20. August 2019

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Der meis­te Ras­sis­mus kommt dort zuta­ge, wo das meis­te Geschrei dar­über ange­stimmt wird, dass dort der meis­te Ras­sis­mus zuta­ge komme. 

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Leser *** sand­te mir die­ses ent­zü­cken­de Foto:

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Heu­te, lie­be Kin­der, ist The­men­tag DDR.

Der Schwar­ze Kanal des seli­gen Karl-Edu­ard soll ab Frei­tag­abend wie­der auf Sen­dung gehen. Die Jun­ge Welt, das Organ der FDJ, ein ver­wand­ter Zom­bie, will sich auf ihrer Inter­net­sei­te als Nekro­mant betä­ti­gen. Wie der Ber­li­ner Tages­spie­gel mit­teilt, hat „Már­ta Rafa­el, Ehe­frau des im Jahr 2001 ver­stor­be­nen Jour­na­lis­ten Karl-Edu­ard von Schnitz­ler, der Gazet­te gestat­tet, unter dem Titel ‚Schwar­zer Kanal’ die Tra­di­ti­on auf­klä­re­ri­scher Medi­en­kri­tik im Geis­te ihres Man­nes fortzusetzen.”

Wenn Sie, geneig­ter Leser, in die­sem Zitat die Anfüh­rungs­stri­che suchen, dann tun sie dies ver­geb­lich. Karl-Edu­ard trieb auf­klä­re­ri­sche Medi­en­kri­tik, unge­fähr wie Juli­us Strei­cher inter­na­tio­na­le Ban­ken­kri­tik. Nie­mand hat die Absicht, die DDR wiederzubeleben.

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Alex­an­der Wendt weist in sei­nem Wochen­rück­blick dar­auf hin, dass in vie­len Medi­en­be­rich­ten zum Jah­res­tag des Mau­er­baus am 13. August eine bemer­kens­wer­te Lücke klaff­te, näm­lich die Fra­ge betref­fend, wer eigent­lich und zu wel­chem Zwe­cke die­se Gren­ze geformt hat­te, war­um so vie­le DDR-Bür­ger ihren Staat ver­las­sen woll­ten und war­um es ihnen der Staat nicht gestat­te­te. Die Mau­er, notiert Wendt, „kam offen­bar wie eine nicht­men­schen­ge­mach­te Kli­ma­ver­än­de­rung über Berlin”.

Nicht the­ma­ti­siert wur­de also, dass die Men­schen vor dem Kom­mu­nis­mus bzw. Sozia­lis­mus weg­ge­lau­fen sind bzw. von des­sen Sach­wal­tern ein­ge­mau­ert wur­den. Nicht the­ma­ti­siert wur­de, dass in Poli­tik und Medi­en im Wes­ten DDR-Kol­la­bo­ra­teu­re son­der Zahl saßen. Nicht the­ma­ti­siert wur­de, dass Rote und Grü­ne, als die­se Mau­er end­lich fiel, ent­setzt über den Wunsch der Ost­deut­schen nach Wie­der­ver­ei­ni­gung waren. Eben­falls nicht the­ma­ti­siert wur­de, dass die direk­te Nach­fol­ge­rin und Erbin der Mau­er­bau­er­par­tei heu­te im Bun­des­tag sitzt, in Thü­rin­gen mit­re­giert und in soge­nann­ten neu­en Bun­des­län­dern als Koali­ti­ons­part­ner der Par­tei Hel­mut Kohls im Gespräch ist. Und der bizar­re Wan­del die­ser Par­tei, die einst auf Flücht­lin­ge schie­ßen ließ und heu­te gar nicht genug von ihnen bekom­men kann, sofern es sich nicht um Deut­sche han­delt, war selbst­ver­ständ­lich eben­falls kein Thema.

The­ma­ti­siert wur­de statt­des­sen, dass alle Gren­zen schlimm sind und die Rechts­po­pu­lis­ten heu­te wie­der Mau­ern auf­stel­len wol­len. The­ma­ti­siert wur­de und wird, dass die besag­ten schlim­men Rechts­po­pu­lis­ten heu­te unstatt­haf­te Ver­glei­che der bei­den bes­ten Deutsch­län­der ever anstell­ten, um das bes­te und letz­te Deutsch­land zu delegitimieren. 

Nicht the­ma­ti­siert wur­de, dass ein jun­ger Jour­na­list beim Emp­fang des Bun­des­prä­si­den­ten im Schloss Bel­le­vue davon pikiert war, dass Stein­mei­er in sei­ner Rede den Kampf gegen die AfD als wich­tigs­te Leh­re aus der Geschich­te der DDR prä­sen­tier­te und weder den Begriff Sozia­lis­mus in den Mund nahm noch die Links­par­tei erwähn­te, wes­halb sich der besag­te jun­ge Jour­na­list in der anschlie­ßen­den Bür­ger­fra­ge­run­de erkun­dig­te, ob es nicht ange­brach­ter wäre, am Jah­res­tag des Mau­er­baus über die Gefahr von links zu spre­chen und Nie wie­der Sozia­lis­mus! zu pre­di­gen. Natur­ge­mäß erfolg­te kei­ne Antwort.

