9. Januar 2018

Juhu, end­lich wie­der im Bun­des­tag, umzuckt von Geis­tes­blit­zen der natio­na­len Elite:

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Aus der Rei­he Pro­phe­ten im eige­nen  Land: „Wenn die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land einen fun­da­men­ta­len Rich­tungs­wan­del in Rich­tung Rot-Grün voll­zie­hen wür­de, dann wäre unse­re Arbeit der letz­ten 40 Jah­re umsonst gewe­sen. Das Schick­sal der Leben­den wäre unge­wiss, und das Leben der zukünf­ti­gen Genera­tio­nen wür­de auf dem Spie­le ste­hen. (…) Wir ste­hen vor der Ent­schei­dung: Blei­ben wir auf dem Boden tro­cke­ner, sprö­der, not­falls lang­wei­li­ger bür­ger­li­cher Ver­nunft und ihrer Tugen­den, oder stei­gen wir in das bunt­ge­schmück­te Nar­ren­schiff ‚Uto­pia’ ein, in dem dann ein Grü­ner und zwei Rote die Rol­le der Faschings­kom­man­dan­ten über­neh­men wür­den?„
Franz Josef Strauß am 7. Okto­ber 1986 (zu hören hier), nicht ahnend, dass sei­ne CSU den Ers­ten Offi­zier auf der von einer CDU-Kanz­le­rin geführ­ten und erst­mals als FDJ-Sekre­tä­rin ange­heu­er­ten, über die Top­pen rot-grün geflagg­ten ‚Uto­pia’ stel­len werde.

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„Anti­fa bleibt Hand­ar­beit”, sta­tu­ier­te die Spie­gel online-Autorin Mar­ga­re­te Sto­kow­ski in einer Kolum­ne namens „Links­fa­schis­mus muss All­tag wer­den” – sie schrieb „Anti­fa­schis­mus”, mein­te aber den ande­ren –, womit sie cou­ra­giert in den Spu­ren mei­ner trotz­dem unan­ge­foch­te­nen Spie­gel-Lieb­lingstö­rin Sibyl­le Berg wan­del­te, die eben­falls all­wö­chent­lich ihre fili­gra­ne Faust gegen rechts schüt­telt und in einer beson­ders schwe­ren Stun­de aus der Sicher­heit des Schwei­zer Exils ins Vier­te Reich droh­te: „Viel­leicht ist der Schwar­ze Block, die jun­gen Men­schen der Anti­fa, die Faschis­ten mit dem ein­zi­gen Argu­ment begeg­nen, das Rech­te ver­ste­hen, die ein­zi­ge Bewe­gung neben einem digi­tal orga­ni­sier­ten Wider­stand, die eine Wir­kung hat. Es wird nichts mehr von allei­ne gut. Die Regie­rung wird uns nicht ret­ten. (…) Die Zeit des Redens ist vor­bei.” (Mehr, ja prak­tisch alles dazu hier.)

In der taz sekun­dier­te nach dem Über­fall auf den Bre­mer AfD-Bun­des­tags­ge­ord­ne­ten Frank Magnitz, der übri­gens sechs Kin­der und eine tür­kisch­stäm­mi­ge Ehe­frau hat, eine Schild- und Schwert­maid namens Vero­ni­ka Kra­cher: „Dass#Magnitz zusam­men­ge­latzt wur­de ist übri­gens die kon­se­quen­te Durch­füh­rung von #Nazis­Raus. Abhau­en wer­den die nicht. Die wer­den sich bei der größ­ten mög­li­chen Bedro­hungs­si­tua­ti­on aber zwei­mal über­le­gen, ob sie offen faschis­ti­sche Poli­tik machen. Des­halb: mit ALLEN Mit­teln.” Und vice ver­sa? Es fällt schon auf, dass es oft Mädels sind, die sol­che Gewalt­phan­ta­sien ent­wi­ckeln. Wie sicher sich unse­re Lin­ken dabei füh­len, ist ein ver­läss­li­cher Indi­ka­tor für die Fried­fer­tig­keit der angeb­lich so gefähr­li­chen Oppo­si­ti­on, gegen die sie sich gemein­sam mit der Regie­rung, allen eta­blier­ten Par­tei­en, Kir­chen, Gewerk­schaf­ten, Uni­ver­si­tä­ten, Thea­tern, NGOs, Redak­tio­nen, Schu­len und Bor­del­len stem­men. Von den meis­ten Kämpfer*innen gegen „rechts” wür­de man nicht ein­mal die Nasen­spit­ze sehen, wenn sie Nach­tei­le davon hätten.

Mehr dazu und noch mehr lin­ken Gesin­nungs­lärm – auch mit, im wei­tes­ten Sin­ne, männ­li­chen Kom­bat­tan­ten – auf Publi­co.

Im Kin­der­stür­mer aus Kreuz­berg ent­spann sich eine Leser*innendebatte, die selbst der Redak­ti­on wahr­schein­lich auch gram­ma­ti­ka­lisch zu bunt (!) wurde:

hnida

Was die Ver­prü­ge­lung und Ermor­dung und hier infol­ge höchs­ter Erre­gung ver­ges­se­ne Ver­ge­wal­ti­gung abwechs­lungs­hal­ber „UNSCHULDIGER Men­schen” betrifft, emp­fiehlt sich die Lek­tü­re die­ser zwar peni­bel geführ­ten, aber kei­nes­wegs voll­stän­di­gen doku­men­ta­ri­schen (i.e.: mit Fak­ten het­zen­den) Webseite.

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Aus Izmir, dem ehe­ma­li­gen Smyr­na (also einer Stadt, die den Namen einer Ama­zo­ne trug), schreibt Hüs­eyin *** eine „kur­ze Anmer­kung zu Bre­men. Von lin­ker Sei­te hört man jetzt Argu­men­te wie: Gewalt gegen ‚Nazis’ die Hass schü­ren sei legi­tim oder wer Hass sät, wird Hass ern­ten oder ähn­li­ches wie, eine ande­re Spra­che ver­stün­den die­se Leu­te nicht usw. Jetzt also, wenn es in ihrem Sinn passt, dann ist Gewalt ok, rich­tig und legitim. 

Aber, gehen wir mal davon aus, dass die Angrei­fer höchst­wahr­schein­lich männ­lich waren. Ist das dann am Ende nicht ein Ein­ge­ständ­nis, für das Gro­be, für die Drecks­ar­beit auf Män­ner ange­wie­sen zu sein? Ohne Män­ner kann also Kampf gegen ‚rechts’ in ihrem Sin­ne nicht statt­fin­den. Grü­ne, Femi­nis­ten und Bun­tis­ten sind auf Män­ner, hin­lan­gen­de, Bru­ta­li­tät anwen­den­de Män­ner ange­wie­sen. Wenn es ihren Zwe­cken dient, dann ist Gewalt von Män­nern wie­der gut und nützlich.”

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Ita­li­ens Innen­mi­nis­ter Matteo Sal­vi­ni sprach auf Twit­ter von einer „bru­ta­len und bes­tia­li­schen Gewalt”. Er umar­me „Frank und sei­ne Fami­lie” und hof­fe, „dass die fei­gen Angrei­fer im Gefäng­nis ver­fau­len wer­den” (hier). Welch gro­tes­ke Ver­ken­nung der bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Rechts­pfle­ge! Die uns aber zum Blick aus dem Aus­land auf das bes­te Deutsch­land aller Zei­ten führt, wel­cher durch die­ses hörens­wer­te Inter­view lei­der völ­lig ver­zerrt wird.

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