19. September 2019

Man­che brau­chen eben eine Wei­le, ehe sie in die ohne­hin pas­sen­de Kluft auch cha­rak­ter­lich hineinwachsen:

Lt. Werner

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Man stel­le sich vor, Veláz­quez müss­te Alt­mai­er malen oder Michel­an­ge­lo Hrn. H. Maas aus einem cha­rak­ter­voll klei­nen Mar­mor­block meißeln…

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Nichts ist inter­es­san­ter als der Mensch, nichts ist lang­wei­li­ger als die Menschheit.

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„The­men­ge­wich­tung”: ande­res Wort für Propaganda.

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„Aus einer undich­ten Stel­le des ZDF wur­de mir fol­gen­de Fra­ge zuge­spielt, die am Anfang des nächs­ten ZDF-Inter­views mit der Bun­des­kanz­le­rin gestellt wer­den soll: ‚Mul­ti­kul­ti ist geschei­tert – wer hat das gesagt, Sie oder Herr Gau­land?’ ”
(Leser ***)

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Was ich zu dem ZDF-Auf­tritt vom Björn Höcke sage, fra­gen Leser. Der eine legt mei­nend vor, das sei doch ein ver­lo­ge­nes Schau­spiel, Regie­rungs­po­li­ti­ker wür­den nie hart ver­hört und bekä­men statt­des­sen nur gut ein­ge­spei­chel­te Fra­gen vor­ge­setzt, ein ande­rer ist der Ansicht, Höckes Auf­tritt sei an selbst­ent­blö­ßen­der Pein­lich­keit nicht zu über­bie­ten, da habe ein soge­nann­ter Poli­ti­ker allen Erns­tes erklärt: Wenn ich erst mal groß bin, gibt’s eins auf die Fres­se. Die heu­te-Show wer­de eine Son­der­sen­dung einlegen.

Ich stim­me bei­den zu.

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„Im Alten Tes­ta­ment war Gott noch wie Kin­ski.„
Lisa Eck­art

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Täuscht der Ein­druck, dass die „Fri­days for Future”-Schulschwänzerei einem Bil­dungs­sys­tem sehr will­kom­men ist, in dem immer grö­ße­rer Leh­rer­man­gel herrscht?

Der Gedan­ke kam mir bei der depri­mie­ren­den Lek­tü­re die­ses Tex­tes von Had­mut Danisch. Die Con­clu­sio in zwei Sät­zen: Das deut­sche Bil­dungs­sys­tem ist nur noch ein Zom­bie. Wir bekla­gen, dass die Schü­ler kein Deutsch mehr kön­nen, aber die eigent­li­che Kata­stro­phe besteht dar­in, dass eine Genera­ti­on von Leh­rern nach­ge­wach­sen ist, die auch kein Deutsch mehr können. 

Wie soll es auch anders sein in einem Schwel­len­land, in dem sogar die Regie­rungs­chefin ein Stum­mel- und Stüm­per­deutsch spricht, dass einem übel davon wird? Etwa: „… eine Fra­ge, ob wir bereit sind, als Indus­trie­staa­ten etwas dafür zu tun, dass den Abdruck an Res­sour­cen­ver­brauch, den wir hin­ter­las­sen haben, dass die­se Indus­trie­län­der auch an der vor­de­ren Front dabei sind, etwas zu tun, damit wir die­sen Fuß­ab­druck über­win­den und den Kli­ma­an­stieg – oder den Tem­pe­ra­tur anstieg – stop­pen oder zurück­dre­hen” (hier).

Die­se Gesell­schaft wird auseinanderfliegen. 

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Allein im Jahr 2018 gab es in ’schland 265.930 Straf­ta­ten mit Tat­ver­däch­ti­gen ohne Auf­ent­halts­ti­tel. Das ant­wor­te­te die Bun­des­re­gie­rung auf eine Klei­ne Anfra­ge der eher nicht Grü­nen. Dar­un­ter: 98mal Mord, 261mal Tot­schlag, 1082mal Ver­ge­wal­ti­gun­gen und sexu­el­le Nötigung/Übergriffe, inklu­si­ve 153 Ver­su­che, die­se Straf­ta­ten aus­zu­füh­ren, 3477mal räu­be­ri­sche Erpres­sung und räu­be­ri­scher Angriff auf Kraft­fah­rer sowie 16.929mal gefähr­li­che und schwe­re Kör­per­ver­let­zung. Aus­län­der­recht­li­che Ver­stö­ße, wie etwa ille­ga­le Ein­rei­se, sind dabei noch nicht berück­sich­tigt. Die meis­ten Tat­ver­däch­ti­gen stamm­ten aus Syri­en (25.328), Afgha­ni­stan (16.687) und dem Irak (10.225).

