19. März 2019

Ges­tern Abend auf N24 Sen­dung über den Ein­satz der Dro­ge Per­vi­tin – ein Ende der 1930er Jah­re erfun­de­nes Metam­phet­amin – bei der Wehr­macht. Der tre­mo­lie­ren­de Duk­tus des Bei­tra­ges läuft auf die Anschul­di­gung hin­aus: Hit­lers Armee war gedopt. Ähn­lich wie im Fal­le Lan­ce Arm­strongs, des­sen Über­le­gen­heit über die ande­ren Gedop­ten ja auch depri­mie­rend war, wird die Affä­re wohl damit enden, dass man der Wehr­macht nach­träg­lich sämt­li­che Sie­ge aberkennt, vor allem den über Frankreich.

                                   ***

In, wie man sagt, dür­ren Wor­ten ver­mel­det die FAZ eine per­so­nel­le Ver­än­de­rung: „Hol­ger Steltz­ner ist aus dem Kreis der Her­aus­ge­ber der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung aus­ge­schie­den. Die Grund­la­ge für eine wei­te­re ver­trau­ens­vol­le Zusam­men­ar­beit mit den ande­ren Her­aus­ge­bern war nicht mehr gegeben.”

Was mag der Grund für den Ver­trau­ens­ver­lust gewe­sen sein? Wer auf der Web­sei­te der Zei­tung nach den Text­bei­trä­gen des Ver­trau­ens­ver­spie­lers schau­en mag, fin­det sie hier. Ein Bei­trag fällt beson­ders ins Auge: „Die Ret­tung des Welt­kli­mas hat hier­zu­lan­de längst den Rang einer Ersatz­re­li­gi­on ein­ge­nom­men.” Nur Schel­me ver­mu­ten einen Zusam­men­hang. Ein Ken­ner der Bran­che ver­mu­tet mit der ihn aus­zeich­nen­den Süf­fi­sanz eben­falls ein Abwei­chen vom Pfad der Tugend als Tren­nungs­an­lass. Viel­leicht räumt die Gazet­te ja den Zwei­fel aus…

                                   ***

Das Phä­no­men der Kopro­la­lie tritt auch im Bun­des­tag auf, und ein spe­zi­el­ler Fall ist der nicht nur hoch­rot­köp­fi­ge, son­dern auch hoch­not­pein­li­che „Schrei­hals” (A. Wei­del) A. Hof­rei­ter, wie man hier stu­die­ren kann. Oder soll­te. Ja, viel­leicht sogar sollte.

                                   ***

Erin­nern Sie sich noch an die viel­stim­mi­ge, mul­ti­me­dia­le und über­par­tei­li­che Ver­si­che­rung, der „Glo­bal Com­pact for Migra­ti­on” sei ein recht­lich voll­kom­men unver­bind­li­ches Doku­ment, und wer das Gegen­teil behaup­tet ein rechts­po­pu­lis­ti­scher Het­zer? In Kaka­ni­en, wo man den Stuss eh’ nicht glaub­te, sickert nun zuerst die Erkennt­nis durch, dass die Het­zer wie­der ein­mal rich­tig lagen. Die öster­rei­chi­sche Außen­mi­nis­te­rin Karin Kneissl zitiert ein bis­her nicht ver­öf­fent­lich­tes Gut­ach­ten der EU-Kom­mis­si­on, das „eine ande­re Mei­nung als die bis­her kom­mu­ni­zier­te recht­li­che Unver­bind­lich­keit” ver­tre­te (hier), und bereits ein paar Tage zuvor hat­te Vic­tor Orban ange­kün­digt, die „bis­her größ­te Lüge Brüs­sels” ent­larvt zu haben; dem Ungarn zufol­ge wer­de der Juris­ti­sche Dienst der EU-Kom­mis­si­on den Mit­glieds­staa­ten dem­nächst dar­le­gen, dass durch bestimm­te inter­na­tio­na­le Ver­trä­ge der Migra­ti­ons­pakt für alle EU-Staa­ten bin­dend sei, auch für jene neun Mit­glieds­län­der, die den Pakt nicht unter­zeich­net haben (hier). Wer Ohren hat­te, zu hören, konn­te bei­des – die bal­di­ge Rechts­ver­bind­lich­keit des Pak­tes und das Über­stimmt­wer­den der Nein­sa­ger – bereits am 12. Dezem­ber aus dem Mun­de der Kanz­le­rin ver­neh­men, näm­lich hier.

