16. April 2019

Ob Gre­ta Thun­berg in der Geschich­te der Kli­ma­po­li­tik eine Rol­le spie­len wird, ste­he dahin. Einen siche­ren Platz haben sie und ihre Macher frei­lich in der Geschich­te der Public Rela­ti­ons.

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„Wis­sen Sie, was der Unter­schied ist in der Öffent­lich­keit zwi­schen Gewalt­ta­ten von links und Gewalt­ta­ten von rechts? Bei rech­ter Gewalt ruft man dem Täter zu: ‚Nazis raus!’ Bei lin­ker Gewalt ruft man dem Opfer zu: ‚Nazis raus!’ ”
Also sprach der Staats­recht­ler Prof. em. Diet­rich Murs­wiek, zitiert und geprie­sen sei er.

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Not­re-Dame brennt. War­um, fragt mein Sohn, war­um zur Höl­le gewis­ser­ma­ßen kom­me mir bei die­sen Bil­dern sofort der Gedan­ke, der Brand kön­ne ein gestif­te­ter sein? Ein Gegen­feu­er des Glau­bens sozusagen?

Dar­um, ers­tens:
„In Frank­reich sind in den ver­gan­ge­nen Wochen meh­re­re Kir­chen ent­weiht oder Ziel von Van­da­lis­mus gewor­den, wie das Por­tal ‚katholisch.de’ berich­tet. Bis­lang woll­te sich die Fran­zö­si­sche Bischofs­kon­fe­renz noch nicht offi­zi­ell zu den Vor­fäl­len äußern. Man wol­le kein Öl ins Feu­er gie­ßen, wie es hieß. Der Spre­cher der Bischofs­kon­fe­renz, Oli­vi­er Riba­deau Dumas, äußer­te sich jedoch über Twit­ter: ‚Kir­chen brann­ten, wur­den geplün­dert und ent­weiht. Wir kön­nen uns nie dar­an gewöh­nen, dass Orte des Frie­dens Opfer von Gewalt wer­den, dass der Leib Chris­ti, das schöns­te und wert­volls­te für uns, mit Füßen getre­ten wird’, schreibt er.” (hier)

Dar­um, zwei­tens:
„A dozen Catho­lic church­es have been des­e­cra­ted across Fran­ce over the peri­od of one week in an egre­gious case of anti-Chris­ti­an van­da­lism.” (hier)

Dar­um, drit­tens:
Ein Twit­te­rer hat die Smi­leys gesam­melt, mit denen eine bestimm­te, kei­ner nähe­ren Klas­si­fi­ka­ti­on bedürf­ti­ge Kli­en­tel auf das even­tu­ell her­bei­ge­teu­fel­te Feu­er reagiert (hier).

Dar­um, vier­tens und einst­wei­len letz­tens:
„Die Bil­der von der bren­nen­den Kathe­dra­le in Paris haben die Dom­bau­meis­te­rin Regi­ne Hart­kopf ent­setzt – und ver­wun­dert: ‚Holz ent­zün­det sich nicht so schnell.’ ” (hier)

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Als man die bei­den Ske­let­te von­ein­an­der tren­nen woll­te, zer­fie­len sie zu Staub.

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Die Zeit, im Osten biwa­kie­rend gegen Putin, Orban und Pegi­da, die Süd­front gegen Ita­li­en cou­ra­giert hal­tend, des per­fi­den Albi­ons Sezes­si­ons­ge­lüs­ten tap­fer weh­rend, im noch wil­de­ren Wes­ten Trump ent­schie­den die Stirn bie­tend und in Nah­ost gen Netan­ja­hu acht­bar anrom­melnd, die Zeit also räum­te einen tie­fen Blick ins Inne­re ihres Biwaks ein und dafür drei Sei­ten frei, für ein Por­trät des Anton Hof­rei­ter näm­lich, ehren­amt­li­cher Vor­sit­zen­der der NGO Green­horns for Green­lands, unter der mar­tia­li­schen Über­schrift „Der Renn­ti­ger”, wobei so nur die Ski-Mar­ke hieß, mit wel­cher Jung-Anton sich für jede Art Tal­fahrt in Form brach­te, wenn auch sein Haar dabei aus der sel­bi­gen geriet und bis heu­te nicht zurückfand.

