3. Juli 2019

Es ist nichts Neu­es, dass die Par­tei­en ihr min­der­be­gab­tes Per­so­nal in die EU-Gre­mi­en ent­sen­den, doch die Nomi­nie­rung der Ursu­la von der Ley­en zur künf­ti­gen Kom­mis­si­ons­chefin hat eine neue Qua­li­tät; ich möch­te von einer Ver­we­sungs­per­so­na­lie spre­chen (und ich habe kei­nes­wegs den Reichs­ver­we­ser im Sinn).

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„Welt­of­fen”: ande­res Wort für sturm­reif (hier).

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„Wenn aus­län­der­feind­li­che Taten ‚rechts’ sind, sind dann Taten, die auf eine indi­vi­du­el­le Spon­ta­nent­eig­nung abzie­len (Raub, Dieb­stahl etc.), ‚links’?”
(Leser ***)

                                   ***

Eini­ge „Anmer­kun­gen zu den rechts­ra­di­ka­len Mor­den”, sen­det Leser *** (Acta von ges­tern). „Gene­rell ist die Lis­te der Anto­nio Ama­deu Stif­tung detail­liert und daher nicht schlecht. Auf­fäl­lig ist, dass, obwohl sie bei Wiki­pe­dia als Quel­le genannt wird, die Ein­tra­gung der letz­ten Jah­re teil­wei­se feh­len, in Rela­ti­on zu Wiki­pe­dia. Fast so, als hät­te man die Lust ver­lo­ren. Es kann fest­ge­stellt wer­den, dass in den letz­ten 10 Jah­ren rund 20 Tote mit rechts­ra­di­ka­lem Täter­hin­ter­grund zu bekla­gen sind. So weit so schlecht. Ab 2009 fal­len aber fol­gen­de Fäl­le auf (nach der Num­me­rie­rung der Anto­nio Ama­deo Stiftung): 

176: Zuwan­de­re­rin von Zuwan­de­rer getö­tet
177: Nazi tötet Nazi
182: Nazi tötet Vater sei­ner Freun­din, weil die­se ihn des Miss­brauchs bezich­tigt
184–192: Zuwan­de­rer aus dem Iran tötet Zuwan­de­rer aus ande­ren Ländern

Wei­ter­hin 2014, wenn auch nicht gezählt: ‚In dem 40-sei­ti­gen Doku­ment gab Ibra­him B. an, die bei­den Kin­der aus Hass auf Alba­ner getö­tet zu haben.’
Des Wei­te­ren noch eini­ge Fäl­le mit Tätern und Opfern aus jeweils schwie­ri­gen Ver­hält­nis­sen, um es mal freund­lich auszudrücken.

Gene­rell lässt sich fest­stel­len: Rund die Hälf­te der Nazito­ten der letz­ten 10 Jah­re geht auf das Kon­to von Beu­tenazis, bei den ande­ren sind Nazis als Opfer sicher­lich über­re­prä­sen­tiert. Das Pro­blem bei Sta­tis­ti­ken ist meist die Inter­pre­ta­ti­on, weni­ger die Sta­tis­tik selbst. Es bleibt etwa ein voll­ende­tes Tötungs­de­likt pro Jahr und Nazi (nach den Nürn­ber­ger Ras­sen­ge­set­zen) als Täter. Setzt man das in Rela­ti­on zu Tötungs­de­lik­ten im all­ge­mei­nen, so ist man im Pro­mil­le­be­reich. Setzt man es zu den Tötungs­de­lik­ten von Zuwan­de­rern, bleibt man eben­falls im nied­ri­gen ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich. Wie dem auch immer sei, der Kampf gegen rechts hat sei­ne Gren­ze erreicht, selbst wenn man die Zahl pro Jahr auf null drü­cken könn­te, es wäre nicht sta­tis­tisch relevant.

Ähn­li­ches Bei­spiel, ganz aktu­ell: Es gibt 24000 Rechts­ra­di­ka­le in Deutsch­land. Die größ­te rechts­ex­tre­me Ver­ei­ni­gung, laut Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung, sind die Grau­en Wöl­fe, mit über 18000 Mit­glie­dern (Anhän­ger? Ich habe auch noch ande­re Din­ge zu tun)*. Also ent­we­der sind 3/4 aller Rechts­ex­tre­men­ra­di­ka­len in Deutsch­land Tür­ken (der Sprach­fa­mi­lie, nicht des Pas­ses, nach) oder hier stimmt was nicht.”

* „Laut Ver­fas­sungschutz­be­richt 2018 sind die Grau­en Wöl­fe nicht zu den 24.000 Rechts­ex­tre­men gezählt, son­dern unter ‚aus­län­di­sche Ideo­lo­gie’ ”, kor­ri­giert Leser***, „und auch nicht mit 18.000 – die Zahl fin­de ich nur in einem Arti­kel der bpb – son­dern mit 7.000. Sie­he Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2018, Sei­ten 50, 235 und 260.”