wer­de der Juris­ti­sche Dienst der EU-Kom­mis­si­on den Mit­glieds­staa­ten dem­nächst dar­le­gen, dass durch bestimm­te inter­na­tio­na­le Ver­trä­ge der Migra­ti­ons­pakt für alle EU-Staa­ten bin­dend sei, behaup­te­te der Poli­ti­ker der in der EU umstrit­te­nen Regie­rungs­par­tei Fidesz. Das wer­de auch für jene neun Mit­glieds­län­der – dar­un­ter Ungarn und Öster­reich – gel­ten, die den Pakt nicht unter­zeich­net haben. – derstandard.at/2000099285226/Orban-will-bisher-groesste-Luege-Bruessels-entlarvt-hab        


                                   ***

„Dass Sie unge­prüft auch men­schen­ver­ach­ten­den Unsinn ver­öf­fent­li­chen, ent­täuscht mich”, schreibt Leser *** und meint die Dar­le­gun­gen eines ande­ren Lesers zum Ein­satz von Uran­mun­ti­on durch die Nato im Krieg gegen Ser­bi­en (Acta diur­na vom 12. März).
„Sowohl Sie, wie auch der ande­re Schrei­ber­ling, soll­te sich die lang­fris­ti­gen Fol­gen zu Staub zer­schos­se­ner und ver­brann­ter Uran 238 Muni­ti­on vor Auge hal­ten. Der Staub wird inkor­po­riert und tut dort in der Lun­ge sein lang­fris­ti­ges Zer­stö­rungs­werk. Der äuße­re Kon­takt mit einem Alpha-Strah­ler ist zwar harm­los, im Kör­per jedoch ver­hee­rend. Sehen Sie sich zumin­dest ein­mal ent­spre­chen­de, sehr sub­stan­ti­ier­te Bei­trä­ge zu den schreck­li­chen Fol­gen und den miss­ge­bil­de­ten Kin­dern an!”

Nun, geehr­ter Herr ***, ich habe auf zwei Bei­trä­ge zu den Fol­gen ver­linkt, nur des­halb hat mir der von Ihnen gerüg­te Leser über­haupt geschrie­ben. Ähn­li­cher Ansicht zur nach­träg­li­chen Gefähr­lich­keit der Muni­ti­on wie Sie, aber was den Grund betrifft deut­lich von Ihnen abwei­chend, äußert sich Leser ***:

„Der weit­ver­brei­te­te Irr­tum über die meis­ten radio­ak­ti­ven Sub­stan­zen – in der Regel Metal­le – ist die ver­meint­lich töd­li­che Wir­kung der Radio­ak­ti­vi­tät. Die Gefahr liegt dar­in, dass es sich über­wie­gend um Schwer­me­tal­le han­delt, die alle hoch­gif­tig sind. Jetzt wird nie­mand Uran­mu­ni­ti­on schlu­cken, was im Stück ver­zehrt wohl auch nicht tra­gisch wäre, jedoch ist das Ein­at­men von Stäu­ben die­ser Metal­le schon sehr unge­sund bis töd­lich. Sind die­se Geschos­se auf irgend­et­was auf­ge­trof­fen (muss schon sehr hart sein) und zer­brö­selt, dann soll­te man sich nicht in die­ser Umge­bung ohne ent­spre­chen­de Schutz­maß­nah­men auf­hal­ten.
Dar­in liegt übri­gens eine ziem­li­che Per­ver­si­on die­ser in der Regel als pan­zer­bre­chen­de Waf­fe ein­ge­setz­ten Muni­ti­on: reicht das Loch in der Pan­ze­rung nicht oder die Explo­si­on, zer­stäubt das Zeugs oder ver­brennt. Da bleibt dann wegen der Gif­tig­keit nie­mand am Leben.”

Inso­fern habe ich also mit mei­ner Ver­öf­fent­li­chung nichts wei­ter getan, als ver­sucht, in einer Sache, in der ich mich nicht aus­ken­ne, eine Gegen­mei­nung zuzu­las­sen. Frei­lich meint auch Freund ***, in dem Brief­schrei­ber einen Hand­lungs­rei­sen­den zu erken­nen, und notiert:

„Das Pen­ta­gon allei­ne beschäf­tigt (Stand 2009) 27.000 fest­an­ge­stell­te Foren­trol­le (hier). Weni­ger wer­den es seit­her wohl nicht gewor­den sein, und wie­vie­le ‚PR-Bera­ter’ bei­spiels­wei­se für die NATO arbei­ten, lässt sich nur grob schät­zen. Ich habe mir über die Jah­re mit etli­chen die­ser Gestal­ten zahl­lo­se Aus­ein­an­der­set­zun­gen in etli­chen Foren und Kom­men­tar­be­rei­chen gelie­fert und erken­ne mei­ne Schwei­ne am Gang. Heu­te feh­len mir dazu Zeit und Lust, zumal die meis­ten Kom­men­tar­be­rei­che deut­scher Main­stream-Medi­en inzwi­schen der­art zen­siert wer­den, dass für Abweich­ler ohne­hin kaum mehr was zu reis­sen ist. 

