18. Juli 2019

Die schöns­ten Bil­der aus dem Leben der Ange­la Mer­kel, zum 65. Wie­gen­fes­te in Dank­bar­keit dediziert:

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                                    ***

„Manch­mal”, beginnt eine Tages­spie­gel-Sati­re (Akif Pirincci wür­de schrei­ben: beginnt der Ver­such des Tages­spie­gel-Her­aus­ge­bers, drei alten wei­ßen Poli­ti­ke­rin­nen gleich­zei­tig ins nicht mehr rosen­fing­ri­ge, wenn­gleich bran­chen­ty­pisch elas­ti­sche Rek­tum zu krie­chen, aber der schnallt ja eh nix), „manch­mal, wuss­te Fried­rich Heb­bel, gehört mehr Mut dazu, sei­ne Mei­nung zu ändern, als ihr treu zu blei­ben. Das kann man wohl sagen. Ob sich das auch Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er gesagt hat?”

Schon mög­lich. Ihr inner­par­tei­li­ches und damit zugleich inner­welt­li­ches Idol jeden­falls mag sich das schon öfter geflüs­tert haben, der­weil es sei­ne Mei­nun­gen ähn­lich mutig wech­sel­te wie sei­ne Hosen­an­zü­ge (Alex­an­der Wendt hat die bes­ten abge­tra­ge­nen Ansich­ten hier zu einer Kar­rie­ren­spät­herbst­kol­lek­ti­on ver­sam­melt). Ob auch Mer­kel II. sich der­glei­chen Par­öl­chen sel­ber flüs­tert, ist inso­fern einer­lei, als der Tages­spie­gel es an ihrer Statt in sati­ri­scher Unver­hoh­len­heit erledigt.

„ ‚Die Saar­län­de­rin’, so wird sie apo­stro­phiert, dass es abschät­zig klingt. Und so ist es auch gemeint. Klei­nes Land, gerin­ge Bedeu­tung. Was soll die schon von Sicher­heits­po­li­tik, Bun­des­wehr und all dem ver­ste­hen, oder? Abge­se­hen davon, (…) dass Saar­län­der über­pro­por­tio­nal in der soge­nann­ten gro­ßen Poli­tik ver­tre­ten waren und sind, man den­ke aktu­ell bloß an Peter Alt­mai­er oder immer noch Oskar Lafontaine”.

Oder, wenn wir schon an gro­ße Humo­ris­ten mit sicher­heits­po­li­ti­schem Weit­blick erin­nern, an Erich den Einzigen!

„Ein gro­ßer Gene­ral braucht auch For­tü­ne, wuss­te der Alte Fritz.”

Sie wer­den sehen, wer hier nach Heb­bel und dem gro­ßen Fried­rich noch, obwohl mas­ku­lin, als wis­send her­bei­ge­wuch­tet wird, um Anne­gret Cou­ra­ge und den ande­ren bei­den Gol­den Girls der CDU gewis­ser­ma­ßen von jen­seits des Gra­bes zu sekundieren.

„Wenn es der Mut war, sich selbst not­falls zur Dis­po­si­ti­on zu stel­len – dann könn­te man es doch auch einen Mut zur Frei­heit nen­nen. Sie ist so frei, die­se Her­aus­for­de­rung anzu­neh­men und dar­an schei­tern zu können.”

(Schon rich­tig, wür­de Akif Pirincci jetzt schrei­ben, nur: Auf wel­chen Kan­di­da­ten für ein Amt hät­te dies jemals nicht zuge­trof­fen? Sogar unser Zäpf­chen von Tages­spie­gel-Her­aus­ge­ber könn­te in sei­nem Amt schei­tern, wenn­gleich es so gut ein­ge­fet­tet ist, dass der Flutsch in jeden anvi­sier­ten End­darm kom­pli­ka­ti­ons­los gelin­gen sollte.)

„Mit dem Wil­len, die Situa­ti­on zu bestehen, aber im Wis­sen um die Fall­stri­cke und die Lei­den, die es ver­ur­sa­chen kann, wenn man sich in den Dienst stellt oder stel­len lässt. Hier ist die Tugend der Tap­fer­keit nicht mehr weit ent­fernt. Das hät­te auch Pla­ton gefal­len, für den doch Tap­fer­keit zu den Grund­tu­gen­den zählte.”

