22. Februar 2019

Die Grü­nen haben heu­te im Bun­des­tag einen Antrag vor­ge­stellt, der die Bun­des­re­gie­rung auf eine „femi­nis­ti­sche Außen­po­li­tik” ver­pflich­ten will und zu den kurio­ses­ten Doku­men­ten der deut­schen Par­la­ments­ge­schich­te gehört. Er ver­langt nicht nur, dass Deutsch­land sei­ne Außen­po­li­tik am Geschlech­ter­ver­ständ­nis der Grü­nen ori­en­tier­ten möge, was drol­lig genug wäre, son­dern for­dert zudem, dass die Bun­des­re­gie­rung aus der Welt einen Ort machen soll, an dem jeder Mensch glück­lich ist: „Ziel einer femi­nis­ti­schen Außen­po­li­tik ist die Gleich­heit und die Frei­heit aller Men­schen vor Not und vor Furcht.”

Frei­lich: Die For­mu­lie­rung „Gleich­heit vor Not und Furcht” beschreibt zum Bei­spiel die Situa­ti­on von Schiff­brü­chi­gen oder der meis­ten Ein­woh­ner Vene­zue­las; die Wen­dung „Frei­heit vor Not und Furcht” wie­der­um ist seman­ti­scher Non­sens. War­um der Grü­nen-Antrag expli­zit die Euro­pä­er dafür anpran­gert, Frau­en zu unter­drü­cken – „die Rech­te von Frau­en und mar­gi­na­li­sier­ten Grup­pen (sind) durch Popu­lis­tin­nen und Popu­lis­ten, Auto­kra­tin­nen und Auto­kra­ten und Rechts­staat­ver­äch­te­rin­nen und ‑ver­äch­tern in Euro­pa und über­all auf der Welt unter Beschuss gera­ten” –, wäh­rend Welt­tei­le, in denen Frau­en tat­säch­lich unter­drückt wer­den, kei­ne Erwäh­nung fin­den, erzäh­le ich gleich. Dass den Grü­nen nicht der Sinn danach steht, Not und Furcht im eige­nen Lan­de zu redu­zie­ren, bei­spiels­wei­se die Not der deut­schen Obdach­lo­sen oder die Furcht der Schicht­ar­bei­te­rin auf dem abend­li­chen Heim­weg in der Bahn, wenn Sie wis­sen schon wer zusteigt, hat damit zu tun, dass spe­zi­ell die Kli­en­tel der Grü­nen eher not­frei und furcht­los lebt. Ein wei­te­res Kurio­sum besteht dar­in, dass der Antrag die schwe­di­sche femi­nis­ti­sche Außen­po­li­tik als Vor­bild nennt, also die Außen­po­li­tik eines Lan­des, das inter­na­tio­nal nir­gends eine Rol­le spielt, aus­ge­nom­men in den Ver­ge­wal­ti­gungs­sta­tis­ti­ken, wo es inzwi­schen im inter­na­tio­na­len Maß­stab ganz weit vorn liegt; viel­leicht soll­ten sich die Nord­lich­ter bes­ser um Innen­po­li­tik kümmern.

Aber gut, die Grü­nen reden von Außen­po­li­tik und behaup­ten, es gäbe nur dann einen „sta­bi­len Frie­den und eine nach­hal­tig erfolg­rei­che sozia­le und wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung (…) wenn die Belan­ge von Frau­en, Mädchen und mar­gi­na­li­sier­ten Grup­pen” zu deren „Leit­bild” wer­den. Die deut­sche Außen­po­li­tik soll also nicht deut­sche Inter­es­sen ver­tre­ten, son­dern, ers­tens, die Inter­es­sen deut­scher „Frau­en, Mäd­chen und mar­gi­na­li­sier­ter Grup­pen”, und, zwei­tens, die Inter­es­sen von „Frau­en, Mäd­chen und mar­gi­na­li­sier­ten Grup­pen” über­all in der Welt. Da kei­ne der genann­ten Grup­pen in irgend­ei­ner Wei­se über spe­zi­el­le Gre­miem ver­fügt, die deren Bedürf­nis­se über­haupt arti­ku­lie­ren, dür­fen wir davon aus­ge­hen, dass die grü­ne Bun­des­tag­frak­ti­on die­ses Gre­mi­um ist. Der Zweck der Außen­po­li­tik ist also die inter­na­tio­na­le Frau­en­för­de­rung im Sin­ne der damit vom Welt­geist beauf­trag­ten deut­schen Grünen. 