Auch in die­sem Fall ver­spü­re ich wenig Lust, mei­ne Zeit mit Berufs­lüg­nern (oder wider Erwar­ten authen­ti­schen PR-Opfern) zu ver­plem­pern, aber ein paar Links – aktu­el­le wie his­to­ri­sche – habe ich immer auf Lager.”

Wen die Sache also inter­es­siert, Sie fin­den die besag­ten Links hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier.

Nach­trag vom 20. März: Leser ***, der den Brief schrieb, auf den sich die­se Debat­te hier bezieht, legt noch ein­mal nach:

„Im Zusam­men­hang mit mei­nen Aus­füh­run­gen zur Uran­mu­ni­ti­on bin ich offen­sicht­lich zur schil­lern­den Per­sön­lich­keit gewor­den: men­schen­ver­ach­tend, vom Pen­ta­gon bezahlt, weit­ver­brei­te­ten Irr­tü­mern unter­lie­gend und sogar PR-Opfer. Hut ab! Nichts der­glei­chen hat auch nur die gerings­te Schnitt­men­ge mit der Realität.
Eini­ge Jah­re des Studums von Che­mie und Phy­sik, sowie das Zuen­de­den­ken von Sach­ver­hal­ten brach­ten mich wohl eher dazu mich zu äußern als das Salär von Donald hims­elf. Ich gehe nicht auf die ein­zel­nen metho­di­schen Feh­ler mei­ner Kri­ti­ker ein, ins­be­son­de­re die Ver­all­ge­mei­ne­rung von äußers­ten Extrem­si­tua­tio­nen auf gan­ze Land­stri­che oder gleich Län­der. Soge­nann­te ’sub­stan­zi­ier­te Bei­trä­ge’ lie­gen zu wirk­lich jedem Mist vor. Gly­pho­sat, Kli­ma­wan­del, Chem­trails, die Nazis auf der Rück­sei­te des Mon­des. Eben­so die Stich­wor­te Mono­kau­sa­li­sie­rung, Dosis, Kon­zen­tra­ti­on, Abschät­zung von Skalen.
 
Aus der Wiki­pe­dia (und die ist weder von rechts noch von der Atom­lob­by unter­wan­dert): Nach Stu­di­en der WHO und der Inter­na­tio­na­len Atom­ener­gie­or­ga­ni­sa­ti­on (IAEO) liegt kei­ne beson­de­re Gefähr­dung vor. Im WHO gui­d­ance on expo­sure to deple­ted ura­ni­um heißt es expli­zit, dass kei­ne Stu­die eine Ver­bin­dung zwi­schen Kon­takt mit abge­rei­cher­tem Uran und dem Auf­tre­ten von Krebs oder ange­bo­re­nen Defek­ten fin­den konn­te (No stu­dy has estab­lis­hed a link bet­ween expo­sure to DU and the onset of can­cers or con­ge­ni­tal abnor­ma­li­ties.). Kri­ti­ker bemän­geln die Metho­dik und wer­fen den Stu­di­en man­geln­de Unab­hän­gig­keit vor. Geg­ner der Uran­mu­ni­ti­on for­dern die Durch­füh­rung neu­er Aus­wer­tun­gen und Bewer­tun­gen. Na klar, Ergeb­nis paßt mir nicht, nochmal!

Eben­falls lesens­wert: Man­fred Hafer­burg: Im Land der Ver­strahl­ten, achgut.com 18.03.2019 (Beson­de­res Augen­merk auf die beschrie­be­nen Luft­kur­or­te, auch in Deutschland).

In einem Bereich des Irak sind die Krebs­er­kran­kun­gen von 2004 bis 2009 signi­fi­kant ange­stie­gen. Es konn­te mei­nes Kennt­nis­stan­des nach kein schlüs­si­ger Zusam­men­hang mit Uran­mu­ni­ti­on nach­ge­wie­sen werden.

Ohne zu behaup­ten, dass irgend­et­was davon den Tat­sa­chen ent­spricht, nur als Mög­lich­keit: Dia­gno­se­ra­ten kön­nen auch stark stei­gen durch neu­es medi­zi­ni­sches Gerät, die Ein­füh­rung einer Kran­ken­ver­si­che­rung oder gewoll­te Sen­si­bi­li­sie­rung der Bevöl­ke­rung. Oder gewoll­te Mani­pu­la­ti­on der Bevöl­ke­rung! So ähn­lich wie die Häu­fig­keit von UfO-Sich­tun­gen nach UfO-Sen­dun­gen. Oder Leu­te, die heu­te im Stra­ßen­ver­kehr NO2 rie­chen kön­nen, obwohl das kate­go­risch aus­ge­schlos­sen ist. Die­se Lis­te son­der­ba­rer Fähig­kei­ten läßt sich end­los fort­set­zen. Goog­len Sie mal Rei­fen­gas! Ja, off­topic, aber sehr erhei­ternd, was im Zwei­fels­fall alles als Argu­ment gilt. Noch­mal, ich behaup­te nichts der­glei­chen, lese aber auch nichts dar­über, dass auch nur irgend­et­was sys­te­ma­tisch aus­ge­schlos­sen wurde.