265.930 Straf­ta­ten pro Jahr erge­ben ca. 728 Straf­ta­ten pro Tag.

Die Frau, die das poli­tisch zu ver­ant­wor­ten hat, hat in ihrem Amts­eid geschwo­ren, Scha­den vom deut­schen Volk abzu­wen­den. Ihre Poli­tik ist Lan­des­ver­rat, nicht im for­mal­ju­ris­ti­schen Sin­ne, son­dern eher in jenem, den die Figu­ren ahnen, die in der Öffent­lich­keit „Volks­ver­rä­ter” skan­die­ren. Frau Mer­kel tut gut dar­an, sich „Mensch­heits­auf­ga­ben”, wie sie den Kli­ma­wan­del nennt, zuzu­wen­den. Es han­delt sich um Vor­be­rei­tun­gen zum Absprung: Sie will von der „Tita­nic” auf die „San­ta Maria 2.0” wechseln. 

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Ein in der „Ehe­ma­li­gen” Auf­ge­wach­se­ner bzw. voll Erblüh­ter (Meis­ter Iste!) sieht sich heu­te von einem Wald aus Déjà-vus umstellt. Zum Bei­spiel, wenn die Mer­kel-Jugend – auch: Deut­sche Kli­ma­ju­gend – zur Grup­pen­ar­beit bit­tet: Wer nicht mit­macht beim „Kli­ma­st­reik”, hat ein Pro­blem, schreibt die Ber­li­ner Zei­tung. Oder bei der Lek­tü­re die­ses lupen­rei­nen, nur aus Fake News und Dro­hun­gen bestehen­den ND-Arti­kels im Tages­spie­gel, wel­cher kul­mi­niert im Schluss­pas­sus: „Auf die Fra­ge des Tages­spie­gels, ob die Posi­tio­nen des Ver­eins bekannt sind, woll­te sich die Geschäfts­füh­rung des NH Mün­chen Ost Con­gress Cen­ter nicht äußern. Eine Spre­che­rin des Unter­neh­mens teil­te mit, man distan­zie­re sich aus­drück­lich von der poli­ti­schen Bot­schaft. ‚Ein Leug­nen des men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­wan­dels ist mit den Wer­te­vor­stel­lun­gen der NH Hotel­grup­pe nicht vereinbar.’ ”

Das klingt nicht nur nach Dik­ta­tur, das ist Dik­ta­tur. „Es lieeegt an uns zu dik­tieeee­ren, wie eine Gesell­schaft aus­zu­se­hen hat!”

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Dar­win-Awards, x.-ter Wett­kampf­tag. „Steck­te das Opfer dem Flücht­ling Geld zu?” (Hier.) Pas­siert vor allem in Gesell­schaf­ten, wo alte Damen kei­ne Enkel haben, womög­lich auch schon kei­ne Kin­der, wo sich die Nächs­ten­lie­be ins Lee­re sehnt und nach Ferns­ten sucht…

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Leser ***, AfD-Mit­glied, moniert mei­ne Ein­las­sun­gen zum Kriegs­aus­bruch 1939 (Acta vom 12. Sep­tem­ber) sowie die hier publi­zier­ten Aus­füh­run­gen von Gerd Schult­ze-Rohn­hof zu die­sem bekannt­lich heik­len The­ma, da sei­ner Mei­nung nach „die Fra­ge ‚Schuld am Beginn des 2. Welt­kriegs’ von der Geschichts­wis­sen­schaft beant­wor­tet wur­de. Ich mei­ne, dass wir Kon­ser­va­ti­ven uns für die  Rück­kehr zur Demo­kra­tie, zum Rechts­staat, zu sinn­vol­ler Wirt­schafts- , Währungs‑,  Ein­wan­de­rungs- und Ener­gie­po­li­tik ein­set­zen soll­ten und nicht mit einer ‚pol­ni­schen Teil­schuld am Aus­bruch des 2. WK’ beschäf­ti­gen. Das sind Dis­kus­sio­nen, die nicht zu Unrecht von nie­man­den ver­stan­den werden.”