Nie­mand hat die Absicht, die DDR wiederzubeleben.

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Leser ***, Jahr­gang 1956, aus Apol­da ist „irri­tiert” über die an die­sem Ort prä­sen­tier­te Blitz­the­ra­pie gegen eine „Sozia­lis­mus­in­fek­ti­on” (Acta diur­na vom 12. August), denn:

„In der gan­zen Zeit, in der ich im rea­len Sozia­lis­mus gelebt habe, sind mir kei­ne Men­schen begeg­net, die nicht für ihren Unter­halt gear­bei­tet hät­ten, kei­ne, die fürs Nichts­tun vom Staat DDR bezahlt wor­den wären, wes­halb ich den Netz­fund nicht so ganz fol­gen kann.”

Auf die Gegen­wart bezo­gen, fährt *** fort:

„Dass die­se gan­ze Sozi­al­hil­fe etc. nichts ande­res ist, als eine Art Tropf, an dem ein Kran­ker hängt – was alle als eine her­aus­ra­gen­de Errun­gen­schaft emp­fin­den – ist mitt­ler­wei­le voll­kom­men in Ver­ges­sen­heit gera­ten. Und nie­mand macht sich dar­über Gedan­ken, wie eine Gene­sung wirk­lich aus­se­hen könnte (…)

Man soll­te mit­un­ter zwi­schen dem Sozia­lis­mus, den man­che Men­schen erlebt haben, und dem ‚Sozia­lis­mus’ lin­ker Spin­ner unter­schei­den. Auch wenn mich gera­de jetzt vie­les an DDR-Zei­ten erin­nert – mir aber übler vor­kommt, weil frei­wil­lig bewerk­stel­ligt –, so gibt es doch auch Unterschiede…”

Sehr geehr­ter Herr ***, ich habe sel­ber in der „Ehe­ma­li­gen” jah­re­lang gejobbt, so wie Sie zum Teil auch „auf’m Bau”, fer­ner als Möbel­trä­ger, im rol­len­den Drei­schicht­be­trieb bei der Ost­ber­li­ner Spi­ri­tuo­sen­ver­sor­gung und, etwas ent­spann­ter, aber beson­ders mise­ra­bel ent­lohnt, als Krei­de­kar­ren­schie­ber beim Sport­stät­ten­be­trieb dort­selbst, und ich stim­me Ihnen zu, dass in Hon­eckers Arbei­ter- und Bau­ern-Lauf­ställ­chen jeder Insas­se zur Arbeit gehen muss­te, was auch immer er oder sie dort genau bewerk­stel­lig­ten, wäh­rend Per­so­nen, die dies nicht taten, schnell in den Blick der Volks­po­li­zei gerie­ten und als Aso­zia­le bzw. Schma­rot­zer bear­bei­tet wur­den, weil sie sich dem sozia­lis­ti­schen Kol­lek­tiv ver­wei­ger­ten, das gera­de die Ern­te­schlacht schlug oder ver­such­te, über den Win­ter zu kommen.

Ich sage: Die Leu­te gin­gen zur Arbeit. Es gab frei­lich weit mehr Leu­te als Arbeit, und vie­le saßen bloß ihre Zeit ab. Wenn Sie auf dem Bau waren, wis­sen Sie, wie oft man dort untä­tig her­um­lun­ger­te, weil es an irgend­wel­chem Mate­ri­al man­gel­te. Wie lust­los und schlam­pig oft gear­bei­tet wur­de. Wie min­der­wer­tig die Erzeug­nis­se waren, vom „Bebo-Sher”-Rasierer bis zum Plat­ten­bau. Sozia­lis­ti­sche Wirt­schaft eben. Rück­stän­dig, kon­kur­renz­ab­hold, jede Eigen­in­itia­ti­ve läh­mend, umwelt­ver­pes­tend. Inno­va­ti­ons­feind­lich aus Men­ta­li­tät und Mangel.

Das von mir zitier­te Umver­tei­lungs­mo­dell passt nicht auf den Real­so­zia­lis­mus des Ost­blocks, denn dort gab es nichts zu ver­tei­len. Hon­ecker muss­te 17 Mil­lio­nen Men­schen unter­drü­cken, um auf einen Lebens­stan­dard zu kom­men wie ein west­deut­scher Hand­werks­meis­ter mit 17 Beschäf­tig­ten, spot­te­te Johan­nes Gross. Volks­ei­gen­tum gehört allen, also kei­nem, und des­we­gen funk­tio­niert es nicht mit dem Sozia­lis­mus. Er zer­stört die Wirt­schaft. Jeder Ver­such, den Sozia­lis­mus als Staat zu eta­blie­ren, ende­te und endet im Fias­co. Vene­zue­la ist trotz sei­nes Ölreich­tums von Sozia­lis­ten kaputt­ge­wirt­schaf­tet wor­den. Über Nord­ko­rea reden wir gar nicht erst. 

