5. Januar 2019

Seit­dem die Chris­ten­heit der Geschich­te ein Ziel ver­hieß, nis­tet die­se Idée fixe in den Gehir­nen des Wes­tens. In der Paru­sie-Vor­stel­lung der aktu­el­len Pro­gres­sis­ten ste­hen wir zwar kurz vor dem Ein­zug ins mul­ti­kul­tu­rel­le Got­tes­reich der Einen Welt, aber noch in der End­zeit des Anti­chris­ten, der auf Pseud­ony­me wie Trump, Orban, Sal­vi­ni oder Gau­land hört. 

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„In Buda­pest haben etwa 10.000 Men­schen erneut gegen die unga­ri­sche Regie­rung des rechts­na­tio­na­len Minis­ter­prä­si­den­ten Vik­tor Orban demons­triert”, mel­det die Tages­schau. „Nach einem Marsch durch die Innen­stadt zogen sie bei nass­kal­tem Wet­ter vor das Parlament.”

Fehlt da nicht etwas? Gegen­kund­ge­bun­gen, Blo­cka­den, Pro­tes­te, der Schwar­ze Block? Angrif­fe auf die Demons­tran­ten, Poli­zei­ab­sper­run­gen, laut­star­ke Regie­rungs­cla­queu­re? Auf­ge­brach­te Poli­ti­ker, die den Oppo­si­tio­nel­len vor­wer­fen, Stim­mung zu machen und die Gesell­schaft zu spal­ten? Zivil­ge­sell­schaft­li­che Initia­ti­ven pro Orban? Künst­ler, Gewerk­schaf­ten, Kir­chen, Sati­ri­ker gegen Hass und Het­ze? Es-reicht!-Kommentare in den Gazet­ten und im Staats­fern­se­hen? Nichts? Zumin­dest wur­de nichts der­glei­chen gemel­det. Dar­aus kann man ent­neh­men, dass die unga­ri­sche Demo­kra­tie anschei­nend vor­bild­lich funktioniert.

„Die Kund­ge­bun­gen rich­ten sich auch gegen ande­re Miss­stän­de unter der Orban-Regie­rung, dar­un­ter die als ein­sei­tig und regie­rungs­freund­lich kri­ti­sier­te Bericht­erstat­tung des staat­li­chen Rund­funks”, heißt es wei­ter. Nein so was! Wahr­schein­lich ist die­ses Ungarn doch einem schreck­lich repres­si­ven Regime in die Hän­de gefallen.

                                       
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Jedes Land hat die Hacker­an­grif­fe, die es ver­dient. Der momen­tan beka­kel­te war offen­bar so dilet­tan­tisch, dass man nicht ein­mal wagt, die Rus­sen dafür ver­ant­wort­lich zu machen. Ein von Ideo­lo­gen und Infan­ti­len regier­tes Land kann sei­ne rea­len Gren­zen nicht schüt­zen, war­um soll­te es bei den vir­tu­el­len anders sein? (Sie­he auch hier.)

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Immer mal wie­der steht der ver­blie­be­ne Zei­tungs­le­ser vor der dif­fi­zi­len Abwä­gung, ob er gera­de ein Werk der Lügen‑, Lücken- oder Lum­pen­pres­se stu­die­ren durf­te. Etwa:

„Seit­dem mehr Migran­ten in Deutsch­land leben, stieg die Zahl der Patent­an­mel­dun­gen von 58.000 auf 62.000 (wie die Autoren der DIW-Stu­die nach­wei­sen). Die DIW-Stu­die ver­schweigt aber, dass die Anzahl der erteil­ten Paten­te zurück­ging, von 2006 = 21.000 auf nur noch 14.000 zehn Jah­re spä­ter.
Das Fazit in FAZ-Pro­sa: ‚Fast jedes zehn­te aus Deutsch­land ange­mel­de­te Patent stamm­te im Jahr 2016 von einem Erfin­der mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, berich­te­te am Don­ners­tag das Insti­tut der deut­schen Wirt­schaft in Köln. Das ent­spre­che rund 3000 Paten­ten. Im Jahr 2005 lag der Anteil noch bei 6 Pro­zent.’
Das Fazit in der Rea­li­tät: 21.000 erteil­te Paten­te im Jahr 2006 – zehn Jah­re spä­ter nur noch 14.000.
Ein Minus von 33 %.”
(Mehr hier.)

