3. Mai 2019

Das dümms­te aller Pla­ka­te zur Euro­pa­wahl, was ange­sichts der bärin­nen­star­ken Kon­kur­renz durch Grü­ne und SPD beacht­lich ist:

weil das klima 768x1024

Jetzt wer­den nicht mehr nur Karl der Käfer und Eis­bär Knud anthro­mor­phi­siert, son­dern gleich das gan­ze Kli­ma. Ui, Erdi kriegt kei­ne Luft, Erdi hat Hus­ten! Erdi muss zum Dok­tor! (Es war ja von Anfang an zu erwar­ten, dass dem Kli­ma irgend­wann der Atem aus­geht, nach knapp zwölf Mil­li­ar­den Jah­ren schon – und ein reich­li­ches Drit­tel der Zeit ist nun um…)

Was mag das aber für ein Ver­ein sein, der unter dem Namen der elek­tri­schen Span­nung mit kin­di­schen Paro­len ins EU-Par­la­ment strebt?

Die Selbst­be­schrei­bung der Com­bo gleicht intel­lek­tu­ell dem Pla­kat wie ein Oster­ei der Clau­di:
„Euro­päi­sche Her­aus­for­de­run­gen brau­chen euro­päi­sche Lösun­gen. Dabei sto­ßen natio­na­le Par­tei­en an ihre Gren­zen und popu­lis­ti­sche Ver­spre­chen set­zen unse­ren Frie­den aufs Spiel. Des­we­gen haben wir Volt gegrün­det, eine Bewe­gung und Par­tei für ganz Euro­pa. Wir sind die ers­te pan­eu­ro­päi­sche Par­tei – grenz­über­grei­fend machen wir Poli­tik für ein föde­ra­les Euro­pa. In über 30 Län­dern bewe­gen wir Bür­ge­rin­nen und Bür­ger dazu auf loka­ler, natio­na­ler und euro­päi­scher Ebe­ne, Poli­tik neu zu den­ken und mit­zu­ge­stal­ten. (…)
Unse­re Visi­on ist ein demo­kra­ti­sche­res und trans­pa­ren­tes Euro­pa, das Ver­ant­wor­tung für uns über­nimmt. Des­we­gen wol­len wir ein ver­ei­nig­tes Euro­pa mit einer ech­ten euro­päi­schen Demo­kra­tie. Wir wol­len ein star­kes Euro­pa Par­la­ment, das Geset­ze vor­schla­gen kann und eine euro­päi­sche Minis­ter­prä­si­den­tin wählt, die sich vor unse­ren Volks­ver­tre­tern ver­ant­wor­ten muss.”

Es ist immer wie­der erstaun­lich, wenn sich poli­ti­sche Ver­ei­ne kon­sti­tu­ie­ren, die etwas for­dern, was bereits x‑fach von längst exis­tie­ren­den Vor­gän­ger­trup­pen gefor­dert wird. Die Wahr­schein­lich­keit, als sieb­zehn­tes Cof­fee-Shop in einer Stra­ße mit fünf­zehn Haus­num­mern beim Kun­den einen Run aus­zu­lö­sen, ist ja rie­sig. Immer­hin haben die pro­to­p­an­gäi­schen Minis­ter­prä­si­den­tin­nen­kü­rer erkannt, dass jemand Ver­ant­wor­tung für sie über­neh­men muss. Allein schaf­fen sie’s womög­lich nicht. 

                                    ***

Zu mei­nen Paris-Impres­sio­nen (Acta vom 28. April) errei­chen mich zahl­rei­che Zuschrif­ten, die im Kern alle­samt den Befund bestä­ti­gen: Die Stadt an der Sei­ne, einst eine ewig­gest­rig-eli­tä­re Hoch­burg der dis­kri­mie­ren­den wei­ßen Aus­beu­ter- und Kolo­ni­al­kul­tur, eilt ihrer Befrei­ung ins Final­b­un­te und ulti­ma­tiv Welt­of­fe­ne ent­ge­gen, und wir kön­nen sagen, wir sei­en dabei­ge­we­sen, wenn auch in zuneh­men­der Distanz, denn wel­ches Herz mag das Über­wäl­ti­gen­de die­ses Vor­gangs schon zu fas­sen? Das nost­al­gi­sche von Leser *** jeden­falls nicht:

„Ihr Paris­rei­se­be­richt erin­nert mich an mei­nen letz­ten Auf­ent­halt vor etwa fünf Jah­ren dort. Beim obli­ga­ten Gang über quai Vol­taire und Fg. St.Honoré fiel auf, dass nahe­zu alle  welt­be­deu­ten­den Anti­qui­tä­ten­händ­ler ver­schwun­den sind. Didier Aaron, Jean Lupu, Mau­rice Ségou­ra, Oli­vi­er Kraemer, Aria­ne Dan­dois, Mar­cel Grun­span, Jac­ques Per­rin, Jean Marie Ros­si und Gis­mon­di, alle haben dicht gemacht oder sind weg­ge­zo­gen. Auch der ‚Lou­vre des Anti­quai­res’ die­se berühmt berüch­tig­te Res­ter­am­pe für ver­pfusch­te oder gänz­lich fal­sche Ware, die­ses durch­aus reiz­vol­le Betrü­ger­sta­del, was stets für die fri­vo­le Leb­haf­tig­keit des Pari­ser Kunst­han­dels stand, ist voll­ends verschwunden.

Statt­des­sen über­all ‚Flagship Stores’ irgend­wel­cher Kon­zer­ne der (hor­ri­bi­le dic­tu) Luxus­gü­ter­in­dus­trie: Schau­fens­ter zwar teils geni­al deko­riert, aller­dings voll mit über­all dem­sel­ben min­der­wer­ti­gem Tin­nef, viel­leicht von Her­mes und Char­vet noch ein­mal abge­se­hen. Über­all der glei­che grell feil­ge­bo­te­ne Schund, sich in nichts unter­schei­dend von dem Zeug in den zahl­lo­sen Shops in Lon­don, Dubai oder Hong Kong. Es war in gespens­ti­scher Wei­se depri­mie­rend und frus­trie­rend. Das sel­be fiel mir bei den Autos auf. Das fran­zö­si­sche Auto­mo­bil­de­sign, einst wit­zig und ori­gi­nell, ist völ­lig auf den Hund gekommen.

Es wird so kom­men, wie Sie es ein­mal in Ihrem Dia­ri­um skiz­ziert haben: Eine Alli­anz von Chi­ne­sen, Amis und Rest­eu­ro­pä­ern wird Bor­de­lais und Bur­gund als Pro­tek­to­rat zur Ver­fü­gung erhal­ten und den Rest­be­stand fran­zö­si­scher Cul­tu­re als Nach­lass­ver­wal­ter betreu­en und einen eiser­nen Vor­hang nebst Todes­strei­fen drum­her­um bauen.

Frank­reich ist fest im Griff des Anti­chris­ten und folg­lich am Ende. Es war so schön.”

                                  ***

Zum Sehen gebo­ren,
Zum Schau­en bestellt,
Dem Tur­me geschwo­ren
Gefällt mir die Welt.

Ich blick in die Fer­ne,
Ich seh in der Näh,
Den Mond und die Ster­ne,
Den Wald und das Reh. 

So seh ich in allen
Die ewi­ge Zier
Und wie mir’s gefal­len
Gefall ich auch mir. 

Ihr glück­li­chen Augen,
Was je ihr gesehn,
Es sei wie es wol­le,
Es war doch so schön!

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