Womit die Kramp-Kar­ren­bau­er­sche Tap­fer­keit prak­tisch & syl­lo­gis­tisch bewie­sen wäre. Aber war­um gera­de Pla­ton? Weil der „in ‚Poli­teia’, sei­ner Vor­stel­lung vom Ide­al­staat, fast schon als Befür­wor­ter der Eman­zi­pa­ti­on erscheint, woll­te der Phi­lo­soph doch Frau­en den Zugang zu allen Ämtern öff­nen. Wohl­ge­merkt allen.” Also auch AKK und Ursu­la von der Ley­en ins OKW* und OKH**. (Wobei Akif Pirincci, wenn er statt mei­ner auf die­sen Kom­men­tar reagier­te, nun ins Gedächt­nis rufen wür­de, dass Sokra­tes sich bereits im ein­lei­ten­den Gespräch der „Poli­teia” dage­gen aus­spricht, einem (oder einer) Wahn­sin­ni­gen Waf­fen in die Hand zu geben, und wer bezwei­fel­te, dass sogar der gele­gent­li­che Xan­thip­pe-Beschä­ler die Flin­te­nu­schi und die Frem­den­füh­re­rin für ver­gleichs­wei­se irre hal­ten würde?)

„Wer frei ist, zu schei­tern, ist frei, das Rich­ti­ge zu tun”, rat­tert unse­re sar­do­ni­sche Phra­sen­dresch­ma­schi­ne mun­ter fort. „Umso bes­ser für die Poli­tik, wer den Mut auf­bringt, sich dem zu stel­len. Womit wir bei ihrer Vor­gän­ge­rin wären, bei Ursu­la von der Ley­en. Sie, die dienst­äl­tes­te Minis­te­rin der Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel, über all ihre Jah­re dabei, hat sich befreit vom bis­he­ri­gen Amt, was in jedem Fall rich­tig war. Von der Ley­en war dem Schei­tern nahe. Unge­ach­tet ihrer gera­de­zu sol­da­ti­schen Art, Her­aus­for­de­run­gen nicht aus dem Weg zu gehen, ihnen mit Wage­mut zu begeg­nen. Aber genau­so ist es ihre Bega­bung, Chan­cen zu sehen, wo sie sich bie­ten, Gele­gen­hei­ten sogar zu schaf­fen, die sie nut­zen kann. Es erfor­der­te, so gese­hen, allein schon Mut, sich der Her­aus­for­de­rung zu stel­len, im Euro­päi­schen Par­la­ment gewählt wer­den zu wollen.”

Sie wer­den mir sicher­lich bei­pflich­ten, geneig­te Leser, dass die Kar­rie­ren der drei hier the­ma­ti­sier­ten Damen sich ihrem Ende ent­ge­gen­n­ei­gen müs­sen, wenn schon der Her­aus­ge­ber von Ber­lins nahe­zu füh­ren­dem Regie­rungs­blatt sich der­ma­ßen über sie lus­tig zu machen wagt, dass damals im Osten die Sta­si ein­ge­schrit­ten wäre. 

Der Tages­spie­gel-Arti­kel begann mit einem Heb­bel-Zitat, und so will ich auch mit einem schlie­ßen: „Die deut­sche Nati­on ver­teilt ihre Lor­bee­ren wie Ophe­lia ihre Blumen.”

(* Ober­kom­man­do Welt­mo­ral)
(** Ober­kom­man­do Heils­durch­glüht­heit bzw. Hitzewallungsbegleitgeschwafel)

