20. September 2019

„Die Irri­ta­ti­on über Her­bert Grö­ne­mey­ers Tag­traum, daß er und sei­nes­glei­chen ‚dik­tie­ren’ wer­den, wie es in die­sem Land wei­ter­geht, ist ganz über­flüs­sig. Der Mann war schon für ein­sei­ti­ge Abrüs­tung und Nato-Aus­tritt und gegen die Wie­der­ver­ei­ni­gung. Was erwar­tet man?„
Karl­heinz Weißmann

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Huhu und Grüß Gott, Herr Rein­hard Gils­ter, Pas­tor i.R., Bremen! 

In einem Leser­brief an die Jun­ge Frei­heit schrei­ben Sie, dass Ihre Kir­che durch­aus „oft dem Sog zur Anpas­sung an die For­de­run­gen des Zeit­geis­tes” erlie­ge, wenn der Autor des Bei­tra­ges „Mora­li­sches Fracking” aber „gegen die ‚grü­nen Pfaf­fen’ vom Leder zieht, dann geht das weit über eine zuläs­si­ge Pole­mik hin­aus”. Hier sei der „Vor­wurf zur Het­ze” wirk­lich ange­bracht.

Der Pas­sus, auf den Sie sich bezie­hen, lau­tet: „Wir erle­ben die Geburt einer neu­en Welt­re­li­gi­on, mit Pro­phe­tin, Geist­lich­keit, Moral­ko­dex, Buß­pro­zes­sio­nen, Abso­lu­ti­ons­an­ge­bo­ten und ordens­ar­ti­gen Able­gern. Ganz vorn mit dabei sind pro­tes­tan­ti­sche Funk­tio­nä­re, denn die suchen längst nach inner­welt­li­cher Erlö­sung. Daß die grü­nen Pfaf­fen die größ­ten Viel­flie­ger sind, beweist eine gewis­se kir­chen­ge­schicht­li­che Konstanz.”

Die grü­nen Paf­fen sind Viel­flie­ger – die­ser Satz bezog sich auf eine Mel­dung, die vor kur­zem durch die Medi­en ging, näm­lich dass grü­ne Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te am häu­figs­ten von allen Par­la­men­ta­ri­ern flie­gen. In Rede ste­hen die Pfaf­fen der Welt­kli­ma­kir­che, die in pfäf­fi­scher Kon­stanz Wein trin­ken und Was­ser pre­di­gen. Von pro­tes­tan­ti­schen Pfaf­fen war dies­mal also gar nicht die Rede. Die kom­men viel­leicht bei mei­nem nächs­ten Bei­trag über die um sich grei­fen­de Lese­schwä­che wie­der an die Ringel-Ringel-Reihe. 

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Alle Welt ver­ab­scheut Trump.
Ich ver­ab­scheue „alle Welt”.
Also…

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„Fri­day for Future.” Indi­ge­nen-Pla­kat in der Spra­che der Any­whe­res beim heu­ti­gen Frei­tags­ge­bet in Ber­lin. Bes­se­re Unter­ta­nen kann sich kein Regime, ja nicht ein­mal eine Regie­rung wünschen:

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„Es ist denn auch eine sinn­lo­se Banalität, wenn man betont, die Mas­sen bedürften einer Reli­gi­on; denn alle poli­ti­schen, religiösen und sozia­len Glau­bens­in­hal­te fin­den bei ihnen nur Ein­gang in der religiösen Form, die sie jeder Dis­kus­si­on ent­hebt. Wäre der Athe­is­mus den Mas­sen zugänglich, so würde er bei ihnen den gan­zen into­le­ran­ten Eifer eines religiösen Gefühles erlan­gen und in sei­nen äußeren For­men bald zu einem Kul­tus werden.” 

Gust­ave Le Bon, „Psy­cho­lo­gie der Massen”

Ein syn­chro­nes Frei­tags­ge­bet fand zu Paris statt:

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„Die Berühmt­hei­ten unse­rer Zeit sind durch­drun­gen von dem Geruch nach den Rekla­me­la­bo­ra­to­ri­en, in denen sie fabri­ziert wurden.”

Nicolás Gómez Dávila

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Ich ver­su­che mir frei­lich immer aus­zu­ma­len, wie man aus Chi­na auf die euro­päi­schen Kin­der­kreuz­züg­ler schaut.

