14. Februar 2019

„The peop­le of Euro­pe need to wake up befo­re it is too late.” Also wo der Geor­ge Soros recht hat, hat er recht

                                          ***

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re räumt, wie ein Qua­li­täts­jour­na­list schrei­ben wür­de, ein, dass die Bun­des­re­gie­rung sich in der soge­nann­ten Flücht­lings­kri­se 2015 „von Stim­mun­gen lei­ten las­sen” habe – so der Minis­ter gegen­über der Bild-Zei­tung –, statt „nüch­ter­ner” zu han­deln. „Deutsch­land hät­te Bil­der von Was­ser­wer­fern gegen Flücht­lin­ge nicht aus­ge­hal­ten”, beteu­er­te de Mai­ziè­re, der nicht den „Blut­hund” (Gus­tav Noske) geben woll­te. Die Regie­rung hät­te rigi­de Maß­nah­men unter dem Druck der Volks­mil­de schnell wie­der zurück­neh­men müs­sen, ver­mu­tet der Minis­ter, was wie­der­um eine „Sog­wir­kung” erzeugt haben wür­de. Merk­wür­di­ger­wei­se gab ja genau das, eine Sog­wir­kung, ohne rigi­de Maß­nah­men, ver­ur­sacht durch Bahn­hofs­klat­scher, Kanz­le­rin­nen-Sel­fies, über­ge­schnapp­te Leit­ar­tik­ler und ande­re sym­bo­li­sche Schen­kel­öff­nun­gen, aber es wür­de auch eine Sog­wir­kung gege­ben haben, hät­te die Regie­rung der Flut weh­ren wol­len; „Sog, über­all Sog!” (so Hans Sachs im Sog-Mono­log, Meis­ter­sin­ger, Drit­ter Auf­zug). Damit bestä­tigt de Mai­ziè­re die Kern­aus­sa­ge aus Robin Alex­an­ders Buch „Die Getrie­be­nen”: Die Mer­kel­trup­pe habe aus Grün­den ver­mu­te­ter Stim­mun­gen im Lan­de und aus Angst vor „schlim­men Bil­dern” auf Grenz­si­che­rung und Schutz der ihr via Amts­eid anver­trau­ten Bevöl­ke­rung ver­zich­tet und das im Nach­hin­ein als ein Gebot höhe­rer Odnung, als Edel­mut, Afri­ka­ret­tung, Fach­per­so­nal­re­kru­tie­rung und not­we­ni­ge Gesell­schafts­ver­bun­tung verkauft. 

Bemer­kens­wert ist an de Mai­ziè­res Aus­sa­ge, dass er den Deut­schen eine Mit­schuld dar­an gibt, wenn in ihren Stra­ßen, Parks und öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln nun­mehr die Dar­win awards eröff­net sind, von denen ein fröh­li­cher Oppor­tu­nist im Ran­ge eines Minis­ters natur­ge­mäß nichts mit­be­kommt. Lag jener Eng­län­der, der Deutsch­land einen „Hip­pie-Staat” nann­te, am Ende gar nicht so verkehrt?

Ver­mu­te­te Stim­mun­gen in der Bevöl­ke­rung, das ist nun frei­lich ein son­der­ba­res Kri­te­ri­um für poli­ti­sches Han­deln, zumal sol­che Stim­mun­gen ja sonst kaum ins Gewicht fal­len. Tat­säch­lich hat die Regie­rung pri­mär auf Stim­mun­gen in der Öffent­lich­keit reagiert, also in jenem Teil der Bevöl­ke­rung, der medi­al tat­säch­lich reprä­sen­tiert wird, dem „Über­bau”, jener bun­ten, oft­mals staats­a­li­men­tier­ten Gauk­ler-Welt aus Medi­en, Par­tei­ap­pa­ra­ten, Stif­tun­gen, Ver­la­gen, Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen, Kir­chen, Uni­ver­si­tä­ten, Gewerk­schaf­ten etc. pp., dem all jene „Wir sind mehr”- oder „Wir sind viele”-Krakeeler ent­stam­men, denen heu­te die Luft dünn wird und bei denen die Angst wächst vor dem sei­ner­seits wach­sen­den Erfolg der Rechts­po­pu­lis­ten, weil die ihnen die Sub­ven­tio­nen strei­chen wer­den, sobald sie irgend­wo regie­ren. Die Regie­rung han­del­te im sel­ben wit­tern­den Modus wie beim Atom­aus­stieg. Dass die Stim­mung eines durch und durch para­si­tä­ren Milieus, des­sen Anteil an der gesell­schaft­li­chen Wert­schöp­fung unge­fähr dem Mer­kel­schen Anteil an der Ver­ede­lung der deut­schen Spra­che ent­spricht, dass die­ses Milieu die bis­lang kata­stro­phals­ten Ent­schei­dun­gen einer Bun­des­re­gie­rung her­bei­zwin­gen konn­te, illus­triert sehr pla­ka­tiv, dass die Agen­ten der kul­tu­rel­len Hege­mo­nie und Inva­so­ren des vor­po­li­ti­schen Rau­mes von Gram­sci bis Dutsch­ke die rich­ti­ge Stra­te­gie wähl­ten. In medi­al gelenk­ten Gesell­schaf­ten herrscht der­je­ni­ge, der über die Stim­mung im öffent­li­chen Raum gebie­tet und die Regie­ren­den zum Appor­tie­ren zwin­gen kann. Dass sie dabei am eige­nen Ast sägen, ist Lin­ken eigentümlich.