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„Ich bin Euro­päe­rin gewe­sen, bevor ich spä­ter gelernt habe, dass ich Deut­sche bin und Nie­der­säch­sin. Und des­halb gibt es für mich nur eines: #Euro­pa einen und stär­ken”, twit­ter­te eine der drei Heim­su­chun­gen, denen eben der Hohn einer sehr bedeu­ten­den loka­len Gazet­te galt. Frau von der Ley­en meint damit, sie sei als Euro­päe­rin gebo­ren wor­den, denn sie kam in einer Gemein­de der Regi­on Brüs­sel zur Welt. Wenn du in Brüs­sel gebo­ren wur­dest, bist du näm­lich inzwi­schen auto­ma­tisch Euro­pä­er, nicht etwa Bel­gi­er (ius soli) oder Deut­scher (ius san­gui­nis). Aber, auf­ge­merkt nun also, nie­mand ist auto­ma­tisch Euro­pä­er, der in Buda­pest, Nea­pel oder Ber­lin den Mut­ter­schoß durch­bro­chen hat. Wer das Dun­kel der Welt gar zu Basel oder Zürich ersterblick­te, wur­de nicht mal in Euro­pa, son­dern in einer sinis­tren Enkla­ve her­vor­ge­kreißt. Frei­lich: In Brüs­sel-Molen­beek kannst du heu­te auch und sogar als Ara­ber gebo­ren wer­den. In Deutsch­land wie­der­um bekommt jeder Stress mit guten EU-Euro­pä­ern, wer dar­auf hin­weist, die­ser und jener sei­en in Kin­sha­sa oder Moga­di­schu gebo­ren, also han­de­le es sich nicht um Euro­pä­er, son­dern ein­wand­frei um Afrikaner.

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Das Aus­wär­ti­ge Amt twit­ter­te sei­ner­seits unlängst: „Es ist nach­weis­lich nicht die Aus­sicht auf Ret­tung im Mit­tel­meer, die Men­schen ver­an­lasst, sich auf den Weg nach Euro­pa zu machen, son­dern Armut und Per­spek­tiv­lo­sig­keit in ihren Hei­mat­län­dern” (hier, zwei­ter Antwort-Tweet).

Was das Außen­amt hier hoch­of­fi­zi­ös zuge­ge­ben habe, schreibt Leser ***, sei „nicht mehr und nicht weni­ger, als dass die Migran­ten aus öko­no­mi­schen Grün­den in unser Sozi­al­sys­tem ‚flüch­ten’ – und nicht aus poli­ti­schen oder Grün­den des Krie­ges. Bei man­chen Men­schen wir­ken gele­gent­lich Res­te ihrer ethi­schen Erzie­hung nach. So kann es pas­sie­ren, dass ihnen – trotz beruf­li­chen Dau­er­zwangs zur Lüge – in unbe­dach­ten Momen­ten ein­mal spon­tan die Wahr­heit herausrutscht.”

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CNN wun­dert sich: „Last week, 22 most­ly Wes­tern coun­tries laun­ched the world’s first major collec­ti­ve chal­len­ge to China’s crack­down an Uyghur Mus­lims and other mino­ri­ties.” Aber schon einen Tag spä­ter spran­gen 37 ande­re Län­der den Chi­ne­sen zur Sei­te und miss­bil­lig­ten den Appell, die Hälf­te davon pikan­ter­wei­se mus­li­misch, dar­un­ter Paki­stan, Syri­en, Sau­di-Ara­bi­en und die Emi­ra­te. (Man muss sich das auf der ver­hetz­ten Zun­ge zer­ge­hen las­sen: Syri­en, das Land, aus dem scha­ren­wei­se Mus­li­me nach Deutsch­land angeb­lich flie­hen, unter­stützt Peking, nach­dem die Chi­ne­sen von west­li­chen Staa­ten gerügt wur­den, ihre mus­li­mi­sche Min­der­heit zu unterdrücken!)

„I was sur­pri­sed that (Mus­lim coun­tries) would put it in wri­ting and put their names on it and sign a docu­ment to actual­ly prai­se Chi­na”, wun­der­te sich irgend­ein Direk­tor irgend­ei­nes Glo­bal Poli­cy-Cen­ters gegen­über CNN, damit die Jour­na­lis­ten es nicht allein tun müs­sen. Es sei einen Sache, dane­ben zu ste­hen und die Klap­pe zu hal­ten, aber eine ande­re, die Chi­ne­sen unauf­ge­for­dert und auch unnö­ti­ger­wei­se zu unter­stüt­zen. „I think that’s indi­ca­ti­ve of the influ­ence and power that Chi­na has.”

„Stellt sich  die Fra­ge: Wie schafft es Peking, die­se Län­der unter sei­ne Kan­da­re zu brin­gen?”, notiert Leser ***, der mich auf die Mel­dung auf­merk­sam mach­te. „Oder: Wis­sen die­se Län­der, wie sinn­voll es ist, mus­li­mi­schen Ter­ro­ris­mus zu bekämpfen?”