Der Diplo­mat und Autor Albrecht Rot­ha­cher, Grün­der des Asia Euro­pe Jour­nal und Lei­ten­der Ver­wal­tungs­rat für Wirt­schafts­fra­gen im Euro­päi­schen Aus­wär­ti­gen Dienst (EAD), schreibt in der aktu­el­len Jun­gen Frei­heit (Print­aus­ga­be): „Neben dem Ziel, Roh­stoff­quel­len welt­weit zu kon­trol­lie­ren und Tech­no­lo­gien zu steh­len, hat es der chi­ne­si­schen Füh­rung die Ver­kehrs­in­fra­struk­tur ange­tan. Die chi­ne­si­schen Ambi­tio­nen sind kein Staats­ge­heim­nis. Bis 2025 will es in zehn Schlüs­sel­in­dus­trien (‚Made in Chi­na 2025’) welt­füh­rend wer­den: in Hoch­tech­no­lo­gien wie der Robo­tik, der künst­li­chen Intel­li­genz durch die Fusi­on aller Daten­ban­ken in Chi­na, der Luft- und Raum­fahrt, der Elek­tro­mo­bi­li­tät (da man die deut­schen Die­sel­mo­to­ren nicht schla­gen kann) und gene­ti­scher Medi­ka­men­te. Dazu will Chi­na den Zugang zu ihren Roh­stoff­quel­len direkt kontrollieren”.

Im Kyo­to-Pro­to­koll haben sich sämt­li­che west­li­che Indus­trie­na­tio­nen zur Limi­tie­rung ihres CO2-Aus­sto­ßes ver­pflich­tet. Aus­ge­nom­men sind Chi­na und Russ­land; die dür­fen sogar noch zule­gen. Die euro­päi­sche Jugend, die Inter­net- und Smart­phon-Jugend, die Viel­flie­ger-Jugend, die Unses­co-Jugend for­dert der­weil den tech­no­lo­gi­schen Rück­bau ihres Kon­ti­nents. Die euro­päi­sche Kon­kur­renz schafft sich ab, zuvor wird ihr Know how noch kräf­tig abge­schöpft. Jugend­li­che sind ziem­lich dumm, aus dem objek­ti­ven Grund, dass sie eben nur wenig wis­sen und wenig erfah­ren haben – wer die­se Aus­sa­ge bezwei­felt, möge mir einen in die Jah­re Gekom­me­nen zei­gen, der sich nicht ein biss­chen dafür schämt, was er als jun­ger Mensch getan und geglaubt hat, ja der behaup­tet, als jun­ger Mensch klü­ger gewe­sen zu sein –, und spe­zi­ell jun­ge Deut­sche haben sich über Genera­tio­nen als ver­läss­li­che nütz­li­che Idio­ten erwie­sen, doch ich kann mir schwer vor­stel­len, dass die Chi­ne­sen nicht ein biss­chen ihre Fin­ger im deut­schen Rand­feld des New Gre­at Game haben.

Wäh­rend Chi­na sei­nen sozia­lis­ti­schen Staats­ka­pi­ta­lis­mus durch­zieht, stre­ben pro­gres­si­ve Euro­pä­er zum dekar­bo­ni­sier­ten Öko-Sozia­lis­mus. Ein Staats­re­likt des Real­so­zia­lis­mus weist schon mal die Perspektive:

Kuba  

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Es gibt einen ein­zi­gen wirk­li­chen Anlass, den Koh­len­di­oxid­aus­stoß zu sen­ken: den Islam. Des­sen Aus­brei­tung wäre ohne das Erd­öl näm­lich prak­tisch been­det. Inter­es­san­te Über­le­gun­gen dazu im Zusam­men­hang mit dem Angriff auf die Aram­co-Ölfel­der fin­den Sie hier

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Bei sei­ner Wahl­kampf­re­de in thü­rin­gi­schen Arn­stadt sag­te Alex­an­der Gauland:

„Ich darf noch ein­mal dar­an erin­nern, dass die AfD den Kli­ma­wan­del nicht leug­net – das Kli­ma wan­delt sich per­ma­nent –, son­dern dass wir den Anteil des Men­schen am Kli­ma­wan­del für nicht hin­rei­chend geklärt halten.

