2. September 2019

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neues deutschland wahlergebnisse druckgut 2001 09 0223

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Erkennt­nis­se aus den Landtagswahlen:

1. Es gibt Län­der mit deut­li­chen bür­ger­lich-kon­ser­va­ti­ven Mehr­hei­ten wie Sach­sen (oder etwa Bay­ern), und Län­der mit deut­li­chen lin­ken Mehr­hei­ten wie Bran­den­burg (und bei­spiel­wei­se Ber­lin oder Bre­men). Ers­te­re darf man als bewohn­bar betrach­ten (die ande­ren wer­den schon dafür sor­gen, dass die­ser Satz täg­lich plau­si­bler klingt).

2. Es ist den gelenk­ten Medi­en und dem Druck aus dem Ber­li­ner Polit­bü­ro zu ver­dan­ken, dass die bür­ger­lich-kon­ser­va­ti­ve Mehr­heit sich nicht ver­bin­det. Aber das ist nur eine Momentaufnahme.

3. Der sich selbst mit dem Zer­ti­fi­kat „demo­kra­tisch” dra­pie­ren­de Block aus CDU-SPD-FDP-Grü­nen-Lin­ken hat enorm Stim­men ver­lo­ren. Die Wah­len waren ein Sieg der Konservativen. 

4. In Sach­sen wird eine deut­li­che rech­te Mehr­heit eine deut­lich lin­ke­re Regie­rung bekom­men als zuvor. Die Bot­schaft wird ver­stan­den wer­den. Die CDU hat ihre Soll­bruch­stel­le nach wie vor in Sachsen. 

5. Da im Wes­ten alles bes­ser war, ist und sein wird, auch die Gehirn­wä­sche, wach­sen die grü­nen Bäu­me im Osten ver­gleichs­wei­se weni­ger in den Himmel.

6. Die Kla­ge, dass in sämt­li­chen Lan­des­par­la­men­ten im Osten kei­ne libe­ra­le resp. liber­tä­re Par­tei sitzt, ver­kennt, dass eine sol­che Par­tei auch im Wes­ten und im Bun­des­tag nicht existiert. 

Erkennt­nis des Abends: „Wer von ande­ren behaup­tet, dass er nicht bür­ger­lich ist, ist sel­ber nicht bür­ger­lich.” Also sprach Robert Habeck, unser Kanz­ler in sta­tu nas­cen­di, bei Anne Will. Wer künf­tig die NPD, die Anti­fa oder die grü­ne Jugend für unbür­ger­lich erklärt, sei hier­mit gewarnt.
(Ein paar Lid­schlä­ge zuvor hat­te Manue­la Schwe­sig übri­gens insi­nu­iert: „Sie sind nicht bür­ger­lich, Herr Gauland.”) 

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„Nichts ist gut im Bür­ger­tum.”
(Pro­tes­tan­tisch, apo­kryph, um 2019)

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Wie eine Mode­ra­to­rin der Aktu­el­len Kame­ra sich im Gestrüpp von Glas­nost ver­hed­der­te: hier
(Ich hat­te mich schon gewundert…)

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Im Osten wur­den beson­ders die­je­ni­gen Par­tei­en, wie ein Pre­mi­um­jouna­list schrei­ben wür­de, „vom Wäh­ler abge­straft”, die es dort­hin vor­aus bzw. zurück zieht, wohin außer Ochs und Esel alles läuft. Zumin­dest die älte­ren Ost­deut­schen wis­sen halt noch, dass Land­schaf­ten mit lan­ge ange­zo­ge­ner Miet­preis­brem­se (= Ver­ge­sell­schaf­tung von Wohn­ei­gen­tum) schon nach kur­zer Zeit und dann beein­dru­ckend lan­ge so aussehen:

Berlin2 

Oder so:

Ausstellung Gorbitzer Plattenbauten als vergessener Schatz reference 2 1

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Heu­te früh hat­te ich einen Tag­traum. Die AfD-Füh­rung bestell­te mich zu einem Gespräch ein, wo man mir mit­teil­te: Wir brau­chen Ihre Diens­te lei­der nicht mehr. Wir haben einen Exper­ten, der die Sache weit bes­ser erle­digt als Sie und uns oben­drein kei­nen Cent kostet.

