26. August 2019

„Die Ver­gan­gen­heit ist die Quel­le der Poe­sie; die Zukunft ist das Arse­nal der Rhe­to­rik.„
Nicolás Gómez Dávila

                                   ***

Man muss nicht so weit gehen wie Sokra­tes, der über einen sei­ner Schü­ler sag­te, jener wäre auch als Skla­ve für kei­nen Herrn ein Gewinn – wer woll­te Frau Göring-Eckardt, Frau Roth, Frau Kün­ast und Fräu­lein Hof­rei­ter als Skla­vin­nen? (Mar­tin Schulz könn­te immer­hin noch Bücher ein­sor­tie­ren*) –, es genügt, Poli­ti­ker aus­schließ­lich aus der Per­spek­ti­ve eines mög­li­chen Arbeit­ge­bers zu betrach­ten, um sich ein Urteil über sie zu bilden.

* „aus­sor­tie­ren” (Leser***)

                                   ***

Für die fäl­li­ge Ret­tung der Welt bräuch­te es, wie ein Spie­gel online-Kolum­nist schreibt, „Staats­män­ner und ‑frau­en mit glo­ba­lem Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl. Aber in vie­len gro­ßen Natio­nen, etwa in den USA, Russ­land, Bra­si­li­en und auf den Phil­ip­pi­nen regie­ren der­zeit Män­ner mit den poli­ti­schen Instink­ten von Schul­hof­schlä­gern.” Sol­che auto­kra­tiegläu­bi­ge Nai­vi­tät mag auf eine erlauch­te Ahnen­schaft zurück­bli­cken – Pla­tons Phi­lo­so­phen­re­gie­rung! –, aber ein nicht­kor­rup­ter poli­ti­scher Kolum­nist soll­te eigent­lich wis­sen, dass es heu­te eher zu den poli­ti­schen Instink­ten gehört, sich als tugend­haft und bis zum Eich­strich gefüllt mit Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl zu ver­kau­fen. Soll­te es jemals eine Welt­re­gie­rung geben, wer ret­te­te die Welt dann vor den hyper­mo­ra­lisch kos­tü­mier­ten Schul­hof­schlä­gern, aus denen sie unfehl­bar bestünde? 

Ich bin unbe­irrt der Ansicht, dass die Popu­lis­ten recht haben und die Welt nur regio­nal zu regie­ren und mei­net­hal­ben in der Sum­me ihrer Tei­le „zu ret­ten” ist. Die­ses Gan­ze ist nur für einen Gott gemacht. Der Zen­tra­lis­mus ist immer geschei­tert, und das ist noch das Erfreu­lichs­te, was sich über ihn sagen lässt. 

                                   ***

Noch zum Vori­gen. Frag­te man den Spie­gel-Kolum­nis­ten, wel­che Kan­di­da­ten mit „glo­ba­lem Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl” ihm denn so vor­schweb­ten, gewiss fie­le unter den Top Ten auch der Name Barack Oba­ma. Über den steht zu lesen, dass er sich ein Häus­chen gekauft habe, hier, ein 7000-Qua­drat­fuß-Anwe­sen direkt am Atlan­tik. War da nicht was mit dem bedroh­lich stei­gen­den Meeresspiegel?

„Inves­ting some $15 mil­li­on to live on an island home that sits right on the Atlan­tic Oce­an (…) That is not just the action of a hypo­cri­te; what we have here is a full-blown Glo­bal War­ming Deni­er, a Cli­ma­te Deni­er, someo­ne who is so sure the sea levels will never rise, he’s backing up that cer­tain­ty with $15 mil­li­on” (hier).

Oba­ma bürgt mit 15 Mil­lio­nen gegen die Kli­ma­hys­te­rie? Ob ihm am Ende der Schelm Donald T. das Häus­le ange­dreht hat…? 

                                   ***

Leser *** regt an, bei Ver­ge­wal­ti­gun­gen das Geschlecht des Täters nicht mehr zu erwäh­nen, wenn der Delin­quent ein Mann war, denn es könn­te Vor­ur­tei­le gegen Män­ner beför­dern. Ich stim­me zu. Kor­rekt soll­te es hei­ßen: Das Ver­ge­wal­ti­gen­de war ein Mensch.

                                   *** 

Ges­tern Abend „Leid und Herr­lich­keit” (Dolor y glo­ria) gese­hen, den neu­en Film von Pedro Almo­dó­var. Beein­dru­cken­des Werk. Beein­dru­ckend etwa, wie sich Anto­nio Ban­de­ras in der Rol­le eines exis­ten­ti­ell gebro­che­nen Man­nes durch die zahl­lo­sen Nahein­stel­lun­gen arbei­tet. Ich wuss­te nichts über Almo­dó­var, mir war also nicht bekannt, in wel­chem Maße die­ser Film auto­bio­gra­fisch sein kön­ne, doch dass er es ist, wird auch einem unin­for­mier­ten Zuschau­er lan­ge vor der letz­ten Kame­ra­ein­stel­lung klar, die es dann expli­zit macht. Ich las spä­ter im Netz ein paar bio­gra­fi­sche Noti­zen zum Regis­seur und fand bestä­tigt, dass er homo­se­xu­ell ist, „offen homo­se­xu­ell”, wie gesagt wird, aber dass sich irgend­wel­che Schwu­len­recht­ler dar­über beklag­ten, er habe sich nie für den poli­ti­schen Kampf, nie für die Homo­se­xu­el­len­be­we­gung enga­giert resp. instru­men­ta­li­sie­ren lassen. 

