1. Juli 2019

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„Wer nicht an Mythen glaubt, glaubt an Lügen.”
Nicolás Gómez Dávila

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„Clau­dia Roth: So sehen End­sta­di­en aus.”
Maxi­mi­li­an Krah

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Inter­es­san­ter Gast­bei­trag von Gabor Stein­gart auf Focus-online zu Mer­kels Auf­tritt in Brüs­sel: „Mer­kels Bilanz bei der Beset­zung inter­na­tio­na­ler Pos­ten lässt sich für die spä­te­ren Geschichts­bü­cher am bes­ten in der Glei­chung zusam­men­fas­sen: 14 x 0 = 0. … Kein Kom­mis­si­ons­prä­si­dent. Kein Rats­prä­si­dent. Kein EZB-Prä­si­dent. Kein geschäfts­füh­ren­der Direk­tor des Inter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds. Kein Prä­si­dent der Welt­bank. Kein Prä­si­dent des Euro­päi­schen Gerichts­hofs. Das zah­len­mä­ßig größ­te und öko­no­misch bedeu­tends­te Land Euro­pas steht nach die­sem Wochen­en­de ein­mal mehr mit lee­ren Hän­den da. Deutsch­land in der Amts­zeit von Ange­la Mer­kel: die unsicht­ba­re Nation.”

Stein­gart ist so gene­rös, die­ses Resul­tat dem Unge­schick zuzu­schrei­ben. Wie aber, wenn die­se Per­son Deutsch­land inzwi­schen tat­säch­lich ver­ach­tet (den Begriff nicht im Sin­ne Nietz­sches zu ver­ste­hen, dafür ist sie zu gering) oder sogar ver­ab­scheut? Alles, was Mer­kel poli­tisch ins Werk setzt oder unter­lässt, geschieht zum Scha­den der Deut­schen. Dann ist das eben nicht mehr ihr Land… Wie, wenn wir uns längst in der Pha­se der Nero­be­feh­le befin­den? (Wird uns über ihre Zit­ter­an­fäl­le viel­leicht der­einst ein Dr. Morell Aus­künf­te erteilen?)

Stein­gart: „Man muss kein Demo­kra­tie­for­scher sein, son­dern nur die Chat­rooms der gro­ßen Medi­en­por­ta­le durch­strei­fen, um die absto­ßen­de Wir­kung sol­cher Art Hin­ter­zim­mer-Geschäf­te auf das Publi­kum zu erfas­sen. Die ARD – dar­an erkennt man den treu­en Johann des Par­tei­en­staa­tes – schloss kur­zer­hand auf ihrem Web­por­tal die Kom­men­tar­funk­ti­on, weil sich dort par­tout kei­ne für Mer­kel güns­ti­ge Sicht ein­stel­len woll­te. Also hieß es: ‚Sehr geehr­te User, alle wesent­li­chen Argu­men­te sind genannt. Des­halb haben wir beschlos­sen, die Kom­men­tar­funk­ti­on zu schließen.’ ”

Unab­hän­gi­ges Fern­se­hen, Demo­kra­tie­ab­ga­be… Es bleibt die Danisch-Fra­ge: Wer glaubt denen noch was? Wer wählt so was?

PS: Wie ich denn zu dem Kurz­schluss köm­me, dass deut­sche Beam­te in der EU auto­ma­tisch deut­sche Inter­es­sen ver­tre­ten wür­den, fragt Lese­rin ***, und da hat sie auch wie­der recht.

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Wo aber dem Par­tei­en­klün­gel Gefahr droht, naht das Ver­fol­gen­de auch.