                                    ***

 Es soll heu­te wei­ter der Leser – oder, wie im Fol­gen­den, die Lese­rin das Wort haben (es geht um den Ein­trag von ges­tern über aver­sionab­le Phä­no­me­ne des aktu­el­len Deutschtums):

„Sehr geehr­ter Herr Klo­n­ovs­ky, ich bin eine dem mitt­le­ren Alter so uner­bitt­lich wie ste­tig ent­wach­sen­de, kin­der­lo­se deut­sche Frau, die sich erst vor kur­zem, also eigent­lich ganz aktu­ell, mit guten Grün­den und vie­len Ver­wer­fun­gen aus der beruf­li­chen Fron in einem – ich traue mich kaum, es zu schrei­ben – kirch­li­chen Medi­en­haus (gehe ich rich­tig in der Annah­me, dass Sie Fein­des­land asso­zi­ie­ren?) befreit hat. Zu allem Über­fluss bevor­zu­ge ich fla­ches Schuh­werk und wer­de zu mei­ner Schan­de mei­nem schon vor lan­ger Zeit gefass­ten Beschluss, in Wür­de zu ergrau­en und dem Alter unge­schminkt zu begeg­nen, auch wei­ter­hin treu bleiben.

Mit ande­ren Wor­ten: In Ihren Augen bin ich wahr­schein­lich ein Kli­schee all des­sen, was Sie sprach­lich so kunst­voll in den Bereich des Ableh­nens­wer­ten beför­dern. An mir ist viel Deut­sches, das Sie zu ver­ach­ten ange­ben. Ich könn­te die Lis­te durch­aus noch fort­set­zen. Zum Bei­spiel dass mich Ihre Arro­ganz stört, mit der Sie kul­tu­rel­le Dis­tink­ti­on zum Zwe­cke der Selbst­er­hö­hung betrei­ben, die jeden in ideo­lo­gi­sches Fein­des­land ver­weist, der oder die nicht Ihren Vor­lie­ben fol­gen kann oder mag.

Wes­halb erzäh­le ich Ihnen das? 

Nun, ich bin nichts­des­to­trotz seit eini­gen Jah­ren regel­mä­ßi­ge Lese­rin Ihres Blogs und dies nicht etwa aus dem Motiv der Feind-Beob­ach­tung, son­dern ein­fach, weil es mir Ver­gnü­gen berei­tet. Ich gehö­re zu jenen, die im Jah­re der Mer­kel vom Glau­ben abge­fal­len sind und seit­dem poli­tisch, intel­lek­tu­ell und über­haupt hei­mat­los her­um­ir­ren. Mit eini­gem Abstand ist es ja durch­aus inter­es­sant zu beob­ach­ten, wie die rea­le Hei­mat­lo­sig­keit so vie­ler Frem­der in der eige­nen Hei­mat die­se all­mäh­lich zur Frem­de macht und man sich men­tal plötz­lich selbst im Exil befin­det. Wobei es viel­leicht sogar weni­ger die Frem­den selbst sind, die dafür sor­gen, son­dern all die, die sich die Abschaf­fung der Fremd­heit auf Ihre bun­ten Fah­nen geschrie­ben haben. 

So leicht lässt es sich heu­te also nicht mehr anhand von Äußer­lich­kei­ten und ein paar Eck­da­ten fest­ma­chen, wo jemand steht. Ich sage dies, weil ja sonst die Gefahr droht, der Tür ver­wie­sen zu wer­den, soll­ten Sie mal in der Nähe von *** öffent­lich auf­schla­gen. Was mich freu­en würde.”

                                    ***

Leser *** wie­der­um bemerkt zum sel­ben The­ma: „Die Beschrei­bun­gen der Dege­ne­ra­ti­on sind sicher mitt­ler­wei­le sehr deutsch. Eini­ge der genann­ten Facet­ten sind sogar aus­schließ­lich deutsch. Schaut man sich im Wes­ten um, kommt man aber nicht umhin, den Im- und Export des Wahn­sinns zu bemer­ken. So haben die USA und Kana­da seit etwa zwei Jah­ren Anti­fa-Able­ger, die auch mit deut­schen Fah­nen rum­ren­nen, ver­dan­ken wir Femen einem rus­si­schen jüdi­schen Olig­ar­chen, den Femi­nis­mus all­ge­mein einer intel­lek­tu­el­len Cli­que in den USA, und ist der Schuld­kult in aller­lei Abwand­lung über­all im Wes­ten ange­kom­men (Irland habe zu zöger­lich Juden auf­ge­nom­men, Groß­bri­tan­ni­en die Kolo­nien miss­han­delt, Ame­ri­ka die Schwar­zen miss­braucht, und wem nichts Kon­kre­tes vor­ge­wor­fen wer­den kann, dem wird das ver­werf­li­che Weiß­sein an sich vor­ge­wor­fen). Und weil sich die­se meme­ti­schen Patho­ge­ne (Jason Köh­ne) nun über­all aus­ge­brei­tet haben, blüht auch der von Ihnen beschrie­be­ne kör­per­lich vor­han­de­ne Unsinn im gan­zen Wes­ten: Ver­stüm­me­lun­gen aller Art, Ban­ner und Ted­dy­bä­ren, sanc­tua­ry cities, idio­ti­sche Lebens­ent­wür­fe, binär­ge­schlecht­lich Geschei­ter­te und Wind­rä­der und so weiter.
 
Hier kol­la­biert nicht ein Land, son­dern eine gan­ze Zivi­li­sa­ti­on und was wir zu Recht mitt­ler­wei­le für krank aber ‚typisch deutsch’ hiel­ten, ist nun auch typisch irisch, kana­disch, schwedisch…”

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