Nach­dem ich dem bra­ven Man­ne zunächst durch­aus unwirsch geant­wor­tet hat­te, will ich coram publi­co etwas klar­stel­len. Wie der Kopf­leis­te die­ses Dia­ri­ums zu ent­neh­men, han­delt es sich bei den Acta diur­na um ein pri­va­tes Tage­buch, auch wenn eini­ge Platt­köp­fe zur Lin­ken in ihrem Hang zum kol­lek­ti­ven Mei­nen und Zusam­men­rot­ten sich der­glei­chen nicht vor­zu­stel­len ver­mö­gen. Es ist ein Mono­log, den ich vor mich hin­mur­me­le oder bis­wei­len auch ‑flu­che, unge­fähr wie ein altes Weib in einem Win­kel der Kir­che ihre Gebe­te mur­melt, um ein treff­li­ches Bild von Don Nicolás auf­zu­grei­fen. Mit einer Par­tei­mei­nung hat das alles nichts zu tun, hät­te es nicht ein­mal dann, wenn sich eine hun­dert­pro­zen­ti­ge Deckungs­gleich­heit zwi­schen einer Par­tei­li­nie und den hier ange­stell­ten Über­le­gun­gen ergäbe.

Ich emp­feh­le allen AfD-Mit­glie­dern, das The­ma Drit­tes Reich grund­sätz­lich zu mei­den, man darf es allen­falls mit der Sen­si­bi­li­tät eines Hirn­chir­ur­gen trak­tie­ren, aber nicht, weil etwa alle Fra­gen geklärt wären und die recht­schaf­fe­ne Mut­ter Erde sich hin­ter den gel­ten­den Gren­zen des his­to­risch Sag­ba­ren auf­tä­te, wel­che, im Gegen­satz zu den Lan­des­gren­zen, inter­es­san­ter­wei­se mit Klau­en und Zähn­chen ver­tei­digt wer­den – Zäu­ne hal­ten zwar kei­ne Men­schen auf, aber Geschichts­ta­bus angeb­lich Rechts­po­pu­lis­ten –, son­dern aus dem Grun­de, dass bei uns die Geschich­te die Staats­re­li­gi­on ersetzt hat und des­halb die Regeln der Inqui­si­ti­on herr­schen. Der Begriff „revi­sio­nis­ti­scher His­to­ri­ker” gilt ja nur in Got­tes­staa­ten als anrü­chig; in einer frei­en Gesell­schaft ist Revi­si­on ers­te His­to­ri­ker­pflicht. Die Geschichts­wis­sen­schaft beant­wor­tet kei­ne Schuld­fra­gen, das tun Juris­ten oder Moral­theo­lo­gen. Es gibt streng­ge­nom­men auch kei­ne Geschichts­wis­sen­schaft, Geschichts­schrei­bung ist ein Zweig der Lite­ra­tur; wer etwas ande­res sagt, hat Inter­es­sen. Bereits mit der Auf­de­ckung von Kau­sa­li­tä­ten stößt der His­to­ri­ker an sei­ne Gren­zen, denn nur Gott kennt alle Zusam­men­hän­ge. Fehlt nur ein ein­zi­ger, ist das Bild unvoll­stän­dig. Des­halb gibt es zwar his­to­ri­sche Fak­ten (und Mär­chen; ein His­to­ri­ker schreibt sie vom ande­ren ab), aber kei­ne his­to­ri­sche Wahr­hei­ten. Der­je­ni­ge His­to­ri­ker, der die meis­ten Ursa­chen für ein Ereig­nis anbie­tet, kommt der Wahr­heit am nächs­ten, aber er erreicht sie nie. (In der his­to­ri­schen Rück­schau ver­wan­delt sich ja auf geheim­nis­vol­le Wei­se in Kau­sa­li­tät, was für die Zeit­ge­nos­sen nur eine von zahl­lo­sen Optio­nen war.)