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Dass es kei­ne eth­nisch homo­ge­nen Bevöl­ke­run­gen gebe und bereits die Vor­stel­lung ver­werf­lich sei, behaup­ten merk­wür­di­ger­wei­se die­je­ni­gen, die eine sol­che Homo­ge­ni­tät gern auf dem gesam­ten Glo­bus her­stel­len möchten.

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Mit bemer­kens­wer­ter Offen­heit wirbt ein Kom­men­ta­tor der Zeit für den Links­ex­tre­mis­mus. Die erschüt­ternd AfD-freund­li­che Arbeit der öffent­lich-recht­li­chen Mode­ra­to­ren habe „wohl damit zu tun, dass der Rechts­ex­tre­mis­mus­dis­kurs in Deutsch­land für die gefühl­te jour­na­lis­ti­sche Mit­te jahr­zehn­te­lang als ver­nach­läs­sig­bar galt. Dabei könn­te sich ein Sen­der­ver­bund wie die ARD, wenn er den Sach­ver­stand schon selbst nicht hat, die­sen pro­blem­los durch Exper­tin­nen oder Lek­tü­re anti­fa­schis­ti­scher Info­blät­ter draufschaffen.”

Das bedeu­tends­te Ham­bur­ger Beam­ten­blatt bei der Lek­tü­re-Emp­feh­lung. Aber war­um der Lärm? Weil der Faschis­mus am Wahl­abend in die deut­schen Wohn­stu­ben Ein­zug hielt:

„Der dezen­tra­li­sier­te Ver­bund der ARD ist einst nach der Erfah­rung der NS-Dik­ta­tur von den West-Alli­ier­ten gerün­det wor­den mit dem erklär­ten Ziel der ‚ree­du­ca­ti­on’, der jour­na­lis­ti­schen Mit­hil­fe bei der Demo­kra­ti­sie­rung des nazis­ti­schen Deutsch­lands. Faschis­ti­sche Pro­pa­gan­da soll­te für die Zukunft ver­hin­dert wer­den. Ob die ARD die­sen Auf­trag heu­te noch lücken­los und kom­pe­tent erfüllt, des­sen kann man sich nach einer Wahl­be­richt­erstat­tung wie der am Sonn­tag nicht mehr völ­lig sicher sein.” 

Der „Auf­trag” der ARD ist also die lücken­lo­se Ver­hin­de­rung „faschis­ti­scher Pro­pa­gan­da” (inclu­si­ve der Mär von einer Ree­du­ca­ti­on?) – und der Auf­trag der Zeit besteht künf­tig wohl in der Ver­brei­tung von Anti­fa-Pro­pa­gan­da. Irgend­wer muss schließ­lich klar­stel­len, was als faschis­tisch zu gel­ten hat. 

Wir gehen gro­ßen Zei­ten entgegen.

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Wenn sich hin­rei­chend vie­le Zelo­ten zu ihr beken­nen, wird auch die Demo­kra­tie totalitär.

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Die Marx-Sta­tue in Trier ver­färbt sich grün, mel­det Bild. Dies sei eine natür­li­che Reak­ti­on der Bron­ze auf Luft­in­halts­stof­fe. „Karl Marx voll­zieht damit nach, was sei­ne Jün­ger in den letz­ten Jahr­zehn­ten schon vor­ge­macht haben”, notiert Leser ***. „Die Sta­tue – ein Geschenk der VR Chi­na – steht übri­gens unmit­tel­bar hin­ter der berühm­ten ‚Por­ta Nigra’ (zu deutsch: ‚Ras­sis­ten­tor’); damit ergibt sich aktu­ell farb­lich ein Ensem­ble aus schwarz, rot und grün. Könn­te nicht bes­ser in den aktu­el­len Trend der Alt­par­tei­en­bünd­nis­se passen.”

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Das drit­te Model war völ­lig überbucht:

mwd

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