„Wann wer­den die Schu­lungs­zen­tren in den Her­ren­häu­sern aus­ge­ho­ben, in denen die Ideo­lo­gen sich als geis­ti­ge Brand­stif­ter auf­füh­ren?”, ruft Sig­mar der Beleib­te und Beherz­te recht unge­scheut zu Rechts­bruch und Staats­ter­ror „gegen rechts” auf, der­weil ein baye­ri­scher Kanz­le­rin­nen­ka­min­vor­le­ger-Dio­sku­re for­dert, bei der Exor­zie­rung der Rech­ten nicht nur das Recht, son­dern über­dies die guten Sit­ten zu ver­ges­sen; es dür­fe mit AfD-Ver­tre­tern nicht ein­mal „zum Kaf­fee­plausch” kom­men, und grü­ßen sol­le man die Hexen und hin­ken­den Teu­fel auch nicht. Wäh­rend die Uni­on für das Arma­ged­don gegen rechts der­weil, wenn­gleich etwas ver­druckst und ver­le­gen, Seit’ an Seit’ mit der Anti­fa schrei­tet, will der CSU-Chef auch in den ihm ohne­hin eher unbe­hag­li­chen Belan­gen der Manie­ren zu Rot-Grün auf­schlie­ßen, denn das Nicht-Grü­ßen der Schwe­fel­par­tei­ler gehört dort zum anti­bür­ger­li­chen Stan­dard wie der Ver­zicht auf Make-up oder Kra­wat­te unter den viel­ge­schlecht­li­chen pro­gres­si­ven Mandatsträgern.

Söder und Gabri­el, die­se Atlan­ten der Demo­kra­tie und Prä­zep­to­ren des Plu­ra­lis­mus, haben neben ihrer ten­denz­kon­for­men Aver­si­on gegen den jewei­li­gen Paria viel gemein­sam: Bei­de sind knall­deut­sche Ple­be­jer, habi­tu­el­le Bau­ern­bu­ben* in Funk­tio­närs­schu­hen, die Gna­de der spä­ten bzw. west­li­chen Geburt hat sie davor bewahrt, in einem ech­ten Regime die Oppo­si­ti­on zu bekämp­fen und Haus­durch­su­chun­gen anzu­ord­nen, bei­den eig­net etwas Aggres­si­ves, Dröh­nen­des und zugleich Lau­ern­des, Ver­schla­ge­nes. Bei­den ist anzu­se­hen, wie schwer ihnen die Selbst­kon­trol­le fällt, bei­de wis­sen sich nicht zu bewe­gen, weil sie fürch­ten, dass man ihnen sofort das pie­fi­ge Milieu anmerkt, dem sie ent­stam­men, bei­de sind unkul­ti­viert, unge­bil­det, lang­wei­lig, bei­de sind Plat­ti­tü­dendre­scher, in deren Wasch­brett­hir­nen außer tak­ti­schen Erwä­gun­gen nie ein eige­ner Gedan­ke vor­stel­lig wur­de. Bei­de geben sich nass­forsch, sind aber tat­säch­lich fei­ge bis in die Band­schei­ben­schä­den. Bei­de sind die Inkar­na­ti­on des­sen, was der Schwur­belant Ador­no den „auto­ri­tä­ren Cha­rak­ter” nann­te und man bei der Zeit bis heu­te den „häss­li­chen Deut­schen” nennt. Nie­man­des Auge ruht mit Wohl­ge­fal­len auf ihnen. Wer woll­te sol­che Figu­ren an sei­ner Mit­tags­ta­fel haben? Ein Kaf­fee wäre wahr­lich das Äußers­te, was man sich an Höf­lich­keit und ent­ge­gen­kom­men­der Zivi­li­tät abrin­gen könnte…

* „Sehr geehr­ter Herr Klo­n­ovs­ky, so zutref­fend Ihre Cha­rak­te­ris­tik von Gabri­el und Söder und Poli­ti­kern ihres Schla­ges auch ist: Bau­ern tun Sie mit dem Ver­gleich unrecht. Die ich ken­nen­lern­te waren bedäch­tig im Urteil, gaben etwas auf Erfah­rung, führ­ten nicht das gro­ße Wort und ver­stan­den etwas von ihrem Geschäft. Sie gaben nicht vor, etwas ande­res zu sein als das, was sie waren. Daher beweg­ten sie sich in ihren Krei­sen mit Natür­lich­keit und Sicher­heit, die nicht geschau­spie­lert war, also mit Wür­de. Sie woll­ten nicht hoch hin­aus, son­dern taten etwas für ihre Gemein­schaft. Auf sol­chem Boden gedeiht ein tro­cke­ner Humor – und die Bau­ern­bu­ben gera­ten meis­tens auch.”

