6. April 2019

Ist denn „Kli­ma” nicht bloß ein „Kon­strukt”?

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Öffent­li­che Per­so­nen, die sagen, mit Ver­tre­tern die­ser und jener Welt­an­schau­ung rede­ten sie gar nicht erst, leis­ten damit einen intel­lek­tu­el­len Offen­ba­rungs­eid und soll­ten folg­lich auch wie Plei­tiers behan­delt werden.

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Steil­vor­la­gen muss man ver­sen­ken, etwa so wie Robert Lewan­dow­ski heu­te gegen die schwarz­gel­ben Win­del­trä­ger, und wenn eine öffent­lich-recht­lich-qua­li­täts­jour­na­lis­ti­sche Gali­on­s­tö­rin bzw. Vor­zei­ge­gra­na­te mit dem berühm­ten exis­tenz­ver­edeln­den Hin­ter­grund – man muss sich als Migrant*in schließ­lich dop­pelt anstren­gen, um die­sel­be Kar­rie­re hin­zu­le­gen wie eine Bio­kar­tof­fel, was allein die Kom­pe­tenz­t­i­ta­nin Saw­san Che­bli täg­lich beweist –, wenn also eine sol­che her­aus­ra­gen­de Ver­tre­te­rin der Medi­en­öf­fent­lich­keit, die wahr­schein­lich eine deut­sche Geschich­te jen­seits der Spra­che gar nicht mehr zu erken­nen ver­mag, vor lau­fen­der Kame­ra sagt: „Muti­ge DDR-Bür­ger haben am 9.11.1989 die Wehr­macht zurück­ge­drängt” (hier), dann muss man dar­auf ein­stei­gen, egal, ob der Satz schon vor einem Jahr fiel: Gevat­te­rin Haya­li, das waren doch gar nicht die DDR-Bür­ger, das waren Lands­leu­te von Putin, von Trump und der heu­ti­gen Brexit-Bagage! 

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Der Spie­gel hat sei­nen Wan­del vom Nach­rich­ten­ma­ga­zin, das er noch unter Aust gewe­sen ist, zum publi­zis­ti­schen Frei­korps im „Kampf” gegen „rechts” voll­zo­gen. Aber jeder wie er kann. Ange­sichts der aben­teu­er­li­chen aktu­el­len Titel­ge­schich­te – ob die Geschich­te als sol­che aben­teu­er­lich ist, ver­mag ich nicht ein­zu­schät­zen – darf das getrost kon­sta­tiert wer­den. Wer ein sol­ches Sto­chern im Nebel, dem ich als Chef­re­dak­teur mit viel Wohl­wol­len eine Dop­pel­sei­te ein­ge­räumt hät­te, auf den Titel nimmt, setzt ein, wie man bei den Qua­li­täts­deut­schen for­mu­lie­ren wür­de, „kla­res Zei­chen”, näm­lich für Pro­pa­gan­da und gegen Journalismus.

Wir wol­len jetzt nicht die Fra­ge nach jenen poli­ti­schen Pup­pen stel­len, die bis vor kur­zem an Fäden aus Washing­ton hin­gen und, in leicht ver­renk­ter War­te­stel­lung, immer noch hän­gen (sor­ry, Freun­de, es wird wohl noch­mals eine Legis­la­tur­pe­ri­ode dau­ern); was mich viel­mehr irri­tiert, ist der Umstand, wie zurück­hal­tend sich der Spie­gel und ande­re pro­gres­si­ve Gazet­ten jah­re­lang ver­hiel­ten, wenn lin­ke Poli­ti­ker gute Kon­tak­te nach Mos­kau unter­hiel­ten, als dort noch die KPdSU regierte. 

Ansons­ten gestat­te ich mir als Kom­men­tar zur kon­zer­tan­ten AfD-Schmä­hung nahe­zu sämt­li­cher Medi­en – sie besteht aus zwei Kom­po­nen­ten: so wenig wie mög­lich kon­kre­te poli­ti­sche Vor­schlä­ge oder State­ments der Schwe­fel­par­tei mehr mel­den, statt­des­sen jede Unter­stel­lung zur Kam­pa­gne auf­bla­sen – eine Wiedervorlage:

„Über­haupt emp­fiehlt sich für alle, die der­zeit publi­zis­tisch auf die AfD ein­dre­schen, ein Blick zurück auf die Geschich­te von Deutsch­lands bedeu­tends­ter Moral­par­tei. 1985, fünf Jah­re nach der Grün­dung der Grü­nen, beschei­nig­te der Ver­fas­sungs­schutz einem Drit­tel der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten und der Hälf­te des Bun­des­vor­stands eine links­ex­tre­me Ver­gan­gen­heit. Otto Schi­ly äußer­te ein­mal, er hat­te den Ein­druck, sich auf einem Par­tei­tag der KPD und nicht der Grü­nen zu befin­den. Aus den Rei­hen der Grü­nen gab es offe­ne Sym­pa­thien für Mao Tse-tung, für Pol Pot, für die RAF, für die ‚poli­ti­schen Gefan­ge­nen’ Chris­ti­an Klar und Bri­git­te Mohn­haupt (so Ant­je Voll­mer und Chris­ta Nickels am 30. Janu­ar 1985 in einem Brief an eben­je­ne); es gab Blut-und-Boden-Grü­ne, Eso­te­ri­ker aller Coleur, von den zahl­lo­sen Päd­eras­ten zu schwei­gen, die sich im grü­nen Filz ein­nis­te­ten, weil sie sich von dort poli­ti­sche Maß­nah­men zur Erleich­te­rung ihrer Trieb­ab­fuhr erhoff­ten. Was für ein gro­tes­ker, was für ein wider­li­cher Hau­fen! Es ist übri­gens das Milieu, dem ein Wolf­gang Gede­on ent­stammt – und das Gros der älte­ren sozia­lis­ti­schen Medi­en­schaf­fen­den die­ser Repu­blik.”
(aus: Acta diur­na vom 2. Dezem­ber 2017)

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Seit eini­ger Zeit zwickt und zwackt es mich, Ihnen Rahim Tag­hizade­gan vor­zu­stel­len, den ich Anfang des Jah­res auf der schö­nen Insel Use­dom ken­nen­ge­lernt habe. Wie der Name ver­rät, stammt Herr Tag­hizade­gan aus Kaka­ni­en, und er redet im schöns­ten Wie­ne­risch. Eigent­lich ist er Öko­nom, doch bereits sein Lebens­lauf ver­weist auf einen inter­dis­zi­pli­nä­ren Welt­zu­gang. Tag­hizade­gan hat Phy­sik, Wirt­schaft und Sozio­lo­gie stu­diert, an meh­re­ren Uni­ver­si­tä­ten gelehrt, er war „Rese­arch Fel­low” beim liber­tä­ren Atlas Net­work in den USA, hat beim Euro­päi­schen Raum­flug­kon­troll­zen­trum und dem US Naval Obser­va­to­ry gear­bei­tet und in süd­afri­ka­ni­schen Armen­vier­teln unent­gelt­lich Wirt­schafts­un­ter­richt erteilt.

Als Öko­nom steht Tag­hizade­gan der Öster­rei­chi­schen Schu­le nah, ist also ein Freund der frei­en Kon­kur­renz und der Markt­wirt­schaft, ohne sich irgend­wel­chen Illu­sio­nen über deren Real­prä­senz hin­zu­ge­ben – die Mehr­zahl der Men­schen sucht eben den Schutz der Her­de mit­samt des guten Hir­ten, wofür sie jede Art Gat­ter und das ennu­ie­ren­de Bel­len der Hüte­hun­de in den Kauf nimmt. Ansons­ten ist es etwas schwie­rig, sein Den­ken irgend­ei­ner Rich­tung zuzu­ord­nen. Tag­hizade­gan bie­tet kei­ne Theo­rie an, son­dern eher ein intel­lek­tu­el­les Kli­ma des Nach­den­kens über die Funk­ti­ons­wei­se von Gesellschaften.

Wenn die Men­schen­welt immer kom­ple­xer wird, dann wird sie auch immer ver­wir­ren­der, undurch­schau­ba­rer und durch Theo­rien immer weni­ger abbild­bar. Die Kom­ple­xi­tät redu­zie­ren zu wol­len, ist eine logi­sche Reak­ti­on dar­auf. Der Sie­ges­zug der ein­fa­chen Erklä­run­gen, die kol­lek­ti­ven Ver­samm­lun­gen hin­ter Paro­len, die offen­kun­di­ge Pri­mi­ti­vi­tät der öffent­li­chen Debat­ten fin­den hier eine robus­te Erklä­rung. Das Mot­to lau­tet: Bes­ser irgend­et­was gilt als über­haupt nichts, und das mag erklä­ren, war­um wir knapp zwei­ein­halb Jahr­hun­der­te nach der „Kri­tik der rei­nen Ver­nunft” in der ver­meint­lich auf­ge­klär­tes­ten Gesell­schaft aller Zei­ten immer noch mit ersatz- oder qua­si­re­li­giö­sen Welt­erklä­run­gen über­schüt­tet wer­den, deren Anhän­ger sich hin­ter Sta­chel­draht­ver­hau­en von Tabus ver­schan­zen und sogar in die eige­nen Rei­hen mit Exor­zis­men drohen.