Das Ham­bur­ger Welt­blatt legt es ersicht­lich dar­auf an, mei­ne Aus­sa­ge auf die Pro­be zu stel­len, ein­zig Bernd Zel­ler sei der­zeit noch imstan­de, eine Sati­re auf die täg­li­chen Real­sa­ti­ren zu schreiben:

„Hof­rei­ter ist zur Stel­le, wenn er gebraucht wird, spielt sich aber nicht auf. Er ver­fügt nicht über die Talk­show-Non­cha­lance der Co-Frak­ti­ons­chefin Kat­rin Göring-Eckardt, nicht über die mana­ger­haf­te Leich­tig­keit des frü­he­ren Par­tei­chefs Cem Özde­mir, nicht über die schil­lern­de Thea­tra­lik der Abge­ord­ne­ten Clau­dia Roth, nicht über das gepflegt ver­wit­ter­te Gitar­ren­so­lo-Gesicht des grü­nen Par­tei­chefs Robert Habeck. Anton Hof­rei­ter ist ein­fach nur Anton Hofreiter.”

Tja, Zel­ler, nun sprin­gen Sie mal drun­ter durch drüber…

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Zum Vori­gen.

„Als Hof­rei­ter wur­den seit dem Mit­tel­al­ter Dorf­trot­tel bezeich­net, die ein Pferd sat­tel­ten und los­rei­ten woll­ten, aber nicht in der Lage waren, das Tor eines Vier­sei­ter­ho­fes zu fin­den”, ver­sucht Leser ***, mei­ne ety­mo­lo­gi­sche Bil­dung zu heben.
Eine frag­wür­di­ge Berühmt­heit habe der „dul­le Anton” anno 1719 erlangt, wel­cher, so wird berich­tet, wei­land „drei Tage lang im Innen­hof sei­nes väter­li­chen Anwe­sens in Hes­sisch Olden­dorf um eine Buchs­baum­he­cke her­um gerit­ten sein, bis er völ­lig ent­kräf­tet von sei­nem Zos­sen stürz­te. Er wur­de mit Schimpf und Schan­de aus dem Dorf ver­trie­ben und soll sich nach Süden abge­setzt haben.”
Noch heu­te wer­de des tol­len Anton dort­selbst gedacht. An jedem Grün­don­ners­tag rit­ten Kin­der auf langmäh­ni­gen Ste­cken­pfer­den, den soge­nann­ten Zau­sel-Zos­sen, um eine Dorf­lin­de her­um und sän­gen, sofern es sich nicht um ein Mär­lein han­delt, das Lied:
 
„Dul­ler Anton ritt im Hof
Zum Tor­fin­den war er zu doof
Drei­er Tage tat er dies
Bis das Pferd ihn fal­len ließ.”
 

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Eine wei­te­re Wider­le­ge der angeb­li­chen Umvol­kung resp. eines von Steu­er­bord her mit ross­täu­sche­ri­schen Absich­ten behaup­te­ten Gro­ßen Aus­tauschs nach den bereits statt­ge­hab­ten Refu­ta­tio­nen durch z.B.:

» Ste­fa­nie von Berg, Ham­bur­ger Alter­na­ti­ve Lis­te: „Unse­re Gesell­schaft wird sich ändern, unse­re Stadt wird sich radi­kal ver­än­dern. Ich bin der Auf­fas­sung, dass wir in 20, 30 Jah­ren gar kei­ne eth­ni­schen Mehr­hei­ten mehr haben in unse­rer Stadt. Und ich sage Ihnen ganz deut­lich, gera­de hier in Rich­tung rechts: Das ist gut so.” (am 11. Novem­ber 2015 vor der Ham­bur­ger Bürgerschaft)