Es sei mir also nach­ge­se­hen, wenn ich die Vor­wür­fe, ins­be­son­de­re ‚men­schen­ver­ach­tend’ zurück­wei­se. Es ist mit­nich­ten men­schen­ver­ach­tend, wenn man das Wunsch­den­ken Ande­rer nicht vor­be­halt­los unterstützt.

Im Spe­zi­el­len sei auch dar­auf ver­wie­sen, dass sich mei­ne Haupt­ar­gu­men­ta­ti­on auf den Ein­satz der NATO gegen Ser­bi­en bezog, nicht auf den Irak-Krieg. In Ser­bi­en fand kein mas­si­ver Boden­krieg statt! Oder doch, na gut, in Gesamt-Jugo­sla­wi­en. Hat zumin­dest irgend­wer wenigs­tens mal die Fra­ge gestellt, ob ser­bi­sche Trup­pen über Uran-Muni­ti­on ver­füg­ten? Para­mi­li­tä­ri­sche Ein­hei­ten von pan­sla­wis­ti­schen Brü­dern aus Ruß­land damit unter­stützt wur­den? Nur Fra­gen, aber hat sie einer gestellt???

PS:ch habe mir die Mühe gemacht, die Link-Samm­lung am unte­ren Ende der Uran-Geschich­te durch­zu­ge­hen. Sor­ry, dass ich so über­aus deut­lich wer­den muß. Von star­ker Tobak über dreis­te Geschichts­klit­te­rung bis zu Bra­chi­al­schwach­sinn. Ins­be­son­de­re der You­Tube-Bei­trag „Dead­ly Dust – Todes­staub” schießt auf eine Art den Vogel ab, dass ich kaum Wor­te dafür fin­de, druck­rei­fe schon gar nicht. Die Links sind von dem Herrn, der sei­ne Zeit nicht mit Berufs­lüg­nern ver­schwen­den will?!?”

Nach­trag zum Nachtrag:

„In gebo­te­ner Kür­ze: Wie immer im Krieg begann es mit Lügen”, repli­ziert Freund***, „und die Lügen neh­men nach 20 Jah­ren kein Ende. Troll­se­mi­nar Grund­kurs: Kei­nes­falls die Hin­wei­se auf Mond­na­zis und Ufos ver­ges­sen! Und wer ein 78-tägi­ges NATO-Bom­bar­de­ment als ‚päd­ago­gi­sche Maß­nah­men’ ver­nied­licht, hat sich das Attri­but ‚men­schen­ver­ach­tend’ red­lich erarbeitet.”

So, jetzt ist das Forum geschlossen.

                                    ***

Die Sys­tem­theo­rie lie­fert die bis­lang ambi­tio­nier­tes­te Erklä­rung des Phä­no­mens, dass deut­lich mehr Men­schen Boris Becker ken­nen als Jür­gen Haber­mas. War­um aber über­haupt jemand Haber­mas kennt, dafür hat auch die­se schö­ne Theo­rie kei­ne Erklä­rung, wobei zu ihrer Ehre gesagt sein muss, dass sie es auch nicht versucht.

Total
0
Shares
Vorheriger Beitrag

18. März 2019

Nächster Beitrag

21. März 2019

Ebenfalls lesenswert

10. März 2021

Der Deutschländer:innenfunk gibt bekannt: Mit dem Ter­mi­nus „Über­le­bens­chan­cen” geben sie immer­hin zu, dass wir einen Kampf­platz betre­ten. Dazu…

14. Januar 2021

Kei­ne Head­line könn­te sowohl den Sta­tus quo als auch den Geis­tes­zu­stand der­je­ni­gen, die „Coro­na-Dik­ta­tur” zum „Unwort des Jah­res”…

8. Mai 2020

  „Man­che sagen, Mut­ter­schaft sei eine ein­zi­ge bio­lo­gi­sche Pla­cke­rei, die Frau­en auf­zehrt, die Bes­se­res mit ihrem Leben anfan­gen…

18. Oktober 2020

„Buch­mes­sen – die Par­tei­ta­ge des Kul­tu­r­ap­pa­rats.„Frank Lis­son. (Gilt gera­de auch für online abge­hal­te­ne Messen.)                                   *** Die Ideen…