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„Die USA mar­kier­ten mit der Apol­lo-11-Mis­si­on ihren Anspruch als gro­ße, unan­ge­foch­te­ne Füh­rungs­macht der Welt. Zugleich konn­ten sich aber alle Erden­bür­ger freu­en, weil plötz­lich deut­lich wur­de, dass die Mensch­heit als Gan­zes etwas Groß­ar­ti­ges erreicht hat­te. Jeder konn­te sich in die­sem Moment als Teil einer fried­li­chen, glück­li­chen Welt­ge­mein­schaft füh­len, unab­hän­gig von Her­kunft oder Hautfarbe.”

Schreibt Spie­gel online.

Ich hat­te ges­tern einen Leser zitiert, der sich wun­der­te, welch gerin­ge Reso­nanz das 50. Jubi­lä­um des Mond­be­tritts in hie­si­gen Medi­en her­vor­rief, der­weil es in eng­lisch­spra­chi­gen Kanä­len gefei­ert wur­de. Heu­te reich­te er mir die­sen Tweet der New York Times nach:

„The Apol­lo pro­gram was desi­gned by men, for men. If we do not ack­now­ledge the gen­der bias of the ear­ly space pro­gram, it beco­mes dif­fi­cult to move past it.”

Nicht nur das Raum­fahrt­pro­gramm, die gesam­te Mathe­ma­tik, die gesam­te Phy­sik, die gesam­te Che­mie, die gesam­te Tech­nik, also auch die Druck­ma­schi­nen und Com­pu­ter der New York Times samt deren Pro­gram­men, dem Strom, der sie betreibt, dem Haus, wor­in der­glei­chen Tweets aus­ge­heckt wer­den, und dem Medi­um, das sie ver­brei­tet: alles nahe­zu voll­stän­dig desi­gned by men, wenn­gleich kei­nes­wegs only for men, im Gegen­teil, den Text hat wahr­schein­lich ein Mäd­chen get­wit­tert. Und es wird aber so was von dif­fi­cult to move past it. Zum Glück! *

Doch wei­ter mit Spie­gel online, desi­gned by men, only for man­kind.

„Heu­te, unter der Prä­si­dent­schaft von Donald Trump, ste­hen die USA kaum mehr für das Ide­al der fried­li­chen, fort­schritt­li­chen, demo­kra­ti­schen Welt­ge­mein­schaft, die gemein­sam dar­an arbei­tet, Her­aus­for­de­run­gen anzu­ge­hen. Das Land strahlt nicht mehr.”

Dafür strahlt ’schland! Es strahlt im Bor­dell­tü­ren­glit­zer sei­ner Will­kom­mens­kul­tur, von den Frei­bä­dern bis zu den Not­auf­nah­men, es strahlt im Glanz der hohen Spra­che sei­ner Dich­ter, vom sin­gu­lä­ren Grün­bei­ni­gen bis zu den Juli-Zehen, strahlt in der Bril­lanz sei­ner viel­stim­mi­gen Publi­zis­tik, sei­ner geschmack­vol­len Thea­ter­in­sze­nie­run­gen, sei­ner abend­li­chen bun­ten Bahn­hofs­vor­plät­ze, sei­ner fast fer­tig­ge­bau­ten Flug­hä­fen, sei­ner inno­va­ti­ven Wis­sen­schaft­ler, ob nun in der KI-Ent­wick­lung, der Gen­tech­nik, der Bio­tech­no­lo­gie, der Auto­mo­bil­in­dus­trie, der Atom­ener­gie­for­schung etc. pp., es strahlt im geheim­nis­vol­len Lich­ter­spiel sei­ner Gen­der-Lust­grot­ten, strahlt im Glan­ze einer ein­zig­ar­ti­gen und welt­weit bewun­der­ten Debat­ten­kul­tur und genia­li­scher Par­la­ments­re­den, es strahlt, strahlt und strahlt nicht zuletzt im necki­schen Far­ben­spiel des publi­zis­ti­schen Mit­tel­strahls, der aus der Ham­bur­ger Relo­ti­us­spit­ze ver­läss­lich ins Land plätschert.

„Für gro­ße Träu­me ist kein Platz. (…) Wenn Trump über die seit Lan­gem geplan­te Mars­mis­si­on spricht, klingt das hohl und uninspiriert.”