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Die Oppo­si­ti­on wird heu­te rund­um­be­schallt mit dem Vor­wurf von Hass und Het­ze. Aber ein Mensch, der das Häss­li­che hasst – das von Innen her Häss­li­che, das Kor­rup­te, all­zeit Ver­rats­be­rei­te, inner­lich Ver­dor­be­ne –, beweist ledig­lich, dass ihm die gesun­den Instink­te noch nicht abhan­den gekom­men sind.

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Ein­zel­fall Lüb­cke? Unver­dros­sen mor­det prak­tisch die AfD weiter.

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„Ich erlau­be mir, fest­zu­stel­len”, schreibt Leser ***, „daß Ihre Aus­wahl der aktu­el­len Monats­end­fi­gur und spe­zi­ell das zuge­hö­ri­ge Bewegt­ton­bild eine exzel­lent gewähl­te Meta­pher auf eine der Grund­kon­stan­ten mensch­li­chen Daseins (zumin­dest in der west­li­chen Hemi­sphä­re) ist: ‚Män­ner erschaf­fen, Frau­en benut­zen.’ Alles in die­sem Video ist die Benut­zung männ­li­chen Schaf­fens. Alle Tech­nik, von den Instru­men­ten über Ton- und Bild­auf­nah­me, der Spei­che­rung, der Ver­tei­lung über das Netz bis hin zu all den viel­fäl­ti­gen Abspiel­ge­rä­ten ist alles männ­li­chen Ursprungs. Und auch die gespiel­te Musik ist männ­lich. Was gera­de in die­sem Fall ins Auge springt, da die Damen sich abso­lut skla­visch an das Ori­gi­nal hal­ten und wirk­lich kei­nen ein­zi­gen Fun­ken eige­ner Krea­ti­vi­tät einbringen…

Die Außer­kraft­set­zung die­ses mensch­li­chen Grund­mus­ters durch sozia­lis­ti­sche Gleich­stel­lung und des­sen viel­fäl­ti­ger Fol­gen ist ja auch der einer der Ker­ne des Todes­kamp­fes unse­rer heu­ti­gen deut­schen Gesell­schaft. Aber wem sage ich das…”

PS: Leser *** wider­spricht: Die gespiel­te Musik mag männ­lich sein (Led Zep­pe­lin), das Lied sel­ber aber stammt von einer Frau.

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Was macht eigent­lich die Intel­li­genz­pres­se? Sol­che Über­schrif­ten. Fort­set­zung hier.

Nach­trag zur gest­ri­gen Fol­ge. Der Kom­men­tar von Kubicki endet mit den Wor­ten: „Von Peter Tau­ber ist zu lesen: ‚Die poli­ti­sche Rech­te kann man nicht inte­grie­ren oder ein­bin­den.’ Wenn das stim­men soll­te, wären nur noch Ver­tre­ter der poli­ti­schen Mit­te und der Lin­ken akzep­ta­ble poli­ti­sche Kräf­te. Wer so redet, gibt unse­re frei­heit­li­che Demo­kra­tie auf.”

Na was denn sonst!

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Es ist ein gro­ßer Unter­schied, ob ich mit der oder gegen die Regie­rungs­li­nie het­ze, aber es bleibt Het­ze, und Tau­ber ist ein Het­zer par excel­lence. Mit sol­chen Figu­ren kann es kei­nen Frie­den geben, sie sin­nen durch­aus auf die Ver­nich­tung der bür­ger­li­chen Exis­tenz von Anders- oder über­haupt Den­ken­den, auch wenn sie ohne den Schutz von Macht und Mehr­heit sofort zu win­seln anfan­gen wür­den. Wer sich die deut­sche Öffent­lich­kei­ten anschaut – in den USA ist es ja noch schlim­mer –, der sieht, dass die Grä­ben immer tie­fer wer­den. Schwer vor­stell­bar, wer sie über­brü­cken oder zuschüt­ten soll.

Wäre ich ein isla­mi­scher Radi­ka­ler, wür­de ich sagen: Hof­fent­lich geht das so wei­ter, hof­fent­lich fan­gen sie irgend­wann an, sich die Schä­del ein­zu­schla­gen. Was ist leich­ter zu über­neh­men, als eine in sich zutiefst gespal­te­ne Gesellschaft?

 

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