12. September 2019

Man wird ein­mal sagen: Die Trump-Jah­re waren die fried­lichs­ten in der jün­ge­ren Geschich­te der USA, ein spä­te Erho­lungs­pha­se, bevor das Land auseinanderfiel.

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Ein Fahr­stuhl in Sach­sen. Wo auch sonst?

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„Davon abge­se­hen bestä­ti­gen die Mel­dun­gen, daß ich ganz zu recht para­no­id bin.„
Art Spie­gel­man

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Wäh­rend die Bun­des­re­gie­rung ein „Demo­kra­tie­för­de­rungs­ge­setz” plant, das sie ermäch­ti­gen soll, die Oppo­si­ti­on genüss­lich zu stran­gu­lie­ren – Paro­le: „Mehr Demo­kra­tie­för­de­rung wagen!” bzw. „Krieg ist Frie­den!” –, wäh­rend der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Johan­nes Kahrs sich sorgt, sei­ne Par­tei kön­ne noch schnel­ler ver­schwin­den, als er ein AfD-Ver­bot durch­ge­setzt hat, wäh­rend Niklas Frank, wohl­ge­ra­te­ner Sohn des NS-­Ju­ris­ten und Gene­ral­gou­ver­neurs von Polen Hans Frank, welch­letz­te­rer bekannt­lich 1946 zu Nürnberg durch den Strang vom Leben zum Tode befördert wor­den ist, wohin­ge­gen sein bestür­zend kre­ge­ler Fili­us seit nun­mehr schon Jahr­zehn­ten damit hau­siert, Nach­kom­me eines natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Groß­ver­bre­chers zu sein, dar­über meh­re­re Bücher schrieb, in denen er über das „Kna­cken” des väter­li­chen Genicks in der Schlin­ge des Hen­kers froh­lock­te und schil­der­te, wie er als Jugend­li­cher ona­niert habe, der­weil er sich die Hin­rich­tung sei­nes Erzeu­gers vor­stell­te – es ist frag­lich, ob der Mann nicht eher ein Fall für den Psych­ia­ter als für die moralisch­e Aben­der­bau­ung ist, aber immer­hin macht er das selbstvermarktungsmäßig Bes­te aus sei­ner ver­korks­ten familiären Situa­ti­on –, wäh­rend Niklas Frank heu­te wie­der resp. immer noch die Stim­me sei­nes Vaters zu hören vor­gibt, näm­lich aus dem Mun­de von AfD-Poli­ti­kern, und der Spie­gel gene­rös genug ist, die­se hilfs­be­dürf­ti­ge Per­son der öffent­li­chen Selbst­bloß­stel­lung preis­zu­ge­ben, wäh­rend all die­ser zwar wohl­mei­nen­den, aber eben nicht wirk­lich hand­fes­ten Akti­vi­tä­ten gegen „rechts” haben mit­ten in Dun­kel­deutsch­land ein paar Bur­schen gezeigt, wie es rich­tig geht: 

Ein Trupp Beherz­ter prü­gel­te in Leip­zig die Gäs­te einer Par­ty halb­wegs kran­ken­haus­reif, nach­dem sich die Rei­hen der Letz­te­ren so sehr gelich­tet hat­ten, dass ein für jeden Angriff nöti­ges Kräf­te­ver­hält­nis von 3:1 zuguns­ten der Angrei­fer (vgl. Unter­neh­men „Bar­ba­ros­sa”) her­ge­stellt war: „Acht bis zehn Leu­te … wur­den von 20 bis 30 Angrei­fern, dun­kel geklei­det und ver­mummt, ver­folgt, geschla­gen und getre­ten … Die Täter setz­ten Pfef­fer­spray, Schlag­stö­cke und Quarz­hand­schu­he ein.” (hier). Die Akti­vis­ten sol­len dabei „Scheiß Faschis­ten! Scheiß Nazis!” geru­fen haben, wes­halb die Poli­zei über ihr Motiv durch­aus rät­selt. Der AfD-Stadrat Mari­us Bey­er, aus des­sen Umfeld die Par­ty­gäs­te stamm­ten, ver­sucht jetzt, den Zwi­schen­fall gegen die Demo­kra­tie­för­de­rung zu benut­zen, aber die freie Pres­se lässt sich nicht von ihm instru­men­ta­li­sie­ren. Kein Medi­um außer der Leip­zi­ger Täter­volks­zei­tung hat dar­über berich­tet (und die hin­ter der Bezahl­schran­ke), dass ein 18jähriger, der eben erst AfD-Mit­glied gewor­den war (18!!), bei dem Angriff einen Bruch des Hand­ge­lenks und zahl­rei­che blu­ten­de Wun­den davon­ge­tra­gen haben soll, wäh­rend zwei Frau­en meh­re­re Meter eine Böschung hin­ab­stürz­ten und sich an den dor­ni­gen Sträu­chern dort­selbst Ver­let­zun­gen mit womög­lich dau­er­haf­ten Nar­ben zuzo­gen. Wol­len wir uns aus­ma­len, was in der Wahr­heits­pres­se los wäre, wenn sächi­sche Skin­heads eine Grü­nen-Par­ty auf­ge­mischt hätten? 

