6. Juli 2019

„Zum Under­state­ment gehört auch, daß etwas da ist, was her­un­ter­zu­spie­len sich lohnt.„
Asfa-Wos­sen Asse­ra­te, „Manie­ren”

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Grün trifft auf Rea­li­tät (noch ist das Mädel frech, das legt sich in den nächs­ten zehn Jahren):

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Der Link hier.

Anfra­ge an Radio Jere­wan: Muss ein Flücht­ling immer vor einer Gefahr flie­hen?
Ant­wort: Muss ein Zitro­nen­fal­ter immer Zitro­nen falten?

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Stadt­kir­che Mal­chow (Müritz). Willkommen!

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Man soll sich immer wie­der die Men­ta­li­tät ver­ge­gen­wär­ti­gen: Ein frem­des Land hat dich auf­ge­nom­men, obwohl es wenig mit dir anfan­gen kann, es ali­men­tiert dich, gibt dir eine Blei­be, akzep­tiert dei­ne Anders­ar­tig­keit, for­dert dir kei­ne Anpas­sungs­leis­tung ab, auch nicht, dass du dich um dei­nen Lebens­un­ter­halt sel­ber küm­merst, zaust dich allen­falls ein biss­chen, wenn du straf­fäl­lig wirst, akzep­tiert dei­ne Sit­ten und dei­ne Reli­gi­on, obwohl du sel­ber jene der Gast­ge­ber ent­schie­den ablehnst: Das ist alles so när­risch, so schrill, so unwahr­schein­lich und unglaub­wür­dig, wem anders soll­te man dafür dan­ken als Allah?

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Im trau­li­chen Olden­burg, genau­er: auf den online-Sei­ten der Nord­west-Zei­tung, ist ein Skep­ti­ker­streit ent­flammt. Sage mir, wor­an du zwei­felst, und dich sage dir, ob du wirk­lich ein Zweif­ler bist, lau­tet der Wahl­spruch. Nicht Der Schöns­ten steht auf dem Erisap­fel, son­dern Dem guten Zweif­ler.

„Als Wis­sen­schaft­ler haben wir uns dem Zwei­fel ver­schrie­ben”, hebt ein Schrei­ben von elf Olden­bur­ger Pro­fes­so­ren an (es sind zumin­dest elf Unter­zeich­ner). „Das stän­di­ge Hin­ter­fra­gen auch unse­rer eige­nen For­schungs­er­geb­nis­se ist wesent­li­cher Teil unse­res Berufs.” Doch gera­de weil die zwei Mai­den und neun Gesel­len „den Zwei­fel zu unse­rer Sache gemacht haben”, könn­ten sie einen Arti­kel des NWZ-Nach­rich­ten­chefs Alex­an­der Will nicht unkom­men­tiert las­sen. Die­ser Arti­kel oder Essay steht hin­ter der Bezahl­schran­ke und unter dem Mot­to: „Ver­meint­li­che Gewiss­hei­ten haben in Deutsch­land Poli­tik und Gesell­schaft fest im Griff. Sie haben einen apo­ka­lyp­ti­schen Zug. War­um Deutsch­land – vor allem in der Kli­ma­de­bat­te – mehr Zwei­fel und Zweif­ler braucht.”

Unter­zeich­net haben das Wider­spruchs­pa­pier, wie gesagt, elf Pro­fes­so­ren, näm­lich: drei Bio­lo­gen, ein Phy­si­ker, ein Mathe­ma­ti­ker, ein Infor­ma­ti­ker, ein Neu­ro­ge­ne­ti­ker, eine His­to­ri­ke­rin, eine Lin­gu­is­tin, ein Medi­ävist und ein Phi­lo­soph. Also fünf­ein­halb even­tu­el­le Fach­leu­te. Tut nichts wei­ter zur Sache, ich bin sel­ber nur ein ahnungs­lo­ser, wenn­gleich quietsch­ver­gnüg­ter Beob­ach­ter – Ich sage Ja zum Kli­ma­wan­del! –, und hier soll es weni­ger um des­sen mut­maß­li­che Men­schen­ge­macht­heit gehen, son­dern um die Zer­streu­ung des Zwei­fels daran. 

„Herr Will zwei­felt anders als wir: Sein Ergeb­nis steht fest und er sucht ledig­lich Mög­lich­kei­ten, Lese­rin­nen und Leser in sei­nem Sin­ne zu mani­pu­lie­ren”, fah­ren die geis­tes­wis­sen­schaft­lich „ein­ge­fe­der­ten” (Robert Habeck) Fünf­ein­halb fort. „Er miss­braucht den Zwei­fel, um Angst zu schü­ren – Angst vor einem angeb­li­chen ‚deut­schen Son­der­weg’, Angst vor wirt­schaft­li­chen Nachteilen.”

„Angeb­li­cher” deut­scher Son­der­weg, das gibt anders­wo Haue, fra­gen Sie die Neu­zeit­his­to­ri­ke­rin. Aber wir wol­len uns nicht die Freu­de trü­ben las­sen an der Geburt einer neu­en Voka­bel: Zwei­fels­miss­brauch. Dar­auf einen Dujardin!