Wäh­rend Mer­kel und Macron längst inspi­riert die Jupi­ter­mon­de anvisieren.

„Im Wei­ßen Haus sitzt ein Mann, der ande­re Län­der zu Geg­nern erklärt.”

Ungarn? Polen? Russ­land? Sachsen?

„Trumps nie­der­träch­ti­ge Auf­for­de­rung an vier weib­li­che Kon­gress­ab­ge­ord­ne­te der Demo­kra­ten mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, in ihre Her­kunfts­län­der ‚zurück­zu­ge­hen’, ist der vor­läu­fi­ge Tiefpunkt”.

Wobei der Spie­gel-Kom­men­tie­rer gewiss klamm­heim­li­che Freu­de emp­fän­de, wenn Trump das­sel­be wider­füh­re wie dem Kas­se­ler CDU-Poli­ti­ker Lüb­cke, der ja nichts ande­res als der dia­bo­li­sche Donald gesagt hat­te, als er Geg­nern der Mer­kel­schen Migra­ti­ons­po­li­tik emp­fahl, sie könn­ten jeder­zeit das Land ver­las­sen, wenn sie mit der Regie­rung unzu­frie­den seien.

„Trump hat kei­ne gro­ße, inspi­rie­ren­de Idee, die Men­schen zusam­men­bringt. So wie einst die Mondlandung.”

Der Genos­se Jour­na­list zeigt, was er gelernt hat, und schließt mit der Rück­ehr zum Aus­gangs­mo­tiv kühn den Kreis sei­ner erle­se­nen Argu­men­ta­ti­on. Die Mond­lan­dung war aller­dings eine Stell­ver­tre­ter­schlacht im Kal­ten Krieg, also eher das Gegen­teil einer Idee, mit der die Men­schen zusam­men­ge­bracht wer­den soll­ten, aus­ge­nom­men frei­lich die unmit­tel­bar betei­lig­ten Wis­sen­schaft­ler, Tech­ni­ker und Astro­nau­ten, die, wie jeder weiß, samt und son­ders Län­dern ent­stamm­ten, die der­zeit ihre bes­ten Kräf­te auf den deut­schen Mond ent­sen­den, um ihn der Viel­falt zu erschließen.

„Ame­ri­ka, der leuch­ten­de Stern von Frei­heit und Welt­of­fen­heit, ver­sinkt in einer Kloa­ke aus Res­sen­ti­ments und Hass. Statt als Vor­bild gegen Vor­ur­tei­le daheim und in der Welt anzu­kämp­fen, erweckt Trump die nie­ders­ten Instink­te im Volk zu neu­em Leben.”

Zum Bei­spiel den nie­de­ren Instinkt, Nach­barn, Mit­schü­ler, Kom­mi­li­to­nen, Kol­le­gen anzu­schwär­zen, weil sie in der fal­schen Par­tei sind oder mit ihr sym­pa­thi­sie­ren, um deren bür­ger­li­che Exis­tenz zu ver­nich­ten und den eige­nen sozia­len Sta­tus zu erhöhen?

„Es ist über­haupt nicht aus­ge­schlos­sen, dass Trump mit sei­nen Paro­len auch bei der nächs­ten Wahl Erfolg haben wird. ‚Vie­le Men­schen fin­den das gut, was ich sage’, ruft er. Und das ist lei­der – aus­nahms­wei­se – die Wahrheit.”

Mein Gott, wie ich mich auf die­sen Tag freue! Und auf die Kom­men­ta­re erst!

* Natür­lich folg­te der Hin­weis auf die Sto­ry der „Hid­den Figu­res”, also jener drei weib­li­chen und über­dies schwar­zen Mathe­ma­ti­ke­rin­nen, ohne die der Mond qua­si nie betre­ten wor­den wäre; ich habe dazu hier etwas zitiert und har­re wei­te­rer Fal­si­fi­zie­run­gen; man darf ja dem schlim­men Donald nicht das Mono­pol auf alter­na­ti­ve Fak­ten überlassen.

