25. Februar 2019

„Die Nazis wer­den Nazis genannt, aber nicht Nasos. War­um hei­ßen die Jusos dann Jusos, aber nicht Juzis?”
(Leser ***)

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Unser­ei­nem kann nichts Lang­wei­li­ge­res wider­fah­ren, als mit einem soge­nann­ten Offi­zi­el­len, ob er nun aus der Poli­tik, der Wirt­schaft, der Kul­tur­bran­che oder woher auch immer stam­me, in grö­ße­rer Run­de zusam­men­zu­sit­zen, denn es gibt kein ein­zi­ges The­ma mehr, zu dem sich ein sol­cher Mensch öffent­lich unbe­fan­gen äußern könn­te. Jeder Scherz, jede dezi­dier­te Mei­nung bringt ihn in Teu­fels Küche. Das eins­ti­ge Small-talk-The­ma Nr. 1 ist heu­te kom­plett ver­mint, bereits die Erklä­rung, man fin­de eine Frau attrak­tiv oder begeh­rens­wert, stellt den Spre­cher als Sexis­ten und ver­setz­ten Beläs­ti­ger bloß; poli­ti­sche The­men mei­det der halb­wegs Kul­ti­vier­te bei Tische ohne­dies, doch heu­te drängt ihn alles zu dem Bekennt­nis, wen er gefäl­ligst zu has­sen hat; jede Urlaubs­er­zäh­lung kol­li­diert mit der Kli­ma­bi­lanz; jede kuli­na­ri­sche Schwel­ge­rei ent­larvt den Tier­quä­ler und unso­zia­len Ver­schwen­der. Doch selbst durch eine unver­fäng­li­che Bemer­kung wie etwa jene, dass man für sei­ne Kin­der die Uni­ver­si­tät A bevor­zugt oder Kat­zen mag, steht der Spre­cher schnell im Ruch, die Uni­ver­si­tä­ten B – Z gering­zu­schät­zen oder ein Hun­de­has­ser zu sein. 

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Die desi­gnier­te Mer­kel-Nach­fol­ge­rin AKK hat sich nun eben­falls für Frau­en­qou­ten in der Poli­tik erklärt und bei die­ser Gele­gen­heit den Grü­nen ihre Koali­ti­ons­breit­schaft ver­si­chert. Die neue Uni­ons­füh­re­rin will also die demo­kra­ti­schen Spiel­re­geln (One man, one vote) außer Kraft set­zen – was mich, geneig­ter Besu­cher des klei­nen Eck­la­dens, herz­lich wenig schert, glau­ben Sie mir, aber die­ser Funk­tio­nä­rin eigent­lich das poli­ti­sche Genick bre­chen müss­te. Noch mal zum Mit­schrei­ben: Die Frau­en­quo­te bedeu­tet, dass die­je­ni­gen Frau­en, die in die Politk gegan­gen sind, davon pro­fi­tie­ren sol­len, dass ande­re nicht in die Poli­tik gehen. Also genau das Gegen­teil von dem, was sie angeb­lich bewir­ken soll. Wer will, dass mehr Frau­en poli­ti­sche Man­da­te oder Ämter bekom­men, muss dafür wer­ben, dass sich mehr Frau­en in die Poli­tik ver­ir­ren. Der­zeit sind eben nur knapp über 30 Pro­zent aller Par­tei­mit­glie­der in Deutsch­land weib­lich. Ein Kegel­ver­ein, der 70 männ­li­che und 30 weib­li­che Mit­glie­der hat, bricht sämt­li­che demo­kra­ti­schen Regeln, wenn er in sei­nen Sta­tu­ten fest­schreibt, dass die Hälf­te der Vor­stands­pos­ten von Frau­en besetzt wer­den muss. (Das heißt übri­gens nicht, dasss nicht sämt­li­che die­ser Pos­ten von Frau­en besetzt wer­den könn­ten, sie soll­ten eben nur gewählt werden.)

Nach der herr­schen­den Logik müss­te der poli­ti­sche Druck, eine Frau­en­quo­te ein­zu­rich­ten, des­to höher stei­gen, je weni­ger Frau­en in die Poli­tik wol­len. Er wäre am stärks­ten, wenn gar kei­ne Frau mehr in die­se edle Bran­che streb­te. Nun kön­te man ein­wen­den, dass es die Mädels halt nicht so mit der Logik haben, aber jene des Macht­er­webs funk­tio­niert ja immer­hin. Pos­ten nicht nach Ver­dienst und Eig­nung, son­dern nach Geschlecht zu ver­tei­len – kann es unter den Prä­mis­sen glei­cher Chan­cen und Rech­te etwas Ver­gau­ner­te­res geben? Ich fra­ge mich, wer sol­che Figu­ren wählt, vor allem wel­cher Mann? 

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Schreck­li­ches ist gesche­hen zu Hildburghausen!
Im loka­len Amts­blatt ward das Trau­er­pro­gramm anläss­lich eines Bom­ben­an­grif­fes der USAAF aus dem Jahr 1945 abge­druckt, bei dem eine unge­nann­te Zahl von Men­schen star­ben, und zwar ohne flan­kie­ren­de, ein­ord­nen­de, die Leser­schaft auf­klä­ren­de, ja auf­rüt­teln­de Begleit­wor­te. Die Nazis beka­men das Wort im Amts­blatt! Ein Schat­ten fiel auf das bes­te Hild­burg­hau­sen, das es je gab.
 
Lese­rin ***, die mich auf den Skan­dal hin­wies, über­nahm dan­kens­wer­ter­wei­se auch gleich den Kommentar:
„Frü­her lau­te­te das Programm:
1. Trau­er­marsch
2. Ein Wort des Führers
3. Män­ner­chor ‚Nichts kann uns rauben’
4. Gedenk­an­spra­chen des Kreis­lei­ters, des Stand­ort­äl­tes­ten der Wehr­macht und des Ers­ten Bürgermeisters
5. Fei­er­li­che Musik
6. Ehrung der Toten mit Auf­ruf der Namen
7. Musik ‚Ich hatt einen Kameraden’
8. Män­ner­chor ‚Mah­nung’
9. Ein Wort des Führers
10. Die Lie­der der Nation

Heut­zu­ta­ge wür­de das Pro­gramm selbst­ver­ständ­lich ganz anders lau­ten, käme es mal wie­der zu einem Ter­ror­an­schlag, par­don, der Tat eines Einzelnen:

1. Beto­nen der über­re­gio­na­len Irrelevanz
2. Kein Wort der Kanzlerin
3. Medi­en­chor ‚Hat es schon immer gegeben’
4. Zu Tole­ranz mah­nen­de Anspra­che des ört­li­chen Grüßaugust
5. Par­ty­mu­sik von Fei­ne Sah­ne Fisch­fi­let ‚123, Kartoffelbrei’
6. Schmä­hung der Toten und Ver­schwei­gen der Namen
7.  Tira­de von Kat­rin Göring‑E: ‚Wider die Instrumentalisierung’
8. Medi­en­chor ‚Wir schaf­fen das’
9. Kein Wort der Kanzlerin
10. Block­flö­ten­lie­der der Nation”
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