„Die Erkennt­nis, dass die ein­deu­tig mess­ba­re fort­ge­setz­te Erwär­mung der Erd­at­mo­sphä­re zu einem mas­si­ven Kli­ma­wan­del führt mit kata­stro­pha­len, ja exis­tenz­be­dro­hen­den Fol­gen für die gesam­te Mensch­heit, hat den wis­sen­schaft­li­chen Zwei­fel längst hin­ter sich. Es han­delt sich nicht um eine ‚Mei­nung’ oder eine Dok­trin oder einen Glau­ben – und auch nicht um Panik­ma­che. Es ist Wis­sen, das in regel­mä­ßi­gen Abstän­den von einem Gre­mi­um der Ver­ein­ten Natio­nen zusam­men­ge­fasst wird und in die­ser gesell­schaft­lich wich­ti­gen Fra­ge nicht Ein­zel­mei­nun­gen, son­dern den wis­sen­schaft­li­chen Kon­sens abbildet.”

Den Zwei­fel hin­ter sich zu haben, ist wahr­schein­lich das zuver­läs­sigs­te Mit­tel gegen des­sen Miss­brauch. Und wenn dann noch Gre­mi­en der Ver­ein­ten Natio­nen, in denen die glau­bens­fes­ten Län­der gott­lob eine soli­de Mehr­heit besit­zen, in regel­mä­ßi­gen Abstän­den ihre Hir­ten- und Send­schei­ben ver­fas­sen, die „den wis­sen­schaft­li­chen Kon­sens abbil­den” – wofür die UNO ja letzt­lich gegrün­det wur­de, unter Wis­sen­schaft­lern gibt es die­sen idea­len post­skep­ti­schen Kon­sens ja nie –, geht es den Mani­pu­lie­rern, Schü­rern und Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sie­rern ans ver­gau­ner­te Leder.

Schnitt.

Wäh­rend in Ger­ma­nia elf gegen eins gerun­gen wird, haben neun­zig ita­lie­ni­sche Natur­wis­sen­schaft­ler – ein inzes­tuö­ser Zir­kel ohne einen ein­zi­gen Phi­lo­so­phen oder ande­ren rich­ti­gen Den­ker inmit­ten – eine Peti­ti­on an die Regie­rung ver­öf­fent­licht, in der sie Zwei­fel am Kli­ma­wan­del schü­ren, Zwie­tracht säen und die Gesell­schaft spalten. 

Dass die Erd­er­wär­mung men­schen­ge­macht sei, steht dort geschrie­ben, und zwar in Ver­sa­li­en, „IS AN UNPROVEN HYPOTHESIS”. Die anthro­po­ge­ne Ver­ant­wor­tung für den Kli­ma­wan­del, der im letz­ten Jahr­hun­dert beob­ach­tet wur­de, wer­de unge­recht­fer­tigt über­trie­ben („unju­s­ti­fia­b­ly exa­g­ge­ra­ted”), und die kata­stro­phi­schen Pro­gno­sen sei­en „nicht rea­lis­tisch”. Der behaup­te­te Kon­sens der Wis­sen­schaft­ler, schrei­ben die Neun­zig, und zwar schon wie­der in Ver­sa­li­en: „DOES NOT EXIST. In fact, the­re is a remar­kab­le varia­bi­li­ty of opi­ni­ons among spe­cia­lists – cli­ma­to­lo­gists, meteo­ro­lo­gists, geo­lo­gists, geo­phy­si­cists, astro­phy­si­cists – many of whom reco­gni­ze an important natu­ral con­tri­bu­ti­on to glo­bal war­ming obser­ved from the pre-indus­tri­al peri­od and even from the post-war peri­od to today.”

Viel­leicht schickt der Olden­bur­ger Elfer­rat schon mal sei­nen glau­bens­fest im gerecht­fer­tig­ten Zwei­fel ruhen­den Medi­ävis­ten vor?

                                    ***

Deut­sche Kon­stan­ten. In einer Rede erin­ner­te ich mich unlängst an mei­ne Jugend in der DDR und dar­in wie­der­um an eine Rock­band, die von den SED-Vög­ten wegen ihrer regime­kri­ti­schen Tex­te Mit­te der 1970er Jah­re kur­zer­hand ver­bo­ten wur­de: die Klaus-Renft-Com­bo. Die­se Trup­pe stamm­te – natür­lich – aus Sach­sen, kon­kret: aus Leip­zig. Die nahe­zu zeit­gleich ent­stan­de­nen und sich im Lau­fe der Zeit zur Staats­band mit West­kon­zert­erlaub­nis empor­ar­bei­ten­den, in ihren vor fal­schem Pathos trie­fen­den Tex­ten die Wand des dama­li­gen Mei­nungs­kor­ri­dors nie auch nur tou­chie­ren­den Puh­dys kamen: aus Ber­lin. #wir­wa­ren­mehr #wirsind­mehr #wir­wer­den­mehr­sein (frei nach R. Luxem­burg).
 

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