Am Ran­de: Es emp­fiehlt sich, die Patent­an­mel­dungs­ra­ten in den Her­kunfts­län­dern der aktu­el­len Migran­ten­scha­ren zu stu­die­ren, um die Fak­ten­zu­recht­bie­ge­rei der Qua­li­täts­pres­se ange­mes­sen zu wür­di­gen. Da gibt es nur zwei Mög­lich­kei­ten: Die Patent­an­mel­der mit dem edlen Hin­ter­grund stam­men fast alle aus Asi­en, Russ­land, Ost­eu­ro­pa – oder aber gewis­se Ori­en­ta­len resp. Nord­afri­ka­ner wer­den mit der Über­que­rung der deut­schen Gren­ze genial. 

PS: Pas­send dazu die­se Tata­ren­mel­dung vom Dezem­ber 2015. „86 Pro­zent der syri­schen Flücht­lin­ge sind hoch­ge­bil­det”, ver­kün­de­te das UN-Flücht­lings­hilfs­werk UNHCR damals, und die Will­kom­mens­pres­se ver­brei­te­te die Relo­tia­de (= erwünsch­te Illu­si­on), ohne sich von des Zwei­fels Bläs­se ankrän­keln zu lassen. 

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Apro­pos: Immer neue Details des Falls Relo­ti­us sickern an die Öffent­lich­keit. Der „Star-Repor­ter” hat sogar Repor­ta­gen geschrie­ben, ohne dafür den Schreib­tisch zu ver­las­sen, bei­spiels­wei­se ein Pro­pa­gan­da­stück namens „Der Kapi­tän weint” von Bord eines Flücht­lings- bzw. Schlep­per­schiffs, erschie­nen im Juli 2018 im Spie­gel. Der Kapi­tän aller­dings „weint über­haupt nicht. Im Gegen­teil: Er ist rich­tig wütend auf den Autor”, notiert Alex­an­der Wal­l­asch, denn der Relo­ti­us-Text sei eine Fik­ti­on. Wal­l­asch stellt zwei ange­mes­sen pein­li­che Fra­gen: War­um empört sich der Kapi­tän erst ein hal­bes Jahr spä­ter über die Mär­chen­stun­de? Und war­um haben die drei Co-Autoren des Relo­ti­us-Mär­chens, die eigent­li­chen Recher­cheu­re der Sto­ry, eben­falls geschwiegen?

Wie ich schon sag­te: Relo­ti­us ist kein Aus­nah­me­fall, son­dern ein struk­tu­rel­ler. Jetzt sind es schon vier Spie­gel-Redak­teu­re, die im Zuge der Affä­re ihre Glaub­wür­dig­keit ver­lo­ren haben, plus zwei Chef­re­dak­teu­re und x Doku­men­ta­re. Und dabei wird es nicht blei­ben. Wer soll denen je wie­der etwas glauben?

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Seit Weih­nach­ten liegt ein Schrei­ben auf mei­ner Fest­plat­te, zu dem ich mich äußern muss, und heu­te ist eine gute Gele­gen­heit dafür. Leser *** wider­spricht mir (wor­um ich, ers­tens, bit­te, und was ich, zwei­tens, sel­ber prak­tisch täg­lich tu’), näher­hin mei­ner Aus­sa­ge: „Das beson­ders Unan­ge­neh­me ist die anti­markt­wirt­schaft­li­che Atti­tü­de, das Bil­lig-Pathos des ‚Wären die Rei­chen ärmer, wären die Armen rei­cher’, wo doch tat­säch­lich die Pro­duk­ti­on von Reich­tum der ein­zi­ge Weg aus der Armut ist, wes­halb auch alle arme Welt um Inves­ti­tio­nen bet­telt …. Die alte Fra­ge: ‚Sozia­lis­mus oder Kapi­ta­lis­mus?’ lau­tet heu­te: ‚Sozia­lis­ti­sche Welt­re­gie­rung oder freie Weltmarktwirtschaft?’.”