Eine Visi­on, wie die künf­ti­ge femi­nis­ti­sche Außen­po­li­tik aus­schau­en könn­te, hat die Bun­des­tags­vi­ze­prä­si­den­tin bei ihren Iran­be­su­chen ver­mit­telt, wo Frau Roth stets mit einem kleid­sa­men Kopf­tuch auf­trat, das ihr eine domi­nan­te Posi­ti­on gegen­über ihren bar­häup­ti­gen Gesprächs­part­nern ver­lieh, denen sie wahr­schein­lich von der struk­tu­rel­len Unter­drü­ckung der Wei­ber in Euro­pa erzähl­te. Zwar haben ira­ni­sche Frau­en gegen Frau Roths Auf­trit­te mit dem angeb­lich patri­ar­cha­li­schen Unter­drü­ckungs­sym­bol pro­tes­tiert, aber was ver­ste­hen die schon von moder­ner Außen­po­li­tik; die ken­nen ja nicht mal „Ton Stei­ne Scherben”.

Nach dem Wil­len der Grü­nen soll sich die Bun­des­re­gie­rung über­dies dafür ein­set­zen, „dass Kon­struk­tio­nen von Geschlech­ter­rol­len in militärischen Kon­tex­ten reflek­tiert wer­den”. Sie haben lei­der nicht dazu­ge­schrie­ben, ob vor oder nach dem Gefecht. Der Grü­nen-Antrag for­dert außer­dem mehr weib­li­che Ein­satz­kräf­te in inter­na­tio­na­len Frie­dens­mis­sio­nen, weil deren Anwe­sen­heit bei­spiels­wei­se in Mali oder Afgha­ni­stan die häus­li­che Gewalt redu­zie­re. Wie wäre es denn, wenn die eman­zi­pier­tes­te aller Par­tei­en hie­nie­den als Test­lauf die Bun­des­re­gie­rung auf­for­dern, min­des­tens 50 Pro­zent weib­li­che Body­guards zu beschäf­ti­gen? Um die 50 Pro­zent geht es den Grü­nen letzt­lich, und im zwei­ten Teil ihres Papiers wer­den sie dann deut­lich und for­dern: eine 50-Pro­zent-Quo­te für Frau­en im höheren Auswärtigen Dienst sowie die pari­tä­ti­sche Beset­zung aller Botschafterposten. 

Was uns zur ange­kün­dig­ten Ant­wort auf die Fra­ge führt, war­um in dem Grü­nen-Antrag weder die Län­der genannt wer­den, in denen die Gleich­be­rech­ti­gung der Frau­en bis­lang nur gegen­über Nutz­tie­ren gilt, noch jene Reli­gi­on, in wel­cher das eine sozia­le Kon­strukt vom ande­ren bis zu Stü­cker vier besit­zen und zwei­fels­falls hau­en darf, aber die patri­ar­cha­li­schen Euro­pä­er denn doch. Den Grü­nen sind die Frau­en in die­sen Län­dern völ­lig schnup­pe. Ihnen sind ja sogar die Kon­strukts­ge­nos­sin­nen in Deutsch­land schnup­pe, sofern sie zum fal­schen Milieu gehö­ren. Unter dem Vor­wand, sie woll­ten Frau­en im Aus­land hel­fen, wol­len die die Grü­nen grü­ne Frau­en im Inland pri­vi­le­gie­ren. Das ist der ein­zi­ge Zweck des gan­zen Gedöns.

Im Übri­gen ist das alles ein Jahr bzw. 1950 Jah­re v. d. G. bereits detail­liert und all­gül­tig beschrie­ben wor­den, näm­lich hier.

                                       ***

Ein Leser sen­de­te mir die­se Grafik.

co2

Nur mal so zum Medi­tie­ren über den Zusam­men­hang von Heu­cheln und Han­deln. Viel­leicht aber ent­schärft die­se Sta­tis­tik eini­ges – mit Aus­nah­me des Heu­chelns natürlich.

                                         ***

Eines Tages, ich wür­de tip­pen irgend­wann Mit­te der 90er Jah­re, gab es end­lich mehr Pro­pa­gan­da­fil­me über NS-Pro­pa­gan­da­fil­me als NS-Propogandafilme.

Total
0
Shares
Vorheriger Beitrag

21. Februar 2019

Nächster Beitrag

25. Februar 2019

Ebenfalls lesenswert

1. Dezember 2018

„Der Mensch, der sich lächer­li­chen Hoff­nun­gen hin­gibt, ist, wie es scheint, auf irgend­ei­ne Art ein bes­se­rer Bür­ger als…

30. Januar 2018

In prak­tisch jedem Text über Michel Hou­el­le­becq steht zu lesen, er sei ein Pro­vo­ka­teur. Also mich hat er…

9. Februar 2019

Bei einem Fläsch­lein sor­ten­rei­nen Syrahs von der Nord­rhô­ne sit­zend (Domai­ne Jamet, ein sehr lecke­res Stöff­chen), lese ich die­se…

18. Mai 2019

„Wis­sen Sie, was Gleich­schal­tung ist? Dass die Freun­de sich gleich­schal­te­ten. (…) Es war als ob sich ein lee­rer…