vene­zue­la als Traum­land – zumin­dest als höchst inter­es­san­tes Expe­ri­ment – eines schein­bar funk­tio­nie­ren­den ‚Sozia­lis­mus des 21. Jahr­hun­derts’ ansa­hen. (…)
Rund drei Mil­lio­nen Vene­zo­la­ner haben laut UN-Anga­ben ihr Land seit Auf­bruch der Kri­se ver­las­sen (…) Unter den ver­blie­be­nen etwas mehr als 30 Mil­lio­nen hat sich die huma­ni­tä­re und wirt­schaft­li­che Kri­se dra­ma­tisch ver­schärft. Das Lei­den der Zivil­be­völ­ke­rung ist inzwi­schen kaum noch beschreib­bar. Mil­lio­nen sind schwer unter­ernährt, beson­ders Kin­der hun­gern” (wei­ter hier).
Wenn das wahr wäre, hät­ten wir es doch in Zeit, taz, Spon und im Beob­ach­ter gelesen!

Rech­te Het­ze neun, dies­mal im Män­tel­chen der Juris­pru­denz.
Hier. Unbe­dingt ganz anhö­ren. Zum Wei­ter­het­zen wärms­tens empfohlen.

Rech­te Het­ze, zehn…
… ist bekannt­lich die Behaup­tung, vom Islam gin­ge irgend­ei­ne Bedro­hung für die west­li­che Welt oder gar ’schland aus. Tat­säch­lich han­delt es sich, mit­tel- bis lang­fris­tig, um einen Frie­dens­plan, nach­zu­le­sen bei­spiels­wei­se im Mani­fest „The Manage­ment of Sava­ge­ry” („Die Ver­wal­tung der Bar­ba­rei”) von Abu Bakr Naji, des­sen Unter­ti­tel lau­tet „The most cri­ti­cal sta­ge through which the Umma will pass”, frei über­setzt: Die Pha­se, die der Islam durch­schrei­ten muss, um das Kali­fat wie­der­her­zu­stel­len. Anfangs wer­de es noch etwas rum­peln, steht dort – die ers­te Pha­se bedeu­te „Erschöp­fung und Demo­ra­li­sie­rung”, indem man die Staa­ten von der Peri­phe­rie her mit Ter­ror über­zie­he und ein Kli­ma der Angst aus­lö­se –, aber das lei­te über in die zwei­te Pha­se, näm­lich eben­je­ne „Ver­wal­tung der Bar­ba­rei”, von wel­cher der Titel kün­det: Da die Staa­ten den inne­ren Frie­den und das Gesetz nicht mehr garan­tie­ren kön­nen, geht die­ses Amt auf die hei­li­gen Krie­ger über. Am Ende steht eine neue Ord­nung, denn um des Frie­dens und der Sicher­heit wil­len wer­den sich die schwa­chen (west­li­chen) Men­schen schließ­lich unter­wer­fen. Die Ver­fas­ser von „Was tun?” und „Mein Kampf” haben auch mit ver­gleichs­wei­se klei­ner Reich­wei­te zu argu­men­tie­ren bzw. bekeh­ren begon­nen. „Nie­mand wird sagen kön­nen, er habe nichts gewusst.” (Michel Onfray)

Rech­te Het­ze, elf.
„Ich wür­de euch nicht emp­feh­len, die Ein­wan­de­rung aus pri­mi­ti­ven Ent­wick­lungs­län­dern zu for­cie­ren.” Sag­te ein soge­nann­ter Alt­kanz­ler mit – natür­lich! – Wehr­machts­ver­gan­gen­heit, der am 23. Dezem­ber 100 gewor­den wäre und den Ange­la Nah­les bei die­ser Gele­gen­heit als einen „der bedeu­tends­ten Poli­ti­ker, Staats­män­ner und Sozi­al­de­mo­kra­ten der Nach­kriegs­zeit, berühmt für sei­ne nüch­ter­ne han­sea­ti­sche Art” pries, ganz ohne sich zu schä­men hier (bei 5.00).

Rech­te Het­ze, zwölf
„Guten Tag Herr Klo­n­ovs­ky, nach der Lek­tü­re der Acta diur­na muss­te ich neu­lich ich über das Wesen der bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Anti­fa nach­den­ken. Her­aus­ge­kom­men ist fol­gen­des: Anti­fa­schist ist, wer sich für eine Mischung aus Scholl und Stauf­fen­berg hält, aber benimmt wie Röhm.”

Ja was denn sonst!

Wo aber Het­ze ist, wächst die Ret­ten­de auch und über sich hin­aus:
Vor der Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung ver­kün­de­te die Will­kom­mens­kanz­le­rin und Frem­den­füh­re­rin min­des­tens zwei­er­lei, näm­lich ers­tens: „Das Volk sind jeweils die Men­schen, die in einem Land dau­er­haft leben, und nicht irgend­ei­ne Grup­pe, die sich als Volk defi­nie­ren.” Als Deut­sche zum Bei­spiel. Oder als Israe­lis. Oder als Umma! Zumal man heut­zu­ta­ge, in Zei­ten unver­bind­li­cher glo­ba­ler Wan­de­rungs­pak­te, gar nicht mehr genau weiß, wer wann wo „dau­er­haft” sie­delt und ab wann über­haupt von „Dau­er” gespro­chen wer­den kann; „dau­er­haft” ist ja oft eine Wil­lens­er­klä­rung für die Zukunft. Anders­her­um gibt es vie­le soge­nann­te Deut­sche, die dem Land dau­er­haft den Rücken keh­ren. Und zwei­tens, but not least: „Natio­nal­staa­ten soll­ten heu­te bereit sein, Sou­ve­rä­ni­tät abzu­ge­ben” (hier, hier, hier). Was sie, Ange­la I., ja längst täg­lich erle­digt: Sie reist durch die Welt und gibt deut­sche Sou­ve­rä­ni­tät ab. Obwohl sie ihr gar nicht gehört! So geht moder­ne Welt­in­nen­po­li­tik!

Wie’s wei­ter­geht?
’s ist längst zu spät.
Nacht­schicht vor­bei,
Der Spuk hat frei.

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