1. März 2019

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Jor­dan Peter­sons Buch „12 Rules For Life” beginnt mit einem inzwi­schen bei­na­he klas­si­schen Hum­mer-Gleich­nis, also der Beschrei­bung des Revier­ver­hal­tens der Groß­kreb­se als eine Art Prä­lu­di­um zur Betrach­tung des zwar unend­lich kom­ple­xe­ren, aber immer noch ver­wand­ten mensch­li­chen Ter­ri­to­ri­al­ver­hal­tens. Hum­mer haben ein aus­ge­präg­tes Bedürf­nis nach einem eige­nen Stück Mee­res­bo­den, sie ver­trei­ben alle Art­ge­nos­sen aus ihrer Nähe, was, wenn zwei das Glei­che tun, zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen ver­schie­de­nen Här­te­gra­des führt, an deren Ende es immer einen Sie­ger und einen Ver­trie­be­nen gibt. Die Aggres­si­ons­le­vel stuft Peter­son von I bis IV, wobei die Ent­schei­dung über Sieg und Rück­zug auf dem ers­ten Level noch ohne Kör­per­kon­takt fällt, wäh­rend auf dem vier­ten eine rich­ti­ge Schlacht statt­fin­det, bei wel­cher Glied­ma­ßen, Augen oder Füh­ler abge­zwickt wer­den und blei­ben­de Schä­den zurück­blei­ben kön­nen. Und dann geschieht das Frappierende:

„In the after­math of a losing batt­le, regard­less of how aggres­si­ve­ly a lobs­ter has beha­ved, it beco­mes unwil­ling to fight fur­ther, even against ano­t­her, pre­vious­ly defea­ted oppo­nent. … If a domi­nant lobs­ter ist bad­ly defea­ted, its brain basi­cal­ly dis­sol­ves. Then it grows a new, subordinate’s brain.” Und zwar nicht bei denen, die schon auf dem Level 1 den Rück­zug antra­ten, son­dern bei den wirk­lich schwer Geschlagenen.

War­um muss­te ich bloß spon­tan an Deutsch­land denken…?

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Der deut­sche Außen­mi­nis­ter Hei­ko Maas sitzt wegen eines Defekts an sei­ner Regie­rungs­ma­schi­ne in Mali fest. „In den ver­gan­ge­nen Mona­ten war es immer wie­der zu Pan­nen bei der Flug­be­reit­schaft gekom­men. Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel kam des­we­gen Ende Novem­ber zu spät zum G20-Gip­fel in Bue­nos Aires. Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler (CSU) blieb im Janu­ar für län­ge­re Zeit in Sam­bia hän­gen, muss­te sogar einen Besuch in Nami­bia absa­gen. Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­mei­er steck­te im Novem­ber wegen eines Trieb­werks­de­fekts stun­den­lang in Süd­afri­ka fest und wenig spä­ter dann noch ein­mal in Äthiopien.” 

Ich hal­te die­se Mel­dun­gen für sym­pto­ma­tisch. Ich wer­te sie als Mei­len­stei­ne bei der Trans­for­ma­ti­on eines Lan­des der Tech­ni­ker und Inge­nieu­re in eine von Gen­der­be­auf­trag­ten und Poli­to­lo­gen gepräg­te Bana­nen­re­pu­blik. Wenn die Deut­schen tech­nisch erst ein­mal auf einem ver­gleich­ba­ren Niveau ange­kom­men sind wie es, sagen wir, die grü­ne Bun­des­tags­frak­ti­on intel­lek­tu­ell vor­lebt, wird zusam­men­wach­sen, was zusam­men­ge­hört (sofern es nicht vor­her abge­stürzt ist). 

Dazu drei wei­ter­füh­ren­de Links. „ ‚Ich gebe nur noch gute Noten’. Ist es gerecht, Schü­lern die Zukunft zu ver­bau­en, weil Leh­rer ihnen schlech­te Noten geben? Das hat sich eine Leh­re­rin gefragt – und ent­schie­den: Bei ihr besteht jeder das Abitur” (hier); „Den Begriff ‚divi­die­ren’ ver­steht kaum noch ein Schü­ler” (hier); „Grü­ne set­zen sich mit For­de­rung durch: Hes­si­sche Schu­len dür­fen künf­tig auf Noten ver­zich­ten” (hier).