» Bar­ba­ra John, Ber­li­ner Tages­spie­gel, die bzw. wel­cher am 6. August 2018 durch­sag­te, dass es nur noch eine Fra­ge der Zeit sei, „bis in grö­ße­ren Städ­ten Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund die Bevöl­ke­rungs­mehr­heit stel­len. In Frank­furt am Main ist es bereits so weit: Schon 2017 waren 51,2 Pro­zent der Stadt­be­woh­ner nicht in Deutsch­land gebo­ren oder hat­ten nicht­deut­sche Eltern. Augs­burg und Stutt­gart sind die nächs­ten Kan­di­da­ten oder haben den Sta­tus gera­de erreicht.”

» oder Yascha Mounk, Har­vard-Dozent für Poli­to­lo­gie: „Vor allem geht es um mehr als ein kur­zes, frem­den­freund­li­ches Som­mer­mär­chen. In West­eu­ro­pa läuft ein Expe­ri­ment, das in der Geschich­te der Migra­ti­on ein­zig­ar­tig ist: Län­der, die sich als mono­eth­ni­sche, mono­kul­tu­rel­le und mono­re­li­giö­se Natio­nen defi­niert haben, müs­sen ihre Iden­ti­tät wan­deln. Wir wis­sen nicht, ob es funk­tio­niert, wir wis­sen nur, dass es funk­tio­nie­ren muss.” (Spie­gel vom 26. Sep­tem­ber 2015); spä­ter in den Tages­the­men prä­zi­siert und auf­ge­hübscht zur For­mu­lie­rung, Deutsch­land wage ein „his­to­risch ein­zig­ar­ti­ges Expe­ri­ment”, was eini­ges hei­ßen will im Lan­de Hit­lers, Rönt­gens und Münch­hau­sens, näm­lich „eine mono­eth­ni­sche und mono­kul­tu­rel­le Demo­kra­tie in eine mul­ti­eth­ni­sche zu verwandeln”… –

… eine wei­te­re Wider­le­ge der angeb­li­chen Umvol­kung ereig­net sich und trägt sich zu denn also im lau­schi­gen Ber­li­ner Kiez Kreuz­berg, näher­hin in der dor­ti­gen Jens-Nydahl-Grund­schu­le, wor­über uns die Welt in ihrer online-Aus­ga­be infor­miert ver­mit­tels eines Arti­kels, wel­cher über­schrie­ben ist mit den beflü­geln­den Worten:

„Inter­gra­ti­on an Schu­len
370 Schü­ler. Ein Kind mit Mut­ter­spra­che Deutsch.”

Die Aus­sich­ten ste­hen gut, dass auch dies eine Frem­del­kind und Über­bleib­sel noch inte­griert wird!

PS: Wer mag aber der Herr Nydahl sein, dem die Schu­le ihren Namen sich ent­lieh? Migra­ti­ons­hin­ter­grund­ver­edelt auch er? Nicht unmit­tel­bar, von lan­ger Hand her wohl dänisch, sofern der Stamm­baum und die ihn auf­rich­ten­den Orga­ne an die­ser Stel­le so ver­frem­det wer­den dür­fen, also der Kri­ti­schen Weiß­seins­for­schung als Objekt so zuge­hö­rig wie Sie und ich, aber ein Sozi­al­de­mo­krat immer­hin. Der Ber­li­ner Stadt­schul­rat wur­de 1933 sei­ner SPD-Mit­glied­schaft wegen des Amtes ent­ho­ben („FCK SPD”, wie man damals pla­ka­tier­te), doch durch eine Tätig­keit als „Ver­tre­ter für Wei­ne und Zigar­ren” (Wiki­pe­dia) durch alle zwölf vogel­be­schis­se­nen Jah­re letzt­lich ent­schä­digt, – ein ehren­wer­ter Mann also, wenn­gleich Allah sein Gewer­be bereits um 631 der Dicht­ma­chung anemp­fahl und die Umbe­nen­nung der Schu­le der­einst wohl unver­meid­lich sein wird.