Sol­che Glau­bens­ge­wiss­hei­ten beharr­lich zu erschüt­tern, ist Tag­hizade­gans Pas­si­on, dafür hat er zu Wien eine pri­va­te Bil­dungs­ein­rich­tung namens „scho­l­a­ri­um” gegrün­det.

Zu den Glau­bens­ge­wiss­hei­ten unse­rer Zeit gehört die Erhe­bung einer Staats- bzw. Regie­rungs­form in den Rang einer Säku­lar­re­li­gi­on, an wel­che jeder bekennt­nis­haft zu glau­ben hat, der mit­spie­len will, und die zu kri­ti­sie­ren auf Blas­phe­mie hin­aus­läuft. Ich habe die­ser Tage Tag­hizade­gans klei­nes instruk­ti­ves Buch über die Demo­kra­tie („Altes Ide­al oder moder­ner Eti­ket­ten­schwin­del”) gele­sen und will jetzt nicht dar­über refe­rie­ren – allein sei­ne The­se, dass Nati­on, Demo­kra­tie und Repu­blik in der Rea­li­tät unver­ein­bar sei­en, wäre ein Semi­nar wert –, son­dern nur sei­ner Fra­ge fol­gen, wie ein Zeit­rei­sen­der aus der Anti­ke unse­re Demo­kra­tie beur­tei­len wür­de. Tag­hizade­gan zufol­ge wür­de er uns aus­la­chen. Gut, soweit wür­de Clau­dia Kip­ping-Eckardt noch mit­ge­hen, sofern sie in etwa weiß, was Anti­ke bedeu­tet, denn der männ­li­che und wahr­schein­lich skla­ven­be­sit­zen­de Athe­ner Voll­bür­ger hat ja Demo­kra­tie bloß in einem eli­tä­ren Kreis prak­ti­ziert und den Rest aus­ge­grenzt. Eine Clau­dia Kip­ping-Eckardt hät­te damals nicht dazu­ge­hö­ren dürfen…

Heu­ti­ge Demo­kra­tien, notiert Tag­hizade­gan, müss­ten nach alt­grie­chi­schem Sprach­ge­brauch eher als „olig­ar­chisch orches­trier­te och­lok­ra­ti­sche Tyran­nis” bezeich­net wer­den. Das „anony­me Malen eines Kreu­zes inner­halb einer rie­si­gen Mas­se” sei das abso­lu­te Gegen­teil von dem, was unser Athe­ner als Selbst­re­gie­rung ver­ant­wort­li­cher Bür­ger ver­stan­den hät­te. „Die anti­ken Den­ker hät­ten wohl nichts als Spott übrig für unser heu­ti­ges Pathos, mit dem wir uns für unser ‚Recht’ beju­beln, einen Tag lang Bür­ger zu sein und dann fünf Jah­re lang Unter­tan.” Spre­chen­der­wei­se wer­de die­ser Vor­gang mit den Wor­ten beschrie­ben: Wir geben unse­re Stim­me ab.

Gut, das haben Roland Baa­der und ande­re Liber­tä­re schon immer gesagt. Doch was folgt dar­aus? Die Demo­kra­tie wird ja vor allem dafür geprie­sen, dass sie eine Auto­kra­tie ver­hin­de­re. Tag­hizade­gan gibt zu beden­ken, dass sich die Mehr­heit eines Tyran­nen viel­leicht sogar leich­ter ent­le­di­gen kön­ne „als einer insti­tu­tio­nel­len Tyran­nis, die womög­lich noch auf der Illu­si­on der ‚Mit­be­stim­mung’ basiert”. Oben­drein habe in den meis­ten Demo­kra­tien der Gegen­wart die Zahl der Staats­ab­hän­gi­gen fünf­zig Pro­zent der Wahl­be­rech­tig­ten über­schrit­ten. „Das bedeu­tet: Die Regie­rung wird de fac­to durch ihre Beschäf­tig­ten kontrolliert.”

