2. März 2019

„Am 27. Janu­ar, dem Holo­caust-Gedenk­tag, hin­gen vor einer Poli­zei­sta­ti­on in Schlüch­tern (Main-Kin­zig-Kreis) die Deutsch­land- und die Hes­sen­flag­ge ver­kehrt her­um – und das stun­den­lang. Des­we­gen ermit­telt nun das Fach­kom­mis­sa­ri­at für Staats­schutz­de­lik­te, denn die Flag­gen wur­den ver­mut­lich absicht­lich falsch auf­ge­hängt. Die ver­ant­wort­li­chen Beam­ten wur­den inzwi­schen ver­setzt”, mel­det, neben vie­len ande­ren Medi­en, die hier viel zu sel­ten zitier­te Web­sei­te Ost­hes­sen News. „Eine ver­kehrt her­um auf­ge­häng­te Flag­ge kann im schlimms­ten Fall bedeu­ten, dass man das Land ver­ach­tet. Im Raum ste­hen eine Ver­un­glimp­fung des Staa­tes und sei­ner Sym­bo­le sowie Volks­ver­het­zung”, klärt das Por­tal sei­ne Leser wei­ter auf.

Wenn sich Jakob Aug­stein vor lau­fen­der Kame­ra in eine Deutsch­land­fah­ne schneuzt, wenn die Kanz­le­rin einem Bun­des­mi­nis­ter indi­gniert die Lan­des­fah­ne aus der Hand pflückt und am Büh­nen­rand ent­sorgt, wenn fide­le Links­fa­schos wäh­rend der Fuß­ball-WM alles Schwarz­rot­gol­de­ne von pri­va­ten Autos abrei­ßen, sind das Äuße­run­gen eines welt­of­fe­nen Post­na­tio­na­lis­mus. Wenn eine Bun­des­tags­vi­ze­prä­si­den­tin auf einer Demo mit­läuft, der ein Trans­pa­rent mit der Auf­schrift „Deutsch­land, du mie­ses Stück Schei­ße” vor­an­ge­tra­gen wird, ist das spie­le­ri­scher Umgang mit der Zumu­tung einer Iden­ti­tät. Aber wenn „rech­te” Moti­ve in Fra­ge kom­men oder unter­stellt wer­den kön­nen, und das oben­drein noch am eigent­li­chen deut­schen Natio­nal­fei­er­tag, dann bekom­men die Drecks­far­ben der Scheiß­na­ti­on auf ein­mal etwas Sakro­sank­tes, und das Delikt der „staats­feind­li­chen Het­ze” ersteht aus sei­ner real­so­zia­lis­ti­schen Gruft. – –

Einen Tag nach dem Tod Sta­lins am 5. März 1953 hat­te im Auf­ma­cher der DDR-Gewerk­schafts­zei­tung Tri­bü­ne gestan­den, „der über­ra­gen­de Kämp­fer für die Erhal­tung und Fes­ti­gung des Krie­ges in der Welt” sei dahin­ge­gan­gen. Sofort war die Sta­si in Kom­pa­nie­stär­ke in der Redak­ti­on ange­rückt, um die Halun­ken ding­fest zu machen, die die­se rech­te Pro­pa­gan­da ins Blatt geschmug­gelt hat­ten. Der Schluss­re­dak­teur und der Set­zer beka­men jeweils fünf­ein­halb Jah­re Zucht­haus; man hat­te sie so lan­ge und inten­siv ver­hört, bis sie zuga­ben, dass sie absicht­lich „Krieg” statt „Frie­den” ein­ge­setzt haben; dann war es kein Druck­feh­ler mehr, son­dern Boy­kott­het­ze.

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