27. Juli 2019

„Wer mit vier­zig nicht Mis­an­throp ist, hat die Men­schen nie geliebt.”
Chamfort

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Es gibt Momen­te, wo einem der Sinn der Kör­per­stra­fen plötz­lich wie­der einleuchtet.

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Es hat schon etwas Wol­lüs­ti­ges, wie die Genos­sen Jour­na­lis­ten den Hit­ze­re­kord in Gei­len­kir­chen, Lin­gen oder sonst­wo als Bestä­ti­gung der Kli­ma­ka­ta­stro­phi­ker-The­sen beju­beln, als sei bewie­sen, dass die Hit­ze Men­schen­teu­fels­werk ist. Über­dies: Stimmt es über­haupt mit dem Rekord?

Am 6. August 2003 sah die Bild-Titel­sei­te so aus:

Im Text hieß es: „Ufff! Deutsch­land schwitzt und stöhnt: Auch heu­te quä­len uns 40 Grad! Und: Meteo­ro­lo­gen sagen Glut­hit­ze bis zur nächs­ten Woche vor­aus! Jetzt kann uns nur noch der Kanz­ler vor einem Son­nen­stich ret­ten! Mit Hit­ze­frei! Mit gra­tis Erd­beer­eis! Und jeder Men­ge Frei­bier, Frei­bier, Freibier!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Noch nie hat die Son­ne so vom Him­mel gebrut­zelt wie im Back­ofen-Som­mer 2003!” Sogar Lan­ce Arm­strong schwä­chel­te beim Zeit­fah­ren aus Grün­den der Dehy­drie­rung. Aber damals mach­te Gre­ta noch nicht ein­mal in die Win­deln, wes­halb die Reak­ti­on des Bou­le­vard­blat­tes recht ent­spannt aus­fiel. „Frei­bier” ist ohne­hin eine rea­lis­ti­sche­re For­de­rung als „Kli­ma­ret­tung”.

Ich ent­sin­ne mich über­dies einer Bild-Schlag­zei­le in der Wen­de­zeit, die da lau­te­te: „Hil­fe, die Trab­bis wer­den weich!”

Fer­ner ent­sin­nen sich die Archi­ve gewis­ser Kli­ma­pro­gno­sen aus dem Welt­ge­hirn der Wahrheitspresse:

Am 12. August 1974 frag­te der Spie­gel übri­gens: „Kommt eine neue Eis­zeit? Nicht gleich, aber der ver­reg­ne­te Som­mer in Nord­eu­ro­pa, so befürch­ten die Kli­ma­for­scher, war nur ein Teil eines welt­wei­ten Wet­ter­um­schwungs – ein Vor­ge­schmack auf küh­le­re und nas­se­re Zei­ten.” Die Ant­wort weiß ganz allein der Wind…

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Was die Hit­ze den Men­schen antut, dar­über ist das Leit­me­di­um von der Ham­bur­ger Relo­ti­us­spit­ze im Bilde.

„Das Düs­sel­dor­fer Rhein­bad ist erneut mit Hil­fe der Poli­zei geräumt wor­den. Eine grö­ße­re Grup­pe Jugend­li­cher habe ran­da­liert, teil­te die Poli­zei mit.” Was man sich unter „grö­ßer” (= akbar?) vor­zu­stel­len hat? In der aktu­el­len Mel­dung ist von sech­zig Ran­da­lie­rern die Rede, deut­lich weni­ger als bei den Schlie­ßun­gen im Monat zuvor (obwohl es doch noch hei­ßer gewor­den ist), als „meh­re­re hun­dert” jun­ge Män­ner tätig gewor­den waren. Wie und wor­aus die­se mys­te­riö­sen „Grup­pen” ent­ste­hen, ist weit weni­ger erforscht als die anthro­po­ge­ne Erd­er­wär­mung, klar ist ledig­lich, dass sie ohne den Kli­ma­wan­del nicht exis­tie­ren wür­den, denn wie Sie sich erin­nern, geneig­ter Leser, gab es sol­che Grup­pen frü­her nicht. Spie­gel-online ver­linkt stracks auf ein Inter­view mit einem Umwelt­psy­cho­lo­gen (= Ken­ner und Hei­ler der Umwelt­psy­che), der erklärt, „war­um sich mit stei­gen­der Tem­pe­ra­tur auch die Zahl der Gewalt­de­lik­te erhöht”. Damit wird auch gleich die Nazi­these wider­legt, die Hit­ze kön­ne nichts mit den Vor­fäl­len zu tun haben, weil die Ange­hö­ri­gen sol­cher Grup­pen aus Län­dern stamm­ten, wo es weit hei­ßer sei als bei (noch) uns.

Die Gesell­schafts-Seis­mo­gra­phen von Ben­to, der Kom­so­mol­ska­ja Praw­da des Spie­gel, haben vor drei Tagen ihren sieb­zehn Lesern mit­ge­teilt, dass Schwimm­bä­der sowie­so schei­ße sind (womit ich völ­lig d’ac­cord bin), frei­lich den Haupt­grund so eisern beschwie­gen wie das Mut­ter­blatt auch. Die Hit­ze macht „die Men­schen” aggres­siv. Hät­te ich den Ter­mi­nus „Lum­pen­pres­se” nicht längst erfun­den und erfolg­reich in den Markt ein­ge­führt, ich müss­te es glatt schon wie­der tun.