Wer also, fragt Tag­hizade­gan, übt heu­te tat­säch­lich Herr­schaft aus? Die­se Fra­ge las­se sich in einer recht erhel­len­den Wei­se prä­zi­sie­ren, näm­lich: „Wer hat ges­tern die Linie erdacht, die heu­te ver­folgt wird? (…) Wer hat ges­tern die Mei­nun­gen ver­tre­ten, die heu­te domi­nant sind? Wenn die Wäh­ler ges­tern für eine For­de­rung ‚noch nicht bereit’ waren, was oder wer hat sie umgestimmt?”

Das ist eine emi­nent berech­tig­te Fra­ge ange­sichts eines Lan­des, dem die Sati­ri­ker außer viel­leicht Bernd Zel­ler mit den ihnen vor­be­hal­te­nen Mit­teln nicht mehr bei­kom­men, wäh­rend man ihnen vor zehn Jah­ren, hät­ten sie die heu­ti­gen Zustän­de damals als Sati­re prä­sen­tiert, maß­lo­se Über­trei­bung vor­ge­wor­fen haben wür­de. Wie kommt es also, „dass For­de­run­gen und Maß­nah­men, die vor eini­ger Zeit noch von einer Mehr­heit ver­lacht wor­den wären, heu­te ‚eine Mehr­heit fin­den’? Wer hat die­se For­de­run­gen ver­tre­ten, als die Mehr­heit ’noch nicht so weit war’?”

Wir gelan­gen jetzt schnell in die Uni­ver­si­tä­ten, in Think-tanks, in die Leit­me­di­en, in Agen­tu­ren, Stif­tun­gen, NGOs, also in vor- oder meta­po­li­ti­sche Gefil­de, wo jene kul­tu­rel­le Hege­mo­nie aus­ge­kämpft wird, deren Ein­fluss auf die Gesell­schaft heu­te gar nicht über­schätzt wer­den kann – sofern die­se Gesell­schaft eine wirt­schaft­lich funk­tio­nie­ren­de ist, die den immer stär­ker wach­sen­den kul­tu­rel­len Efeu über­haupt trägt. (Ich habe das in der Sen­tenz zusam­men­ge­fasst, dass die Lin­ke nicht der Wider­part des Kapi­ta­lis­mus ist, son­dern sein Para­sit.) Ein immer grö­ße­rer, immer mehr Res­sour­cen ver­schlin­gen­der Staat tritt sei­nen Unter­ta­nen des­halb zuneh­mend mit the­ra­peu­ti­scher Atti­tü­de ent­ge­gen und betrach­tet es als sei­ne Auf­ga­be, die Wäh­ler zu erzie­hen, ihre „Vor­ur­tei­le” abzu­bau­en, sie für For­de­run­gen zu gewin­nen, die sie noch vor kur­zem belacht und für Sati­re gehal­ten hät­ten. Mit einem Wort: das Volk zu erzie­hen. „Die­se glat­te Umkehr des demo­kra­ti­schen Prin­zips hat mitt­ler­wei­le alle ‚Demo­kra­tien’ erfasst, sogar die Schweiz”, notiert der Autor, und wer woll­te ihm wider­spre­chen? Des­we­gen klin­gen heu­te Nach­rich­ten­sen­dun­gen von Tages­schau bis heu­te wie Kom­men­tar­wett­be­wer­be, des­we­gen wer­den die Schü­ler DDR-artig poli­ti­siert, des­we­gen gibt es kaum noch eine Wer­bung, die nicht eth­nisch „diver­si­fi­ziert” wäre, des­we­gen gehö­ren immer mehr „Tatort”-Folgen und Kin­der­fil­me weni­ger zum Unter­hal­tungs- als viel­mehr zum Erziehungspogramm.