Dank der neu­en Medi­en und dem Auf­stieg der Popu­lis­ten neigt sich die­se Herr­schaft euro­pa­weit ihrem Ende zu. Das erklärt die Wut und den Eifer, mit dem die Sach­wal­ter des Sta­tus quo die neu­en Kon­kur­ren­ten bekämp­fen und eine Ver­bots­dro­hung nach der ande­ren prä­sen­tie­ren, ob nun das Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz, die Erklä­rung der ein­zi­gen Oppo­si­ti­ons­par­tei zum Verfassungsschutz-„Prüffall” – wo Lan­des­ver­rat Staats­rä­son ist, wird Recht­s­treue zum Ver­fas­sungs­bruch –, die immer neu­en Denun­zia­ti­ons­auf­ru­fe, die immer neu­en Anläu­fe, das Inter­net zu kon­trol­lie­ren und Algo­rith­men zu ent­wi­ckeln, die fal­sche Gesin­nun­gen auf­spü­ren und auto­ma­tisch besei­ti­gen sol­len. Oder eben das „Framing”-Papier der ARD, über das Don Alp­hon­so treff­lich schreibt:

„Ich ver­ste­he, war­um die Zwangs­ge­büh­ren-ARD ihr Framing­mach­werk nicht in der Öffent­lich­keit sehen will. Es ent­hält man­nig­fal­ti­ge Hin­wei­se, was die­se Leu­te hier auf gar kei­nen Fall über sich lesen wol­len. Im Kern ist es ein Leit­fa­den zum Trol­len. Natür­lich ist das Ding vol­ler empö­ren­der Ein­las­sun­gen, wie sich da eine Pfrün­den­kas­te den Bauch pin­seln lässt. Aber ganz ehr­lich, wer so etwas nötig hat, hat Angst. Die Angst tropft da aus allen Zei­len. Angst allein vor den Bezah­lern, kei­ne Angst vor der Politik.”

PS: Selbst­ver­ständ­lich ist es vor allem der Sog und weni­ger der Druck, der die sog. Flücht­lings­strö­me nach Euro­pa lenkt; der Druck wür­de sich in die unmit­tel­ba­ren Nach­bar­län­der verteilen.

                                            ***

Das vor­ges­tern hier gepos­te­te Zitat von Wal­ter E. Wil­liams hat eini­ge Leser befrem­det. „Der radi­ka­le liber­tä­re Libe­ra­lis­mus ist aso­zi­al”, schreibt, stell­ver­tre­tend für ande­re zitiert, Leser ***. „Wegen sei­ner Käl­te. Es schüt­telt einen. Trotz sei­ner strin­gen­ten Begrün­dung. Wenn Sie das ver­tre­ten, wün­sche ich Ihnen nicht, daß Sie mal in eine Lage kom­men, von der Barm­her­zig­keit Ihrer Mit­men­schen abhän­gig zu sein.”