PS: „Ich fra­ge mich, wann die ers­ten klu­gen grü­nen Jour­na­lis­ten und Poli­ti­ker uns den Rat geben: ‚Wenn man die Frei­bä­der nicht mehr benut­zen kann, soll man doch im hei­mi­schen Swim­ming-Pool baden!’ ”
(Leser ***)

PPS: „Noch hat sich die Poli­zei durch­ge­setzt. Aber die Racke­te schip­pert ja schon Ver­stär­kung her­an. Was machen wir eigent­lich, wenn die was Wich­ti­ge­res als ein Frei­bad beset­zen?” (Had­mut Danisch)

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Man soll Fräu­lein Rake­te in die Beur­tei­lung schrei­ben: Sie trug viel zur Grup­pen­bil­dung bei.

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Als ich in der Münch­ner Bou­le­vard­pres­se las, dass Starn­ber­ger Gym­na­si­as­ten eine Poli­zei­wa­che gestürmt hät­ten, wur­de sofort ein schlim­mes Vor­ur­teil in mei­nem Gedan­ken­fach vor­stel­lig, was dort tat­säch­lich pas­siert sein dürf­te. Die Hit­ze­fol­gen­mär­chen­tan­ten des Süd­deut­schen Beob­ach­ters beschrei­ben den abson­der­li­chen Vor­fall unter der Schlag­zei­le: „Dro­gen, Hit­ze, Aggres­sio­nen”. Zunächst sug­ge­riert das Qua­li­täts­me­di­um einen Zusam­men­hang zwi­schen Gym­na­si­ums­fei­er und Atta­cke: „Die Stim­mung ist gut. Bis um kurz vor zehn die Fete vor der Schu­le eska­liert. Eine Grup­pe von 50 Jugend­li­chen ver­sucht, die gegen­über­lie­gen­de Poli­zei­in­spek­ti­on zu stür­men, sie schleu­dern Fla­schen und Stei­ne, eine Schei­be geht zu Bruch. Ein­zel­ne ver­su­chen, die Tür zur Wache zu kna­cken, um einen Gefan­ge­nen zu befreien.”

Wie­der eine geheim­nis­vol­le hit­zemp­find­li­che „Grup­pe”! Aller­dings „vor” der Schu­le. Und man will einen Gefan­ge­nen befrei­en? Einen 15jährigen, wie wir sogleich erfah­ren, der nicht ein­ge­las­sen wur­de, also mit dem Gym­na­si­um offen­bar nichts zu tun hat. Er ran­da­lier­te gegen die­se Aus­gren­zung und wur­de von der Poli­zei arre­tiert. Erst dann bil­de­te sich die „Grup­pe”, bei der im Grun­de nur über­rascht, dass es inzwi­schen auch in Starn­berg so weit ist.

„Der 15-Jäh­ri­ge führt sich laut Poli­zei ‚extrem aggres­siv und belei­di­gend’ auf, auch gegen­über der Strei­fe. Nach­dem er meh­re­re Platz­ver­wei­se igno­riert, neh­men ihn die Poli­zis­ten in Gewahr­sam. Schü­ler, die das Gesche­hen beob­ach­ten, berich­ten, dass die Beam­ten den Jugend­li­chen zu Boden gebracht und gefes­selt hät­ten. Dann sol­len die Poli­zis­ten den 15-Jäh­ri­gen auf die ande­re Stra­ßen­sei­te Rich­tung Wache geschleift haben. Das ver­su­chen meh­re­re sei­ner Freun­de bereits zu ver­hin­dern. Einer tritt laut Poli­zei in Rich­tung des Kop­fes eines der Beam­ten, ver­fehlt aber sein Ziel.”

Die Gym­na­si­as­ten haben die Sache also nur beob­ach­tet. Die Zusam­men­hangs­her­stel­lung läuft unge­fähr wie bei einer Zei­tungs­mel­dung vor ca. zwei Jah­ren: „Pegi­da-Demo – ein Ver­letz­ter”. Der Mann war selbst­re­dend von Gegen­de­mons­tran­ten ver­letzt wor­den. Und hier fand die Gegen­par­ty vor der Schu­le statt. Da drin waren schließ­lich Wei­ber. Und nun erst, gegen Ende des Arti­kels, plau­dert der Qua­li­täts­jour­na­list doch noch fast alles aus:

„Dro­gen, Hit­ze, Aggres­si­on – doch es gibt noch mehr Fak­to­ren, die zur Eska­la­ti­on bei­tra­gen. Die Poli­zei­in­spek­ti­on liegt kei­nen Stein­wurf (!) vom Gym­na­si­um ent­fernt. Die Jugend­li­chen zie­hen nicht maro­die­rend durch die Stadt, ihre Wut ent­lädt sich auf ihrem Höhe­punkt nach nur weni­gen Metern vor dem Haupt­ein­gang der Poli­zei­in­spek­ti­on. Und wütend, das sind die Freun­de des 15-Jäh­ri­gen. Nach der Fest­nah­me des schwar­zen Jugend­li­chen hät­ten sie die Beam­ten mit Ras­sis­mus­vor­wür­fen und poli­zei­feind­li­chen Schlacht­ru­fen über­zo­gen, berich­ten Augen­zeu­gen. (…) Schul­lei­ter Parsch ver­si­chert, dass der Vor­fall nichts mit dem Gym­na­si­um zu tun hat.”

Na wer hät­te das gedacht. (Nichts gegen schwar­ze Starn­ber­ger Jugend­li­che übrigens.)

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Der Staats­gren­zen­feind Krenz lobt im Spie­gel-Inter­view die Grenz­öff­nung durch A. Mer­kel, der Erbe und Sanie­rer der Flücht­lings­zu­sam­men­schie­ßer­par­tei SED soli­da­ri­siert sich mit der Schlep­per-Kapi­tä­nin Racke­te, und Sta­si­zu­trä­ge­rin Kaha­ne bespit­zelt auch heu­te mit staat­li­cher För­de­rung die Oppo­si­ti­on: „Die Täter sind unter uns” (hier).

 

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