                                  ***

Varia­tio­nen über ein The­ma von Yascha Mounk:
„Ein Deutsch­land, in dem sich Juden wohl­füh­len, ist ein Deutsch­land, in dem sich auch Mus­li­me wohl­füh­len.”
(Mounk in besag­tem Spie­gel-Inter­view)

Varia­ti­on 1: Ein Deutsch­land, in dem sich Anti­se­mi­ten wohl­füh­len, ist ein Deutsch­land, in dem sich auch Mus­li­me wohlfühlen.

Varia­ti­on 2: Ein Deutsch­land, in dem sich Mus­li­me wohl­füh­len, ist ein Deutsch­land, in dem sich auch Kon­ver­ti­ten wohlfühlen.

Varia­ti­on 3: Ein Deutsch­land, in dem sich Femi­nis­tin­nen unwohl füh­len, ist ein Deutsch­land, in dem sich Mus­li­me wohlfühlen.

Varia­ti­on 4: Ein Deutsch­land, in dem sich Chris­ten unwohl füh­len, ist ein Deutsch­land, in dem sich Mus­li­me wohlfühlen.

Varia­ti­on 5 (mit Coda): Ein Deutsch­land, in dem die Ein­hei­mi­schen immer weni­ger Kin­der bekom­men, ist ein Deutsch­land, in dem sich Ein­wan­de­rer wohl­füh­len, bis, ja bis…

Varia­ti­on 6: (mit Wie­der­ho­lung der Coda): Ein Deutsch­land, in dem der Durch­schnitts-IQ unter 100 sinkt, ist ein Deutsch­land, in dem sich Men­schen mit einem IQ unter 100 wohl­füh­len, bis, ja bis…

Varia­ti­on 7: Ein Deutsch­land, in dem sich Mus­li­me wohl­füh­len, ist ein mus­li­mi­sches Deutschland.

Varia­ti­on 8: Ein mus­li­mi­sches Deutsch­land ist kein Deu…

(An die­ser Stel­le starb oder kon­ver­tier­te der Kom­po­nist oder bei­des, stell­te jeden­falls für­der­hin das Geläu­te ein.)

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Dem Grand Rem­pla­ce­ment fol­gen wird ein Zeit­al­ter der räum­li­chen Ent­mi­schung, kei­nes der Ver­mi­schung, kei­nes der Ver­trei­bung; man kann ja unmög­lich Mil­lio­nen Men­schen ver­trei­ben, die in Euro­pa gebo­ren wur­den, wenn­gleich – sie­he die froh­lo­cken­den Tweets über die bren­nen­de Kathe­dra­le der Hl. Jung­frau – vie­le davon nie Euro­pä­er gewor­den sind. Die­se Ent­mi­schung wird kei­ne pri­mär eth­ni­sche sein, son­dern die Zivi­li­sier­ten wer­den sich, so Gott will, von den Bar­ba­ren tren­nen, räum­lich, finan­zi­ell und mit herr­li­chen, pracht­vol­len, auf höchs­tem tech­ni­schen Stand die Sphä­ren schei­den­den Gren­zen. Und, in den geflü­gel­ten Wor­ten der Maid mit nun­mehr Zeit-zer­ti­fi­zier­ter Talk­show-Non­cha­lance: Ich freu mich drauf!