Dass es heu­te bril­lan­te Mathe­ma­ti­ke­rin­nen, Phy­si­ke­rin­nen etc. pp. gibt, darf als bekannt und nor­mal vor­aus­ge­setzt wer­den, auch die Exis­tenz von Marie Curie hat sich her­um­ge­spro­chen, aber Geschich­te ist nun ein­mal pas­siert, die­se Schöp­fun­gen sind fast aus­schließ­lich männ­lich, und die der­zeit cre­scen­die­ren­de Kla­ge, dies sei kein kon­struk­ti­ver, gat­tungs­dien­li­cher Vor­gang gewe­sen, son­dern ein exklu­die­ren­der, Frau­en und Min­der­hei­ten von den Trö­gen fern­hal­ten­der, ist und bleibt aggres­si­ve Zeit­geist­pro­pa­gan­da, unbe­weis­bar, aber zweck­dien­lich, kei­nem wirk­li­chen weib­li­chen Talent nut­zend, aber den Weg bah­n­end für gan­ze Her­den von Minderbegabten. 

                                     ***

Kur­ze Durch­sa­ge der fran­zö­si­schen Jus­tiz­be­hör­den: Nehmt Dro­gen und schlagt dann alten Jüdin­nen die Schä­del ein, wir wer­den euch, sofern ihr Mus­li­me seid, schon nichts antun (hier).
Wenn es stimmt, dass die Bata­clan-Mas­sen­mör­der unter Dro­gen stan­den, hät­ten sie sich ein­fach nur der Poli­zei stel­len müssen.

                                    ***

Thors­ten Hinz, der luzi­des­te poli­ti­sche Ana­ly­ti­ker der spä­ten Bun­des­re­pu­blik, schlägt in einem bril­lan­ten Kom­men­tar den Bogen von der fak­ti­schen Aberken­nung der Bür­ger­rech­te für Mit­glie­der der Iden­ti­tä­ten Bewe­gung in Deutsch­land über die Kli­ma­ret­tungs- und Kampf-gegen-rechts-Ablen­kungs­ri­ten zur Ersatz­be­frie­di­gung gewis­ser juve­ni­ler Jagd- und Well­ness­be­dürf­nis­se hin zur Unter­wer­fung immer grö­ße­rer Berei­che des öffent­li­chen Raums unter die Regeln unse­rer mus­li­mi­schen Dau­er­gäs­te. Man möch­te jeden Satz zitie­ren; ich begnü­ge mich mit den folgenden:

„Was ist der Grund für die staat­li­che Repres­si­on gegen eine Orga­ni­sa­ti­on, die nur ein paar hun­dert Leu­te umfaßt und sich ein­ge­stan­de­ner­ma­ßen abso­lut fried­lich ver­hält? Zwei Hypo­the­sen: Man will ver­hin­dern, daß sich hier der Nukle­us für eine jun­ge Gegen­eli­te her­aus­schält, die sich außer­halb vor­ge­ge­be­ner Struk­tu­ren formiert. (…)

In der DDR wären man­che von ihnen gewiß in der Bür­ger­rechts­be­we­gung gelan­det; ande­re wären Teil der Sub­kul­tur gewe­sen, die das Regime als ‚feind­lich-nega­tiv’ ein­schätz­te. Auf der Suche nach Wei­ße-Rose-Poten­ti­al dürf­te man bei ihnen leich­ter fün­dig wer­den als in den Stif­tun­gen, Orga­ni­sa­tio­nen und Initia­ti­ven des staats­fi­nan­zier­ten Antifaschismus. (…)

Zwei­tens will man eine wirk­li­che Poli­ti­sie­rung der Jugend ver­hin­dern. Der gehät­schel­te Kli­ma­ak­ti­vis­mus à la ‚Fri­days for Future’ ist ledig­lich eine Spiel­wie­se, auf der besin­nungs­lo­se Spring­teu­fel und ‚hüp­fen­de Frucht­zwer­ge’ (Hen­ryk M. Bro­der) Wider­stand simu­lie­ren und der jugend­li­che Rest-Thy­mos herr­schafts­tech­nisch ent­sorgt wird. Poli­ti­sie­rung dage­gen heißt, sich der exis­ten­ti­el­len Kon­flik­te bewußt zu wer­den, die weder durch Nor­men noch durch unab­hän­gi­ge Schieds­sprü­che gelöst wer­den können.