„Es ist ein klei­ner Unter­schied”, schreibt ***, nach Selbst­aus­kunft „pro­mo­viert über Tech­no­lo­gie und Öko­no­mie, Außen­händ­ler mit 30jähriger Berufs­er­fah­rung im tech­no­lo­gi­schen Sprin­gen auf vier Kon­ti­nen­ten”, es sei also ein klei­ner Unter­schied, „ob man behaup­tet, dass ‚die Armut der Vie­len den Luxus der Weni­gen’ bezah­le – womit ein­deu­tig die Dis­tri­bu­ti­on wirt­schaft­li­cher Erträ­ge nach erbrach­ter Leis­tung ange­spro­chen wird – oder aber wort­ver­dre­hend und öko­no­misch falsch kalau­ert ‚Wären die Rei­chen ärmer, wären die Armen rei­cher’. Die Pro­pa­gan­dis­ten der letz­te­ren For­mel betrach­ten Heck­geld, Buch­geld, wie ‚kom­mu­ni­zie­ren­de Röh­ren’. Es soll­te sich doch bis Süd­bay­ern her­um­ge­spro­chen haben, dass 92 Pro­zent des gebuch­ten Gel­des (‚Digi­tal­geld’) nicht Erträ­ge mate­ri­el­ler Pro­duk­ti­on sind, son­dern Kre­dit­zin­sen, Wet­terträ­ge auf Akti­en­kur­se und Schrott­im­mo­bi­li­en­prei­se, Zer­ti­fi­kat­ge­win­ne, deri­va­ti­ve Ren­di­ten, etc. Die reichs­ten Rei­chen haben davon beson­ders viel, wäh­rend das Porte­mon­naie-Geld der Armen immer zu 100 % aus Leis­tung in der Waren­pro­duk­ti­on (incl. Dienst­leis­tun­gen) stammt.

(‚The total value of the world’s money is $90.4 tril­li­on’, http://money.visualcapitalist.com/worlds-money-markets-one-visualization-2017)

Auch die­se Vor­stel­lung ist klar­zu­stel­len: es gibt kei­nen Welt­’­markt’ und schon gar kei­nen ‚frei­en Markt’ für indus­tri­el­le Güter. Einen ‚Markt’ stellt sich der Durch­schnitts­ab­sol­vent einer VWL/BWL-Aus­bil­dung als Begeg­nung von gleich kräf­ti­gen ‚Anbie­tern’ und ‚Nach­fra­gern’ vor, so wie es Adam Smith auf einem Wochen­markt sei­ner Zeit beob­ach­tet haben könn­te. So lau­fen aber im 20./21. Jahr­hun­dert die Geschäf­te nicht. Die Geld­be­sit­zer (‚Inves­to­ren’) sind auf jeden Fall die Zwangs­mau­se­ler – und das nicht nur gegen­über den schwä­bi­schen Haus­frau­en, son­dern beson­ders gern gegen­über ‚Vater Staat’. Noch eine Stu­fe höher ver­su­chen sich man­che would-be-Welt­mäch­ti­ge mit Zoll­krie­gen gegen ver­meint­lich abhän­gi­ge Län­der. Power tra­des, not sex, stu­pid. Da also die ‚freie Welt­markt­wirt­schaft’ ein Mythos von pen­si­ons­be­rech­tig­ten VWL/BWL-Pro­fes­sor und nicht die Wirk­lich­keit der CEOs die­ser Welt ist, lau­tet aus Sicht der Zwangs­der­es­sour­cier­ten (frü­her hieß das ‚Expro­pri­ier­ten’) und Abge­schal­te­ten (‚Bett­ler’) die Ent­schei­dungs­fra­ge tat­säch­lich: ‚Zwangs­glo­ba­li­sie­ren­de Kon­zern­dik­ta­tur oder sozia­le und demo­kra­tisch-dezen­tra­le Res­sour­cen­wirt­schaft?’. Letz­te­res erfor­dert natür­lich Durch­blick durch sehr kom­ple­xe tech­ni­sche und gesell­schaft­li­che Zusam­men­hän­ge. Und logi­sches Den­ken und Spre­chen. Kann man nicht von jedem Tex­ter verlangen.”