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Als ich Anfangs des Jah­res bei einer Kon­fe­renz der Liber­tä­ren in Zin­no­witz an der Ost­see weil­te (wo auch die­ses lau­ni­ge, wenn nicht lau­si­ge Gesprächs­vi­deo mit mir ins Bild gesetzt wur­de), hör­te ich erst­mals von der The­se des rus­si­schen Mathe­ma­ti­kers Igor Schafa­re­witsch, dass der Sozia­lis­mus eine anthro­po­lo­gi­sche Kon­stan­te sei, wel­cher eine Art Todes­trieb zugrun­de lie­ge; las­se man die­se Brü­der gewäh­ren, zer­stör­ten sie am Ende Alles (mehr dazu hier).

Plau­si­bel oder nicht: Die soge­nann­te „Kli­ma­ret­tung” ist jeden­falls ein wei­te­rer Angriff der Lin­ken auf die Res­te der bür­ger­li­chen Gesell­schaft, wie sie zuvor im Namen des Drit­ten Stan­des, der Pro­le­ta­ri­er, der Frau­en, der Homo­se­xu­el­len, der Kolo­nien, der Migran­ten, der Bäu­me, Eis­bä­ren, Schmet­ter­lin­ge und Bie­nen geführt wur­den, nun­mehr mit dem ulti­ma­ti­ven Eman­zi­pa­ti­ons­sub­jekt: der Atmosphäre.

Wer die Atmo­sphä­re ret­ten will, muss die Bio­sphä­re bekämp­fen. Die Bio­mas­se Mensch wächst und wächst. Dabei hat Homo sapi­ens teils mit, teils ohne lin­ke Bei­hil­fe all­zeit die meis­te Intel­li­genz und Ener­gie dar­auf ver­wen­det, sei­nes­glei­chen aus­zu­mer­zen. Das Ergeb­nis sind der­zeit reich­lich sie­ben Mil­li­ar­den Exem­pla­re die­ser Gat­tung hie­nie­den und geschätz­te zwölf Mil­li­ar­den in dräu­en­der Bäl­de. Kurz­um: Die Mensch­heit hat bei der Selbst­be­gren­zung durch Aus­rot­tung ver­mit­tels Waf­fen, Krieg und Hun­gers­not jäm­mer­lich ver­sagt. Viel­leicht schafft sie es ja, Gre­ta hin, Kre­ta her – „Ah, die­ser alte Mino­tau­rus! Was er uns schon gekos­tet hat! All­jähr­lich führt man ihm Züge der schöns­ten Mäd­chen und Jüng­lin­ge in sein Laby­rinth, damit er sie ver­schlin­ge – all­jähr­lich into­niert ganz Euro­pa ‚auf nach Kre­ta! auf nach Kre­ta!…’ ” (Nietz­sche, „Der Fall Wag­ner”) –, viel­leicht schafft es die­se sui­zi­d­är bis­lang so erfolg­lo­se Mensch­heit ja, mit dem segens­rei­chen Koh­len­di­oxid ihr Ende herbeizuführen?

Erin­nert sich noch jemand an Ulrich Horst­manns Opus „Das Untier”? Ich gestat­te mir, zu zitie­ren: „Viel­leicht war die gesam­te Evo­lu­ti­on nichts als ein gigan­ti­scher Umweg, den das Plas­ma nahm, um sich nach dem Sün­den­fall der Urzeu­gung und sei­ner Ver­trei­bung aus dem Anor­ga­ni­schen sei­ner neu­erwor­be­nen poten­ti­el­len Unsterb­lich­keit zu berau­ben und nach Äonen des Wucherns erneut ins Nir­wa­na des Stau­bes und der Gase ein­zu­ge­hen.” Der Mensch wäre mit­hin also „nicht die Kro­ne der Schöp­fung, son­dern bloß ihr Strick”, bestimmt, der „Straf­ko­lo­nie der Milch­stra­ße”, die­ser „um ihre eige­ne Ach­se rotie­ren­den Fol­ter­kam­mer” das Ende zu bereiten?