Viel­leicht switcht unser ver­wirr­ter Nazi­fi­li­us Frank in sei­ner ona­nis­ti­schen Vor­stel­lungs­welt auf anti­fa­schis­ti­sche Aktio­nen wie den Leip­zi­ger Böschungs­sturz um, sofern da über­haupt noch was geht bei ihm, vom kna­cken­den Genick­bruch des Papas auf nor­ma­le blu­ti­ge, inzes­tuös unver­däch­ti­ge Wei­ber­haut? Ein spä­ter Schritt gen Nor­ma­li­tät? Der Kahrs kann sich ja anschlie­ßen, indem er sich den zusam­men­ge­schla­ge­nen 18jährigen vor­stellt...

PS: Nein, Herr Kahrs ist kein Nazi, unser sozi­al­de­mo­kra­ti­sches Pol­ter­würst­chen benimmt sich bloß wie einer. Die Nazi-Men­ta­li­tät hat sich längst von der NS-Welt­an­schau­ung abge­kop­pelt. Der Büt­tel- und Ver­fol­ger­ty­pus ist in deut­schen Par­tei­en, Redak­tio­nen und Kul­tur­stät­ten so hei­misch wie der Haus­schwamm im Sozialismus.

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Leser *** will in der Cau­sa Polen­feld­zug nicht locker las­sen (Acta von ges­tern), was nach der Erwäh­nung von Hans Frank auf einen heik­len Über­gang hinausläuft.

Gut denn, von mei­ner Sei­te so viel: Es gibt in Jung­män­ner­grup­pen oft den Typus des Stän­ke­rers, etwas schwäch­li­cher von Sta­tur als die ande­ren, aber, jene hin­ter sich wis­send, von unbän­di­ger Pro­vo­ka­ti­ons­lust. So unge­fähr stellt sich mir die Rol­le Polens anno 1939 dar, wel­ches, Eng­land und Frank­reich hin­ter sich wäh­nend, dem Reich ziem­lich über­mü­tig ent­ge­gen­trat. Die Polen, zu deren Guns­ten ich dar­an erin­nern will, dass ihr Land zuvor drei­mal zwi­schen Rus­sen, Preu­ßen und Öster­rei­chern auf­ge­teilt wur­de, hat­ten in der Zwi­schen­kriegs­zeit etwa eine Mil­li­on Deut­sche aus dem dank Ver­sailles pol­nisch gewor­de­nen Kor­ri­dor ver­trie­ben, die deut­schen Gebie­te bis in die Schu­len und Stra­ßen­na­men polo­ni­siert; hohe pol­ni­sche Mili­tärs träum­ten 1939 offen davon, auf Ber­lin zu mar­schie­ren, was von erstaun­li­cher Hybris zeugt, es gab, wie mir ein damit beschäf­tig­ter His­to­ri­ker ver­si­cher­te, Grenz­pro­vo­ka­tio­nen und ‑schar­müt­zel von bei­den Sei­ten, und wir wis­sen von den Mas­sa­kern, die Polen an Ange­hö­ri­gen der deut­schen Min­der­heit unmit­tel­bar nach dem Angriff der Wehr­macht ver­üb­ten, in Brom­berg und andern­orts. Das heißt, der Hei­ko Maas weiß es wahr­schein­lich nicht bzw. will es aus Grün­den der Kom­ple­xi­täts­re­du­zie­rung nicht wis­sen. Es wür­de auch sein limi­tier­tes diplo­ma­ti­sches Geschick über­for­dern, der­glei­chen den Polen gegen­über zur Spra­che zu brin­gen, sein klei­nes biss­chen Mut ohnehin.

Unser Pro­blem als Volk, Nati­on, wie auch immer, besteht dar­in, dass die völ­lig legi­ti­me Revi­si­on des Ver­sail­ler Dik­tats von Gangs­tern auf Gangs­ter­art voll­zo­gen wur­de. Sie haben Lei­chen­ber­ge zwi­schen uns Heu­ti­ge, die legi­ti­men deut­schen Ansprü­che sei­ner­zeit und die deut­schen Opfer gehäuft. Natür­lich ist es wider­wär­tig, dass die bun­des­re­pu­bli­ka­ni­sche Öffent­lich­keit jeden His­to­ri­ker, der sich mit den Deut­schen nicht aus­schließ­lich aus der Täter­per­spek­ti­ve beschäf­tigt oder an der Allein­schuld des Rei­ches auch nur kratzt, regel­recht stig­ma­ti­siert. Seit 1968 fin­det ein Pro­zess gegen die Akteu­re der jün­ge­ren deut­schen Geschich­te statt, in dem nur Belas­tungs­zeu­gen zuge­las­sen sind. Vae vic­tis! Gleich­wohl: Nichts Neu­es unter der Sonne.

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Zum Vori­gen. Was geschah tat­säch­lich vor dem deut­schen Angriff auf Polen vor 80 Jah­ren? Und war­um wei­gern sich deut­sche Offi­zi­el­le, über die­ses The­ma zu spre­chen? Leser*** sand­te mir einen Text aus der Feder von Gerd Schult­ze-Rhon­hof, Gene­ral­ma­jor a.D. und Autor his­to­ri­scher Bücher, mit der Fra­ge, ob ich ihn ver­öf­fent­li­chen kön­nen. Was hier­mit gesche­hen ist. 

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Je eit­ler ein Autor von Rang, des­to weni­ger Res­sen­ti­ment ver­gif­tet sei­ne Pro­sa, des­to rei­ner sei­ne Bosheit.                                      ***…