Die Lin­ke im Wes­ten scheint das begrif­fen zu haben, von Kevins wie Kas­per Küh­nert mal abge­se­hen. Schafft sich die Lin­ke einen Staat, geht sie unter. Die Lin­ke ist unfä­hig, eine Alter­na­ti­ve zur Mark­wirt­schaft oder, wie sie sel­ber gern sagen, zum Kapi­ta­lis­mus zu erzeu­gen. Folg­lich muss sie sich ein Land kapern, indem sie den Staats­ap­pa­rat über­nimmt und sich als Para­sit auf die Wirt­schaft setzt. (Das haben übri­gens auch die Natio­nal­so­zia­lis­ten so gemacht: Das Pro­duk­ti­ons­sys­tem pro for­ma unan­ge­tas­tet las­sen, aber über alles bestim­men und auf das gesam­te Land das Netz der Sozia­li­sie­rung legen. Die Chi­ne­sen ver­su­chen umge­kehrt, unter einem auto­ri­tä­ren Staat einen gelenk­ten Kapi­ta­lis­mus zu eta­blie­ren.) In Deutsch­land hat der sozia­lis­ti­sche Para­sit, zu dem die CDU natür­lich längst gehört, inzwi­schen Zugriff auf eine Bil­li­on Euro Sozi­al­aus­ga­ben, mit der er sich sei­ne Kli­en­tel kauft bzw. sie mit Schutz­geld ruhig­stellt. Dazu kom­men die Steu­er­mil­lio­nen, die in den kul­tur­po­li­ti­schen gesell­schaft­li­chen Was­ser­kopf gehen, den die Lin­ke über den „Marsch durch die Insti­tu­tio­nen” besetzt hat. 

Sie wol­len den Kapi­ta­lis­mus nicht mehr abschaf­fen, son­dern abmel­ken. Wahr­schein­lich wer­den sie auch das über­trei­ben, wahr­schein­lich wird die Lin­ke zu den dum­men Para­si­ten gehö­ren, die ihr Wirts­tier töten, aber das dau­ert eine Wei­le, die Ago­nie der Bun­des­re­pu­blik wird sich deut­lich län­ger hin­zie­hen und etwas kom­mo­der anlas­sen als jene des Real­so­zia­lis­mus, es sind ein­fach grö­ße­re Bestän­de zu ver­hei­zen. Leser *** hat völ­lig recht: Die­ses Sys­tem ist krank. Es hat die Roten und die Grü­nen. Inso­fern gilt das gerüg­te Gleich­nis der Toi­let­ten­rei­ni­gung durch jenen Einen, der sei­nen Lohn dann mit allen ande­ren tei­len muss, für den Umver­tei­lungs­staat BRD. 

In der DDR, wenn man unbe­dingt in die­sem Bild blei­ben will, saßen alle im Auf­ent­halts­raum neben dem kaput­ten Klo, das kei­ner rei­ni­gen woll­te und muss­te, und beka­men jeder unge­fähr gleich wenig Geld. Aber natür­lich haben dort Mil­lio­nen Men­schen ver­sucht, ein nor­ma­les Leben zu füh­ren, natür­lich wur­de dort geliebt und gelacht und gefei­ert und getanzt, natür­lich waren die Men­schen in gewis­ser Wei­se enger mit­ein­an­der ver­bun­den (wer’s mag) und haben sich ihre Nischen und Frei­räu­me bewahrt, und das DDR-Schul­sys­tem war unter­halb der staat­li­chen Beein­flus­sungs­glo­cke imstan­de, den Schü­lern Lesen, Schrei­ben, Rech­nen sowie eine soli­de Grund­kennt­nis der Natur­wis­sen­schaf­ten bei­zu­brin­gen. Mögen die Leu­te also ihre Ost­al­gie hegen. Ich tei­le sie nicht.

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„Neben­bei gesagt fiel mir letz­tens nach inten­si­ven Nach­den­ken ein, dass ich in die­ser Zeit (in der DDR – M.K.) viel­leicht zwei Men­schen in mei­nem Umfeld begeg­net bin, mit denen ich mich nicht auch kri­tisch gegen­über dem Staat und dem Sozia­lis­mus hät­te äußern dür­fen, wäh­rend es jetzt soweit ist, dass ich gera­de mal zwei Men­schen ken­ne, denen gegen­über ich mir – der Ver­ach­tung usw. unge­straft – eine Kri­tik an bestimm­ten Zustän­den hier­zu­lan­de erlau­ben darf.”

(Noch­mals Leser ***)

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