3. August 2019

„Ich ken­ne weder Abscheu weder Wut.
Wahr­schein­lich ist mir des­halb oft nicht gut.”
Peter Hacks

„Er sah noch eine hal­be Nacht lang fern,
Jeden Kanal, und starb dann äußerst gern.”
Derselbe

***

Neo Rauch sei „einer der wich­tigs­ten Maler Deutsch­lands”, mel­det eines der wich­tigs­ten deut­schen Online­por­ta­le, um sei­nen Lesern die Nach­richt „Gemäl­de zeigt Male­rei mit Exkre­men­ten – und bringt 750.000 Euro” ver­steh­bar ein­zu­ord­nen. Zuvor hat­te ein ande­res wich­ti­ges deut­sches Online­me­di­um eben­falls etwas gemel­det, näm­lich dass Rauch vor allem mit Braun­tö­nen male und qua­si der inof­fi­zi­el­le Pin­sel­füh­rer von Pegi­da sei, und dem Trak­tat war anzu­mer­ken, dass des­sen Ver­fas­ser, ein Kunst­his­to­ri­ker namens Wolf­gang Ull­rich, wäre er in einem Staat gebo­ren, wo das Mel­den noch gehol­fen hat, die rich­ti­ge Adres­se schon gewusst hät­te. Na schwamm drü­ber. Neo Rauch hat­te auf sei­ne poli­ti­sche Ein­sor­tie­rung mehr oder weni­ger ästhe­tisch reagiert und ein Bild ver­fer­tigt, das den Ver­fas­ser des besag­ten Trak­tats als „Anbräu­ner” – so der Titel (s. Acta diur­na vom 30. Juni) – zeigt, nicht ihn per­sön­lich, son­dern die­sen hier­zu­lan­de bis in den Bun­des­tag all­ge­gen­wär­ti­gen Typus als alle­go­ri­sche Figur. Wer rich­ti­ge „Male­rei mit Exkre­men­ten” sehen will, muss nach wie vor zur docu­men­ta oder zu einem der ande­ren ange­sag­ten pro­gres­si­ven Bas­tel­clubs mit ange­schlos­se­ner Gale­rie gehen.

Das „Wut­bild” (Leip­zi­ger Volkszei­tung) ist also auf einer Bene­fiz­ga­la ver­stei­gert wor­den, gemein­sam u.a. mit einer mobi­len Wer­be­flä­che, und zwar auf dem Lauf-T-shirt, wel­ches die Spie­ler­frau Cathy Hum­mels bei einem Mara­thon tra­gen wird (wobei ich schon gern gewusst hät­te, ob die Vor­der- oder die Rück­sei­te feil war, viel­leicht hät­te ich mit­ge­bo­ten), das Wut­bür­ger­bild wur­de, wenn wir schon beim The­ma sind, „von zwei Frau­en auf gefähr­lich hohen Absät­zen und unter wacke­ligs­ter Anstren­gung in den Ball­saal eines Leip­zi­ger Nobel­ho­tels gewuch­tet”, wie der Kor­re­spon­dent der Zeit nicht nur beob­ach­tet, son­dern in wack­li­ger Spra­che auf die online-Sei­te des Ham­bur­ger Halb­welt­blat­tes gewuch­tet hat – gefähr­lich hohe Absät­ze, geneig­te Lese­rin, sind näm­lich bei der Zeit sehr rar, nur die Quo­ten­tran­se soll bis­wei­len auf sol­chen Pfei­lern des Sexis­mus daher­ge­stö­ckelt kom­men, und beim spei­oft in den Gazet­ten zu lesen­den Ter­mi­nus „Nobel­ho­tel” erin­ne­re ich an die Defi­ni­ti­on von Johan­nes Groß, damit sei in der Regel ein Hotel der etwas geho­be­ne­ren Kate­go­rie gemeint, in das der Jour­na­list zu sei­ner eige­nen Ver­blüf­fung ein­ge­las­sen wur­de –, die­ses kopro­phi­le Wut­bild hat also eine Drei­vier­tel­mil­li­on Euro­nen ein­ge­bracht, die nach des malen­den Wüte­richs Ver­fü­gung einem Kin­der­hos­piz zugu­te kommen.

Ges­tern kol­por­tier­te ein lie­ber Tisch­gast eine angeb­li­che Bemer­kung Rauchs, auf die­se Wei­se habe ein Text des Herrn Ull­rich erst­mals und wohl ein­ma­li­ger­wei­se irgend­ei­nen Nut­zen gestif­tet. Soll­te der Maler das nicht gesagt haben, neh­me ich die Fest­stel­lung gern auf mei­ne Kappe.

***

Baden-Würt­tem­bergs Jus­tiz­mi­nis­ter Gui­do Wolf (CDU) kri­ti­siert, dass im Netz Fotos und Vide­os vom vor­ges­tern zu Stutt­gart zele­brier­ten Samu­rai­schwert­mord kur­sie­ren, und mahn­te gesetz­li­che Schrit­te zum Schutz Gestor­be­ner an: „Seit über einem Jahr liegt dem Bun­des­tag ein Gesetz­ent­wurf des Bun­des­rats vor, der das Foto­gra­fie­ren Toter und die Ver­brei­tung ent­spre­chen­der Bil­der unter Stra­fe stel­len soll.”

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