Ich gehe davon aus, dass alles, was Leser *** vor­trägt, rich­tig ist (auch wenn ich nicht weiß, wie reprä­sen­ta­tiv „Digi­tal­geld” für die Gesamt­la­ge sein mag). Peter Gau­wei­ler for­mu­lier­te es so: „Frei­heit oder Sozia­lis­mus” sei frü­her die Alter­na­ti­ve gewe­sen, heu­te lau­te sie „Frei­heit oder Gold­man Sachs”. Ich muss mein unter­kom­ple­xes State­ment wohl kom­men­tie­ren, denn es gibt durch­aus Über­schnei­dun­gen. Ich hal­te dar­an fest, dass der Sozia­lis­mus, der Welt­so­zia­lis­mus, die one-world-Ideo­lo­gie, ob sie nun mit öko­lo­gi­schem oder sozia­lem Pla­nier­schild die eth­nisch-kul­tu­rel­len Unter­schie­de ein­eb­nen will, die größ­te aller Bedro­hun­gen für die Frei­heit des Indi­vi­du­ums bleibt. Womög­lich ist die Frei­heit des Indi­vi­du­ums aber kei­ne welt­his­to­risch rele­van­te Grö­ße mehr. (Zwei ihrer Gefähr­der, der Islam und die künst­li­che Intel­li­genz, blei­ben heu­te aus der Betrach­tung aus­ge­spart; ich bli­cke schon so kaum durch.)

Ich habe hier oft die The­se breit­ge­tre­ten, dass es eine obsku­re Alli­anz zwi­schen glo­ba­lis­ti­scher Lin­ker und glo­ba­lem Kapi­tal gibt. „Gold­man-Sachs” ist ein Feind­bild-pars-pro-toto, mit dem ich ein­ver­stan­den bin, vor allem aus ästhe­ti­schen Grün­den – mein Neid heißt Ekel –, doch mei­ne Haupt­aver­si­on gilt dem Feind, der mich sozia­li­sie­ren und zwin­gen will, in der Lüge zu leben. In Tei­len ist er bereits eine pikan­te Alli­anz mit „Gold­man Sachs” ein­ge­gan­gen. Wel­che Rol­le spie­len die Staa­ten dazwischen?

Der freie Markt ist ein Mythos – das stimmt lei­der. Es gibt da und dort ein paar freie Märk­te, doch aufs Gan­ze gese­hen kei­nen frei­en Welt­markt. Das ist scha­de, denn der freie Markt ist die ein­zi­ge erträg­li­che Uto­pie, weil es die ein­zi­ge Uto­pie ist, die nie­man­den zwangs­be­glü­cken will.

War­um gibt es den frei­en Markt nicht? Weil es Staa­ten und Mono­po­le gibt. Liber­tä­re behaup­ten, es gebe Letz­te­re nur wegen Ers­te­rer. Die unfrei­es­ten – am meis­ten staat­lich beein­fluss­ten – Märk­te sind (der­zeit) die Finanz­märk­te. Sie wer­fen zugleich die höchs­ten Gewin­ne ab. Wie bei der Ener­gie­wen­de wird das Geld der ein­fa­chen Leu­te mit Hil­fe des Staates/der Poli­tik in die Taschen eini­ger weni­ger Rei­cher umge­lei­tet. Die Finanz­kri­se 2008 hat das über­deut­lich vor Augen geführt. Auf einem frei­en Markt wür­de plat­zen­den Spe­ku­la­ti­ons­bla­sen ein rei­ni­gen­des Gewit­ter von Insol­ven­zen fol­gen. Auf einem staat­lich beein­fluss­ten Markt fin­det eine mas­si­ve poli­ti­sche Unter­stüt­zung für strau­cheln­de Ban­ken und Unter­neh­men statt. Aus­lö­ser oder zumin­dest Ermög­li­cher der Kri­se war der ame­ri­ka­ni­sche Staat mit sei­nem Immo­bi­li­en­kre­dit­pro­gramm für jeder­mann. Außer für Prä­si­dent Oba­ma fand der gute Wil­le kei­nen Lohn im Dies­seits. Die kri­mi­nel­le Ener­gie der Ban­ken und ihrer Schmutz­pa­pier­händ­ler benö­tigt den Staat als unfrei­wil­li­gen Heh­ler. Die Fol­gen der Finanz­kri­se konn­ten wie Flut­wel­len ver­teilt und abge­wälzt wer­den, unter ande­rem auf die Euro­pä­er, sprich: die euro­päi­schen Staa­ten, sprich: die euro­päi­schen Steu­er­zah­ler – weil die Staa­ten mit­spiel­ten und das Sys­tem stütz­ten. (Das nur als Recht­fer­ti­gung für mei­nen Traum vom frei­en Markt.)