Auch wenn Sie aus den Medi­en stän­dig etwas ande­res hören: Es gibt kei­ne gesi­cher­ten Erkennt­nis­se über eine durch den Men­schen ver­ur­sach­te Erd­er­wär­mung. Was es gibt, ist eine poli­tisch moti­vier­te Panik­ma­che. Wir haben vom kom­ple­xen Kli­ma­sys­tem der Erde und sämt­li­chen Fak­to­ren, die es beein­flus­sen, nur vage Vor­stel­lun­gen. Wis­sen­schaft­ler der NASA ver­mu­ten, dass wir am Beginn einer klei­nen Eis­zeit ste­hen, weil die Son­ne ein soge­nann­tes Mini­mum ein­legt, eine Pau­se sozu­sa­gen. Doch sol­che Ver­mu­tun­gen pas­sen nicht in das poli­ti­sche Kon­zept einer glo­ba­len Erwär­mung. Weil die Com­pu­ter­mo­del­le, auf die sich der Welt­kli­ma­rat IPCC beruft, eine Erwär­mung pro­phe­zei­en und die grü­ne Welt­kir­che ihre Klin­gel­beu­tel nur gefüllt bekommt, wenn der Mensch, der Kapi­ta­lis­mus bzw. der Wes­ten schuld sind, hat die­ser Kli­ma­wan­del men­schen­ge­macht zu sein.”

Die media­le Wiedergabe:

KLima

Ähn­lich ver­dreht es die FAZ: „Gau­land leug­net Erderwärmung.”

Danach erläu­ter­te der AfD-Vor­sit­zen­de die kli­ma­po­li­ti­schen Zie­le sei­ner Partei.

„Ers­tens: Wir wol­len zunächst ein­mal, dass die Koh­le­kraft­wer­ke so lan­ge am Netz blei­ben, wie die Regie­rungs­kom­mis­si­on beschlos­sen hat, allein schon auf­grund der Tat­sa­che, dass welt­weit der­zeit an die 1.400 neue Koh­le­kraft­wer­ke geplant oder schon im Bau sind. Das macht unse­ren Aktio­nis­mus ein biss­chen lächer­lich, zumin­dest aber völ­lig wir­kungs­los. Der deut­sche Koh­le-Aus­stieg soll sich wie geplant auf den Zeit­raum 2022 bis 2038 erstre­cken, damit die Beschäf­tig­ten eine Frist und eine Per­spek­ti­ve erhal­ten. Hypo­the­sen und Hys­te­rien dür­fen kei­ne Arbeits­plät­ze vernichten.

Zwei­tens: Fle­xi­ble moder­ne Gas­kraft­wer­ke mit hohem Wir­kungs­grad sol­len auch in Zukunft die Grund­last sichern. Die alter­na­ti­ven Ener­gien wie­der­um sol­len in einem sinn­vol­len Rah­men die Strom­pro­duk­ti­on mit­tra­gen, wobei wir für eine Abwä­gung zwi­schen Nut­zen und Scha­den plä­die­ren, denn Wind­rä­der haben schon genug Land­schaf­ten ver­schan­delt und Vögel getötet.

Drit­tens: Der über­stürz­te Atom­aus­stieg muss zurück­ge­nom­men wer­den. Die Atom­kraft ist eine weit­ge­hend kli­ma­neu­tra­le Alter­na­ti­ve zu den fos­si­len Ener­gie­trä­gern. Wenn es wirk­lich so schlimm steht um das Welt­kli­ma, wenn CO2 der Grund ist und der Mensch der Aus­lö­ser, wor­auf war­ten wir dann noch? Hier ist das Ver­hält­nis zwi­schen Risi­ko und Effekt viel ein­deu­ti­ger und vor allem güns­ti­ger als bei der Ener­gie­wen­de. Inzwi­schen gibt es enor­me Fort­schrit­te in der Tech­no­lo­gie des soge­nann­ten Schnel­len Brü­ters. Das End­lag­er­pro­blem könn­te bald der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren. Auch das wirk­li­che Mensch­heits­pro­jekt Kern­fu­si­on ist noch lan­ge nicht vom Tisch. Schwe­den wird oft wegen sei­nes vor­bild­lich nied­ri­ge­ren Pro-Kopf-Aus­sto­ßes an CO2 gelobt. Was Sie in die­sem Zusam­men­hang nie zu hören bekom­men: Schwe­den deckt etwa 40 Pro­zent sei­nes Ener­gie­ver­brauchs mir Atomstrom.”