Wie schön, wenn ein sog. Pro­mi­nen­ter sei­ne Sexua­li­tät als Pri­vat­sa­che und nicht als State­ment betrach­tet! Wenn er nicht den poli­ti­schen Stra­ßen­lärm ver­mehrt, der die Luft der Öffent­lich­keit so sti­ckig macht. Wenn er sich als dis­kre­ter Zivi­li­sier­ter zu erken­nen gibt.

Im Film trifft der Haupt­dar­stel­ler Sal­va­dor Mal­lo, ein in die Jah­re gekom­me­ner, allein leben­der, kran­ker, schaf­fens­un­fä­hig gewor­de­ner Regis­seur, sei­ne Jugend­lie­be wie­der. Der Ver­flos­se­ne hat zwi­schen­zeit­lich gehei­ra­tet, zwei Kin­der gezeugt und ist frisch ver­liebt – wie­der in eine Frau. Den­noch emp­fin­den die bei­den gereif­ten Her­ren das alte Begeh­ren für­ein­an­der, der Haupt­dar­stel­ler würgt es aber züch­tig ab. Man ver­ab­re­det sich für ein Tref­fen in (ein­sei­ti­ger) Fami­lie auf den Sankt-Nimmerleins-Tag…

Eine Freun­din (sla­wi­scher Migra­ti­ons­hin­ter­grund) hub nach dem Film beim Wei­ne zu einem Mono­log an, der mit loben­den Wor­ten für das Ver­hal­ten des in die Hete­ro­nor­ma­ti­vi­tät zurück­ge­kehr­ten Freun­des begann. Sie habe sel­ber homo­ero­ti­sche Erfah­run­gen, und noch heu­te emp­fin­de sie den Anblick von Frau­en als erre­gend, aber eine Fami­lie sei wich­ti­ger. Sie prei­se die bür­ger­li­che Heu­che­lei als Quel­le der Sitt­lich­keit (oder umge­kehrt). Sie betrach­te ihre homo­se­xu­el­len Erleb­nis­se als womög­lich etwas über­trie­be­ne Ver­gnü­gen, unge­fähr wie Abstür­ze im Suff. Wenn man den Leu­ten nicht dau­ernd ein­re­den wür­de, dass ihr Kopu­la­ti­ons­mo­dus etwas emi­nent Poli­ti­sches oder sogar Fort­schritt­li­ches sei, wür­den vie­le wie­der in den – von ihr aus gern ver­heu­chelt zu nen­nen­den – Schoß der Nor­ma­li­tät zurück­keh­ren und hin und wie­der einen dis­kre­ten Absturz erleben.

Ich erwi­der­te dazu dies und das, aber es war der­ma­ßen poli­tisch kor­rekt, dass ich mich scheue, es hier wiederzugeben.

                                   ***

Almo­dó­vars fil­mi­sches Alter ego Sal­va­dor Mal­lo muss sich am Ende einer Ope­ra­ti­on unter­zie­hen. Kurz bevor die Nar­ko­se ein­setzt, erzählt er sei­nem behan­deln­den Arzt, dass er wie­der an einem Dreh­buch schrei­be.
Was es denn wer­de, ein Dra­ma oder eine Komö­die?, erkun­digt sich der Arzt.
Wer wis­se das schon vor­her?, erwi­dert Mallo – –

                                   ***

Zum Chem­nit­zer Ver­ur­teil­ten, der uner­freu­li­cher­wei­se die all­ge­mei­ne Auf­merk­sam­keit dar­auf zurück­lenk­te, wel­ches Ver­bre­chen eigent­lich gesche­hen war, bevor die pro­fes­sio­nel­len Anbräu­ner ihre Gegen- bzw. Anstatt-Erzäh­lung in die End­los­schlei­fe schick­ten, schreibt Spie­gel online: „Ver­däch­tig gemacht hat­te ihn, dass er in der Tat­nacht vor der Poli­zei weg­ge­lau­fen war. Objek­ti­ve Bewei­se gegen ihn gab es kei­ne. Kein Blut des Opfers an sei­ner Klei­dung, kei­ne Spur am Tat­mes­ser, kein blau­er Fleck, kein Krat­zer von der angeb­li­chen Betei­li­gung an einer Schlägerei.”

Unge­fähr wie beim NSU.