Auch ohne die Finanz­kri­se befän­de sich das qua­s­iso­zia­lis­ti­sche Kon­strukt EU heu­te in enor­men Schwie­rig­kei­ten – weil es nicht markt­wirt­schaft­lich orga­ni­siert ist, son­dern von Staats­in­ter­ven­tio­nen bestimmt wird. Die Noten­ban­ken dru­cken einer­seits Geld ohne Ende, betä­ti­gen sich ande­rer­seits als Geschäfts­ban­ken und kau­fen Anlei­hen. Die von der EZB aus­ge­hen­de Null- oder Nega­tiv­zins­po­li­tik ist rei­ne Ent­eig­nung und reins­ter Sozia­lis­mus. Jede Grie­chen­land­ret­tung ist eine Insol­venz­ver­schlep­pung etc. pp.

Wäh­rend also die Mit­tel­schicht via Gut­ha­ben­ab­schmel­zung auf Raten ent­eig­net und ihrer Erspar­nis­se und Alters­vor­sor­ge beraubt wird, wäh­rend die Unter­schich­ten immer ärmer wer­den und mit den Ein­wan­de­rern um Jobs, Woh­nun­gen und den öffent­li­chen Raum in den schlech­te­ren Gegen­den kon­kur­rie­ren müs­sen, ver­die­nen die wirk­lich Rei­chen völ­lig leis­tungs­los auf dem Immo­bi­li­en- und Akti­en­markt und wer­den immer rei­cher. Schreit die­se Situa­ti­on nicht förm­lich nach einem Lenin, der „Was tun?” fragt und auch eine pas­sen­de Idee hätte?

Aber das gro­ße, glo­ba­le Kapi­tal ist raf­fi­niert und schließt ein Bünd­nis mit denen, die es eigent­lich bekämp­fen müss­ten, finan­ziert sie sogar, indem es ein gemein­sa­mes Ziel ins Auge fasst: die Glo­ba­li­sie­rung. Die one world. Die neue Ord­nung der Welt­in­nen­po­li­tik. Die Abschaf­fung der Gren­zen, der Natio­nal­staa­ten, der Völ­ker, der Ras­sen, der Klas­sen, der Kul­tu­ren, der Min­der­hei­ten, der Fami­li­en, Geschlech­ter. Das glo­ba­le Kapi­tal mas­kiert sich poli­tisch kor­rekt und spielt Sozia­lis­mus; es hilft bei der Welt­ver­bun­tung und Diver­si­fi­zie­rung, unter­stützt eman­zi­pa­to­ri­sche NGOs und finan­ziert eine Stu­die nach der ande­ren, die den Ras­sis­mus der Völ­ker und Natio­nen gei­ßelt. Das glo­ba­le Kapi­tal ver­brei­tet die Paro­len der Lin­ken und kämpft gegen die Rechts­po­pu­lis­ten, die Ewig­gest­ri­gen, gegen die Par­ti­ku­la­ris­ten, Regio­na­lis­ten und Sezes­sio­nis­ten. In ihre Büros hän­gen die Glo­bal­ka­pi­ta­lis­ten die Wer­ke moder­ner mul­ti­kul­tu­rel­ler Künst­ler. Sie räu­men der Lin­ken den Weg frei. In ihrem Zei­chen wird der Sozia­lis­mus sie­gen – und umge­kehrt. Im Gegen­zug möch­te das Glo­bal­ka­pi­tal ledig­lich von Ent­eig­nun­gen und Steu­ern ver­schont wer­den. In der Gestalt eines Geor­ge Soros scheint die Zukunft auf.