Tag­hizade­gan: „Wer sich ohne jede Vor­aus­set­zung als Bür­ger wäh­nen darf, wes­sen Dumm­heit man Mei­nungs­plu­ra­li­tät und wes­sen Feig­heit man Wahl­ge­heim­nis nennt, wes­sen Neid man Anspruch tauft und wes­sen Las­ter gutes Recht, den kann man in jede Skla­ve­rei ein­lul­len, solan­ge man ihm sei­ne Bequem­lich­keit lässt. Auf­grund der reli­giö­sen Tabui­sie­rung die­ses moder­nen Kults lau­fen wir Gefahr, die nächs­te Reak­ti­on zu näh­ren, die sich dann mit sol­cher Hef­tig­keit gegen die Demo­kra­tie wen­den wird, dass sie auch die guten Sei­ten des Kon­zepts durch deren Gegen­teil erset­zen wird. Je blin­der der Glau­be an ein Ver­spre­chen, das nicht ein­ge­hal­ten wer­den kann, des­to grö­ßer die Wut, wenn das Ver­trau­en schließ­lich geplatzt ist.”

PS: Wer wei­ter­le­sen möch­te: „Die Deut­schen, so acht­bar im Ein­zel­nen, wer­den die Welt wei­ter­hin mit ihrem Fleiss, ihrer Klug­heit, ihrer Ver­läss­lich­keit und Koope­ra­ti­ons­fä­hig­keit berei­chern. Aber sie wer­den es wohl immer mehr aus­ser­halb Deutsch­lands tun, wenn dort nicht die Sekun­där­tu­gen­den ein wenig davon ablas­sen, die letz­ten paar Fun­ken Klug­heit, Mäs­si­gung, Mut und Gerech­tig­keit hys­te­risch aus­zu­tre­ten. In Deutsch­land wer­den sich dann die ver­blie­be­nen Funk­tio­nä­re und ihre Kli­en­ten das Zusam­men­le­ben täg­lich neu aus­han­deln dür­fen.” (Aus einer Kolum­ne namens „Deutsch­land, ein Nachruf”)

„Die wenig gelieb­te Uni­on ist dabei, ihre letz­ten Sym­pa­thien zu ver­spie­len. Die Reak­ti­on dar­auf macht auf­grund des nach hin­ten los­ge­hen­den Bluffs nun auf kos­mo­po­li­ti­sche Beob­ach­ter den Ein­druck eines plötz­li­chen Rück­falls in das Zeit­al­ter des viru­lent auf­bre­chen­den Natio­na­lis­mus. Es ist jedoch eine Reak­ti­on auf die Über­deh­nung der EU, die sich sym­pto­ma­tisch in der Schul­den­kri­se und der Migra­ti­ons­kri­se zeigt, und kein Auf­blü­hen des ‚Rechts­ex­tre­mis­mus’.” (Aus der­sel­ben Kolum­ne, dies­mal zum The­ma „Euro­pa der Vaterländer”.)

„Der for­ma­lis­ti­sche Uni­ver­sa­lis­mus ist die letz­te posi­ti­ve Norm der ver­meint­li­chen Gerech­tig­keit des west­li­chen Rechts­staa­tes. Wenn sie sich unter dem Druck der Rea­li­tät auf­löst, dann wird sich zei­gen, wie hohl vie­le ver­meint­li­che ‚Rechts­staa­ten’ heu­te sind.” (Die näm­li­che Kolum­ne unter dem Titel „Frei­heit con­tra Demokratie”.)

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Alex­an­der Wendt hat sich in sei­ner gewohnt nüch­ter­nen Wei­se noch ein­mal der Tata­ren­mel­dung ange­nom­men, die Mehr­zahl der Mes­ser­tä­ter hier­zu­lan­de bzw. eben im Saar­land, wo gefragt wor­den war, trü­ge den Namen Micha­el – ich habe mich an der media­len Schwei­nerl-Hatz Ende März beschwich­ti­gend betei­ligt –, was ja bedeu­ten wür­de, dass dort­selbst 746 Micha­els ding­fest gemacht wur­den, womit nur der kleins­te sach­li­che Feh­ler die­ser törich­ten Kam­pa­gne genannt sei. Doch ganz so dumm, wie man es ver­kau­fen will, ist das Publi­kum auch im Länd­chen von Hei­ko und Erich nicht (das wis­sen die in den Redak­tio­nen auch, aber sie fin­den aus ihrem Modus nicht mehr ins Freie). Leser *** hat mir nun die Leser­brief­sei­te der Saar­brü­cker Zei­tung in meh­re­ren Kopien zuge­sandt, mit der Fest­stel­lung, es sei doch über­ra­schend und hin­rei­chend erfreu­lich, dass die­se Brie­fe über­haupt ver­öf­fent­licht würden:

IMG 9019

                                      ***

Tut nichts! der Nazi wird verbrannt.

                             

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