Ich mei­ne, geehr­ter Herr ***, man kann die­se Wor­te auch anders lesen. Wil­liams schlägt vor, dass der­je­ni­ge, der etwas vom dem begehrt, was er nicht ver­dient hat, dafür Argu­men­te lie­fern soll. Wenn die Anwort lau­tet: Es steht mir nicht zu, aber ich bin in Not, wür­den das auch die meis­ten Liber­tä­ren akzep­tie­ren; von denen, die ich per­sön­lich ken­ne, sogar alle. Aber der Men­schen­schlag, der für sei­ne schie­re Anwe­sen­heit auf die­sem schö­nen Pla­ne­ten eine Belo­hung ohne Gegen­leis­tung for­dert, ein Grund­ein­kom­men bei­spiels­wei­se, soll­te Grün­de dafür lie­fern. Weil die­se tris­ten Figu­ren genau wis­sen, dass sie kei­ne vor­wei­sen kön­nen, aber für den direk­ten Raub zu fei­ge sind, tun sie, was Lin­ke immer tun: Sie for­dern etwas stell­ver­tre­tend im Namen einer Grup­pe oder „aller”.

                                           ***

Die­ses Bild zeigt eine jahr­hun­der­te­lan­ge Normalität:

image 969178 860 poster 16x9 ysqb 969178

Fang und Ver­kauf schwar­zer Skla­ven, mit all den grau­si­gen Begleit­erschei­nun­gen die­ses Geschäfts, lagen jahr­hun­der­te­lang fest in mus­li­mi­scher Hand. Dar­über spricht heu­te nie­mand, denn als Skla­v­erei­gesell­schaft soll ein­zig die Herr­schaft der wei­ßen Män­ner am Pran­ger ste­hen – unge­ach­tet der Tat­sa­che, dass nur dort, wo wei­ße Män­ner herrsch­ten, die Skla­ve­rei auch wie­der abge­schafft wur­de. Im Unter­schied zur mus­li­mi­schen ist die­se Gesell­schaft zur Selbst­be­zich­ti­gung nicht nur bereit, man könn­te viel­mehr sagen: Ihre Wort­füh­rer sind geil danach. Zum Zwei­ten und Wich­ti­ge­ren: Es gibt in den mus­li­mi­schen Län­dern nichts zu holen. Wo kei­ne Beu­te winkt, wird auch nicht moralisiert. 

                                           ***

Höhe­punk­te der Will­kom­mens­kul­tur: In Nor­we­gen herrscht Angst vor schwe­di­schen Ver­hält­nis­sen (hier). Frü­her waren die schwe­di­schen Gar­di­nen maß­stäb­lich; heu­te fin­den die Ver­ur­sa­cher schwe­di­scher Ver­hält­nis­se nicht mehr alle Platz dahinter.

Am bes­ten gefällt mir – und damit wären wir auch wie­der bei Wal­ter E. Wil­liams – der Pas­sus: „Die Stadt Oslo schätz­te vor ein paar Jah­ren, dass 50 bis 70 Pro­zent der Soma­li­er die ille­ga­le Dro­ge Khat kon­su­mie­ren. Da sie bis mor­gens um vier oder fünf Khat kau­en und danach den gan­zen Tag schla­fen, oblie­ge die Ver­sor­gung der Fami­lie den Frau­en.” Und dafür sind sie extra nach Skan­di­na­vi­en geflo­hen. Ist das nicht rüh­rend? Aber ist es auch sinnvoll?

Total
0
Shares
Vorheriger Beitrag

12. Februar 2019

Nächster Beitrag

15. Februar 2019

Ebenfalls lesenswert

11. September 2021

Im Traum ging ich in eine Buch­hand­lung und erkun­dig­te mich bei der Ver­käu­fe­rin, ob sie Bücher habe, in…

12. September 2018

                                    *** Bemer­kens­wer­te Sze­ne im Bun­des­tag. Alex­an­der Gau­land, AfD, erklärt in sei­ner Rede, Hit­ler­grü­ße sei­en „unap­pe­tit­lich und straf­bar”…

Ein Zwischenruf aus den Ferien

Ber­tels­mann-Stu­die: „96 Pro­zent der Mus­li­me ste­hen hin­ter der erfolg­rei­chen Sozi­al­po­li­tik der Par­tei­en- und Staats­füh­rung!„Spie­gel online: „Nach mona­te­lan­gem Schwei­gen…

10. April 2019

„Haben Sie”, fragt ein Gast im fran­zö­si­schen Restau­rant den Kell­ner, „haben Sie Ama­ret­to?„Ant­wort: „Ja. Leider.”                                     *** Vor…