PS: Die „Hetz­jag­den” von Chem­nitz schrump­fen der­weil zu Chat-Phan­ta­sien. Hät­te, hät­te, Döner­ket­te? Nein! Den Wahr­heits­me­di­en ent­geht nichts! Die sehr maß­geb­li­che taz hat­te bereits nach Seb­nitz das Leit­mo­tiv vor­ge­ge­ben: „Aber es hät­te doch so sein können.”

                                    ***

Die Wah­len in der Zone wer­fen dun­kel­deut­sche Schat­ten voraus. 

Die Sozi­al­de­mo­kra­ten haben immer­hin ihr Pro­blem erkannt:

IMG 20190826 WA0001

His­to­ri­sche Remi­nis­zen­zen wer­den u.a. in Fal­ken­see geweckt.

Damals hieß es in der Ehemaligen:

thumbnail by url 1pict5920

 
(„Zum Woh­le des Vol­kes” heißt inzwi­schen „Für ein Deutsch­land, in dem wir gut und ger­ne leben”.)

Heu­te:

IMG 5160

„Gegen Gewalt”, das mag irri­tie­ren ange­sichts des Hetz­fak­tes, dass die von den zur Wahl emp­foh­le­nen Par­tei­en ins Land gelas­se­nen bzw. gelock­ten Migran­ten von 2015 bis 2018 laut BKA 1.085.647 Straf­ta­ten began­gen haben (ohne sol­che gegen das Aus­län­der­recht – es emp­fiehlt sich, die­se Zahl zu gugeln, gera­de zur Zer­streu­ung von Vor­ur­tei­len gegen die Wahr­heits- und Qua­li­täts­pres­se), doch beden­ken Sie bit­te bona fide, dass jedes Jahr zum Okto­ber­fest etwa sechs Mil­lio­nen Besu­cher auf­kreu­zen, es also x‑fach wahr­schein­li­cher ist, auf der Wies’n einen Betrun­ke­nen zu sehen, als drau­ßen im Lan­de einem gesetz­tes­un­treu­en Migran­ten zu begeg­nen (Ver­stö­ße gegen das Aus­län­der­recht ausgenommen). 

                                      ***

Der Kul­turm­ar­xis­mus ist die Scha­ria der Globalisten.

                                      ***

Die #unteil­bar-FDJ (bzw. MJ) spricht ihr öffent­li­ches Glau­bens­be­kennt­nis, und kein anstän­dig Geblie­be­ner soll­te die­se kul­tur­re­vo­lu­tio­nä­re Dar­bie­tung ver­säu­men. Ker­ni­ger Kern­satz: „Die größ­te Gefahr für Dres­den und Sach­sen kommt nicht von außen, son­dern ist in die­sem Land gebo­ren und will uns in eine Ver­gan­gen­heit füh­ren, gegen die die Men­schen vor drei­ßig Jah­ren auf die Stra­ße gegan­gen sind.” Die Men­schen sind vor drei­ßig Jah­ren gegen den Natio­nal­staat auf die Stra­ße gegan­gen. Die Rechts­po­pu­lis­ten wol­len die DDR zurück; wir wer­den ihnen dabei zuvorkommen. 

                                     ***

In wel­ches Fach der Eta­ge­re sich die heu­te noch #unteil­bar im Chor Spre­chen­den künf­tig ein­fü­gen wer­den, wird frei­lich indi­vi­du­ell entschieden.

IMG 20190825 WA0002

                                   ***

Klo­n­ovs­ky, ist das nicht der­je­ni­ge, fragt ein Twit­te­rer, „der demo­kra­ti­sche Geg­ner ger­ne mit Nazis ver­gleicht, etwa Kri­ti­ker als ‚von Tag zu Tag an habi­tu­el­ler Nazi­ähn­lich­keit zule­gen­de Meu­te’ bezeichnet?”

Nicht doch, Klo­n­ovs­ky ist der­je­ni­ge, der Kri­ti­ker „Kri­ti­ker” nennt, eine Meu­te „Meu­te” und habi­tu­el­le Nazi­ähn­lich­keit „habi­tu­el­le Nazi­ähn­lich­keit” (hier).

Total
0
Shares
Vorheriger Beitrag

25. August 2019

Nächster Beitrag

Sag mir, wo die Frauen sind...

Ebenfalls lesenswert

Hinweis

Nach viel­fa­chem Wunsch habe ich das Ange­bot einer Schwei­zer Fir­ma, die Abschie­bung der hier ille­gal leben­den Migran­ten zu…

21. Mai 2020

Das, was wir ver­säumt haben, kann uns wenigs­tens nicht enttäuschen.                                  *** Fort­schritt, ich will dich preisen:                                 …

25. Februar 2019

„Die Nazis wer­den Nazis genannt, aber nicht Nasos. War­um hei­ßen die Jusos dann Jusos, aber nicht Juzis?”(Leser ***)…

11. März 2019

Klei­ner Nach­trag zu Matu­s­seks reui­gem Gebuts­tags­par­ty­gast (Acta von gestern): Die­se Beschrei­bung des bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Phä­no­typs stammt aus: „Der Held.…