Was uns zum Natio­nal­staat zurück­führt und jener katechon­ti­schen Rol­le, die der­zeit Donald Trump und mit ihm den soge­nann­ten Rechts­po­pu­lis­ten zufällt. Man muss eben auf die merk­wür­di­ge Alli­anz derer schau­en, die sich gegen den Rechts­po­pu­lis­mus zusam­men­schlie­ßen, um die Lage zu erken­nen. Die­se Alli­anz zer­stört die Bedin­gun­gen der indi­vi­du­el­len Frei­heit, jeden Tag ein biss­chen mehr. Das Schick­sal von Mit­tel­er­de liegt in den Hän­den eini­ger Hobbits.

Bei der For­mu­lie­rung der Welt­markt­wirt­schaft als Zukunfts­op­ti­on sind womög­lich die Gäu­le der Illu­si­on mit mir durch­ge­gan­gen. Aber auch den ande­ren Pol der Alter­na­ti­ve zu demen­tie­ren, sehe ich kei­nen Anlass.

                                   ***

Noch zum Vori­gen: „Sehr geehr­ter Herr Klo­n­ovs­ky, las­sen Sie mich als pro­mo­vier­ter Volks­wirt dazu sagen: Ihr Leser ist ein volks­wirt­schaft­li­cher Dilet­tant. Ein Volks­wirt merkt das schon, als er die Ungleich­ver­tei­lung von Macht und Reich­tum anhand der Geld­men­ge (‚Digi­tal­geld’ – er meint wohl Buch­geld und ‚Porte­mon­naie­geld’ – er meint wohl Bar­geld) unter­su­chen will. Es geht wei­ter: Er behaup­tet, es gäbe kei­nen Markt, weil es den ide­al­ty­pi­schen ‚voll­kom­men Markt’ nur sel­ten gibt, und behaup­tet: ‚Einen Markt stellt sich der Durch­schnitts­ab­sol­vent einer VWL/BWL-Aus­bil­dung als Begeg­nung von gleich kräf­ti­gen ‚Anbie­tern’ und ‚Nach­fra­gern’ vor, so wie es Adam Smith auf einem Wochen­markt sei­ner Zeit beob­ach­tet haben könn­te.’ Das ist kom­plet­ter Unsinn; gera­de Volks­wir­te wis­sen um die Unvoll­kom­men­heit der Märk­te. Inves­to­ren sind kei­ne ‚Geld­be­sit­zer’. Usw. Leser *** ist so voll Ver­ach­tung, dass er in sei­ner Wut alles durch­ein­an­der­bringt. Es gilt hier wie­der ein­mal der Satz von Wolf­gang Pau­li: ‚Das ist nicht rich­tig, es ist nicht ein­mal falsch!’

Aber auch Ihre Ant­wort ist nicht von gro­ßen Kennt­nis­sen geprägt. Wenn Sie sagen: ‚Es gibt kei­nen frei­en Markt’, dann mei­nen Sie wahr­schein­lich, dass es kei­nen voll­kom­me­nen Markt gibt. Aber vie­le unvoll­kom­me­ne Märk­te funk­tio­nie­ren erstaun­lich gut, jeden­falls erheb­lich bes­ser als alle ande­ren Ver­fah­ren der Güter­pro­duk­ti­on, des Güter­aus­s­tau­sches und der Güter­ver­tei­lung. Und auch ‚der Welt­markt’ ist kein Molo­lith; es gibt inter­na­tio­na­le Güter in ganz ver­schie­de­nen Berei­chen. Den Markt für Erd­öl und den für Com­pu­ter­soft­ware unter die Rubrik ‚der Welt­markt’ zusam­men­zu­fas­sen und dann eine pau­scha­li­sie­ren­de Aus­sa­ge zu tref­fen, ist aben­teu­er­lich; eine sol­che Aus­sa­ge ist prak­tisch immer falsch. Ihre Aus­sa­ge, dass die Finanz­märk­te ‚die höchs­ten Gewin­ne abwer­fen’ ist sicher­lich auch nicht unbe­dingt rich­tig; alle deut­schen Ban­ken haben zur Zeit mise­ra­ble Erträ­ge, eben­so die fran­zö­si­schen, ita­lie­ni­schen und grie­chi­schen. Was mei­nen Sie also mit ‚den Finanz­märk­ten’ in die­sem Zusam­men­hang? Ihre Äuße­run­gen über ‚das gro­ße, glo­ba­le Kapi­tal’ klin­gen nun wie­der sehr mar­xis­tisch-sozia­lis­tisch, jeden­falls für mei­nen Geschmack zu pau­schal. Das gro­ße, glo­ba­le Kapi­tal gibt es nicht. Was hal­ten Sie von weni­ger res­sen­ti­ment­ge­schwän­ger­ten Aus­drü­cken wie ‚vie­le trans­na­tio­na­le Unter­neh­men’ oder ähnliches?”