Die deut­sche Geschichts­wis­sen­schaft – den­ken Sie sich den Ter­mi­nus in Anfüh­rungs­stri­chen – ist kei­nes­wegs frei, son­dern ein Minen­feld, ein über­aus lang­wei­li­ges oben­drein, weil die Minen gut sicht­bar aus­lie­gen. Sie wird miss­braucht zu Herr­schafts­zwe­cken, unter den His­to­ri­kern tum­meln sich zahl­rei­che Pries­ter, und die His­to­ri­ker­ta­ge sind eher Mes­sen. Der „lan­ge Weg nach Wes­ten” (H.A. Wink­ler) etwa ist die bun­des­re­pu­bli­ka­ni­sche Ver­si­on der Vor­se­hung. Viel­leicht soll­te man His­to­ri­ker aus­schließ­lich unter lite­ra­ri­schen Aspek­ten lesen und die Lek­tü­re derer mei­den, die nicht schrei­ben kön­nen. Jeden­falls soll man gera­de die­je­ni­gen, die uns erklä­ren, sie wüss­ten, wie es gewe­sen ist, am bes­ten noch: wie es kom­men muss­te, mit einem Lächeln lesen, in der schö­nen Gewiss­heit, dass die Wink­ler und Weh­ler so ver­ges­sen wer­den wie die Treit­sch­ke und Ger­vi­nus. Am Ende bleibt wohl nur Thu­ky­d­i­des übrig. 

In mei­nem klei­nen Eck­la­den den­ke ich und ver­öf­fent­li­che ich, was ich will. Der Bei­trag von Schult­ze-Rhon­hof ist ein Teil eines Puz­zles, das höchst unvoll­stän­dig ist und all­zeit blei­ben wird, aber immer­hin ein pas­sen­des Teil. Das ist alles. 

 

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Apro­pos Don Nicolás: „Heu­te sind wir nicht Zeu­gen einer Kri­se, son­dern hal­ten Toten­wa­che bei einem Kadaver.” 

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„Nach­dem er die AfD öffent­lich als rechts­ex­tre­mis­tisch kri­ti­siert hat­te, wur­de Georg Rest­le mit dem Tod bedroht”, nimmt die Zeit ein paar harm­lo­se vir­tu­el­le Trol­le für Bare-Mün­ze-Zah­ler. Kein ver­nünf­ti­ger Rechts­po­pu­list jeden­falls wünscht Herrn Rest­le Schlech­tes. Der Bub ist ein gran­dio­ses öffent­lich-recht­li­ches Gegen­ge­wicht zu Höcke: Er treibt der AfD fast so vie­le Wäh­ler zu, wie der Thü­rin­ger-Björn abschreckt.

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„Bun­des­wehr­sol­da­ten flie­gen wei­ter inner­deutsch”, kri­ti­siert Spie­gel online. Na ja, was denn nun? Erst kri­ti­sie­ren sie jahr­zehn­te­lang die deut­schen Auslandsflüge…

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DER ÄLTESTE ENKEL 

Die Deut­schen sind alle Nazis

FRAU BERNHARD
Hört auf mit der Poli­tik
eßt die Suppe

HERR BERNHARD springt auf
Jetzt hab ich aber genug
In jeder Sup­pe fin­det ihr die Nazis
schlägt mit den Hän­den in den noch vol­len Sup­pen­tel­ler und schreit
Nazi­sup­pe
Nazi­sup­pe
Nazi­sup­pe

FRAU BERNHARD ist auf­ge­sprun­gen und schreit und zeigt mit dem Zei­ge­fin­ger auf die Hose des Herrn Bern­hard
Da seht
er hat sei­ne Nazi­ho­se an
die Nazi­ho­se hat er an

DER ÄLTESTE URENKEL schrei­end
Die Nazi­ho­se
die deut­sche Vaternazihose

FRAU BERNHARD sinkt in ihren Stuhl zurück und schlägt die Hän­de vors Gesicht
Wie ich mich schä­me
Mein Gott
Mein Gott grüß­gott wie ich mich schäme.

(Wei­ter hier.)

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„Ach was, Geg­ner. Ich sehe nur mus­kel­be­pack­te jun­ge Män­ner auf dem Ring­bo­den her­um­krie­chen und ihren Mund­schutz suchen.„
Geor­ge Fore­man, damals 45

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