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„Aber was tun Sie da?”, rief der Wein­freund ent­setzt, als er sah, dass der Wein­groß­händ­ler alle Fla­schen ent­kor­ken und in Fäs­sern zusam­men­schüt­ten ließ, unter­schieds­los alle, Weiß- und Rot­wei­ne, gro­ße Bor­deaux und klei­ne Sau­ser aus der neu­en Welt, Temp­r­anil­los und Ries­lin­ge, Mal­becs und Pinot Gri­gi­os, Cham­pa­gner und Rosés obendrein.

„Ich set­ze mich für Viel­falt ein”, erwi­der­te der Groß­händ­ler streng.

„Nein, Sie ver­der­ben alles!”, klag­te der Vinophile.

„Ja haben Sie das gehört”, wand­te sich der Händ­ler ent­rüs­tet an die Umste­hen­den. „Die­ser Mann hetzt gegen Buntheit!”

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Fabel­haf­te For­mu­lie­rung von Nor­bert Bolz: „Dar­wi­nis­mus des Kon­for­mis­mus”. Der Medi­en­phi­lo­soph beschreibt die kon­for­mi­täts­för­der­li­chen Mecha­nis­men hin­ter den Talk­show-Ein­la­dun­gen, um begreif­lich zu machen, war­um fast nie einer der Teil­neh­mer (mit Aus­nah­me der AfD-Tschanda­las) den Kor­ri­dor des Geneh­men und Gewünsch­ten ver­lässt. Es fin­den näm­lich vor­her regel­rech­te Cas­tings statt, jeder poten­ti­el­le Gast wird peni­bel befragt, was er zu die­ser oder jener Fra­ge ant­wor­ten wür­de (das The­ma steht ja vor­her fest), was ich bestä­ti­gen kann, denn ich wur­de ein­mal sel­ber gecas­tet (wobei ich einen guten Auf­schlag hat­te, denn das Fräu­lein, das mich anrief, stell­te sich als „Sowie­so sowie­so, Hart aber fair” vor, und ich ver­setz­te: „Klo­n­ovs­ky, hart”, was ihr ein spon­ta­nes Kichern ent­lock­te); es ging damals um „den Islam”, und sie befrag­te mich aus­führ­lichst, aber am Ende mach­te eine Islam­ken­ne­rin namens Lisa Fitz statt mei­ner das Ren­nen. – Bis­wei­len bie­tet der Sen­der­ver­tre­ter auch „Deals” an. Da nahe­zu jeder, also auch ehren­wer­te Pro­fes­so­ren wie Bolz aus Eitel­keits- und Popu­la­ri­täts­grün­den ins TV wol­len, las­sen sich vie­le auf sol­che „Deals” ein (bzw. äußern schon von Hau­se aus das Gewünsch­te). Und die­sen Kampf um die limi­tier­ten Plät­ze nennt Bolz treff­lich: „Dar­wi­nis­mus des Kon­for­mis­mus” (hier, ab 9,00). Erin­nert ein bis­serl an die Spie­gel online-Kolum­nis­ten, die auch alle­samt immer die­sel­be Mei­nung ver­tre­ten und sich dann gegen­sei­tig mit immer schril­le­ren For­mu­lie­run­gen, Invek­ti­ven und For­de­run­gen über­bie­ten müssen.

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Wie­der ist ein Monat ins bes­te Deutsch­land ever gegan­gen, und wir kom­men, wenn auch einen Tag ver­spä­tet, zur Monats­end­fi­gur. Sie soll­te hier schon lan­ge ein­mal auftauchen.

in c3 a9s arrimada sin duda una triunfadora en las elecciones catalanas foto ciutadans

Inés Arri­ma­das Gar­cía, stu­dier­te Juris­tin, ist seit 2012 Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Ciu­da­da­nos-Frak­ti­on im kata­la­ni­schen Parlament. 

Wie gewohnt geht zum Monats­en­de der Klin­gel­beu­tel um, mit einem herz­haf­ten Dan­ke­schön an all jene, die ihn auch im ver­gan­ge­nen Monat befüllt haben; alle ande­ren kli­cken bit­te hier.

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