Horst­mann asso­zi­ier­te als ein von den Aus­sich­ten der 1980er Jah­re Gepräg­ter noch die Atom­bom­be als Instru­ment der Selbst­aus­lö­schung, doch, wie mir Rudolf Bahro ein­mal beim Plausch über die unschar­fen Pro­gno­sen des „Club of Rome” zuraun­te: Die Rich­tung hat doch gestimmt!

„Und alle Geschöp­fe wer­den nie­der­sin­ken in der Glut und dem Untier hul­di­gen in der Stun­de ihres Unter­gangs als dem Hei­lan­de, der sie erlöst hat vom ewi­gen Tode. Und dann wird dem Letz­ten das Sinn wer­den, was zuvor Absur­di­tät war, und er wird die Hän­de auf­he­ben über dem ver­seng­ten Fleisch, es seg­nen und zu ihm spre­chen: ‚Seid getrost; die Last des Seins ist von euch genom­men, und die Prü­fung ist vor­über. Jedes von euch war nur der Alp eines Quarz­kris­talls. Wir, wir alle, sind nie gewe­sen!’ Und er wird in Frie­den sterben. (…)

Wem wäre nicht, als hör­te er im Grol­len der Deto­na­tio­nen, über dem Stöh­nen, Röcheln und Win­seln der Zer­bomb­ten schon die Engels­chö­re, die Lob­prei­sun­gen und Hym­nen jener zahl­lo­sen Phan­to­me von Nicht-mehr-zu-Gebä­ren­den, von Unge­zeug­ten, von Frei­ge­las­se­nen und der Fol­ter Entsprungenen…”

Das Leben sei „ein tra­gi­scher Auf­stand inmit­ten des Anor­ga­ni­schen”, notier­te auch Cior­an, den Horst­mann als „anthropo­fu­ga­les Genie” bewun­der­te. „Der Wil­le, zur Mate­rie zurück­zu­keh­ren, bil­det den eigent­li­chen Grund der Todessehnsucht.”

An ande­rer Stel­le fährt Cior­an fort: „Die Geschich­te hat kei­ner­lei Sinn: wir haben also Grund zur Freu­de. Soll­ten wir viel­leicht Qua­len aus­ste­hen um eines güns­ti­gen Aus­gangs des Gesche­hens wil­len, um eines letz­ten Fes­tes wil­len, des­sen Kos­ten von unse­rem Schweiß und unse­rem Schei­tern bestrit­ten wür­den? Künf­ti­gen Idio­ten zulie­be, die über unse­re Qual froh­lo­cken und auf unse­rer Asche her­um­hüp­fen? Die Visi­on des para­die­si­schen End­zu­stan­des über­trifft in ihrer Absur­di­tät die schlimms­ten Ver­ir­run­gen der Hoffnung.”

Mei­ne Damen und Toxi­schen, ich scher­ze, mag es Horst­mann und auch Cior­an bit­ter ernst gewe­sen sein. Die Mensch­heit ist nicht so leicht umzu­brin­gen, auch von eige­ner Hand nicht, sie wird ohne­hin in ihrer künst­li­chen Intel­li­genz über­le­ben – auf den Aus­gang des anste­hen­den Gefechts zwi­schen Islam und KI neh­me ich Wet­ten an –, aber es wird, nach der Bevöl­ke­rungs­su­per­no­va in der ers­ten Hälf­te unse­res Jahr­hun­derts, zu einem hor­ren­den Mas­sen­ster­ben infol­ge von Flu­ten, Dür­ren, Seu­chen, Hun­ger und Hutu-haf­ten Gemet­zeln unter schick­sal­haft Benach­bar­ten kom­men; die Natur dul­det bei ihren Popu­la­tio­nen kein Über‑, und man tut gut dar­an, sol­chen infer­na­li­schen Zonen wit­ternd den Rücken zu keh­ren; ich sag­te ja schon: Gren­zen, Gren­zen, aah, Grenzen…

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„I have no spi­ri­tu­al invest­ment in the world as it is.” (Jacob Taubes)

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