                                   ***

Und die­ser Leser noch:

  1. „Die Pas­sa­ge ‚Wäh­rend also die Mit­tel­schicht via Gut­ha­ben­ab­schmel­zung auf Raten ent­eig­net und ihrer Erspar­nis­se und Alters­vor­sor­ge beraubt wird’ usw. trifft den Nagel auf den Kopf, genau so ist es. Was dabei noch fehlt ist, dass die ange­spro­che­nen ‚Rei­chen’ (man soll­te wohl Gross­in­ves­to­ren sagen, wer auch immer die­se sind, das kann auch ein Pen­si­ons­fonds eines mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­mens sein) in der Regel auch die ers­ten sind, die Zugriff auf das zum Null­zins ange­bo­te­ne Zen­tral­bank­geld haben. Wenn die­ses Geld dann am Kapi­tal­markt inves­tiert wird, so sind die Rei­chen gegen jede Infla­ti­on geschützt – die Über­ren­di­te des künst­li­chen Booms schützt sie. Die Mit­tel­schicht aber, die die­se Mög­lich­kei­ten nicht hat, steht noch blö­der da und das Bes­te ist, sie merkt noch nicht ein­mal was vor sich geht. Die Wäh­rung wird suk­zes­si­ve ent­wer­tet, der Gross­in­ves­tor ist davor geschützt, nur der Mit­tel­stand nicht, der kapiert es aber nicht. Um das Gan­ze dann noch absur­der zu machen, empö­ren sich genau jene, deren Poli­tik die­se Fol­gen her­auf­be­schwört (SPD & Co), die Rei­chen wür­den immer rei­cher und die Armen immer ärmer.
  2. Dadurch, dass Sie das Gross­ka­pi­tal rich­ti­ger­wei­se als eine Par­tei die­ses Kar­tells iden­ti­fi­zie­ren, erwe­cken Sie den Ein­druck, es han­de­le sich bei der beschrie­be­nen Situa­ti­on um ein idea­les kapi­ta­lis­ti­sches Wirt­schafts­sys­tem. Mir ist klar, dass Ihnen wie­der­um klar ist (die Anspie­lung auf die Liber­tä­ren macht es deut­lich), dass dem nicht so ist, ich fin­de aber, man soll­te die­sen Punkt noch kla­rer her­aus­ar­bei­ten, denn sonst könn­te man ja wirk­lich auf den Gedan­ken kom­men, ‚Genos­se Lenin lag so falsch nicht’. Aber das hier beschrie­be­ne Wirt­schafts­sys­tem hat nicht mehr viel mit Kapi­ta­lis­mus zu tun. Es ist, was Lud­wig von Mises ‚Cro­ny Capi­ta­lism’ nann­te, eine Wirt­schafts­form, in der der Staat den Wett­be­werb zu Guns­ten von weni­gen Gross­kon­zer­nen gröss­ten­teils aus­ge­schal­tet hat und ein Mana­ger/­Po­li­ti­ker-Kar­tell die Wirt­schaft zum eige­nen Vor­teil lenkt. Wie tun sie das? Durch selek­ti­ve Steu­ern, Regu­lie­rung, Markt­ein­tritts­bar­rie­ren und so wei­ter. Ich fin­de, wir müs­sen mes­ser­scharf tren­nen und die Din­ge beim Namen nen­nen. Das beschrie­be­ne Sys­tem ist von Kapi­ta­lis­mus mei­len­weit ent­fernt, und wir müs­sen das auch deut­lich sagen.”
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