Kein Wort davon in den Medi­en. Kein Wort auch über die­sen Pas­sus sei­ner Rede:

„Wir sind uns auch der Tat­sa­che bewusst, dass uns das Schick­sal Afri­kas nicht gleich­gül­tig sein kann. Nur gilt eben auch hier die Maxi­me, dass Poli­tik sich an den Rea­li­tä­ten ori­en­tie­ren muss, nicht an from­men Wün­schen. Die Bevöl­ke­rung Afri­kas wächst der­zeit alle zwölf Tage um eine Mil­li­on Men­schen. Die knapp zwei Mil­lio­nen Migran­ten, die wir seit 2015 auf­ge­nom­men haben und die uns hier vor erheb­li­che Pro­ble­me stel­len, sind dort in einem hal­ben Monat nach­ge­bo­ren wor­den. Nie­mand in Afri­ka bemerkt unse­re fata­le Groß­zü­gig­keit! Dage­gen hat ein direkt in Afri­ka aus­ge­ge­be­ner – oder noch bes­ser: inves­tier­ter – Euro nach den Wor­ten des deut­schen Ent­wick­lungs­hil­fe­mi­nis­ters Gerd Mül­ler die drei­ßig­fa­che Wir­kung wie ein in Deutsch­land ein­ge­setz­ter. Außer­dem gelan­gen der­zeit die stärks­ten und rück­sichts­lo­ses­ten Wan­de­rer nach Euro­pa, kei­nes­wegs die bedürftigsten.

Unse­re Posi­ti­on ist klar: Gren­zen schlie­ßen, Mas­sen­ein­wan­de­rung been­den, statt­des­sen Hil­fe für wirk­lich Not­lei­den­de und Inves­ti­tio­nen an Ort und Stel­le. Die Bevöl­ke­rungs­ex­plo­si­on ist das größ­te Pro­blem unse­res Pla­ne­ten, übri­gens auch für die Umwelt. Wenn wir uns wei­ter als eine Art Über­lauf­be­cken dafür anbie­ten, wer­den wir bald über­haupt nie­man­dem mehr hel­fen können.”

Das ist es, was die Unter­schei­dung zwi­schen Lügen‑, Lücken- und Lum­pen­pres­se so schwie­rig, aber irgend­wie auch über­flüs­sig macht.

                                 ***

Ges­tern erzähl­te mir eine soeben ihrem Stu­di­um ent­wach­se­ne und grö­ße­ren, wenn nicht gro­ßen Auf­ga­ben ent­ge­gen­schwir­ren­de Poli­to­lo­gin, es gäl­ten im aka­de­mi­schen erken­nungs­dienst­li­chen Betrieb sie­ben eher­ne Kri­te­ri­en zur Zer­ti­fi­zie­rung von Rechts­ex­tre­mis­mus. Eine davon ist selbst­re­dend der soge­nann­te Ras­sis­mus, wobei der Ter­mi­nus „anti­mus­li­mi­scher Ras­sis­mus” in den Las­ter­ka­ta­log ein­ge­preist wur­de. Ich ließ den ideo­lo­gi­schen Opa raus­hän­gen und wand­te ein, dass Mus­li­me doch kei­ne Ras­se sei­en. Das sei rich­tig, erwi­der­te sie, aber an der Uni wer­de der Begriff inzwi­schen für jede Art von kol­lek­ti­ver Abwer­tung gebraucht.

Dann, frag­te ich, gibt es also auch Ras­sis­mus gegen AfD-Mit­glie­der?
Ja, sag­te sie nach einem kur­zen Nach­den­ken, wahr­schein­lich gibt es auch das.

                                    ***

„Lie­ber Herr Klo­n­ovs­ky, wie kann man den Unter­schied zwi­schen der AfD und den Alt­par­tei­en mög­lichst nar­ren­si­cher-ein­fach beschreiben?
Nun, in der AfD quat­schen eini­ge weni­ge wie Faschis­ten. Bei den ande­ren beneh­men sich (fast) alle wie Faschisten.
Mit anti­fa­schis­ti­schem Gruss,
***”

                                  

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