Für die Iden­ti­tä­ren ist klar, daß die Zuwan­de­rung aus außer­eu­ro­päi­schen Regio­nen, die sie den ‚Gro­ßen Aus­tausch’ nen­nen, einen sol­chen Kon­flikt dar­stellt, der sich in desas­trö­sen Fol­ge­kon­flik­ten entfaltet.”

Hinz nennt als Pars pro toto die in die­sem Jahr beson­ders häu­fig in deut­schen Schwimm­bän­dern statt­fin­den­den „Kon­fron­ta­tio­nen ent­lang eth­nisch-kul­tu­rel­ler Bruch­li­ni­en” und ver­weist dar­auf, dass der Chef der Ber­li­ner Bäder-Betrie­be vor­ge­schla­gen hat, die Kon­flik­te von einem Imam schlich­ten zu lassen.

„Damit wür­de noch kein Scha­ria-Staat ent­ste­hen, aber ein wei­te­rer Schritt zur Auf­lö­sung der bestehen­den Rechts­ord­nung wäre gemacht, wenn der deut­sche Staat, um die öffent­li­che Ord­nung auf­recht­zu­er­hal­ten, isla­mi­sche Reli­gi­ons­ver­tre­ter als inof­fi­zi­el­le Hoheits­ge­walt zu Hil­fe ruft. (…) Damit im Innern rela­ti­ver Frie­de gewahrt bleibt, sol­len die altern­den Deut­schen sich in die Ver­hält­nis­se schi­cken, Teil­rück­zü­ge antre­ten, Opfer erbrin­gen, Kol­la­te­ral­schä­den akzep­tie­ren, weil das immer noch bes­ser sei als die offe­ne Kon­fron­ta­ti­on. Der poli­ti­sche Kon­flikt darf auf kei­nen Fall benannt und in den Dis­kurs ein­ge­speist wer­den. Er wird auf ein Gewöhnungs‑, Bewußt­seins- und Gesin­nungs­pro­blem heruntergedimmt.

Für die Iden­ti­tä­ren ist das die Ein­übung in die Unter­wer­fung, der sie sich ver­wei­gern und Wider­stand ent­ge­gen­set­zen. Ihre Aktio­nen, die auf poli­ti­sche Bewußt­s­eins­bil­dung zie­len, stel­len aus Sicht der Behör­den einen schwer kal­ku­lier­ba­ren Stör­fak­tor dar, der aus­ge­schal­tet gehört.”

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„Guten Abend, Sire (geben Sie Gedan­ken­frei­heit!)”, schreibt Leser *** und fragt: „Wann schal­ten Sie end­lich die Kom­men­tar­funk­ti­on frei?” Statt Kom­men­ta­re stets nur zu zitie­ren? Da bis­wei­len Besu­cher des klei­nen Eck­la­dens mit genau die­sem Begehr vor­stel­lig wer­den, erwi­de­re ich coram publi­co.

Die­ses Dia­ri­um ist wesen­haft mono­lo­gisch aus­ge­legt. Sein Betrei­ber wer­kelt als Solist. Davon abge­se­hen, dass Kom­men­tar­funk­tio­nen mit eini­gem Recht sogen. Trol­le und agents pro­vo­ca­teurs anlo­cken, regel­mä­ßig eine unschö­ne Dyna­mik ent­wi­ckeln, image­be­züg­li­che oder gar juris­ti­sche Sche­re­rei­en ein­tra­gen kön­nen und des­halb unter redak­tio­nel­le Kura­tel gestellt wer­den müs­sen, wofür ich weder Zeit noch Ner­ven habe, bin ich an die­ser Form der Dar­bie­tung auch nicht inter­es­siert. Ich freue mich über jede sach­li­che oder, wie die Deut­sche Volks­po­li­zei for­mu­liert hät­te, sach­dien­li­che Zuschrift – und erfreu­li­cher­wei­se fal­len 97 bis 98 Pro­zent der ein­ge­hen­den Mails in die­se Kate­go­rie –, ich zitie­re aus ihnen, wenn es mir passt, und ich wür­de gern mehr zitie­ren, so weit, so gut, aber ich will nicht, dass im Eck­la­den am Ende das Publi­kum mehr und lau­ter (und kun­di­ger!) redet, als der Betrei­ber sel­ber. Hier labert der Inha­ber. My cor­ner shop is my cast­le. Bas­ta!

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